Mannheim
Compact Memory

Der nationaldeutsche Jude · 1929-12-01 · Nr. 12 (Dezember 1929) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1929
Issue
Nr. 12 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/6682492-5438672-5438836--449-4871645
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

4 Jüdifcbe Literaten als Judenfeinde. Von Max Naumann. Mix müssen unser Thema begrenzen. Nicht von den Literaten. jüdischen Stammes sprechen wir. die sick zu den bewutzten Judenfeinden ge'chlagen haben und gemeiisam mit diesen verachtet, aber geduldet und benutzt ihre Staatsordnung' oder die »echaNen. in und bleibt die Stammesgenossen durch gehässige Verallgemeinerung bekämpfen. Auch solche Inden gibt es. getaufte und clbit ungetauftc. wie es itets und überall eine pathologische Form des Renegatentums gab. Aber die Juden, von bcnen heute zu reden in. haben iiä> keineswegs aus der Gemeinickaft ihrer Itammesgenolien gelöü. Manche von ihnen brüllten' sich mit betonter 'Vorurteilsfreiheil. legen be'ondcren We N darauf, die Juden nicht auszunehmen, wenn iic irgendeine Eucheinunai aii'chinutzen oder anwitzcln. zu der sie keine -innere Beziehung' gewinnen können, etwa die - Religion, das Vaterland, die Iu'tiz. Aber das Riilieu in dem jüdüche .^wi'chcn'chicht. b :c Schicht der ZZLurzelloien. die ihre-alte Tradition ausgegehen und eine neue Heimat der Teele nicht gewonnen haben, 7 »diesem Milieu der Roraus>etzungslo'cn' finden iie ihre .Mi >chröaßcr. Leler. Gönner und «Geldgeber, hierher kehren she immer . wieder zurück von ihren Ausflügen in dje Bezirke! der um 'ckmieichelten Proletarier, deren Auflebnungswillen iic kitzeln, denen >ie aber -innerlich fremd bleiben, auch wenn inan sie z» Toldalenrüten und Abgeordneten wühlt oder bren ge -ivrochenen und gedruckten .Hetzreden zujubclt. ÄYas i'ic>kenn zeichnet, in der.zur Lchau getragene Mangel an Ebriurcht vor allem, was organisch gewachsen, bodemländig, festgefügt i't oder auch nur war. denn sie furchten Nets. datz Zerrissenes «ich noch einmal ävaninieinügen könnte. Ibr.Minderwertig leiksaefübl in es. das >ie durch wichtigtuerisches, Gebnrcn und ..geinige" Unduldsamkeit vor anderen und' vor allein vor iich selbn^ z» übcrtönen suchen. Bon ibnen wollen wir reden, denn nie Und die wahren, die gefäbrlichnen Iuhenfeindei obwohl ne es gelegentlich nicht verschmähen, auch mit sogenanntem Ra'kenolz zu renommieren. Jede Piahlongkeit. >ede Ge schmacklongkeit ihres Tuns, durch ihr aufgeregtes Pfaucnweien dreifach unternrickien. wird der Geia nitbeil der Juden zur La>l gelegt, den Traditionstreuen ebenso wie denen. die vorbehaltlos in der. * ihrer deut'chen Volks genonen ausgegangen' nnd. kündigt ein.Richtjude, aas leider oi'r genug ge'chiebt. «o lagt man: ..Ein widerlicher Rken'ch." In es aber ein Jude. >o wein das Zl^olk mit Finzern auf ihn und ivricht: „kl cc e i u d a e u 'Bor mir liegt ein „Aufruf an die Iu'dcn Wiens. 'B7 o b I g em c i n I e Worte eines Ehrijter". Das Tolumeni in mehr als 8 > Jahre alr. 'ignimt.aus dein Jahre l848 und in vor kurzem durch eine Wiener ^citunz wieder, ans Lickit gezogen worden. Ter Berkaner bekennt sich als' Freund der Jude», als einer, der den Hajz .Zwilche i Juden »iid Richtjuden beseitigen will. Er erkennt, iij warmen Worten an. was die Juden in Deterreich für dir Gemeinschaft geleistet Haben. Und dann fährst er fort: „Aber Ihr habt Feinte. schreckliche Feinde.-die. wenn 7'hr~iie nicht mir Gewali ind rfiff be'iegen wollt. Euch noch gänzlich verderben werden. Ihr kennt sie nicht, oder was »och schlimmer wäre Ihr wollt iie nicht kennen! .