Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 11 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Eine Erklärung äeuttcker IuZen uncl ikr Ecko. Ter nachfolgende Aufruf ist irr einer großen Anzahl führender bcutidicr Tageszeitungen veröffentlicht worden: Erklärung deutscher Juden. In einer Zeit, kn der die Befriedung der Welt als das vornehmst» Ziel der gesamten Menschheit erkannt wird, kommen' ans Palästina Nachrichten über ^blutige Kämpfe zwischen Arabern und Juden. In tiefem Schmerz betrauern wir Mit allen Teilen der Kulturwell die Opfer dieser Vorgänge. Auf das Entschiedenste aber legen wir dagegen Verwahrung ein, daß die tiefbetrüblichen 'Vorkommnisse in Palästina in schärfstem Gegensatz zu der deutlichen Sprache der Tatsachen zu einer verstärkten Agitation für das zionistische, d. h. jüdisch nationale Parteiwerk ausgenutzt werden. Tie öffentliche Meinung Teutschlands wird irregeführt durch Kundgebungen der Zionisten und der jewisli Agency. Tie nichtzionistischen Mitglieder dieser Körperschaft haben keine Vollmacht und kein Recht, sich als Vertreter der' nichtzionistiichen Juden Teutichlands zu. bezeichnen. Tie Unterzeichneten, den verschiedensten politischen und religiösen Parteien und Richtungen angehörenden deutschen Juden und Jüdinnen erklären: Wir bekenne» uns zum Judentum, lehnen aber jeden jüdischen Nationalismus ab. Wir betrachten uns mit der überwiegenden Mehrheit der deütschen Juden als .Glieder des deutschen, nicht eines jüdischen Volkes. Zn der Errichtung einer jüdisch-natioNalen Heimstätte sehen wir einen Irrweg, der das Emanzipationswerk der Vorkämpfer des deutschen Judentums und die religiössittliche Aufgabe des Judentums in der Menschheit gefährden muh. / ' Tie Erklärung trägt zahlreiche Unterschriften jüdischer Teutscher, die im deutschen öffentliche» Leben hohes Ansehen genießen und deren Beteiligung an einer öffentlichen Kundgebung gegen die jüdisch-nationalen Irreführungs-Versuche höchste Beachtung gefunden hat. Besonders erfreulich erscheint uns, das; es zum en'ten Male nach langer Zeit wieder gelungen ist, Angehörige der verschiedensten, jüdischen Gruppen und Richtungen zu einer Einheitsaktion gegendas Ustdeutschkuist zusammenzufafM. Daß die führenden Mitglieder unseres Verbandes die Erklärung mit unterzeichnet haben, versteht sich von selbst: daneben sind von Persönlichkeiten, die von jeher für das NationaldeutschtuiN der deutschen Juden wirken, führende Mitglieder der Vereinigung kür das liberale Judentum und auch eine Anzahl persön-. lich deutichkühlender Vorstandsmitglieder - des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens vertreten. ' ' Interessant iit das Echo, das die Erklärung in jüdischen Kreisen -gefunden hat. Taß - di/ Zionistenpresse vor Wut heult und geifert, -iit. selbstverständlich. - Aus einer einzigen Seite der „Jüdischen R » n d s ch a u" zitieren wir — ohne Anspruch auf Vollständigleit — die folgenden herzlichen Worte, sämtlich an die Abreise der Erklärungs-Unterzeichner gerichtet: läppisch, kindisch, geistige Trägheit und Ghettos urchtsam keil, gedankenlos, Schmach, innere Knechtseligkeit, schändliche Missetat, anmaszend, herzlos, feige, taktlos. jüdische Würdelosigkeit, Empörung. Diese Blütenlese verteilt sich auf einen Artikel des Redakteurs Moses Waldmann und-einen Brief des Sanitätsrats I>r. Julius Simon, der anscheinend zu den j,,Nichtzionisten" gerechnet werden will, besten Gesinnung und Schreibweise aber durchaus mit der des ostjüdstchen Berufs ionisten Moses Waldmann übereinstimmen. Sehr ungehalten ist begreiflicherweise auch der Teutsche Bankdireklor Oskar Wassermann, der unentnegt die englische Kolonie Palästina finanziert. Er bekennt mit einer fast versöhnenden Offenheit, dah ihm „das Verständnis dafür fehle", weshalb „man" immer wieder „Hemrnungen habe, das Werk in Palästina zu fordern". Aus diae' Verständnislosigkeit ilt es wohl zurückzuführen,, dah er auch durchaus nicht begreift, warum man ihm und anderen den Vorwurf macht, an der Irreführung der deutschen Oeffentlichk. mitzuwirken. 