Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 3 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Vom Hufkläricbt zum Nationalismus. Eine Klimme vom ancleren Oker. Von fr. IH«v«r-8ckönbrunn. Vorbemerkung. Der Verfasser gehört zu der Gruppe der »Neuen Nationalisten", die einer »von jeder Partei und Organisation entfernten Bewegung aus dem Kernpunkte deutscher Wehrhaftsgkeit heraus" dient, gerade in der Iudenfrage den Hakenki-cuzler-Standpunkt völlig ablehnt und! eine Zusammenfassung der in ihrem Sinne »nationalistischen" Elemente des deutschen Volkes ohne Unterschied der Abstammung wünscht. Zu den Führern der Gruppe gehören E r n st Jünger,! Aranz Schauwecker u. a. m. Daß sich unser überparteilicher Verband nicht mit den politischen und manchen anderen Anschauungen des sDerfasscrs identifiziert, ist selbstverständlich. Trotzdem ist der ' Aufsatz für jeden zum Deutschtum strebenden Juden -»-gleichviel welcher Parteirichtung — außerordentlich lesenswert und beachtlich., Die Schrifteitung» W aller Bloem in seiner Hamburger Rjcde zum jüdischen Frontioldalenkag hat kehr vieles von dem klar ausgesprochen. was den für uwer zerklüitetes Volkstum einen inneren Frieden suchenden deutschen... „Anlssrmilen" heunruhigcn mutz — ja was erst solchen ernsthaften „Antisemitismus" schafft und möglich macht, was die in der E.-V.-Z tg. oft zilierlc „Volksangst" deutscher Kresse entstehen latzt. Das :iit> allzuoft in Gemeinplätzen bewegende Zcntralorgaii deutscher Staatsbürger jüdischen G Ia u b e n s macht ijch die Löiuiig dieie; zwei. Jahrtausende alten Problems aber meist allzu leicht. Darum mutzte cs seinen eigenen Worten nach aur den toten Punkt kommen. Die Abwehrvereine, tie zweifellos viel zur Verbreitung des Wissens um das wirklich völlig einzig dastehende Israel tun. berücksichtigen in keiner genügend das innewohnende ahastzerisch-zer- . störende Treiben der heute noch den Don a»gebcnden Z w i s ch t n s ch i ch t l c r: dieses »ich von - der WirtSnation leslöiende ruckarlige Wandern zu den jeweils! aktuellen Hantelszeniren der Welt. So kann stur ein vcrhälmismätzig kleiner Tcib der deutschen Juden als. bewusst deutsch fühlend und heimatlich verwurzelt angeiprochen werden. Wie ganz anders baden sich doch die rasseiremden Hugenotten und ebenso das ostdeutsche S'awenblut mit un'erm.Volkstum innig vertuntcn! 'Wie selten jedoch Und bisher jene von Treitichke erwähnten deutschjüdischen Menschen: die 'Jleanbcr, Veit und M cnbels»' ohn gewe'en: oder Männer wie Gundolf und W o l r s k e h l aus dein George Kreis oder ein Rudolf V vrcha rdlt. der von dem Frciherrn von Gleichen gegen »eine eigenes Stammesgenoisen verteidigt werden mutzte. Eukqcigeü allen, modernen Rationalismus, der da mit Vernunft'allein die metaphpiischen Urgründe »ich zu erforschen anmatzt, msttz man hier, weim man von den völkisch echten Dat Zionfstcin und den bewutzt nationaldeutichen'Juden. besser gesagt:jüdischen Deutschen, ab'icht.- von dem Schicksal eines Valkcp sprechen, das' bisher sich einzigartig durch die Völker Unruhevoll bewegt, und von dessen Kometenschweif sich nur .wenige Teile mit der Heinzat einten. Zweifellos können gtnau wie unter den auswandernden christlichen Deutschen auch jüdische Deutsche mit kraftvollem Deutschbewutzt- »cin sich ifiilden. So sonderten sich in Poien inden Abtretungswirren nationaldeutsche Juden als führend« Persönlichkeiten im Deutschen V o l k s r a t von anderen Glaubensgenossen, die von solchen deutschen Tendenzen nichts wissen wollten und. sich weder als Polen noch als Deutsche, sondern als Zionisten oder Zwiichenschichtler kühlend, eindn Jüdischen V olksrat gründeten. Diele! Zeilen mutzte ich oorausschicken, um zu beweisen, datz ich mich als Nichtjude und Deutscher auch bis -zu diesem bisweilen j tragischen Schicksal des einst aüserwählten Volkes einfühlend durchgearbeitet habe. Es gibt ein Aufgehen, eine Erlösung!vom Ruhelosen, aber mit dem Willen und d?m Einqefübltseist'ist es eben allein auch nicht immer getan: wesentlich ist njcr die deutsche Tat. Als ebomals allgemein liberaler Mensch hatte ich vor dem Kriege diese autzerwillentlichen Dinge 'kaum beachtet. Meiner dem.