Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 2 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Sabbatpflege. Ton ötudlenrat Dr. f. d a cb e n e r. In Gestalt einer bescheidenen Frage habe ich kürzlich an dieier Stelle l.Sabbat am Sonntag". Jahrgang 1929. Nr. 10> a»f die Notwendigkeit einer Reform des jüdischen Festkalenders bingewielen. Mein damaliger Aufsatz war als ..Beitrag zur Ausgleichung der Gegensätze" bezeichnet. Jstzt verbreitet die ..Jüdische Telegrafen- Agentur" einige Nachrichten, nach denfn die Sablatfrage für gewisse jüdische Kreise längst gelöst ist. Wie. dos kann man nch denken. gibt demnach einen Verein, Verreibung, einen groben Weltverband ..Schomre^ Schabbos", zu deutsch etwa „Sabbatwäckler!': Rumänien und — selbstverständlich — Amerika sind keine Mutterländer, ab?r auch in Berlin >scheint eine Zentrale zu liegen, , die. wie üblich. „macktvolle^Kundgebunaen" veran'ta'tet. Zweck der Hebung ist, mit allen Mi'teln dabin zu wirken, datz niöglichst viele Juden wieder den Sonnabend, gerade den Sonnabend, aleinzig kür sie gültigen Wochenkeiertag anerkennet! und der Tatsache, datz ne in einer christlichen Umwelt leben.' möglichst wenig Rechnung tragen. _ . . ' Man ist an lick geneigt, vor Menkchert Achtung zu > haben, die Nachteile in den Kauf nebmen. um ejnetn von ihnen für bcilig und unabänderlich aebaltenen Glaubenssatz genügen zu können. Aber diese „Sabbatwäckt^r" sind durchaus nicht geneigt, solche N»cktci'e bi"'',nebmen. He verlangen melmebr mit sck'öner Selbstverständ'ickkcit. datz sich die Umwelt nach ibnen richte. In Idem Bericht über eine Kimdgcbnnq.; bic im Dezember h. I. tu Berlin sta'tkand. lesest 'wir. datz sich die Draani-atiän .. ^ckoinrc Schabbos" Ttnrfl damit b»schäktiqt. Jtc'len obne Sabbatarbut zu ^ermitteln. "Tie Schaffung einer be'onde''en Draanikäkion der> jüdikchejr Angestellten ..nach aeia^ftchgütlichem j Muster" wird danebcst eitrig provaaiert. Sc'bstverstandlich wird auch an dir Mitwirkung der Rabbiner anne'liert. Es kann demnach wobl kaum ein'Zweifel i arüber besteben. datz es >ich, biet nicht io iebr um religiöse, rls um wirt'chgstliche Singe und darüber künansj ünz eine be andere Farm ..nationaler" Absonderung bandelt. datz man aber klüglich beflissen ist. diesen Bestrebungen ein re igiökes Mante'chen umzubängcn. -! ' Bcsondp''s interessant war in diesem Zniammenbenq die K^aoe des R"erenten der crwäbnten Kl ndq-buna. das? ein erb-b'-cker Teil der jüdischen Arbeitgeber astzu bän iq die jüds'chen Bewerber bei Einstellungen.. dne Anaestellien im Gebglt u>w. gegenüber Andersgläubigen bienack'ei'ige. Worin der Grund , der auch uns nickt unbekanntes Erscheinung liegt, dab viele ktzlaubensgenossen lieber mit. christlichem. ols mit jüdi'ckem Personal arbeiten, wurde nickt, gefragt. Und doch liegt djetcr' Grund wenn, man auch beileibe ni^ t verallgemeinern darr — oK zutage, und gerade die Sckomre Schabbos Bewegung iübrt ibn uns wieder greifbar vorAzigcn: Nickt wenige jüdische Ang-ste'lte verlangen eben mel r und leisten wenizer. als die christlichen .Kollegen, insbelondete auch indem >ie sfr 'ick das Recht'der Sonnahendrube oder irgendein anderes B zrrcckt beansnr„chen. Ser Arbeitgeber aber, der gerade, bei der beutigcn Wirtschaftslage ictfc.ri; P'enniq dreimal umdrcbcn istutz. ebe er ibn ansaibt. beHnnjt nch natürlib auch dreimal, eile er Leute' einsteklt. die inj irgendeiner Form Bcionderbe ten in Anlvrnch nebmen. Das-Glanbcnsbek nntnis eines Bewerbers interessiert den jüdisches Arbeilgebe meist nur insoweit, als er befürchten mutz. dan ciuf dem Umwege über die Religion ibm irgendwelche MebraftstzabeN. Schwierigkeiten oder Unrcgelmätzigkeitcn in - ieinin; Betrieb hereingetragcn werden.; So stellt sich alio der Verein der Saoboltwäckter ist erster Linie nickt als religiöse, sondern als wirtiistaltliche f'rganisation mit ausgesprochen jüdischnationalem Beigeschmack dar, die es darauf abgeseben bat oder wenigstcnsjbewirkt. die noch in vielen Juden schlummernden Rebe eines ..naticnalen" Zummmengebörigkeitsgefühls unter Beru'unq auf r rTioiötc Rücks.icklcn |!i beleben und ihren Zwecken dienstbar jzu machen. Ser Bcreinj bat gerade in Preutzcn für sein« Aktion jetzt den reckten Zeijvunil getroffen. Gerade jetzt bat der priutzi'schc .Kultusminister, ein qeleb''ter .Kenner und begeistertet Verebter der orientalischen' Kultur, Freund der Kionistcn und .Mitglied des Pro Palästina-Komitees, einen Erlatz lerausgcbrgcht, in dem allen Schulleitern eingeschärfl wird, ja nicht