Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 3 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sowj«t-6xperim«nt und Judentum. Von dalth«r ßochmcr. iUicnichlichlrm Miöen nach üt im; neue bolscheivistöchc Dnstcm das gräme Erperimenl der Mellgcsdiidüe. Das; bei cinem solchenErperimenl der Mensch nichk mehr als ,Ta!tor vom Standpunkt der Menschlichkeit an; betrachtet wird, sondern mcövens überhaupt nur als jederzeit ersetzbares D.bjctl angesehen wird,'bat die mebr als zehnjährige Praris des neuen Dnsiems einwandfrei bewiesen.^. Es in infolgedeöen ebenio überiluöig wie sinnlos. liach den »vuiitt;iuiittc* der Moral irgendeiner bisberigen jiu tur die 'Berl.üllniiic iit der SowjetUnion analnHcren zu wollcn. Hii.gcgcn.in c; autzerordcnllich wichtig für jede autzcrbalb der Union bestellende Nidilung oder ^lnichanung. inoglichit genau die Bcthällnöie' voni rein psnchologöchen Ge i.k lsvunkt aus ni belijachten. mjl dem Ziel. scilzunellen. welche >ioi:seauci:;en liich für die eigenen Auslände und Enlwidlungs- Möglichkeiten ergeben. Es darf nicht vergessen werd ». das; da; neue Dnijem fanali che und erbitterte Verfechter n wohl sgit allen Ländern der Erde besitzt. Es erübrigt «ich. nach allem Betanntgeworden.'n. In^er noch mal; darauf chnzugehcn. wie unbefriedigt die fiiöiifliciii '.Uiiiicn über die tlluswirkung -der Verhältnisse zu weitaus beiirgrötzlen Teile iind.! , '; ,T einer braucht nicht weiter darauf bingewieien werden, das; es für die anständigen und gutwilligen Nich!Nuncir längn erwiesen in. das; die ruöjsche Nevolulion i» keiner Törin ein Erfolg des ruöi'chen Judentums öl. ivnderi ledig llich der unterdrüälen nationalen Minderheiten. wie ja deren -.ansichlaggebeirde Herrsdiaik und Dclbständigkeit hcrle hinreichend beweist. llnveritändlich aber ist cs allgemein, wie es. nicht n rr mäg lich in. dal; die jüdi'che Nation mit ihrer Biillionenzihl von Angehörigen äls einzige tlialion inncrbalb -er iüeliele des Sowjet tlceginie's leine nationale 'JliitiMio|inf drrcichen konnte. wäbr>ind doch Nationen von wenigen zebitausend Deelen unter eigener Negie leben. '! Ebenso utzerklürlich öl es allein schon aus die'chn Um ,nande b.eransi das; die eifrigsten der fanatischen und oer silierten Verfechter des Moskauer Dnstemes itz allen! übrigen Staaten der Erde, besonders aber in Dciutichlanjd, dem Judentum entnammcn, und zwar bemerkensOerlerwieiie der Inlelligen; oder vielmehr der Halb Intelligenz'desselben. Die>e Datache öl von einschneidender Bedeutung für den übrigen Teil des Iudenlumes. weil gerade iig dein raditalen Aniöemilisinüs in aller Mell drr- Hauptnahruifg gibt. 'Nur eine, genaue Betrachtung der wirlliäscn Verhältnisse in der Sowjet Union vermag die ungeheircren Irrlümer über die dortigen Verhältnisse etwas richtig! zu Nellen und einche vs„chologi'chc Dchlüiic auf die Zwangstäusigkoil dieicr rein a'iaiöch möglichen und böloröch wie geopqlitöch bedingten dortigen Zustände zu ziehen. j Es hebt feg. das; der Meirich n u r ein Pro-ult des Stlimas derjenigen Schalle öl. auf der er Icbtl. Hciijc Ni'atznabme vermag zu verhindern, das; die Natur ludit mir Eingewankertlen. sondern in generalionswcöe zunehmendem Malze deren Machlommen ihren Stempel aufdnickk. >Do iind die' Bewohmr det osteuropäischen wie . der westgsjatöchen Steppen »no Maldgebiele