2m übrigen findet er, das; „niemand von d Unterzeichnern dieses Aufrufes in der jüdischen Wett-^ei bedeutsame Rolle spielt". Tie Spezial-Kollegen des Her Wassermann, die zu den Unterzeichnern gehören, z. B Herrn Direktor Ur. Ehemann von der Dresdner Ba und Herrn I>r. Salomonfohn von der Direktion b; Diskonto-Gesellschaft wird es sicherlich interessieren, dah He 'Wassermann sie offenbar für nicht entfernt so prominei. hält, wie sich selbst. Besonders geschmackvoll haben sich zwei B erline. Rabbiner betätigt, die Herren Dr. Emil Levu und l)r. I s m a r iF r e u n d. Sie haben die hohen Feiei tage benutzt, um unter Mihbräuch ihres geistlichen Amt von der Kanzel herab die Unterzeichner der Erklärun in schwerster Weise zu verunglimpfen. Höckul eigenartig ist die Haltung der Centraloereins Z e i t u f g. Sie beruft sich auf eine pflaumenweiche Ent schliehunh des Arbeitsausschusses ihres Vereins und au' einen ebensolchen Artikel ihres Direktors Dr. Holländer um dann mit Bezug auf dje „Erklärung deutscher Juden' zu lagen: „Als dieser Aufruf seinerzeit beschlossen wurde, war es den Veranlassern sichtlich unbekannt, dah sowohl der Centralverein wie die Jüdisch-liberale Vereinigung zu den Ereignissen Stellung nehmen würden." Tie vollendete Harm losigkeit dieses Satzes wird klar, wenn man sich vergegen wärtigt, dah der jüdisch-nationale Aufruf der J c \v i s h A r c n c y , der die unmittelbare Veranlassung zu der „Erklärung deutscher Juden" gab, von nicht weniger als 14 Vorstandsmitgliedern des Central Vereins unterzeichnet war. darunter von dem So^ydes Vereinsvorsitzenden. Das „Israelitische Fam ili en bla t 1", — ein an geblich neutrales Organ, das in Wahrheit überall, wo es darauf ankommt, die Jüdischnationalen unterstützt —. gibt der Hoffnung Ausdruck, dah „diese Erklärung deutscher Juden ^bic letzte ihrer Art sei." Wir könnten uns dieser Hoffnung ^nur anschliehen, wenn Aussicht dafür bestände, dah die Zionisten und Zionisten-Genossen es nunmehr aufgeben, die deutsche Öffentlichkeit zu täuschen. Dafür bestehen aber leider bisher nicht, die geringsten Anhaltspunkte. Vielmehr ist mit Sicherheit anzunehmen, dah die Jüdischnationalen und ihr Anhangi fortfahren werden, der Oeffentlichkeit vorzu spiegeln, dah die Mehrzahl der deutschen Juden zionistisch sei. Und j?s ist weiterhin anzunehmen, dah verrannte Palästina-Fr:unde, mögen sie^sich nun offen als Zionisten bekennen ol er — schon insofern „irreführend" — als .,Nichtzionisten" bezeichnen, unentwegt fortfahren werden, vonsicheren Por aus Schiffsladungen neuer Menschenopfer stach dem Lande der Pogrome zu verfrachten. Solange dieses verantwortungslose Treiben anhäli. werden die deu t's ch f üblenden Juden nicht aus hören dürfen, ihre deutschen Volksgenossen jüdischen und nichtjüdischen Stammes über di. Unwahrheit der jüdisch-nationalen Behaup tungen aufzuklären. Es muh endlich in Deutsch lai.d verstanden werden, dah die weit über wiegende Mehrheit der deutschen Juden de: Zionismus und dem jüdisch-nationalen Palä stinawerk mit schärfster Ablehnung gegenüber steht. Und noch eines. Es ist uns bekannt, dah man versur hat. auf Unterzeichner der „Erklärung de ul scher Juden" durch wirtschaftlichen Druck dahi e i n z u w i r k e n, dah sie von dem weiteren Zusammengeh mit den Führern des „Naumann-Verbandes" A stand nehmen. Wir werden zunächst abwarten, ob wirtli jüdische Teutsche. die einmal den Mut zu einer ehrlichen in entschiedenen Erklärung aufgebracht haben, schwach genug sin... nachträglich ihre Gesinnung gegen wirtschaftliche Vorteile opfern. Der weiteren Entwicklung dieses Teils der An gelegenheit sehen wir mit lebhaftem Interesse und mit den: Vorbehalt, auch auf diesem Gebiete zu geeigneter Zeit Aufklärungsarbeit zu leisten, entgegen. M.N.