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Der nationaldeutsche Jude · 1929-11-01 · Nr. 11 (November 1929) · p. Seite 2

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1929
Issue
Nr. 11 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Impreffionc^i und Ghettomauern. Sin Bericht. ~4 lieber unsren Vortragsabend vom 26. September d I rqurde scbon in Nr. 10 urft re§ Mitkeilungsblaitetz unter .BerbanvSnachrichten" kurz berrcktet. Der nachiolgende Auöatz. den der Vertaner zu bescheiden einen ..Bericht" nennt, gibt eine Zusammenfassung und Fortent vickelung der Grnndgeoanken. die von dein Har ptredner in seinen» Bortragr und von dem Lerkosser selbst in der ^Diskussion ausgesprochen wurden. Tie Schristleitung. Welchen Einflüssen cs zuzuschreiben iit. daß "Ä aller R a t h e n a u ' s „Impressionen" aus dem Bu hhandel verschwunden Und, öt mir niht bekannt. War er ielbst in späteren Jahren geneigt, in den Titel der eriten "Abhandlung: „Höre. Israel!" eine Art Blasphemie zu e blicken? Hat man von interessierter Seite aut ibn eingewir t? Ich weiß es nicht. Jedenfalls beinln kein Recht, sein am (>. März 1897 zuerit in der „Zukun'l" erschienenes „H ö r e, I s a e I!" als eine unreife Jünglingsa beit abzulün, denn der Verfasser, war damals 30 Jahn alt. kein unbekannter'Mann mehr, und batte Welt und Lfbcn bereits eingebender kennen gelernt als manch anderer.So iitauch sein Viograpb, Harri» Grat Keßler iS. 42 und 451, recht ernitbaft aut dielen Mabnruf eingegangen, er sagt: „Kein böbles Palbos war dieier "Aufschrei, tondern ein Hilferuf aus tiefster Not." Und er zitiert: „Was alio muß geschehen? Ein Ereignis obne geschichtlichen Vorgang: Tie bewußte Selbiterziebilng einer Raile zur "Anpassung an fremde "Aiitorde- ^trngcn. "Anpassung nicht im Sinne ber „m.iinicry" Tarwins, ’rueldic die Kunil einiger Jnieilen bedeutet, sich die Farbe ihrer Umgebung anzugewöbnen. sondern eine Anartung .in dem Sinne, daß Ttammeseigenschakten. gleichviel ob gute oder schlechte, von denejr es erwicien iit. daß ne den Landesgenossen verbaßt iind, abgelegt und durch geeignetere ersetzt werden. Tas .Ziel des Prozesses toll e n nicht imitierte Germanen, sondern deutsch geartete und erzogene Juden lein?' Tiefe Ueberze'ugung von der Notwendigkeit einer bewußten Selbst erzießung zur "Anpassung an das Teutschtum, sagt Graf Keßler, „festigte sich in N wchlr e n a u von Jahr zu Jahr: iie bot ibm den sicherste:» Halt gegen das Geipenit der Unsicherheit. das er in ach füblte, und in diesem Sinne bat er auch an iich lelbn geformt." Wäre l lr. V, a x N a u m a n n in seinen Reden und Schroten nur bald io itreng mit unseren Stammesgenoöen ins Gericht gegangen wie "it> aller N a I b enau . er wäre noch mebr verketzert worden, als dies ohnehin geschehen in giid noch geschieht. Tein Vortrag „G h e l l o m a u e r n aus Worten", der am Verbandsabend vom 26. September 1929 eilt aufmerksames Publikum um ihn versammelte, behandelte ein Teilproblem des großen Themas, nämlich den freiwilligen "Abschluß, den iich Juden unserer Tage und in liiticrem deutschen Vaterlande selber schassen durch die undisziplinierte "Art ihrer "Ausdrucksweöe. Heitetes und Ernstes möchte iich in den interessanten. "Ausführungen .des Redners. Ridendo dicerc verum, s e verum . . . : die lachende Träne.im Knopfloch .... das etwa war das Motto des "Abends. l)r. 9k a u m a n n hatte zunächst eine Sammlung von "Ausdrücken zusammengestellt, die, aus dem Hebräöchen stamtnend, von Juden im geschäftlichen Gespräch oder in der Unterhaltung angewendet werden. Es folgte eine "Anzahl von Wendungen, die, aus dem Teulichen herrührend, verjüdelt worden lind. So weit betraf sein Vortrag das Wort im engiten. im philologischen Sinne. Ein Teil dieser Worte ist in die saloppere "Art der deutschen Unterhaltungssprüche bestimmter Bevölkerungsschichten übergegangen. So hat sich - der Soldat im'Kriege manchmal im „Schlamassel" befunden. Tie Beispiele ließen sich vermehren, Es folgten wsiter die nach Formulierung und Tonfall als ipeyfiid» jüdnch anzusehenden Redewendungen, itr denen kein einziges a ts dem Hebräischen oder Jiddischen stammendes