in keinem Talle mit der a»ich schon unter 'ich rerichiedenen B.völterung 'JJiittcI und 4bc>IiEuropa; vergleichbar. s Eber findet um» 'tlelinlichkeiten mit Den Be wobnern dev nordamerilaniichen Zone» gleichen Gepräges, obwohl dort!dcr unerhörte technische Standard die Typen be deutend ichätier herausprägle. als in dem sklavisch unter trückten, halvichlummcrnden zariichen Nutzland. . > Doch agch unter freieren Bcrhältnv'en lrättc öich das öutentnm dchn Nuiienlum nie cingliedcrn können, aa es-nie ein ruööchesl Volk gab. sondern lediglich ein peil den berriä enden slaoöcheu Lasten des Adels und der >b i rch c schwer unlerhrückles Naöen und Völler Gemöch lr om poli.öchen bis ,bin mongolischen «ücblüt an di? vi.r.zig tllationen». 'Das ebenio internationale Bölkergemöch von Nordamerika hingjegcn krötallöierle üch infolge ieinrk ,T ucht vor dem mein eürooäöchen Magn.alenlmn unter dem klimatischen Einflus; zum ifrcien Ämerikancrlum und dabei wiwde auch das cmgewaudcrle Dudcnlum aller Länder akklimali iert. Dn dem zariicheu Nutzland hingegen baizle' jeder einzelne der vielen unler-rüctten tliationen zunächst den Dlavcn. deöcn Nerrüscniai'.ten fürchterliche Dnrannen waren. Diew aber versuchten durch Dahrbunderte hindurch das Dudcr tum als llriache und j schuldig an allen E>cw.rllmas;nahmen ihrerseits mit Errolg hinzuiteUcn. Do pflanzte fidv bei der N.volution gegen tlldcl Und >kirche von seilen der meöt Unlerdrüiten. wie f der Ukrainer, jbaukcöier und der vielen anderen — eigentlich eine nationalie, keine kommunistische Nktion - die gonfe Abneigung gegen das Dudenlum mit fort. Adel und Kirche hingegen wurden ausgerollet. Es herrschte an Dtelle >es heute gepredigten Internationalismus ursprünglich überall^ lediglich rein der nationale Befreiungsgedanke. den dann Lenin aüszcrordcntlich genial nutzbar machte für das von ihm inaugurierte proletarische Dysiem, beherrscht von dem neuen Adel des Proletariates und ethisch gestützt von dem neuen unfehlbaren bolschewistischen Dogma. Es änderte sich troider ungeheuer blutigen Umwälzung — unverständlich fiii unsere Mentalität — nur die PcrsonenfraZe. Es trat einiadeine neue Ncligion, eine neue jiastc an «teile der früheren. Nur öl der neue Eieiit viel unerbittlicher, radikaler als der älle allmählich verkalkte, da er in jahrhundertlangcn illegalen Ltämpfen gegen das alte «ustem geschult wurde. Es ergibt »ich nun bereits ein klareres Bild, denn es stein in der Dowjet-klnlon eine neue fanalisdie, croberungsdüritigo. vcrnidztungswillige junge Neligion mit derselben Härte dem ältesten, genau bekannten religiösem Dogma des Iudentumcs gegenüber. Es iind also andere Auswirkungen als die heule bcnctenden völlig unmöglich, ebenso wie das bei der Ent itcb.ung anderer Neligionen früher war. Da nun aber die heule herrschende Lbaste und das neue tnlaubcns-Dogma von alten geschulten illegalen Neoolutions kämrffern geführt wird, io wird als konterrevolutionäre Gefahr auch idion das eng abgeidilosiene Familienwie Gesellschafts leben angesehen. Es mutz also vom leninistischen dogmatischen Dtandpunkt in dem besonders intimen religiösen und familiären Lcbcn des rniiiidjon Judentums ein staatsgefährlicher Zu iland gesehen werden. Galt früher nur der Adel, die Kirdie. so gilt heute nur das Proletariat und die Mitgliedschaft der Partei. Dod> der