Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 11 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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I Jabotinsky als Prophet der Assimilation. •w ^abotinsfu als Prophet hat in diesem Jahre einen rrsumph zp verzeichnen gehabt. Jabotinsln. bekanntlich der ' «ihrer der ..revisionistischen" Zionisten, verkündete seit Jahr ,'iib Tag. dab der Judenstaat in Palästina nur mit Waffengewalt errichtet und behauptet werden kann, und die Erignisse der letzten Monate haben ihm recht gegeben.. Viel- -icht bedauert er. wenn er ein guter Zionist ist. das, er .in guter Prophet war. aber das ändert nichts an wn Triumph seiner Wahrsagekunst. Man darf B e r. .rauen in diese setzen und revidiert gern alles, was dieser ,;ukunftsverkünder der Mitwelt verkündet hat. und was man in",her nicht ganz ernst nahin, unter dem neuen Blickwinkel einer nunmehr erprobten Treffsicherheit.. Jabotinsky hat sein kriegerisches Programm nicht blotz in unzähligen Kongreb- und Versammlungsreden verkündet, ivndern auch in literarischer Form. J,n vorigen Jahr erschien ein Simsonroman von A l t a l e n a ..Richter und R a r r". Altalena ist niemand anderer als Wladimir Jabolinskii, und sein Simson verkündet denn auch in einer Art von politischem Testament das kriegerische Glaubensbekenntnis der zionistischen Revisionisten. Aber ef sagt uns noch viel mehr: In einer Reihe dichterisch grandioser Visionen enthüllt uns der Roman Bilder eines Judenstaates, die als politische Sensation ge- «vertet werden müssen. Die Kassandrarufe des Propheten Jabotinsky — des hier rückwärts gewandten Propheten, als welchen den Historiker ein geistreiches Wort längst deklariert hat. — übertönen all das. Schöne und Gute, das andere zionistische Schriftsteller von dein ersehnten Judenstaat zu künden wutzten. Man denke z. B. an Theodor Herzls Roman „Alt-Neuland". Welch grotesker Unterschied in der M i l i e u s ch i l d e r u n g! Dabei ist die politische Situation in beiden Dichtungen dieselbe. Nach langer Zeit der Heimatlosigkeit und Unterdrückung ist Israel in Kanaan auf eigenem Grund und Boden Herr geworden. Aber wie verschieden wirkt sich diese Situation aus! Bei dem Theoretiker Herzl ist die Landnahme der Beginn grandiosen Kulturausschwungs. bei Iabotinsky, der die Landnahme praktisch an der Spitze der Jüdischen Legion miterlebt hat, ist sie ein. Ausgangspunkt religiösen, politischen und zivilisatorischen Verfalls! Die erste Figur, der wir in dein Roman „Richter und Rarr" begegnen, ist ein Lewit, ein Priester. In welchem Aufzug stellt er sich uns dar! Als Händler!zieht er über Land, ein Virtuos im Schachern mit irdisch:r und hiinmlischer Ware. Jawohl, auch himmlischer: „3i unserem Stamm ist näinlich ein jeder von Kind auf mit de» Bräuchen des Götter dienstes vertraut." Wohlgemerk: des Götter-, nicht des Gottesdienstes. Denn in Israels Heiligtümern wimmelt cs von Götzen. Gewitz hat man Iehouas nicht vergessen, aber er ist nur einer von vielen, nicht lwr Einig-Einzige... Daruin wird auch der Priester folgenderniaben charakterisiert: „Wie die Gottheit heitzt, zu deren Ehren Religionsgebräuche ausgeübt, werden, das hielt er nicht für so wichtig. Gesetz aber bleibt Gesetz und darf nicht verletzt werden... "Ein Schlaufuchs mit aalglatter Zunge: weckt man ihn aus dem Schlaf, so erfindet er einem auf der Stelle ein Gebet auf eine neue Gottheit." Von einem solchen Priesterstand kann man auf die religiösen Verhältnisse unter dem Volke schliehen. Von Siinson. dem Helden des Romans, wird berichtet: „Von Moses hatte er noch nie gehört, von Josua hatte ihm irgend jemand einmal etwas erzählt." Das Nasiräertum Simsons ist in ber Schilderung Altalenas eine reine Farce. Doch ich will hier nicht auf die Handlung des Romans eingehen. keine ästhetischlritische Würdigung des bereits vor einem Jahre erschienenen Werkes geben, sondern nur die groben weltanschaulichen Ge- 'ichtspunkte gruppieren, in denen der Praktiker des Zionismus, Jabotinsky-Altalena, von dem groben Theoretiker des Zionismus, Theodor