Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 1 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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dieser Bruchteil eines Bruchteils sollt« erdrückende Mehrheit den ersten Schritt verlangen, das; die tue? Man wird uns erwidern, die Mehrheit habe uns ja gewrltsam zurückgedrängt, ne müsse uns daher auch wieder rufen. Wer ehrlich nach Berständigung, nach Versöhnung strebt, msth über solche Eigeninns-Anschauung hinwegkommen. Aber jber Einwand ist auch achlich nicht einmal richtig. Ist edenn wahr, das; ne deutschen Juden stets die Gemeinsamkeit gesucht haben? Seien wir ehrlich: es ist für einen Teil der deutschen Juden nicht wahr. Für diese hat die volle Gen einsamkeit, die innere ücjneinsamkeit niemals bestanden trotz aller -Emanzipationsitiptze. und wer daran die Schuld trägt^ das ist nicht so einsestzustellen. wie die Mehrheit der Juden meint- Wir Ilcn hier nicht allzu weit zurückgrcifen in die Seiten des ttclalters. der Ghcttotorc und des Judienabzeichens. Damals, gewih von einer geistig und ethisch ur reisen Umwelt schwer üidi •uo I .ui weil man die Aufgabe deutschen Juden ni Bewutztsein an d sich „an biedern" damals aus dlotze genossen geworde Bürgerrechts. Und als mit dem unablässig auls Deutschland hereinsickcrii deutschen Juden, die wlir heute rückläufige Bewegung, iii der tten die verkannt^. D am als hä i t f c st e m Willen und wachem e nichtjüdischcn M i t^b ü r g e r sollen, dann wär Mitbürgern wahr schon Volkser um die n und es stünde heute des deutsche Volksgemeinschaft. Man hat die Zeit versäumt und hat jahrzehntelang gcsck lasen aus dem bequemen dann der Zionismus kam. halbaiiatischcn Ghettobe>irkcn Nach den, lulturfremden Ostjudtntum verbündete. da begann unt, r den vermeintlich deutschen, den halb die Zwischenschicht rennen, die der jüdischen Seele gesündigt worden, ein falsches Wort, von der S ch „rechen. wo es sich wenigstetis^um Tcil um Auswirkungen iner ihnen von auhen her aufgezwungeiien und angezüchtetcn Gebens- und Denkweise handelt. Aber nis Problem nicht erschöpft, und jeden! ie Ocffnung der Ghcttotorc eine damals hätte die Judcnfrage einer geführt werden tonnen, wenn man sich min sei bereits alles in Ordnung und iliisiig. Die Juden haben die Bürgerreczte als wohlverdiente Frucht langen Kampfes entgcgengenonmc», und sie waren sich, stets bewuht, das; die treue Erfülli r die selbstverständliche Gegenleistung sein >Nüsse. Aber sie haben nicht erkannt, das; es damit allein nicht getan war. Der <»> c i ft des Ghetto, der G e i it d wirkte i ii ihnen nach, und il r ü u b 1 e n sich, dem D c n t s ch t u u; „ bringen, sich auch innerlich aus machen und ganz in die deutsche Gemein! l vier liegt ein Wendepunkt der deutschen ii! die Entwicklung um Jahrzehnte zu ü^gcworfcn worden, Und darum wäre u l v der Juden zu auch hierdurch wird alls muhte auch hier neue Lage schaffen, rascheren Lösung;nificht eingebildet hätte, ipcitcrc Arbeit überr A b s o n d e r u n g i cj 1 c von ihnr n auch ihre Seele dem Ghetto srcizu chhft hincinzuwachsen. Judcnfrage: damals wir heute stehen Gefahren noch immer „licht klar genug erkannt wc stärkte, ständig wachsende Absonderungsneigung, ge fremde Hervorlehrung j idischcr Eigenart. Fordern» Lebens" weit Aiifpcitschung über die in fremden, zum Teil lucrische, nach auhen hiisi den unsere alljüdischen tums" preisen, ^und def. des Solidaritätsgefühls mit Stamtnesgcnosscn führt. Wir wissen sehr wäre, wenn nicht auch von Zeit zu Zeit eine in a t i s ch näher ii,' Bezirke des religiösen Kul k Kissen des als er sich und...deren cden. Ber neinschafts jüdischcn us hinaus. feindlichen Ländern, all der wichtig lächerliche, im Kern gefäh lichc Spuk, Blätter als ..Renaissance »es Judenwenn man ihm, nicht, bald energisch cntgcgcnlrilt, auf allerlei Umwegen schliehlich zurück! ins Ghetto wohl, dah cs nicht, so weit gekommen die Judenfeindschaft wäre,! wenn nicht Welle des Judenhasses übet das Land, hinwcgginqe. Aber hier greisen Ursache und Wirkung in einander, und es koiimt nicht daraus anj Schuld fragen ,; ii lösen - - * -.‘ vr Tatsachen ins?l praktische FoIg > was geschehen in Kultus der B c s o befruchten s i ch, e B c v ü l k c r u n g s 1 e cs kommt darauZ an. de n i g c z u sehen und a p s i h n c n r u n g c n z u ziehe n s.