-kratssch sozialen Erziehung nach — im Sinne etwa Friedrich Naumanns i—geriet ich. nachdem ich meinen Vater verloren hatte, der Theologe und Philologe war, ins sozialistische Fahrwasser. Ich wehrte mich gegen den erstarrenden, rcaktionärnationalliberalen Wilhelminismus und fand nun in dem philosophisch ebenso untiefen Marxismus mit gläubiger jugendlich Kritiklosigkeit jene Verachtung dieses „Nationalen", das fL mir etwa in der Maske eines feudalen Korpsstudenten odc: der sozialistischen Karikatur eines Eardeoffiziers kundta: National, reaktionär und chauvinistisch waren für mich Sv» onyma! Der Internationalismus und der „Begriff" d:. Menschheit waren mir nicht blotz Begriffe, sondern R e a l i täten. Eine körperliche Illustration von Enge befreite Menschen bot sich mir in den reichlich in den Führerstellen tn Sozialismus vorhandenen jüdischen Mitbürgern, die mir i : ihrer Lebendigkeit in der damaligen allgemeinen Stagnation oss näher standen, als die Nichtjuden. In ihnen sah ich als au' klärerischer Rationalist die Brücke zur „Humanitas“; jedoch schr . bei deutsch verbundenen Tvpen, etwa einem Ballin. wär mein Philoiemitismus schwächer geworden! Meine datnaligci: Freunde und Bekannten gehörten als Kosmopoliten in de Hauptsache zu jener internationalen Zwischenschicht — di: (wenn man von den messianischen Tvpen eines Land auc und B u b e r absieht, in denen das Judentum unmittelbar zu»:: Menschheitlichen bis zu eigner persönlicher Opferung dring: später von 1918 an in peinlicher Wesse systematisch - besonders durch die Allmacht ihrer Journaille — das Deutil tum durch Zynismus, Witzelei. Hohn. Spott, Spekulation: gcist und billige Sensation zerfressen hat. Die Leben: läufe dieser mir meist bekannten Novemberlinge gehören znii- Ilehelsten, was mir auch seelisch vornehme Deutsche jüdisch:»: Klaubens bestätigt haben, die diese Allerwelts-Akrobaten ye Intellekts gleichfalls mit Ingrimm und Verachtuü hei ihren vom Charakter ungehemmten Verwandlung; künsten beobachtet hatten. Beispiele sind reichlich vorhanden: denken wir nur an den Streit von Kraus gegen den einstigen hurra-patriotischen Barden Kerr und an seinen Schütze. Theodor Wolfs. Datz Gesinnungsgenossen von östlichen Bctrügetn noch in hohen Remtern sitzen dürfen, empört de» deutschen! Nationalisten, ebenso wie den Kommunisten, wein: auch aus einer Verschiedenheit der Gründe! Neben dem V c r band ssationaldeutscher Juden machten auchsaubcre jüdische Deutsche, die z. T. politisch weit links stehen, mi- Karl Kraus in Wien. Kurt Hiller und Mynona «Fricdläiiderf u. a.. diese neuen Herrscher Germanys mi» ihren inieratenge:egneten Meinungsfabriken auf ihre Anstand pflicht ihren Mitbürgern gegenüber und auf den von ihnen ge züchteten Antisemitismus aufmerksam!. „Die'er entwurzelte Iud'e mit seiner Lieblosigkeit und Giftigkeit", schrieb Ludwig M e i d n e r in der D. A. Z. über „diese Geiferer und Brand stitter der Journaille, die sich zur Unterwühlung und völligen Zerstörung aller überlieferten Werte vereinigt haben". Es sind die Nihilisten, von denen auch ein Nietzsche sprach, die den, Sklaoenaufstand gegen alles Wertige organisieren' Die Augen über diese poch still vor sich gehende, alle; Nationale untergrabende Tätigkeit wurden mir 1910 bis 191: auf meinen Reisen durch Europa geöffnet: vor allem konnte man die Propaganda der alljüdischen Presse gegen Rutzland beobachten, das bekanntlich in seinen nördlichen Kern Jude»» nicht zulietz. Diese einfachen Bauernvölker hatten Furcht vor der handelsmätzig stark entwickelten Art der Juden: übn lick ist ja auch in den Romanen Dostojewskys der westleriicb aufgeklärte-bctriebfame Deutsche jener Zeit gefürchtet! Im Künsthandel — ich war in einem Privatmuseum am Rhein tätig — tonnte ich dann aus nächster Nähe die Monopolisierung dieser Bildcrbörse ausgiebig beobachten: mag auch der Mangel eigener Initiative in der wilhelminischen Zci» .diese Einseitigkeit gefördert haben, der durchaus nicht alle» Wert abgesprochen werden darf. Ich erinnere nur an d:-. Einführung der Impressionisten in Deutschland, die zu eine»-: guten Teil Lass! rer zu verdanken ist: zu gleicher Zeit ab-r begann der Preiiekrieg gegen romantisch deutsche Werte: w» Biö ck I i n und Th o m a! Allmählich, erst mit wachsende Einsicht in die überaus geschickten Maßnahmen. wie z. V. hier auf dem Kunstgebiete. erkannte ich die Fremdheit ein grotzen Teils dieser Beoölkerungsschicht. die sich trotz ass oder vielleicht wegen ihrer Einfühlsamkeit meist abseits stell und nur mit l>em marxistisch entwurzelten Proletariat gi» : Als 1918 die meisten meiner sozialsstischen Freunde zu dgrotzen Krippe eilten, während das Reich zusammenfiel un fern Mensch an eine revolutionäre Haltung im Sinne dgrotzen französischen Revolution dachte —- entwich ich a». dem „Hyänenkreis" — um mich hier eines Ausdruckes von Kraus zu bedienen. In reger Tätigkeit schafften parte: los getaufte, und unqetaufte Deutsche emsig an ihre Waben: die Jntellektuaille baute dem Volke indes ein Rei t der „Würde" und sozialer „Gerechtigkeit' auf. Mitztraui n» -und kritisch blieb allein die kleine „ungeistige" nationale Oppo sition, in deren Reihen ich eintrat, um das Feuilleton einer