Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 1 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/6682492-5438679-5438854--459-4871654- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 noch nichjt völlig Wiener deutsch f). der des Verbandes verbreitet, das; die hierdurch hervorgsrufenen Vonirteile gegen den Verband auch beute beseitigt sind. Und dies, obwohl die Mehrheit der Juden, einichlietzlich der sozialdemokratisch wählenden, fühlt und denkt. «Der grotzdeutsche Gedanke, d. Plan des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland, hc» keinxn eifrigeren Pionier gehabt als den ersten republikaniscien Ge- .sandten Oesterreichs in Berlin: den Tozialistjcn Ludo Hartman n.) - Trotz dieser Situation blieben die Vbrstötze des zioristischen Opcrctt<nlibrettisten -aufs politische Gebiet nicht unwidersprochen. Groteskerweiie erscholl der Widerspruch aus dem zionistischen £'aqer ielbit. noch dazu von „r a d i k a l" zic ni'tisckicr Teile. Der Wiener .Führer der radikalen sZionisten. Vaurat Robert Stricker. verübelte »s Herrn Veda f<hr. das; dieser den Tuben zwar die Wahl prominenter jüdischer Per iönlichkeiten empfahl, ohne aber eine solche. Per'mlichkeit namentlich zu nennen. Das empfindet Herr' Tt'ricker als eine Venachteiliguna seiner Person, denn für ihm gilt es afc ausgemacht, datz er der einzige ist, der das Wiener Judentum parlamentarisch zu repräsentieren das' Recht hat. Die Wiener Tnden teilen diese Aniilbt durcha >s nicht. Tie habe» Herrn Ttricker bei seinen Kai didaturesi in deni einzigen Wahlkreis der Vorkriegszeit niit jüdischer 'IVäblrr- 'inajorität regelmätzig durchfallen lassen. Kirret in l!e Ko», iiituante der österreichischen Republik nach jKriegsende gelang cs Herrn Ttricker einzuzicben. Damals weilten l ielc ostjüdisch-: Kriegsflüchtlingc in Wien und vcrbalfcn dem .liöinstcn zu einem Mandat. Die schlechten wirtschaftlichen Ve:Iiä!tniiie im arg verlleincrlcn 4le» Oesterreich veranlaiztcn! die oit jüdischen PiaHen. allmählich wieder in ihre Heimatländer atzzlisluten. T:n selben Platze verloren die Wiener Zionisten von 'JUnb! zu Wahl an Ttimnien. Herr Ttricker iel schon bei der zweiten Wahl des republikanischen.Pqrlaments durch. Seitdem ist er mit Gott und der Welt eimchlietzlich der zioniili'chen Leitung mit Weizmann an der Spitze - zerfallen. Tetzt bat er in seinem Wock enblatte aub d:n Herrn Veda in die.Tchranken gewiesen, die cineni Operettcnl brcttisten aui politische:» Gebiete gezogen iind. Dieier innerzioniilische Zwist brauchte die österreichischen Tuten. die ja. wie gesagt, in der überwiegenden Mehrheit in . anderen lagern itehen. nicht weiter aufzutegen.» beider arrogiert. sich aber der radikale Zionistcnführet atl.ch ohne Mandat repräsentative Rechte, die er zu sehr bedenklichen Ttreichen mitzbraucht. To erschien er jüngst, als die öster rcichiichc Veriassungsrefoirm noch in Votbtrcitung! war. in Audienz beim ö'terreichiichen Vundeskanzleir und forderte die Schonung eines »pezifi'ch jüdischen Wahlkreises in Wien, wie er in der Vortriegszcit bestanden hat. Und liehe: .wählend ungleich berechtigtere Wünsche der Tuden bei l er österreichischen Negierung meiit viel weniger Entgeg »kommen rinden, in die erwähnte Anregung Ttrickers, wie die demnächst in> Parlamente, zur ^lbstimmung gelaiigcnde neue Pahltreisejnlciliing beweist. auf fruchtbaren Boden gefallen. - Das in vom Ttandpunkt einer Negierung, diH sich aus antisemitische Parteien Nützen mutz,, sehr begreiflich. Denn die Konzentrierung der jüdischen Stimmen auf :>nen bcniminten Wahlkreis bedeutet für die Tilden moralisch die T e l b n e n t r c ch I u n g . politisch den Verzichta, sjeden wirklichen EinsIutz aus die Geschicke des Ttac tes. Wie unacichickt, um nicht zu ° sagen: verbrecherisch die zionistische Tallil gerade im jetzigen '.'lugenblick ist. zeigt folgcnde Darlegun-r der momentanen Tituation in Oesterreich: Teiidcm in den neunziger Tahken des vorigen Tahr Hunderts die damals im jngcndlich stürmischen Eroberungsdrana alle volinichen Positionen eräbernde chri'tlichsomale Partei 'iatbolisch-llerikal antisemitisch» die vormals in Wien.allmächtige liberale Partei buchstäblich vom Erdboden weg gefegt batte, fehlte den. österreichischen.Tuben ciye Partei, in'deren Nahmen sie sich .an bürgerlicher Politik hätten beteiligen können. Tn der Vorkriegszeit konnten sie gegen hie brutale Herrschaft des klerikalen Antisemitismus mit den, sozialdemokratischen Stimmzettel protestieren. Die politische PLachtverichiebung der Nachkriegszeit, die die Sozialdemokratie vielfach, besonders von dem Wiener Rathaus aus. in die Läge verseht hatte, ihr W i rt scha ftsProgramm und ihrcautireligiöse Tendenz in die Praris umzusetzen, erweckte in immer weiteren jüdischen Schichten das Bedürfnis vor allem ihre bürgerliche Einstellung politisch answirken, beider scheiterten alle zu diesem Zwecke unternommen -, Parteigründunacn daran, das; diese neuen Erscheinungen - politischen Horizont von den a l 1 bürgerlichen, düe neue K kugrentcn um die in Krem Besitz befindlichen politisch:> Positionen begreiflicherweise nur ungern auftauchen sehen' , Parteien, als „Tudenichutzgruppe". wenn nicht gar als ui.