Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 12 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/6682492-5438672-5438836--450-4871646- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
5 Widerwärtiges darbietet und es z. B fertigbringt. Arthur Schnitzler als lüstem lächelnden Fc un darzustellen, der mit , ■nüd)tiger Gebärde den Stiel ei res Feigenblattes i.'Minert. Es ist schmerzlich, zu sehen wie hier ein im um- Kern Ungeschmack rm seine Wirkung gcrlichcs und verdienstvolles Unternehmen durch Ziellosigst und abstohenden lachtwird. Nochmals — das Buch, das Stiapel zu schreiben vcr- >I>t hat. sollte von einem Iuden gleschrieben werden. Ich »he mir nicht an. es durch einen Zeitschrift-Aufsatz zu er I-cn. Aber ich will an zwei Beispielen aus jüngster Zeit rinn, was gemeind ist. j Herr Kurt Tucholsky, auch Peter P cr n t c r. I, eobald Tiger. Ignaz Wrobel. K « spar auser und wie noch immer genannt, bringt ein Buch auf » Markt: „Deutschland. Deutschland! über lies." «Neuer Deutscher Verlag. Berlin.) Von ihm hat ',on einer unserer Mitkämpfer in der November-Nummer ioicr Zeitschrift kurz gesprochen. Aber das „Werk" vcrient ausführlicher behandelt zu werdejn. denn Buch und Ver aller sind Schulbeispiele für das Literatentum, das wir be iäiupfcn. Ich habe einmal vor Iahren geschrieben und wieder iiole es heute: Dieser Kurt Tucholsky ist eine unerschöpfliche Quelle der deutschen Jude» i ei n d sch aft: er züchtet sie in einer Ergiebigkeit, die kein acwerbsmähigcr Antisemit jemals erreichen könnte. Vorweg: dieser Mann ist zweifellos einer der begabtesten Stilisten, die wir in Deutschland haben. Viele seiner kleinen Abhandlungen und Brett'llieder sind inhaltlich vernünftig und witzig, dabei in der Form wirkliche Kunstwerke. Aber dieses Künstlertum wird von ihm mihbrauast als Ausdnick einer Gesinnung, die an allein rüttelt, was ihm seelisch unerreichbar ist. Volk, Vaterland. Staat, Glauben und vieles andere iiud Begriffe, deren blohc Nennung in ihm ein Ventil für geifernden Hah, mahlose Ueberheblichleit und krankhaft wirkenden Zynismus öffnet. Sein neues Bilderbuch, das selbst »un der ihm sonst nahestehenden Presse abgelehnt wird, ist der Gipfel seines bisherigen Schaffens. Er wollte das deutsche Ipiehertum treffen, — wie er es iii ht. Zu diesem Zweck gruppiert er Photographien jeder Art, besonders aber solche, n denen er irgendeine Form des Stumpfsinns ausgeprägt nndet, und in seinem Begleittert stellt er fest, das; dieser Ilumpssinn. diese Bürgerlichkeit, dieser Militarismus, dieser Nationalismus, dieser Mangel an sozialem Empfinden insgesamt typisch deutsch seien. Der Gedanke kommt ihm gar acht,, dah der Stumpfsinn international ist und nur überall eine besonderen Formen hat. dah man «ne derartig tendenziös gruppierte'Sammlung z. B. mit Leichtigkeit über sein geliebtes 'rankreich zusammenbringen und ebenso „geistig" beschriften »nnte. Aber er hatzt nun einmal Deutschland, ur Deutschland, weil eben dieses Deutschand sein Vaterland sein sollte stnd weil er ein Unvermögen, dieses Vaterland von anzem Herzen zu lieben, mit unterbewuhter -diam empfindet. Gerade deshalb klingt auch sein Buch i einen Hymnus auf die „Heimat" aus. Diese „Heimat" will allen Ernstes nur als landschaftlichen Eindruck empfinden, als liehen Land und Volk sich trennen, und als könnte inqn inen Boden „Heimat" nennen, ohne zu den Menschen, die g diesem Boden wurzeln, seelische Beziehungen zu haben. Von dem Gruppenbild der deutschen Heerführer mit der Interschrift „Tiere sehen dich an" war schon früher ge Nedc «Nr. 11 dieser Zeitschrift: „Impressionen und Ghettolaucrn"). Es ist das unerhörteste an geschmackloser^ Verunglimpfung. das sich denken läht, aber der übrige Inhalt es Buches, auch wo er weniger auffällig ist, steht diesem Angriff an Taktlosigkeit, innerer Unaufrichtigkeit und dem zynischen Willen, zu verletzen, nur wenig nach. — Ist Tucholsky politisch, so kommt der Arzt Felir A. Theilhaber uns wissenschaftlich. Sein Buch .Goethe. Serus und Eros" (Hören-Verlag. Berlin) ist wesentlich schlechter geschrieben, als Tucholskys Pamphlet. aber es ist ernster gemeint und nicht so bemüht tendenziös. Nicht so bemüht, — denn ein Tendenzwerk ist es ist Goethe als Geger