Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 11 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Dl« Stellung der evangeUfeben Kirche zum Judentum. Von pfamr und Gerade in unseren Tagen ist die Frcwe der Stellung der vangelischen Kirche zu dem Judentum durch das Büchlein des Tladtpfarrers a. D. E. Leim parier: Evangelische Kirche Und Judentum <1928) vill umstritten, Branders heftig hat sich gegen,ihn und s< ine judenfrcundlichc Einstellung der ehemalige Generalsuperintcndent l>. Kehler, ein Vorkämpfer der evangelischen Juden- »ijssion, gewandt'). Das ganze hier gegebene Problem dürfte die evangelischen Deutschen wie auch die deutschen T'iibcn interessieren und ist für die Frage einer zunehmenden Befriedung der deutschen Gesamtbevölke ung wichtig. Trotz mancher Jrrtümer im einzelnen und einer nicht zu verkennenden Tendenz des Ganzen liegt in der Erkenntnis der Notwendigkeit der Untersuchung dieser Frag! von der heutigen Theologie aus und in der versöhnlici verständnisvollen Stellung Lamparters ein Fortschritt, d,m D. Kehler und andere evangelische Gegner Lamparters i icht gerecht werden,, der dagegen von deutschen, der eoang tischen Kirche vorurteilslos gegenüberstehenden Juden mit Dank begrüht werden wird. Wenn ich der freundlichen Aufforderung des Verbandes nationaldeutscher Juden Nachkomme, und über das vorliegende. Thema eine Darstellung zu geben versuche, so möchte ich von vornherein be oneu, dah ich trotz dieser lAnerkennung Lamparters und tr >h der Zustimmung zu manchen in der Form freilich wenig erauicklichen -), sachlich richtigen Einwürfen seiner Gegner mi h von beiden unterschieden weih. Ich will versuchen, möglihst ohne tendenziöse Subjektivität, die vorliegende Frage zu untersuchen. Solche gnmdsätzliche Darstellung wird von bejr geschichtlichen Geprlvatdozcnt Hz. Dr. Raadt. Sprache wie des hebrci chen Schrifttums die schroffe Polemik gegen das Judentum fmstgeführt, so z. B. Eisenmenger in seinem Buch: „Entdecktes Judentum" <1700)''). Demgegenüber wirkte in Hamburg zur gleichen Zeit Edzardi in hingebender Liebe zu dem Juden als Vorläufer der späteren Judenmission. S p e n f r, der Begründer der sogenannten pietistischen Richtung iiinerhalb der evangelischen Kirche, nahm die Indenfrage unter seine berühmten „Pia desideria" auf und trat der Schroff h it der orthodoren Polemik mst der Forderung der verstell nden Liebe entgegen. Ein späterer Pietist I. Callenl l rg begründete in dem lnstitiitiim Judaicum eine Anstqlf, die tüchtige Missionare ausbildete, Art des Pietismus unter dem Judenaus dem Pietismus her^orgegangene de die in der versöhnliche^ tum wirkten. Auch Brüdergemeinde hat darf Judenmission Lieberkühn hat u lter der Führung des Grafen Zinzen - getrieben, und der Name.eines Samuel cls der eines besonders verständnisvollen,, ans aufrichtig! r Liebe zum Judentum arbeitenden Mannes die Zeiten M f, al gebenheit ausgehen müssen, um dann die zu erörtern. Die geschichtliche Darstellung mi h Stellung zum Judentum beginnen. Lull Juden ist anfänglich eine durchaus fr< scheidet sich starf von dem fanatischen Irdenhatz. wie wir ihn heutige Problematik bei Luthers ers Stellung zu den, ündliche und unter- B. bei Johannes schreibt er in dem hie Juden nicht so noch Christen unter Wer wollte Christ h mit Menschen um- Jesus Christus ein itz Päpste, Bischöfe, verfahren seien, dah Jude werden mögen: sie Hunde und nicht lätten ihm bekannt, Predigt wohl immer im Katholizismus jener Jahrhunderte, a Capistrano, weit verbreitet finden. SP „Magnifikat": „Darum sollen wir unfreundlich behandeln, denn es sind ihnen zukünftig und werden täglich... werden, so er sieht Christen so unchristli gehn?" In der kleinen Schrift „Dah geborener Jude sei" meint Luther, d Mönche usw. mit den Juden bisher so darüber ein guter Christ wohl hätte ein man habe sie behandelt, als wären Menschen. Fromme getaufte ,Juden dah sie ohne die neue evangelische Juden unter ihrem Christenmantel geblieben wären. Er hatte so die Hoffnung, dah die Juden in grotzen Scharen sich der Reformation anschliehen würden. In dieser Hoffnung sah er sich getäuscht. Ja, ein polnischer Jude ist es' nach einem Brief Luthers an seinen Freund Amsdorf gewesen, der den Auftrag übernommen hatte. Luther zu vergiften. Weiter erregte Luther die