-: ..Tudcnparteicn". verschrieen und so den kritiklosen chriilli.' Massen verleidet wurden.^ Die heutige Situation in Oesterreich ist nun dadul, gekennzeichnet, datz das Bürgertum die Zeit zu einem offcr Kräitcmes'en mit der Sozialdemokratie gekommen gla: ,. Tn diesem Rioment hält es den Zusammenschlutz aller bürgerlich Gesinnten für das erste Erfordernis, und so leben wir. datz jetzt auch solche alte bürgerliche Parteien, die ii.V se t jeher offi ziell;»!N Antisemitismus bekennen, bestrebt ii ih. diesen Punkt jetzt in den Hintergrund treten zu lauem «ui den jüdische» .Wählern das Eintreten für die bürgerliche Tacke;» erleichtern. Dies gilt besonders für die christlich iczialc Partei, deren Wiener Hauptorgan seine einst radilala itiiemilische Haltung in der kehlen Zeit fast ganz verleugnet. Nack» de £ csterrc o ötzeren 'X. ,'andat g führt , jüngst durchqcführten Kommunalwahlen in Niederch veröffentlichte das Blatt einen Brief ans einer Gemeinde, in dem der Verlust eines bürgerlichen an die Sozialdemolratie ausdrücklich daraus zurück wurde, datz die bürgerlichen Ortsparteie» durch ihr il L’aMbii idnis mit den Nationalsozialisten die jüdischen Wühler algeitotzm Hütten. Die e 'Veröffentlichung im christlichsozialen Hauptorgpn und achiliche Symptome zeigen, welchen Einflutz das lüdiiche 'Bürgert ini bei e i » i ge r in a tz e n geschickter Taktik auf die gerade jetzt in einem entscheidenden Wendepunkt c»>- »vlangto innerösterreick ische Politik üben könnte. Zumindest wäre er in der Lage, eine bürgerliche Bündnispolitik, die eine Stärkung der radikal-antisemitischen Parteien mit ith hringen!würdc, zu durchlreuzen. Ttajtt dessen sehen wir die Zionisten all das Gute durck:- das sich zugunsten der Tuben in dem seit vier Tain von antisemitischen Parteien majorinerten Oesterreich selbst anqebahnt hat. Selbstverständlich druckt das lfcuzen, hüten tzt voä christlichloziale Hauptorgan mit dem geätzten Vergnüge» die egen d ie n i-ch t zionistischen Tuben gerichteten Beschimpfungen 3eda>- ab und mahnt die jüdische» Wähler mit den Worten Ttrickers. sich doch ja recht brav auf die Verfechtung Pdiichnationaler Belange zu beschränken. . . Wu ehrlich die christlichsoziale Begeisterung für die jüdiicklfationac Tdee ist, verriet das Parteiorgan jüngst, als es aut' Teile 2 in befürwortendem Sinne die oben geschilderte chnterve rtiou Strickers beim Bundeskanzler meldete, auf Seite 3derselben Nummer aber eine gehässige Kritik gegen 1»as zio listiiche Tudenstaatprojekt in Palästina veröffentli chle. iüdischi ätionake Politik ohne Palästjnapolitik aber ist st bettsopolitik in Reinkultur. | Wchin die österreichischen Tuben geriade in der Zeit, da 'ein örerreichischen Bürgertum eine Verfassungsreform neue rreibeiten bringen soll, staatsbürgerlich im Ghettö landen vcrdeil., verdanken sie dies der Aktivität der Zionisten und )er Passivität der im zionistischen Sprachgebrauch „assimilaorisch" üdischei d. h. Nation aide utsch gesinnten Mehrheit Bürger. Verbanclsnackmcbten. 1. Berlin. Eine Veranstaltung in grötzcrem Nahmen ist tue Ende Tanuar 19. - in Aussicht genommen. Besondere Einladungen folgen. 2. Mitteilungsblatt. Wir bitten wiederholt,!alle Zuschriften und Sendungen, lediglich an die ,.T ch r i i 11 e rt u n g des M i l t e i l u n-g s b I a t e s .Der n ä l i o n a l d e u t» ch e T u d c'. Berlin W 35, Blumesh o f 9," zu richten, aber, keinen P e r f o n e n n g m e n beizufügen. Dies gilt auch für V e r l a g s f i r m e st. die uns Bücher zur Besprechung einsende»? Noch j^etzt werden öfter Bücher an die Privatanichrist eines Dorstandsmitgli es sjgeiandt, das schon seit einem Tahre nicht mehr verantw.'N- Zicher Schriftleiter ist. > 3. Iugendabcnd. Der nächste Tugendabend findet "» >7. Tanuar 1930 «Dienstag) statt. Näheres wird noch hekamil igegebcn. Zugelaiscn sind jugendliche Mitglieder, Kinder von .'Mitgliedern und eingeführte Gäste .«Jugendliche». Auskunft '.teilen 'Frl. Margo Wolff, Holsteinische Str. 31 «Hiernsprecher Uhland 4109X früh bis 10 Uhr), und die G e s ch ä f t s st e l 1 e. Der Vorstand.