Dichters durchforscht Goethe, enthüllt Thiii trotz aller gewollten Wissenschaftlichkeit, mag auch der Verfasser selbst nicht begriffen, wie wenig objektiv er ist. Theilhaber ist uns nativ! aldeutschen Juden als zionistischer Eiferer bekannt, und die ne native Einstellung zum Deutschtum, die bei vielen vermeintlichen Zionisten das Wesentliche ist, gibt is Gepräge: im übrigen ist sein Zionisver vielen Formen äuherer Betriebsamihn beherrschende innere Unrast abzu- Er hat sich als Dichter, als Statistiker, auch diesem Buche dp mus nichts, als eine keit, mit der er . die reagieren versucht, als medizinischer miM politischer Schriftsteller betätigt, jetzt stand seiner Tätigkeit an der Reihe. Die Psychoanalyse ist do- Instrument, mit der das Leben des Wenn mans so lcidlichkeit tritt erst schaftlicht Seite der Selbst dem Leser, die Forschern zu zählen, der Tatsachen auf, wie sie für gewisse Luhwig) bezeichne W a s treten zurück Und dieses Wie d^i unterbcwuhtc Empf ist. Hier unternimii persönlichsten Bezirk, was jeder auch ohii Manchem menschlich vor dieser Erkennt^ nrird. und das Ergebnis ist überraschend, lhabcr, war psychisch in schwerster Weise erblich belastet. Seil Leben uyir ein unaufhörliches Ringen zwischen Eros und S:rus. Und sein Lebcnswcrk, der Faust, ist nichts als die Abtragung seines „geschlechtlichen Lebens- -kvnflitts". hört, möchts leidlich scheinen. ' Die Un lltroor, wenn mans liest. Die fachwissen ,Forschung" mag nur gestreift werden, nur seinen Goethe kennt, ohne zu den fallen gewisse Lücken und ^erbiegungcn "Abirrungen vom Wege der Wissenschaft. fcuilletonistischc Enthüller «siehe Emil std sind. Aber die Bedenken gegen das zcgen die peinliche Wirkung des W i e. Betrachtung gibt den Schlüssel für das liden, aus dem dieses Buch entstanden yt ein Mensch von Mittclinah, in die eines Grohcn einzudringen. Er erfährt, e Forschung weih, dah der Grohc in lein war. Wer ehrfürchtig ist, zieht sich s zurück, weil es ihn beschämt, einen Grohcn zu belauern , Wer ohne Ehrfurcht ist, freut sich, den Grohen ertappt m haben. Theilhaber ist ohne Ehrfurcht. auch wo er st h'verständnisvoll gebürdet. Mit unverkennbarem Hohn rl,iiitriert er. dah dieser Zeus nicht vermochte. sich nach Belieben in einen Stier zu verwandeln. Mit Gönnermiene beurt« t er Goethes geschlechtliche Hinneigung zu Mädchen aus den Volke und seine Scheu, erotische Erlebnisse mir grohcn Damen auf das Gebiet der Seiüalität hinüberzulcitcn. Irp lisch stellt er feit, dah der greise Dichter nach dem fruchtlosens ..Flirt" mit Ulrike ooji Levetzow „sofort in der Kutsche" dib Karlsbader Elegie in Angriff nimmt. Auf Schritt und Tritt entsteht der unabwendbare Eindruck: hier z i e h t e i n e r den E r o s;e n zu sich herab, weil er nicht zu ihm , inp o rsteig e»> kann. Und das ist des »udels Kern. Uns Deutschen ist Goethes Werk ein Heiligtum^ Wir wissen, dah de aber wir gewinnen indem mir Menschliches, Kleinliches, vielleicht Lächerliches erfahren. Eine heiligji Göttlichen verwehrt geheimnissc des Mel^ forscher kennt keine und dem Toten geg nüber gilt kein Berufsgeheimnis. Das ist an sich Verfasser nicht strcn setzt, „auch den nicht der Verfasser ein In schaft und Geschmack, dem wir mit beglückter Ehrfurcht nahen. Genius nebenher noch ein Mensch war. ijchts für die Erkenntnis seines Werks. Scheu vor der unfahbaren Gröhe des »ns, mit indiskreter Hand ay die Bettchcn zu' lasten. Der zeitgemahe Seelen- -chcu. Die Indiskretion ist ihm Beruf, unsympathisch ckcnug. zumal wenn der wissenschaftlich bleibt, sondern sich vorspczialistisch interessierten Lesern den spröden Stoff mögli l>st zu erschlichen". Wenn aber, wie hier. >e ist, sündigt er nicht nur gegen Wisscnsondcrn auch gegen die Gesamtheit seiner Stammesgenossen. Denn mancher Nichtjude, der dieses peinliche Buch voll Wid rwillen aus der Hand legt, wird seiner Beurteilung die W »rte anhängen: „Er gleicht den« Geist, dei^ er begreift. * SB c kann ein Jude den deutschen Goethe begreifen!" Genug für heut. Zwei Beispiele nur, aber schon diese lassen erkennen, wiepiel Zündstoff von der gekennzeichneten iteratcn zusammengetragen wird. Und »stiftung, wenn die Flammen der Iuden- Gattung jüdischer sie zetern über Bran feindschaft empvrschl, gen!