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Der nationaldeutsche Jude · 1929-08-01 · Nr. 8 (August 1929) · p. Seite 4

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1929
Issue
Nr. 8 (August 1929)
Date
1929-08-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Pfd. Aeg. auf 257 00t> Pfd. Aeg. zu reduzieren. Die rückständigen Gehälter der Lehrer und Beamten konnten ebenfalls nach einem Verzug von 5 bis 6 Jahren ausbezahlt werden, dagegen fehlen setzt noch die summen rür die Entlohnung auf laufende Rechnung. Alles dies lieg' ficb nur durch äußerste Sparsamkeit ermöglichen. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, daß die Vorgängerin der jetzigen, vor zwei fahren gewählten Exekutive bereits 90 000 Pfd. Aeg. auf Rechnung des Budgets 1927/28 auSgegeben hatte. SS in deshalb nur natürlich, daß die Tätigkeit der Erekutioe auf kolonisatorischem Gebiet ebenfalls stark eingeschränkt werden mutzte. DaS Erekutivemiiglied Mr. Sacker schätzt auf Grund der Erweiterung der Jewish Agency dir zu erwartenden Einnahmen für das Budgetjahr 1929 30 auf 750 000 Pfd. Arg. III. ' Palästina als Objekt der englischen Weltpolilik. Die Moskauer„Komsomolikaja Prawda" belaßt nck mit dem Siege der Arbeiterpartei, in England und den Zielen der neuen Ärbeiterregierung und meint, daß nun der Plan von Kenworrbn und Wedgwood. die>en einflußreichen Mitgliedern der Labour Partn Palästina in ein siebentes britisches Dominion um zuwandeln, der Verwirklichung näher gerückt sei. Palästina als britisches Dominion, heißt es dann weiter, werde im Rahen Osten ein Ausfalltor gegen die Sowjetunion bilden. Aegvpten und der Irak ieien ickön zetzt zu einer LusiflotrenbasiS auSgestaltet, nun werde Palästina zu einem militärischen Reservoir ausgestalter werden. ..Tie jüdische Bourgeoisie werde weiter die Rolle eines Agenten de-:- englischen Imperialismus im Kampfe gegen die Araber, die wirklichen Herren Palästinas, bilden." IV. - „Das siebente Dominium." Dbcrst Jos. E. Wedgwood, der an führender stelle der jetzt die Regierung stellenden Labour Party steht und deüen Ansichten daher besonders wertvoll sind, bat jetzt ein Buch veröffentlicht unler dem bezeichnenden Titel: ■ „T h e Stventh I) < > m i n i <> n." Er stellt feit, daß die Balsour- Dcklgraiion von England wenig beachtet und daß dadurch die zionistische Politik gehemmt würde. Er fordert die Umwandlung Palästinas in ein .siebentes Dominium" des britischen Imperiums, Eine solche politische Tat wäre in 'zweifacher Weise für Großbritannien von realpolitsschem Wert, Erstens entstände in jener wichtigen Ecke der Levante ein lebensfähiges, raich aufblübendes englandabhängiges Staatswesen als nützliche-:- Bindeglied zwischen Europa und Indien. Ferner aber würde England als wichtigen moralischen Faktor der Weltpolilik die Sumpaibien der »gesamten Judenheit von San Franzieko bis Shanghai" gewinnen, die nun zu England'als ihrem ..schützenden Bruder" aufschauen und überall den englischen Interessen in der Welt dienen würden. V. „Palästina als Kampfstärke der Gegenwart." Unter diesem Titel schreibt der ständige Korrespondent der „Hamburger Nachrichten": Jerusalem, im Juni 1929. ' Für da-:- spätere MandaiSgebiet ergab sich der Vorteil für den englischen Herrn.'daß seine Wirtschaft» licke Entwicklung vom gebefreudige': Judentum aller L ander getragen und damit in den Stand gesetzt wurde, wenn möglich restlos, die Kosten -ür ieine Verwaltung und seinen militärischen schütz aukzudringen. Das-heutige.Mandatsgebiet aber bedeutet siir England nicht e wa nur eia Sonderland mit Eigenleben, mebc losgelöst.von dem Jniereff; des britischen Staatenbundes. sondern die breite Landstu^e, von der die weitere Brücke, über die Gebiete der syseicken Wüste, nach dem Jrakslaat und weiter nach Indien führt. An Dominions mir oft sehr eigenwilliger Selbständigkeit bat England schon genug. Wo es irgend angehr, fchasit die britische Weltmacht, einheitlich von London her geleitet, Verhältnisse, die das Zustandekommen eines in sich geschlossenen SlaareugcbildeS möglichst verhindern. Palästina von beute zäHft etwas über 700 000 Einwohner, von denen nur clwä ein Funftel zuin Judentum gerechnet werden kann. Seit mehr derrn einem Jahrtausend ist das moham- .medaniiche A r a b c r l u m das S t a a t S v o l k. Es ist ein ungeheuerlicher Anst'ruch — wie Mar Fischer in einer geistvollen, vor) mehreren Jahren veröffentlichten Studie in der »Türkischen Post" sagt —, daß ein Volk beut* die Forderung erbebt, unter Nichtachtung aller im Werdegang der Geschichte geschaffenen Verbältuisie und unter Unterdrückung des maßgebenden Staatsvolks sich an dessen Stelle zu seyen. In diese geschichtlich politische Unmöglichkeitgehört auch das Verlangen deS radikalen Zionismus. daß in vaS Parlament eines