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Der nationaldeutsche Jude · 1929-09-01 · Nr. 9 (September 1929) · p. Seite 4

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1929
Issue
Nr. 9 (September 1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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frcude in Zürich —I Pogrom in Palästina. > iuerft abgedruckt in der „Kölnifcben Leitung“ am 3t. Huguft >929. Von Dr. M*x Ntumann, Wenn ein nichtjüdvcher. Deutscher, der natürlich über „innerjüdiichc" TiNge wenig unterrichtet ist, die Berichte über den Zürcher Zioniitenkongres; liest,, muh. er anüehmen, die gesamte Judcnlieit der 'Welt babe sich tn_ Zürich mithörbarem Buck deni Zionismus zugewandt. Selbst in dem von der ...kölnischen Zeitung" am ,16. August 1929 abgedrucklen Berichte tomint diese Anschauung, pie nur in einem Milieu betriebsamer Berufszionisten und wirklichkeitsfremdcr Schwärmer entstehen konnte, zum Ausdruck. Der Verfaücr des Berichtist dem Einiluh dieses Milieus derart unterlegen, das; er meint, nur noch „kleine unbedeutende '-Kreiie. die im Zionismus obne Grund eine! Schädigung ibrer staatsbürgerlichen Stellung befürchten." widerstrebe.der ..Einigung des gesamten. Judentums". Ich spreche hiermicht nur für .die aikivistöche Gruppe deutscher Juden, die im B e r d a n d n a k i 0 n a I d e u t s ch e r Juden organisiert iit, Glidern kür die überwältigende Mehrheit der ganzen deutschen Judenheit. wenn ich feststelle: An der Stellung der deutschen Juden! zum Zionismus-bat iich nicht das geringste geändert, und rzon einer Einigung über das Pa löst in a-!I n t egn e b men i a n n c r n it I i ch nicht die Rede fein. 'Was r: in Wabrbeit das Ergebnis der Zdrcher Vorgänge? "li.tiis weiter, als dah die schon vor chs Jahren be>chiol>ene Erweiterung der sogenannten ^exvisst Aktency nun mcbr .in ieste Form gebracht worden ist. Man hofft in;ionisti?ü>en >trei>eii. damit die Finanzierung' des Palästliur!l".lernebmens gefördert zu haben. Wir wollen abwaiten. ob auch nur.d ie se Absicht erreicht u erden wird. Jedenfalls ii die Tatsache, das; man trotz heftic stcn Widerstandes im eigenen jüdi'ch nationalen Lager sich entschlossen bat. »ogenannte Richlzionisten zur Mitarbeit zuzulassen, eine Bankerott Erk.lärnng des Zionismus selbst, der etrotz dreizebnsähriger Werbelätigieit nicht. fertig gebrack t hat. aus eigenes Brail das Unlernelimeizüber Wancr zu halten. Und damit erfüllt iich wörtlich, was ich Irrt. Jah:e 1923 anläfilicku des damaligen Karlsbader Zionjstenkongresses schrieb: Tie Gegenwart beiht Bankerott. Der Konnreh bot das Bild einer Versammlung aufgeregter Geichäftslule. die aus dem ,lu>ammenbruch eines Unternehmens zu retten versuchen. was;u retten ist. Und auch der Ausweg, zu. dem inan >ich nach barten Kümpfen cntschloh, cn spricht ganz dem belannlen Schema wirtschaftlicher Tanierr ngsattionen. Man f'.üirl das Geschäft.unter unveränderter Firma fort, aber das Unternehmen selbst wird „umgestel t" und vor allem wird von auszcn her fri'ches Bctriebskcpital heran gezogen .... Tie Jewish Agency .... soll )urch Heranziehung uichtzionistücher Juden erweitert werden Der 'Weg ist frei iur die amerikanischen, englischen und deutschen .lwischenichichtler, die Finanzleute und Rabbi ier, die als Hcimtriegcr des Zionismus Geld für, Patäi ina spenden oder anderen abichwatzen, aber selbst nicht daran denken, ihr trotz des böien „Antisemitismus" noch irimer leidlich' bebctgliche- Wohnland zu verlassen. Tie werden in Zukunft als Mitglieder des Ausüchtsrats mit Zionisten gemeinsam, über Lrgani-ation und Finanzkontrolle bebakt eren dürfen, aber geschehen wird, was die zionistischen Direktoren wolle». '..Von deutscher Zukunft", Verlag Ulbert Goldschmidt. Berlin 1924, -B- 26 27.) Soviel zu der finanziellen'Frage. Aber, so wichtig auch die Geldbeschaffung sein mag. die Errichtung der „nalionaken Heimstätie" in Palästina ist nur nebenher ein Fi ranzprobleni, in erster Li»ie dagegen ein Komplcr,n.a t i 0 V a l e r und p 0 I i t i s-ch e r Fragen. In d i e s p r Hinsicht aber bezeichnen die 'Vorgänge in Zürich noch deutlicher, als' es in Karlsbad vor 0 Jahren geschah, einen ganz unvertennbiren Rückschritt des Zionismus. Ticic Tatsache kann durch künstlichen 'Jubel nicht verschleiert werden. Dip „Basler Nachrichten" treffen den 'Nagel aut den Kopf, indem sie den Teilnehmern der Zürcher Tagung „offensichtlichen Mangel an Verständnis für die realen Möglichkeiten, des prak tisthen Gebens