Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 11 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 Stiefel »hne Sohlen. . Nach einer Meldung der 2. T. A. Und wieder 150 Ehaluzim aus Oitgalizien nach Palästina abgereist/ nach einent ..ehrenvollen" Abschied durch die angesehensten Vertreter der jüdischen Behörden. Eine spätere Nachricht kommt aus Bukarest und . berichtet, das; sich ein Dampfer mit etwa 500 Thaluzim, teils polnischer, teils rumänischer Herkunft, nach dem Igelobten Land" eingeschifft hat. Wenn inan diesen Nachrichten all die unzähligen Notizen unserer Tageszeitungen gtgcnüberstellt, die von der nach wie vor auherordcntlich kritischen Lage in Palästina und von dem Bevorstchen neuer schwerer Unruhen sprechen, erscheint die Tatsache der erneuten (lhaluzim Einwanderung als ein mittelalterliches (Greuel. Diele blühenden Brenschen, die im eigenen Lande für sich und andere Wertvolles wirken könnten, werden von den Dogmatikern einer 2dce bedenkenlos hingeopfert. Es ist wenig damit getan, das; die zionistische Preise mit Genugtuung und Stolz von dem unentwegten Heldenmut spricht, "der diese Brenschen treibt, im Land der Vater ihr eigenes Leben aufzudanen. Viele unter ihnen, vielleicht die Mehrzahl, wissen wenig vier nichts - von den Leiden, die ihrer warten,>iie sind berauscht von den feurigen Neben geschickter Parteimck^icr, die ihren Verstand in phantastische Vorstellungen einzuwicteln wühlen, „oder es drängt sie, zu zeigen, das; sic etwas Besonderes sind und leisten können, wie damals im Weltkriege, als Kinder, die den Krieg nicht kannten, singend in 1>as mähende Feuer der Braschinengewehre marschierten, Rein, man soll nicht mit den Ehaluzim rechten, sondern m i t denen, i ie für diele U n g c h e n c r l i ch k c i 1 c n verantwort! : ch sind. Und das lind neben den Führern der zionistischen Cr< aniiatioii im gleichen Maste d i e Eltern. 2o w e n i g auch in u ii' c r c r c i.t Die "Autorität g il.t - dast sie in diesem traurigen Falle an den noch B i ii b e r j ä h rige n nicht geübt wird, ist ein V c r l r e ch e ».' Selbst wenn die jungen Siedler oder' Siedlungs-Anwärter - die meisten kommen gar nicht zur 1a n d w i r i sch a f t - lichen "Arbeit, sondern vermehren die grvhe .fahl der "Arbeitslosen - von Pogromen verschont bleiben, wertet ihrer schwerstes wirtschaftliches Elend. Den deutschen Ellern zur Warnung iei hier jenes Liedchen zitierst, das der zioniiten freundliche --.Kommunist H o l i I i ch e r in feinem Palästina buch anführt: [ „Ich bin a armer Ehaluz. Ehaluzl aus Ponen, orf; loif af Stiefelach. Stiefelach ohn Soilen.st Judenfeindschaft in Sowjetruhland. 1 Nicht nur England hat es schwer. ..zwischen teil feindlichen Parteien in) Palästina zu jonglieren.'die es elvst nach allen Negeln der politischen Kunst herangezogen und aufcinandergehetzt hat. auch die Sowjets haben ihre Sorgen. Eigentlich wollten iie selbst ein Palästina in "1 enaufsagc gründen und haben eifrige'Propaganda dafür getriek en, indem iif eine feiiidielige Haltung zum eigentlichen Zionismus einlUlhmen. zugleich aber den 2udcn Landstriche.in ihrem eigene» unendlichen Neiche zur Urbarmachung anwiesen. 2r Sibirien und später am Kaukasus sollte ein 2udenreich unter dem Protektorat der roten Fahne erblühen, aber gll diesen sc>önen und nicht ganz selbstlosen Plänen macht: jetzt die bewährte russische oudenseindschaft einen Strich durch die Rechnung. Ter "Antisemitismus ist nicht mit dem Zarenreich in die LstEl geflogen. Die 2. T. "A. meldet Ritualmordhetzen aus dem Kaukasus. 2n der Ukraine fanden Bauernaufstände wider die jüdischen Kolonisten statt. Das Und Menetekel, die nicht übersehen werden können. Die Sowjetregierung ist noch richt ganz entschlossen in ihrer Haltung, denn iie befindet sic; in einer Zwickmühle. Es geht schwer an, einerseits eine artireligiöse Propaganda zu treiben und die Juden am Verfähnung^tag zur "Arbeit zu zwingen, wie das in einigen Bezirken geschehen ist. und andererseits für die Gründung eines jüdischen "Reiches cinzutreten. - > ■ Natürlich werden ichliestlich zur Wahrung dckr Staatsaulcrität ernsthafte Mahnahmen gegen die aufständischen Bauern ergriffen werden, genau!w:e in Palästina. "Aber wie in Palästina werden diese Mahregeln nichts nutzen, denn die bedauerlichen Vorgänge beruhen hier wi.e dort auf der gleichen Ursache. Jeder Versuch ein er geschlossenen oudensjedelung auf jüdisch-nationaler Grundlage muh und wird an dem Widerstand der Umwelt scheitern, wo immer er unternommen wird. Gegen Pogrome gibt es nur ein Rezept: restloses Aufgehen im Volkstum des ..Wirtsvolkes". Diese Kur braucht Zeit und kann sich nicht ohne Rückschläge