ü r das. uh. Der Jude n h a h! u n d der idcrlicit bei den Juden selb st e g e n s e i t i g , und die beiden I e leben sich heute s y st e - auscina idcr, statt sich cingiidcr zu Jücliscknationales aus Oesterreich. Sin Mienen Brief. „An berrfreube leichtem Gängelband" haben die Habsburger im letzten Jahrhundert ihrer Herrschaft die Völker Ccitcrrtidjs gelenkt. Man pflegte ihrer musikalischen Sinn, uidcin man ihnen zunächst klar machte, dah „politisch Lied in böses Lied" fei, worauf sie, die Donaudeutschen wie die r'chechen und die ungarischen Zigeuncir> sich mit grohcm riicr der Pflege anderer musikalischer Motive zuwandten. der schönen blauen Donau wurd^' besonders „Wein, Weib und Gesang" im Liede gefeiert -p1 und nicht nur im '.'iede. Gut zu essen und zu trinken lversteht man noch iviitc in Oesterreich, und die Zeit, in der sich die „Freiheit" s Oesterreichers ausschliehlich auf den Genuh kulinarischer üd gesellschaftlicher Kultur konzentrieren' muhte, wozu noch " Pflege wortloser Kunst, also vor alldm der Musik kam, hrend das poetische Wort, die Literatur, unter scharfer ninrbewachiing stand, das ist die Zeit vom Wiener Kon- '>; <1815) bis zum Sturmjähre 1848, erhielt von der Kulturl lik den bezeichnenden Namen „Backhendelzeit". Nun war c zwar gewih sehr schön von der Regierung Metternich, das; >> den im übrigen arg bevormundeten Untertanen wenigstens d > Backhendelessen unbegrenzt gestattete,! aber, um von dieser E laubnis Gebrauch zu machen, bedurfte, es doch auch gci: ier wirtschaftlicher Voraussetzungen. Zum Glück I! :rcn die im Vormärz vorhanden, und ein Couplet der dai ligen Zeit, eines der populär gewordenen Erstlinge jener , i liikalischcn Spezies, die seit damals auf Wiener Boden besonderer Blüte gelangt ist, pries unter anderen Borzen der „einzigen Kaiserstadl" die Billigkeit ihrer Lebens- ' rhältnisse.! Leider ist diese wirtschaftliche Voraussetzung für die sprichwörtlich gewordene „Leichtlebigkeit" der! Wiener im Laufe w Zeit immer mehr geschwunden. Im i selben Mähe muhte der Freude leichtes Gängelband" nnindr mehr durch andere Buttel. die beherrschten Völker der Regierung gefügig zu rrbalten. ersetzt werden. Heilte, da Oesterreich eine wirtschaftbcke Ruine xit. herrscht in den beiden Barteilaqcrn. die das Erbe der Habsburger angetreten hab^n, das lebhafteste Kopfrerbrechen über die Art des Gängelbandes, mit dem man die zu „Staatsbürgern" avancierten „Untertanen" vor allzu Von Di*. Ru g o Spiegle r. kühnen Auslegungen di r ihnen in den Schoh ciffalEcntii „Freiheit" zu bewahren sucht. Die Sozialdemokraten! haben sich gleich nach dem Unislur; im „R e p » b l i k a n i sch e!n Schutzb u n d" ein bewaffnetes Erckutiveirgatt ihres Willens für den Notfall aeschaffeiz, das bürgerliche Lager ist eben jetzt daiiiit beschäftigt, durch Bildung von „Heimwehren" das sozialdemokratische Bonbild nachzuahmen. Eine Zeitlang schien cs zu einer Kraftprobe zwischen den beiden bewaffneten Hcerhaufc» kommen zu 'wollen, cheutc hofft man.! durch die friedlich durchgcführte Bcrfassungrreform Oestcrresch aus der schweren politischen Krise, die es jetzt durchmacht, heraushclfen zu können. i ' Da die Heimwchrführcr wiederholt erklärt haben, dah ihre Organisation nicht antisemitisch ist. und sich dies von dem sozialdemokratischen Schutzbund von selbst versteht, Hütten die hiesigen Juden keinen Aniah. die patriotischen Hoffnungen und Befürchtungen aller Ociterreicher ym spezifisch jüdisckze Sorgen zu vermehren. Wenn dies trotzdom geschieht, hat cs seine Ursache also nicht in der natürlichen Entwicklung der politischen Lage, sondern in den geschäftlichen Instinkten gewisser Elenicnte, die am drohenden Brande des Bürgerkriegs ihre eigc ie Suppe'kochen möchten. Da ist zum Beispiel der „Literal" Beda «Pseudonmn des Rechtsanwalts I>r. Löhner), der einst seine Schriftstellerkarriere a s poetischer Mitarbeiter eines Wiener zionistischen Wochenblatts begann und es bis zum Librettisten Franz Lehars gebracht hat. Einds seiner Librettos hat in der Wiener „Arbiiterzeitung" eine herbe Kritik erfahren, seitdem ist er wütender Sozialistensresser geworden. In dieser. Eigenschaft veröffenl lichte er in der Zeit der österreichischen Berfassungskrise im „Neuen Wiener Journal" mehrere Le lartitel, in denen er alle Juden, die sich vermessen. nicht jüdisch nati o n a I zu wählen, als Verbrecher. Nachläufer der jeweils zur Macht gelangten Partei und gebaute ilmcs Stimmvieh denunziirt. Leider ist in Oesterreich der Verband Nation al deutscher Juden nicht, stark genug, um als Organisation die erforderliche Wirkung ai szuübcn. denn — ebenso wie in Deutschland — hat man im Anfang der nationaldeutscien Judenbewcgung snstematisch soviel Unwahres über die Tendenzen