etwa,. sKindfr zu benachteiligen, die, am Sonnabenl nicht schreiben oder gar an diesem Tage den ganzen Unterricht versäumen. Schon bisher wurde von einsichtigen' Schus männern auf solche Wünsche Rücksicht genommen, wenn es sich Um Einzelfälle handelte, zumal das Schulkind selbst meist nicht aus eigenem Willen, sondern auf Veranlassung der/ Eltern bandelt. Durch den Erlas, des Ministers wird abcr^ die Sabbatruhe am Sonnabend für jeden jüdischen Schüler der darauf Anspruch erhebt, zu einer ständigen Berechtigung, einem Vorrecht erhoben, und mancher Schüler wird von diesem Vorrecht ausgiebig Gebrauch machen, ohne das; seine Gründe wirklich auf religiösem Gebiet liegen. Was hindert jetzt noch die Sabbatwächter, der Reihe nach alle anderen Minister zu bitten, auch für ihre Geschäftsbereiche die ent sprechenden Anweisungen zu erteilen und auf diese Weise denen, die gern länger feiern, neben dem Sonntag einen zweiten freien Tag in der Woche zu sichern? Denn datz es wirklich möglich sein sollte, wie sich der Verein vorstellt, den besonders Arbeitswilligen an Stelle des Sonnabend nun den Sonntags zur Arbeit einzuräumen, iit doch wohl in den meisten Fällen ausgeschlossen. Mitzbrauch liegt auch hier sehr nabe, und der Eindruck einer Bevorrechtung ist nicht zu verwischen. Ein solches Vorrecht aber stellt ein typisches privilcrrium ocliosum dar, das den betreffenden Schüler, Beamten usw. seinen Kameraden gegenüber von vornherein in die Stellung einer anspruchsvollen Besonderheit und damit in einen als Feindschaftsquelle höchst geeigneten Gegensatz bringt. So ist die Arbeit der Schomre Schabbos in hohem Matze dazu angetan. Unfrieden zu säen, und zwar einmal zwilchen den jüdischen Arbeitern selbst, von denen gewitz nur ein kleiner Bruchteil mit der Rückkehr zur Sonnabendfeier einverstanden sein würde, während ein anderer, nicht zu gering zu ver «„schlagender Teil, der heute noch dem Gottesdienst ganz fernbleibt, einen solchen gern besuchen würde, wenn f>ies am Sonntag geschehen könnte: Unfrieden aber vor allem zwischen bis dabin einträchtig miteinander in dem gleichen Betrieb tätigen Berufsgenossen verschiedenen Glaubens, für die selbst verständlich gleiches Recht die Grundlage der Zusammenarbeit bildet. Gegen solche Bestrebungen kann nicht früh und nicht entschieden genug Stellung genommen werden: sie sind zu gefährlich für die deutsche Volksgemeinschaft, um sie als „religiöse Privatangelegenheiten" hingehen zu lassen. Der Gedanke und der Wunsch, die eigenen Besonderheiten im Gegensatz zur überwältigenden Mehrheit der deutschen Volksgenossen durchzusehen, ist. ein Rest des Wahns der Aus- , erwähltheit, der endlich verschwinden mutz. Gleiches Recht für alle ist ein Hauptgrundsah jauch der jüdischen Religion. Dieser Satz mutz sich als stärker erweisen, als der Eigensinn, der durchaus Einrichtungen im deutschen Volke beibehalten will, die für. ein kleines asiatisches Volk geschaffen waren, das seit zweitausend Jahren nicht mehr besteht. Der Kultus mutz sich der Kultur untcrordnen, sonst führt er zur Unwahrhaftigkeit und geradlinig von der Religion, der er dienen soll, fort zur toten Formel. Die Kultur der überwiegenden Masse der deutschen Juden 'ist die deutsche, und wer durchaus daran fcsthält. zu feiern, wenn andere Deutsche arbeiten, und zu arbeiten, wenn andere Volksgenossen feiern, der stellt sich bewutzt autzerhalb der deutschen Kulturgemeinschaft. Der alte Satz „Sondere Dich nicht ab von der Gemeinde" stammt aus den Zeiten, in denen die Kulturgemeinschaft noch mit der Snnagogengemeinde zusammenfiel und von dieser verwaltet wurde. Diese Zeiten aber sind für uns deutsche Juden längst vorüber: wer sir zurückwünscht, der suche sie weiter östlich, nicht in Deutschland. Für meinen Vorschlag, durch eine höchst einfache Reform des jüdischen Kalenders — einmalige Einschiebung eines Schalttages — den jüdischen Wochenfeiertag mit dem christlichen Sonntag zusammenzulegen, hat sich kein Widerhall gefunden. Statt dessen versucht man durch Bestrebungen, wie die der Schomre Schabbos, die Entwicklung rückwärts zu revidieren und die Gegensätze zu verschärfen. Was würden diese Sabbatwächter sagen, wenn eine deutsche Regierung — wir denken etwa an das ja zurzeit vorwiegend „deutschvölki'ch" regierte Thüringen — für ihre Bestrebungen volles Verständnis zeigen und die konsequente Ausscheidung derer, dir sich in der deutschen Kultur nicht wohl fühlen, durch Verwältungsmatzregeln fördert, würde? Das wäre dann natürlich krasser Antisemitismus.