vollziehen, denn gerade den Hu9 dem Cageskampf. Sohlen. I Juden des Ostens steckt t die jüdisch-nationale Krankheit tief in Körper und Geist. Und trotzdem: die Kur muh einmal begonnen und durchgemacht werden, denn sie allein kann zur Heilung führen. Versöhnungstag. Der Berichterstatter, der ..Vossi scheu Zeitung" sendet aus Jerusalem eine eindrucksvolle Schilderung der Ver söhnungstag-Feier an der Klagemauer und ihrer Störung durch den mohammedanischen Gebetrufer. Die Schilderung schlicht wie folgt: Der Muezzin zieht sich zurück. Ein Polizist schließt die Pforte zur Omar-Moschee. Das Schluchzen versickert und geht in ein dumpfe« Gemurmel über. Man wartet voll Angst und Inbrunst, bis der Klang des Widderhorns verkündet, daß das Gebet der Veriöhnung erhört und der Friede mit Gott und den Menschen da ist. Aber der britische High Commissioner meinte, dac- Schmettern des Hornes könnte die Muslim aufs neue erzürnen, und so bleibt d s Horn stumm. Die Akten packen langsam ihre Gebetmäntel zusammen, die Jungen gehen rasch ihre« Weges Der Chef der englischen Polizei, monokelbewebrt. in der Hand die kurze Reitpeitsche, kommt an die Klagemauer, um einem hohen O'fijier des t>ansjordavischen Grenzkorvs die strategiiche Lage zu zeigen. Die Wachtposten salutieren. Sporen klirren All tighl. Alles ist glänzend verlausen. Ruhe und Ordnung sind vollkommen sichergestellt,nicbt der kleinsteZwischenfall. Aber der Tag der Versöhnung ist ohne Ausklang geblieben. Mancke meinen, er wird in diesem Lande niemals 'kommen. Sehr richtig! Der Tag der Versöhnung wird in diesem Lande niemals loinmen. solange nicht Zj^nisten und Zionisten freunde die wahre Situation erkennen und aus dieser Er kenntnis die einzig mögliche Folgerung ziehen. Eine Störung des -Gebetes an der Klage in auer ist niemals erfolgt, ^solange nicht der arabische N ä t i o n a I i s in n s d u r ch den zionistischen Nativ ii a l i s m ii s a u f q e p e i t s ch 1 war. l „Parvenüs." Nachdem die "Angelegenheit Sklarek viele Wochen die nach Belieben dehnbare Teigmasse gebildet hat, die von den Kuchenbäckern d st verschiedenen Richtungen mit dieser oder jener Zutat gewürzt wurde, und arachdem als^.die Mehrheit der Leserschaft rnchlich Zeit gehabt hat, sich an diesem schmackhaften Gebäck den Magen zu verderben, glaubt man nun auch bei der „ Z ü d i s ch e n, R u n d s ch a u" die Kon junktur wahrnehmen -u müssen, ehe sie endgültig vorüber ist. Das Blatt fetzt sein» Lesern unter der Schlagzeile „Die S k l a r e i s" ein ethi ches Histörchen vor oder, um im Jargon seiner literarischen Fr unde zu reden: eine „Schmonzctte" mit ethischem Zuckerguh. Ter ist so dick aufgetragen, dah niemand die „erzieherische" Absicht verkennen kann, o nein, man appelliert sogar an >as Mitleid: „Sie ldie Sklakeks) sind einerseits armselige Menschen. die alles, was sie taten, mit dem Gefühl der Unsicherheit übten", aber andererseits „lieg! die Vermutung nahe, dah es sich um Parvenüs handelt jedermann heit" dazu gehören dabei im voraus zu können. "Aber es hat zuständig sind. Denn neuerdings einen grössten »istische "Artikel und Juden durchweg selbs wir nicht schleunigst eingehen." Professor i st die moralische Menschen, der Gefälligkeiten erweisen.um unter die dem Paravent dieser Bekanntschaften Schiebungen zu verüben". Wir sind der An icht, das; schon eine „hinreichende Sicher musz, Gefälligkeiten zu erweisen und berechnen, welchen Lohn sie einbringen den Anschein, dah wir hier wirklich nicht nach Professor Einstein, der Teil seiner kostbaren Zeit auf zio Briefe verwendet, sind wir deutschen in Gefahr, Sklarels zu werden, soferi :n die jüdischnationale Volksgemeinschast E i n st e i n schreibt: „W i e g r o Gefährdung des jüdische, den Zusammenhang mit der jüdischen Volkskörper verloren hat und vo dem Wirtsvolk als Fremder abgesehen wird. Oft genug ist schnöder, freudloser Egoismu aus solcher Situation erwachsen." Also, hätten sich die Sklareks rechtzeitig die Heil, lehre des Zionismus zu eigen gemacht, so würden sie wal; scheinlich keine Schiebungen begangen haben. Herr Professor Einstein, der jüdischnationao Literat, wird gestatten, dah wir auf Grund durchaus al weichender Erfahrungen auf diese seine Schluhfolgerung d-c Relativitätstheorie des Herrn Professor E i n st e i ndes grohen Gelehrten von-internationalem Ruf zur Anwendung dringen. Schriftleitung und verantwortlich: Margo W olff^Berlin W 62; Berlagi Verband nationaldeutichec Jaden E. V., Berlin W 35 — Druck von Rob. Rohde G. m. b. H, Berlin W.35. — Air Herausgabe und Schciftleitang in Oesterreich verantwortlich: Verband nationaldeutscher Judesr. Wien II, Pralerstrahe 34, Zimmer 22.