Wort vorzu ommen braucht und die doch jenes „Mäuicheln" ausmachen, mit dem man jühische Figuren so leicht zu komischer Wirkung zu bringen vermag. Frage mit Gegenfrage und "Antithese sind lekanntlich die Formelemente dieser in unserer „Zwischenschicht ‘ leider noch sehr verbreiteten Redeweise. Ein bekannter Theaterkritiker scheint dies für einen Vorzug zu halten, denn er sagt von seinem eigenen Stil, daß er „gleichsam im steingeschnittenen Tonfall mauschele". Geschmacksache! Schließlich reden die Sprößlinge der alten Germanen ja auch nicht mehr in Stabreimen. Wir nationaldeutschen Juden und mit uns zahlreiche Gesinnungsgenossen sehen in all dem nicht nur Unfug, sprachliche Nachlässigkeit, sondern etwas viel Schlim meres: ein Hindernis unbefangenen Verkehrs, eine Er schwerung des Zueinandergelangens. Tie Gewohnheit, sich im Gespräch dem Mitjuden gegenüber anders auszudrücken als gegenüber dem christlichen Volksgenossen, die Notwendig leit, ein Gespräch, die Erzählung eines Histörchens „glchamig" abbrechen zu müssen, wenn dieser Tritte hinzutritt, errichten tatsächlich trennende Schranken, Ghettomauern aus Worten. Tie verderbliche'Rolle eines Teiles der Presse streifte der Redner nur kurz," aber gerade dies Thema wurde in der ausgedehnten "Aussprache lebhaft und leidenschaftlich erörtert. N a t h e n a u , sagt: „Ihr seid aufgeklärt und witzig. Aber Ihr sollt die Seele und das Gemüt Eurer Landesgenossen begreife» und ehren, anstatt sie durch vorlautes Urteil und frivole Ironie zu verletzen. Worte sind die Waffen der Schwachen: wehe dem. der mit vergifteten Pfeilen kämpft." Und an anderer Stelle: „Könntet Ihr Euch einmal mit fremden "Augen sehen, .... Ihr. die Scharfschützen der Beobachtung und des Sarkasmus. -— welche Vergleiche fändet Ihr heraus!" Ironie, Satire — wer hielte sie für entbehr lich? Weder R a t h e n a u . das beweisen z. B. seine spanischen Reöenotizen, noch wir nationaldeutschen Juden, das beweist z. B. so manches „Zwiichenfeld"-Gedicht unseres Hans Reusa ch s. "Also Frivolität! Was würde Rathenau gesagt haben, wenn er in dem sogenannten „Bilderbuch" eines unserer Weltanichauungsfeuilletonisten ein Bild gesehen hätte, in dem eine Gruppe deutscher Heerführer des Weltkrieges porträtiert öt und das die unglaubliche Unterschrift trägt „Tiere sehen dich a n". Man sieht: auch „Satire" kann zum Roheitsdelitt werden. Zufällig kenne ich einen dieier Männer, schätze seinen feinen und edlen Charakter, betrauere mit ihm das Schicksal, das ihm im Kriege den einzigen Sohn geraubt hat. und danke ihm für die Zartheit, in der er mich selbst bei ähnlichem Anlaß zu trösten versucht hat. Soll sich nicht, wenn man solchen Mann derartig besudelt sieht, die Faust ballen? Und wenn das schon bei mir, dem Fernerstehenden, der Fall ist, müßten nicht einem, der dem Verunglimpften n a h e st e h t. die milderndsten der milden Umstände bewilligt werden, wenn er einen „Eesellichaftskritiker" dieier "Art fühlbar zur Rechenschaft zöge?- Und W orte sind es. einfache Worte, vielleicht Worte eines Mannes. dessen Mut einzig und allein im Füllfederhalter steckt. Richteten sie doch um ihn allein eine Schranke auf! - Aber sie bauen Ehettomauern um zahlreiche Männer und Frauen vielleicht von weniger „Witz", sicher aber von mehr Geist, Herz, und Geschmack, die' Urteilslosigkeit für seinesgleichen hält! > Roch vieles Kluge und Nachdenklame wurde an diesem interessanten Abend gesprochen. Nicht eine einzige Stimme erhob sich zur Verteidigung oder Beschönigung der Sprachungezogenheiten und der literarischen Geschmacklosigkeiten, die gegeißelt worden waren. Höre, Israel! Dr. A. P. t Biicberfcbau* Eingegangen sind: Wilhelm o. Scholz: Ter. W e g n a ch I l o k. t Hören-Verlag, Berlin.) Felir A. Theilhaber: Goethe Serus und Eros. <Hören-Verlag. Berlin.) Ludwig Lewisohn: T a s E r b e i m B l u t. (Paui Ljit Verlag, Leipzig.) S. R. Minzlbff: In geheimem Auftrag. (Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig.) H. E. o. Kalinowsli: Judas Jschariot. (Verlag Erunow & Co., Leipzig.) Besprechung erfolgt in der nächsten Rumnter.

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