• Ihr klagt fortwährend nur über die EhrUten und erblickt in ihnen Eure bittersten Feinde r aber Ihr wollt. nicht untersuchen, wer die EhrUten fortwährend gegen Euch aufhetzt, wer die Eilut des Hasses fornvährciid gegen Euch unausgesetzt anlacht. wer jede brüderliche Bereinigung mit den EhrUten unmöglich niackt. Ihr sucht iu der Herne, was io nahe liegt. , - Wollt Ihr die Feinde keniten lernen, die Eure gerechte Sache untergraben und Euch vcrhatzt machen? Ich bin bereit. iie Euch zu nennen: und datz ich dir -Wahren nenne, werden Euch dreimalhunderttausend Wiener bestätigen. Eure bittersten und gefährlichsten Feinde lind jene nichtsoürdigen Scribler aus Eurer Mitte, die zu commode Und. un sich auf ehrlichem Wege, im mühsamen Geschäfte, wie Ihr das Brot zu verdienen: eine kleine Rotte elenden Gesindels, das nichts gelernt hat. nichts besitzt als bodenlose Keckheit und ehrlose Frechheit, womit sie sich überall bemerkbar machen bemühen. Was zum Handclsmanne zu dumm, zum Pelfer zu schlecht und zu ernsten, tiefen Studien für Euer Pricitcramt zu faul ist, geht unter die Literalen und ge bärdet sich mit grenzenloser Unverschämtheit. Diese Wicht, lärmen und toben, als wären sic die Herren der Welt: sie treten alles mit Füszcn. wollen zermalmen alles Bestehende, bnd da sie zu gar nichts in der 'Welt taugen, so glauben sie durch frechen Lärm zu betäube», als Bolksvertreter zu sielten, und angeln, nach Ministerposten. Wo Ruhe und Ordnung. Sitte und Recht herrschen, gibt's für derlei Schufte freilich nichts zu tun. darum hetzen sie und schüren an der Glut, um beim Ausbruch des Brandes und in der all zemcinen Bcrwirrung reichlich zu ernteir. Nichts iit ihnen heilig genug: iie rütteln an allem, ih^ Element ist die Per wirrung! Das es müht. Publikum aber las die empörendsten, rech'tcn Aufsätze .... und die fürchterlichste Indignation urde laut. Man fragt, wer denn diese Leute seien, die sich >o horrible Frechheiten erlaubten, und die Antwort lautete „Es Und Juden!" Man erzählte sich die Biographie dieser Leute, und die Indignation stieg aufs Höchste . . . . Das aufgeregte Publikum schrie: „Die Juden sind die keckste» und verwegensten Wichlcr", und hatte vollkommen recht. Venn das Treiben dieser Leute muh als Wühlerei bezeichnet werden.'Und die grohc Menge' kümmert sich nicht jdarum. ob jene 'Wühler und arroganten Schreier zum oer worfenkten Abhube gehören und von allen ehrenwerten Juden tief verachtet werden, sondern cs heiht bloh: Es sind iuden", und. der Hah trifft dann nicht die wenigen Berächt lichcn und Schlechten, sondern die gesamten Juden. Seht, das sind Euere gcfäh'rlichsten Feinde, die Euch unberechenbaren Tchadcn bringen und den Samen der Zwietracht zwilchen Euch, und die Christen streuen." >edcs dieser Worte i't 'noch heute buchstäblich wahr und jehcs dieser Worte beweist, das? sich seit 80 Jahren nichts escntliches geändert hat. Denn noch heute wie damals heilten die ^wüchenschichtler zusammen wie die Kletten und brandmarken als „Antisemiten" nicht den Stammesgenosscn. der >'ie durch verantwortungsloses Tun dem Widerwillen der dguifüi." Bolksgenosscn ausliefcrt, sondern den andern, der wag:, gegen diele Gattung von Literaten vorzugchen. Und begreifen so wenig, wie sie es vor 80 Jahren begriffen, dcstz es nur ein einziges Mittel gibt, die Gesamtheit der Juden vör den Folgen^zu bewahren, die aus dem Treiben der Ehr fujrchts und Wurzellosen entstehen müssen: die Bekämp fhng dieser Schädlinge nicht den sogenannte» A n ti sc in i te ns zu üwe rl a sse n . sondern se lb >1 Gericht zu halten und ohne jede Rücksicht auf Abirammungsgemeinschaft abzu schütteln, was sich wie schleim igesj Gewürm an uns heftet. Bor kurzem iit ein Buch „L i t e r a t e n w ä f ch e" «Wider nquds-Berlag, Berlins erschienen, geschrieben von Wilhelm Stapel, der bisher a s „sachlicher Antisemit" galt und cujch von Juden als anständiger Gegner geachtet wurde. Dieses Buch hätte von einem Juden geschrieben werden sollen, aber anders, als Stapel es geschrieben hat. 2n begreif lichem Grimm gegen die deutschfremden „Skribler" hat Stapel darauf los geschrieben, aber im Schreiben hat er selbst jedes Mah verlöre i. und vor allem den guten Ge lchmack, der ihm sonst eigen schien. Es schwebte ihm offenbar vor, die Tucholsky,.Kerr und tutti quanti mit ihren eigenen Waffen zu schlageil. Aber der geistreichelnde Schmäh stil ist ihm so gut gelungen, dah man fast versucht ist, an innere Verwandtschaft des Angreifers und der Angegriffenen zu glauben, und dah unhr Unbehagen auch dort überwiegt, wo wir dem Verfasser sachlich zustimmen möchten. Und was der Verfasser selbst nicht verdirbt, gelingt dem Illustrator A. Paul Weber, der neben Witzigem auch viel unsagbar es iie l

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.