und ein fast kindliches- Nicht'ebenwollen der Hindernisse".bescheinigen. Tie „Verwaltung" Palästinas, der die fcxvisli Agency nach der Mandatssatzung „Rat und Mit arbcil" leisten soll^ hciszl England. Tie wird verkörpert durch kühl-politische Beamte, die diirch langjährigen Kolonialdie im Verkehr mit „Niggern" jedtr Farbe geschult sind uu genau wissen, wie man ein aus den verschiedensten Bestan. , teilen zusammengesetztes Bcvölkerungsgemisch zu Nutz mu Frommen des alleinseligmachenden England regiert. Jerusalem, der. Hauptstadt dieser winzigen, aber durch ily Lage strategisch bedeutungsvollen Kolonie, werden nach am. lieber Feststellung 27 verschiedene Sprachen gesprochen, dar unter Arabisch fast soviel wie Hebräisch, obwohl unter bei. hechräischiprechenden Einwohnern natürlich "bje grohe Meng, der aus den verschiedensten Ländern stammenden Berufzioniiten mitgezählt ist. 2n ganz Palästina machen dir Jnpey. cinschlichlich der alteingesessenen, dem Zionismus aus gesprochen feindlich gegenüberstehenden, noch nicht 20 e:0 der Gesamtbevölkerung aus. Die Zahl der Araber beträgt das Vierfache, die Zahl der Christen mehr als die Hälfte der Juden. 'Wie regiert man ein Land, in dem die 20 °'o, gestützt auf nichts als ein englisches Versprechen, durchaus estie „nationale Heimstätte" errichten wollen? Nichts einfacher als dies. Man spielt die Bevöllerungsschichten systematisch gegeneinander aus, hetzt sie geeignetenfalls durch Geld und Worte aufeinander, lässt die Unruhe nicht ausgehen und hält sich in jedem Augenblick die Möglichkeit offen, durch Eingriff von oben die eigene Machtstellung zu stärken. Nach diesem Rezept shat England von jeher mit der in einigen hundert Jahren-Kolonialpolitik erreichten Meisterschaft gehandelt. Man hat sich von den Zionisten Ttraszen bauen, Sümpfe aus trocknen, - Bewässerungsanlagen errichten und den steinigen Boden zu- Kulturland umschaffen lassen. Dann hat man die jüdische Einwanderung gedrosselt, hat arabische Moham medancr der fanatischsten Art aus den Nachbarbezirken ins Landgezogen, hat die Juden aus der Beamtenschaft und Gendarmerie verdrängt, kutz, man hat seit Jahren den Juden eine Haltung gezeigt, die selbst der englische Zionist Lord Melchctt, früher Sir Alfred Mond, in Zürich als „unfreundliche Neutralität" kennzeichnen muhte. i Die Folgen dieser Haltung sind gerade in diesen Tagen fällig geworden. Schon im Jahre 1920 hat in Palästina ein regeirechter Pogrom stattgefunden. England verhielt sich damals nicht wesentlich anders, als der russische Zarismus bei ähnlichen Anlässen der Vorkriegszeit. Und heute? Während diese Zeilen geschrieben werden, ist in Palästina ein neuer Pogrom von anscheinend gröhtem Aüsmahc im Gange. Er ist von England gcradezü systematisch herbei geführt worden, indem man den' Zugang zu der altehr würdigcn Klagemauer den schärfsten arabischen Nationalisten öffnete. Heute finden in Jerusalem und an zahlreichen anderen Drten 'blutige Kämpfe statt. Schon sind mehr als 100 Tote, in der Mehrzahl Juden, und noch viel mehr Verwundete gemeldet. Ter Eisenbahnverkehr stockt, die Geschäfte sind geschlossen.die Kinder hungern. Kriegsschiffe. Flugzeuge, Truppen aller Art sind unterwegs. Man wird den Aufruhr dämpfen, natürlich, man wird auch wie 1920 ein paar Führer beider Parteien einsperren und, ein paar englische Beamte als Sündenböcke versetzen, vielleicht in ein angenehmeres Land. Aber die künstlich aufgcpeitschte Erregung wird andauern und sich früher oder später wieder entladen. Keine zionistische Organisation und keine mit amerikanischen Bankiers und deutschen Professoren aufgefüllte fexvisli Agency wird Eng land abhalten, auch in Zukunft sein Palästina nach dem Grundsatz zu regieren: Teile und herrsche! Wir deutschfühlenden Juden aber denken mit tiefer Trauer der irregeleiteten Jugend, die im „gelobten Lande" dem Machtwillen Englands und dem Unverstand der Zionisten geopfert wird. Nicht eine Verschlechterung unserer „staats bürgerlichen Stellung" befürchten wir. Aber wir wollen nicht mit ansehen, dah man den sogenannten Erfolg von Zürich dazu auswertet, die Kinder deutschfühlender Eltern dem deutschen Vaterlande zu entfremden und einer traurigen Zukunft, auszuliefern. Die Kräfte, des deutschen Volkes, auch die Kräfte der deutschen Jugend jüdischen Stammes, gehören nicht dem Aut bau einer mit Blut gedüngten englischen Kolonie, sie gehören allein dem Aufbau des deutschenVaterlandrs.

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