Nachricht, dah drei Juden, denen er eine Empfehlung für sicheres Geleit mitgegeben hatte, Christus einen „Thola", d. h. einen erhängten Schächer, genannt haben sollten.') Diese Erfahrungen, wie vor allem Luthers Kampf gegen den Wucher, der ja gerade von Juden schwunghaft getrieben wurde, wandelten die Stellung Luthers volliländig. In der der ganzen Zeit und gerade Luther in nicht geringem Mähe eigenen schroffen Polemik hat er in seiner späteren Zeit, z. B. in der Schrift: „Von den Juden und ihren Lügen", die Juden angegriffen, obwohl, wie l). Kehler mit Recht hervorhebt *), ihm die ablehnende Haltung der Juden nicht nur Zorn, sondern c^uch „tiefes Herzweh" bereitete. Luthers Beispiel hat sich in seiner Doppelseitigkeit in der evangelischen Kirche ausgewirkt. Das ( Zeitalter der Orthodorie hat bei anherordentlicher Kenntnis der hebräischen Die Aufklärung in der europäischen 8 sich praktisch versöhn, die Weltreligionen der Menschheit, in in Moses M e n d eine geistig hochsteheji deutschen Christenheit Religionen milderte gegenseitigen Polemik, mit anderen Motiv evangelischen Kirche zumeist ^nicht auf dir lischeu Christentums 1809 eine Gesellschaft den Juden - gegründles dauernd die Führung erst bedeutend später So in Deutschland 1 1870 und Basel konferenz zusammeng^ täten entstanden Israel", aus welchen sowie das gleichnamig Während das erster heutigen Judenmi Institut heute rein sieht auch bedeutend Die Judenmissionsge l Warschau wichtige der verschiedenen der Judenmission Missionsrates beschlcj sei Uebertritte zur eva 1925 z. B. in ganz Uebertritte von geringer sind. L e Uebertritte auf mel aus den achtziger jö irl Für diese dah die Judenmissi n wohl durch die eva einer regelmähigen aber nicht einfach Judentum repräsentiere lautbanmg einer I Handlung eines Jukjen solche verantwortlich amerikanische Kirchen Sache gemacht. > ') Messiasbote 1929. 1. Heft S. 8 ff. t *) a. a O. S. 5. Lamparter ironisch als .Schnftgel-hrter" bezeichnet. S 12 ihm .Einflüsterungen" voraeworfen und abnliche«. ') Dgl. I. KoeMin. Martin Luther. 1903. 5 A Bd. 2 S. 43 ff. *) 'a. a. O. <5- 6. i *) Bgl. hierzu u Artikel in der „Religi Mission" Bd. 3 S 466 «) Bgl. Sdr le ' Juden" 1884-1892. überdauert. gpb dem Judentum eine neue Stellung schheit: Der Menschheitsgedanke wirkte ijd aus: L e s s i n g s „Nathan" stellte ebenbürtige Wettkämpfer zum Wähle ldrzlicher Verträglichkeit" nebeneinkmdll: : l s s o h ii erstand aus dem Judentum pe religiöse Persönlichkeit, die in der Achtung errang. Der Gegensatz der ljich, was nicht mir eine Milderung der sondern auch, wenn auch verbunden ul, den Uebertritt vieler Juden zur Pi: Folge hatte. Dieser Uebertritt ging Ite missionarische Einflüsse des evangeirück. Zwar wurde in England bereits zstir Beförderung des Christentums unter aber autzerhalb Englands, welches in der Iudenmissiou behielt, entstanden organisierte Judenmissionsgesellschaften. 3 32s in Berlin, in Köln 1843, in Leipzig '’l, welche als deutsche Iudenmiiiionschlosicn sind. Auch an den Universi- Hdemische ..Missionsoereinigungen für das lnstitutum Judaicum in Leipzig e Institut in Berlin sich entwickelten, die wichtigste Ausbildungsanstalt der are .bildet, widmet sich das Berliner religionswissenschaftlichen Studien und jüdische Gelehrte zu Gastvorlesungen, lschasten hielten 1927 in Budapest und Tilgungen ab. wobei offizielle Vertreter n anwesend waren, und die Aufnahme die Aufgaben des Internationalen n wurde. Trotzdem ist die Zahl der «Ikielischen Kirche auch heute recht gering. Deutschland 226. wenn freilich auch die n zum Katholizismus noch bedeutend o i °) berechnet die Zahl der jüdischen als 200 000, eine Zahl, die freilich ren des vorigen Jahrhunderts stammt. 1E3 nifiii Kir io i In f I, ) geschMliche Darstellung bleibt zu beachten, sgesellschaften freie Vereine sind, die feilsche Kirche, z. B. durch Gewährung lichen Kirch nkollelte. un'erstützt werden, Stellung der offiziellen Kirche zum Es wäre verfehlt, für eine Vern. ppenmisfionsgesellschaft oder gar für eine Missionars die evangelische Kirche als zu machen. Nur einzelne englische und haben die Judenmission zu ihrer eigenen , d zum folgenden den gut informierenden in Geschichte und Gegenwart, 1929, J-den- <v. Harling) » oi: „Die evangelische Christenheit und die iin f <