Begriff Proletariat und Parteizugc Hörigkeit iit schärfer begrenzt und bewacht als je religiöse Drdensbcgriffe. Allein der Umstand, nicht von reiner Hanlarbcilcrschaft. also izabrikarbeitern. Aderknechten ab zuitammen. macht das Leben unter dem neuen Dnstem-zu ejncr sehr fragwürdigen Angelegenheit. Immer radikaler wird die Inlctligcnz und Halb Intelligenz in allen Zweigen durd, neu geschulten proletarischen Adel ersetzt — Arbeiter in den Dtältcn. jincchle auf dem Land. Hirten und Jäger auf den Dlcrvcn und in den Waldgebicten, denn sic sind nicht oer bildet, iie sind rein proletarisch nach den Grundsätzen der neuen Neligion zu rein proletarischer Denkungsweiie erzogen. Es gibt nur eine Ausnahme — und die iit selten ge worden: — aus alter Dchule stammende Agitatoren der ioziailislöchen Ncvolulion werden dann geduldet, wenn sie unermüdlich gekämpft haben für die Diktatur des Proletariates '.nd gegen die iimmer falsche» Ideologie der alten Intelligenz — das berechtigt dann allerdings auch zu den höchsten Aemtcrn und' irunktionen. Ganz im Gegenteil zu de» allenthalben herrschenden Ideen iit alio schon der Um stand, aus der alten, nichtsozialistisch radikalen Intelligenz hcrausgcwachien zu sein, zu den Intellektuellen nur zu ge hören, schon genügend, um erbarmungslos aus den unantait baren und umchlbaren Drden der Partei und des Pro Iclariales überhaupt ausgeitotzen zu werden. Derartige Per loncn wurden und werden nur noch.geduldet zur Einschulung des Proleten. Gerade die Dorte des Dalon- oder leider fälschlich Edel .Kommunisten hiesiger Prägung, die zusammen mit einem gewiöcn Prozentsatz wirksid, armer jüdöcher Intelligenz zu Handlangerdiensten für den internationalen Partei Kommunis mus benützt wird, öl längst in der Dowjet-Union dem Hunger rode prcisgegcben. denn man kcfnn nur „Leninist"' werden, wenn die oben gezeigten Borbedingungen restlos erfüllt sind. Die Ethik des Dogmas verlangt die ^Verleugnung aller ar.dcren Merle als der. welche sich aus rein proletarischem Emzfindcn, Denken'und Handeln von Jugend auf zu entwidcln vermögen, getragen von der «dort» heiligen «Tlammc des Halses gegen alle Andersgläubigen twic in allen Neligion; tricgeni. Darum sind die bei uns so beliebäugelten, edel kommunistischen Inlcllekiuellcn,' das Heer dieser Art Literaten drüben längst wieder am Verhungern. Das Dogma de itinimt, das; nur Proleten, geborener Adel also, de» Nhythmus der Zeit erfassen und wiedergeben kann un' niemand anders. Trotzlis Tragödie öt es. datz er a.' Intellektueller nach Lenins Tod dem proletarischen Nationa' Helden Dtalin aus den grusinischen Bergen gegenübersland, d. »Seit seines Lebens n u r aktiv Verschwörungen und Attentate turdiführlc. Trotzii, der intelligente, geniale Organiiatoi der sid, niemals etwa als Jude, sondern nur als permanente Glaubcnskämpfer für das neue Dogma fühlte, mutzte dcc Pinchologie dieses Glaubens zufolge dem Praktiker der Ge waltmatznahmen unterliegen. Es iit ja auch wahrscheinlich.„datz nur solche Gewaljmensdien. an deren geradezu phantastischer Energie und Genialität ja auch nicht gezweifelt werden kann^, solche Probleme lösen können, wie si« in der Sowjet-Union gls Rcvolutionsfolgen erstanden. i Es mutz verstanden werden, datz alle anderen als leninistischen Voraussetzungen für die bestehenden, wie die