Herzl, abweicht. Schon die staatsrechtliche Grundlage, auf der die beiden «Führer den Judenstaat errichtet sehen wollen, ist eine grundverschiedene. Herzl schwebte eine Lösung vor, wie sie in der Schweiz verwirklicht ist: Eine von allen lörobmächten garantierie „ewige Neutralität". Solcher pazifistischen Lösung Von Vr. stugo Splegler. steht Jabotinskn bebnntlich in hellster Auflehnung gegenüber. Seiner militaristischen Auffassung huldigt, wie gesagt, auck sein Simson im Romane. Während aber ressen politisches Testament durchaus iir Einklang zu^ Parteiprogramm der „revisionistischen" Zio nisten steht, ist Sinsons Verhältnis zu seiner jüdischen uni nichtjüdischen Umwe t für die dichterische Schöpfung einejüdischen Nationalisten iin höchsten Grade frappierend. Simsor wird nämlich als f Assimilant reinsten Äyassers geschildert obwohl das in einen» Judenstaat sogar mit einigen Schwierig leiten verbunden ist zu assimilieren, schon er aber init Leide««!! bleibt selbst dann iir geblendet worden ist zionistischen Arioms, gemach widerfährt, den Umständen die Allerdings sieht danach aus: „Es ä ist ein Durcheinand«' Der Ackerbauer Hab» W» Siinson muh. um sich an Nichtjuder >über die Landesgrenze pilgern. Das tu: ichaft, und ist öfter bei den Philister« als zu Hause. „Dorl »in der Heimat) bin-ich wach, hier träum, ich, dein Traum a:>er ist kein Gesetz vorgeschrieben," be gründet er selbst sei e Vorliebe für die Fremde. Und vor Philisterseite wird il n gesagt: „In den Tagen Kretas und Trojas lder angenommenen Urheimat der Philister) ist vost Helden die Rede, t e dir so ähnlich waren wie Brüder.., Doch nie hat es sobbe Männer im Geschichte deiner Muttet gegeben... Du bis: ein Fremder unter^ihnen, ganz fremd aber in deinem Hm n und deiner Art." Um Mibdxutungen oorzubeiigcn, zerstör: der Dichter in ziemlich derber Weste jeden Zweifel an de« jüdischen Abstammung Siinsons. Der ist eben ein ideales Buspiel von Anpassungsfähigkeit — mit der höchst paradoieu Einschränkung, dab er sich nur an die Fremden anpassen fnim, nicht aber an seine Landsleute. Er verschmäht ein jüdis >es Weib, heiratet eine Philisterin und Philisterland, als er von den Philistern Also eine, lebendige Widerlegung des das; uns die Heimat zur Fremde werden mub. wenn uns seit ns unserer nichtjüdischen Landsleute Un- Siinson wird sogar unter so erschweren- Freinde zur Heimat. ' es in feinet eigentlichen Heimat Judäa bt dort weder Rang noch Ordnung: es von Städten. Altären und Gedanken, den Hirten, Benjamin kann Juda nicht leiden, den Prophet tn sind alle verhabt." So schildert ein Land genau kennt, koinine uns nicht inj historischen Romj Es gibt keine ä»be «Wissen um Palästin Was er schildert. Intuition eines Ma der Politik als so hej ihm diese Gabe u sich uns als Dichte Formen kleidet. » z i o n i st i s ch e r Dichter, der das heiligf einen Judenstaat in Palästina! Man dem Einwand, dab es sich um eine«» n und längst vergangene-.Zeite» handelt l n Quellen, aus denen Altalena—solches - biblische Zeiten Hütte schöpfen könnenl h sein inneres Auge, es ist dit nes, der sich auf dem nüchternen Gebiet sichtiger Prophet erwiesen hat, dah man so weniger abstreiten kann, wenn er naht und seine >Visionen in poetisch- Statt? Beerel. Nach langem schwere Kriegsbesch, unser hauptvorstastd Leiden, das in letzter Linie auf eine udigung zurückging, starb in Breslau usmitglied Herr Handels erichlsral Zranz Beerel. Er war unferl Mitglied seit der Gründung unseres Verbandes und lei ete unsere Ortsgruppe Breslau, bis das Fortschreiten se ner Krankheit ihn zwang, sich Zurückhaltung im öffentlichen Leben auszuerlegen. Seine nationaldeutsche Gesinnung und sein Interesse an unserer Verbandsarbeit sind stets u» verändert geblieben. Noch kurze Zeit vor seinem Tode Hut er durch Unterzeichnung der gegen di« Uebergriffe des Zionismus gerichteten „Erklärung deutscher Juden" die Unwandelbarkeit seiner Ueber» zeugungen öffentlich betätigt. Wir werden di« em wahrhaft deutschen und um unseren Verband hochverdienten Manne ein ehrendes Andenken bewahren. Der Vorstand.