selbständigen jüdischen Palästina-Staates die Abgeordneten des jüdischen Volkes der ganzen Erde gehörten. VI. Bolschewismus und Judenhaß in Palästina. Pgl. hierzu unsere ständigen Veröffentlichungen im Mteilungsblatt der letzten Monate unter den Notizen d „T a g e s k a m p f e s". Die „Hamburger Nachrichten" schreib weiter: Tie Praxis der Gegenwart und der Zukunst birgt natürlich d' Gefahr, daß das Arabertum l^aS gesamte Judentum in Paläili,.. als seinen Feind zu betrachten beginnt. Darin liegt der Kein blatiger Gewaltlösangen, sobald die beute noch mächtige Hand de. in seinem eigenen, wohlverstandenen Interesse über diesen Tinge, stehenden, aber an ihrem Gegensatz doch wieder interessierten, britisch. Schutzberrn nicht mehr ordnend einzugreifen vermag. Das eigewanderte jüdische Proletariat hat hier nicht, wie etwa Schwärme es sich vorstellten, ein ganz neues Leben begonnen, im Geist ui Sinne altjüvischer Ueberlieferung — es ist nur ein geringer Bruchtc' der einen »religiösen" Kommunismus in praxi verkörpert —. sonder e« hat den Klassenkampf und di« soziale Feindseligkeit des Abend landes auf diesen Boden verpflanzt. t VII. „Die Juden in Palästina nur noch geduldet." Den „Münchner Neuesten Nachrichten" wird von lürli'che Seite berichtet: Im Auslande babcn die Juden eine weitgehende Propaganda geführt, die den Zwrck bat, Auswanderer nach Palästina zu ziehen. Gelder zu beschaffen und die zionistische Zukunft in rosigem Lichi. erscheinen zu lasien. Man war in England und anderen Länder» über die Lage der Dinge dort iebr enttäuscht, denn man konnie feilstellen, daß die Auswanderung der Juden bedeutend höher ist, als ihre Einwanderung nach Palästina. Und seit etwa sechs Monaten nimmt dies« ständig zu. .... Und nachdem' das Sprachrohr der englischen Regierung es aurgegeben hat. dem Zionismus einen praliiichen Eifolg zuzuschreiben, verdorrte auch die grüne Hoffnuirg mancher wimckar lichen und politischen Kreise Englands. Die Unterstützung der nick» zionistischen Juden in Europa und Amerika wurde größtenteils versagt. Die wirtschaftliche Betätigung der Juden in Palästina, die früher von England mit Freuden begrüßt wurde, wird nunmehr nur noch geduldet. VIII. „Krematorium der jüdischen Kultur". Der „Berl. Lokal-Anzeiger" bringt unter der Uebcrschriil „Der Wog ins^Ghetto" eine ausführliche Darstellung aus der Feder von Kurt Faber-Haira, der zu ganz denselben Ergebnissen kommt wie alle vorgenannten Kenner der Per hältnisse.!Besonders interciiant ist noch, was er .über die wirtschaftlich verbohrten Doktrinen der Besiedlung und über die absolute Herrschaft des Diljudcn schreibt. So formt sich ihm das Bild Palästinas zum Krematorium der jüdischen Kultu r. Weis sich interessiert für soziologische und nalion.'.Iökonomi'chc Experimente, der braucht nur nach Palästina zu gehen wo sie «hin derzeit praktisch vorgesiibrt werden. Was immer ein überhitztes JMellektüellengehirn sich ausgedacht hat an Kaffcehaustischen, was man je geträumt hat im Reiche Utopia, das sindet hier sein Stecken pserd ayf Kosten des jüdischen Rationalfonds. — Am kuriosesten die Einrichtungen, die man Kwuzoth nennt. Anstatt das von den Arabern erworbene Land unter die einzelnen Familien zu verteilen oder in Erbpacht zu geben, wie cs die erfte Regel der nationalökonomischen Vernunft verlangen würde, läßt man vielfach das Land zusammen, bewirischustet es gemeinschaftlich und richiet stch ländlich schändlich ein zu einem Verband, der ungefähr ein Mittelding zwischen einem Trappistenkloster und einem Wanderoogellklgrr ist. So etwas muß man gcseben haben, um es zu würdigen Bisher glaubten wir zu wissen, daß Juden Leute sind, die den irdischen Gütern insbesondere dem baren Gelde, zum. mindesten nicht indisieient gegenüderstehcsi. ( Diese aber sind Asketen. Fanattker der Geldlosigkeit. . . Der Roman des gebildeten westeuropäischen Juden im Dienste deS neuen Palästina ist noch nickt geschrieben. Wie er kämpft und leidet, wie er sich zavpelnd wehit gegen das ihn umkrallende Milieu auf der via dolorosa, die über einen Trümmerhaufen von zerbrochenen Illusionen vom K u r f ü r st e n d a m m geradeSwegS ins Ghetto führt. Es wäre eine lesenswerte, wenn auch wenig erfreuliche Geschichte. Denn darüber täuschen alle stolzen Statistiken nicht hinweg, daran ändern nichts die mit soviel Lärm ins Leben gesetzten Technischen und anderen Hochschulen: der O ft j u d e ist es doch, der hier das kulturelle Milien bestimmt: -das Klima in seiner Sonnigkett besördeit noch die Schlamperei, langsam, sintt der Einwanderer hinunter ins Fellachentum, und weit davon entfernt, die erhoffte Renaissance zu bewirken, wird Palästina zum Capua seiner neuen Bürger, zum Krematoriurst der jüdischen Kultur.

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