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Der nationaldeutsche Jude · 1929-07-01 · Nr. 7 (Juli 1929) · p. Seite 6

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1929
Issue
Nr. 7 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 ' Vort Hans JSeufache. Zwifcbcnfcld im 6acte. S Herr Zwischenfeld sprach auf der Kurproin-nade: „Ilm diesen Badeort ist es schade. ' '; * Wie herrlich ist die Natur zu schauen! Man kann sie bei Reinhardt nicht schöner bau^ni Und der Kaffee trinkbar und dabei billig, llnd die Urbevölkerung dumm, aber willig. Man könnte sagen: es fehlt nichts mehr. Doch? was tut Gott? Er schickt Juden-her! Ucberall wandeln sie uns entgegen, Schreien Hallo auf allen Wegen. Ueberall hört man ne -disputieren Bon gestufter Kunst und von Glanzstaffpapie^efl. Will man morgens den Brunnen trinken. Lieht man von weitem Bekannte winken. Schöpft man abends ein Lüftchen im Dunkel» Lieht man Brillanten von Damen funkeln. Ich komme mir selbst in diesem Rumor Wie Paulus unter den Juden vor." Lprach Rosi: „Li'gi. es will irtir scheinen. Du verkehrst jetzt zu viel in Ludenvereinen. Da lernst dü nur antisemitische Reden. Ich sage: gleiches Reckt für jeden! Und zu den Brillanten muh ich dir sagen: 'Wer welche hat. der darf sie auch tragen. Und deine Christen, die sitzen in Hauten Drüben in Blondau. nicht weil zu laufen. Wir können ja. um dein Herz zu beschwichtihen, Lie mal beim Kaffee nachmittags' besichtigen Doch kann ich auch, hier schon dein Leben veriühen. Dort kommt schon einer und will.uns begrüben." Herr Lchultzc, in Firma Lckultze & Co... War der Begegnung, sichtlich froh. Lein Tonfall wies auf warme Empfindung Und angenehme Geschäftsverbindung. Man hat mit ihm gern ein 'Weilchen geplaudert Und dann mit der Zusage nicht gepudert, Tags drauf ZU Mi^tsyT'Kafsee und Kuchen Lchultzcs in Blondau zu besuchen. Rach herzlichem Abschied sprach Rosi munter: „Es sind doch sehr nette Leute darunter." - Die Kapelle jazzt'e politisch neutral. Nicht anders, als in Brünettenthal. Als Ausdruck reaktionärer Ideen War nur ein Kinderfähnchen zu sehen. Doch bot kein Hakenkreuz Grund zur Empörung Und auch der Rückmarsch verlief ohne Störung. So durfte man als Ergebnis buchen: „Man. kann ganz ruhig Lchultzes besuchen." Doch am nächsten Morgen sprach Ligi beklommen: „Rosi. mir sind doch Bedenken gekommen. Freust du dich sehr auf das Mittagessen?" Lprach Rosi: „Ich bin nicht darauf versessen. Heut Hab' ich den Bridge mit Malwine Cohn. ^Ünh die Damen dort kennen mich lange schon llnd sind alle so toihig bei jedem Ltich. — Ich denke: man bleibt doch unter sich." Drauf sprach Herr Zwischenfeld gewichtig: „Was du da sagst, ist völlig richtig. Ich bin aus Prinzip gewih nicht dagegen. Den paritätischen Umgang zu pflegen. Ich will diesen Grundsatz auch immer verkünde». Doch hier bin ich aus Erholungsgründen, Und was man auch sonst davon sagen kann. Das Eine ist sicher: der Christ strengt an. Da muh man halb militärisch sitzen. Und hat. ewig Angst vor gewissen Witzen, Und die beiten Ausdrücke muh man vermeiden, Und das Tageblatt tönnen die Andern nicht leiden. Und Politik ist iminer gefährlich. Und. wenn man ihr ausweicht, ist man nicht ehrlich, Und vielleicht ist der Frau dein Kleid zu fein. Und Ruth Dagmar darf dort nicht vorlaut sein, lind -überhaupt an dem fremden Ort. Man fühlt sich ja doch nicht heimisch dort. Und gestern das Kind mit monarchischem Fähnchen! Ich glaube sogar: das war Lchultzes Lenchcn. Und den Anderen sind wir ja nur eine Bürde. Das verträgt sich nicht mit der jüdischen Würde. Man darf den Leuten nicht zu viel huldigen! Also: wir wollen uns entschuldigen. Die Unternehmung war cingeleitct Und ward nun planmähig vorbereitet. . - Man stieh zunächst in den Kafferstunden Rack, Blondau vor, das Terrain zu erkunden. Ruih Dagmar ging mit, an -cher Hand der Zofe «Liehe Kampf mit dem Drachen, dreizehnte Strophe). Der Eindruck konnte nur freundlich berühren. Bon Pogromstimmung war Nichts zu verspüren.^ , - ' i: c Der Besuch bei Lchultzes ist unterblieben. .Man hat ein paar freundliche Zeilen geschrieben. Und dann schrieb Herr Zwischenfeld klar und schlicht Für sein Vereinsblatt den Bäderbericht: „Empfehlenswert Bad Brünettenthal: I Natur und Gesellschaft ideal. In Blondau für. denkende Glaubensgenossen Erholungsstörung nicht ausgeschlossen." i Verbanclsnacbricbten ► 16 tsrat im Mai unseres sschusses. stner der erden ihm vn 1. Todesfall. Unser Mitglied Herr Lani Ilr. Eugen Jacob». Generaloberarzt a. D„ ist dieses Jahres verstorben. Er gehörte zu den Gründe Verbandes und war tätiges Mitglied des Arbeitsafi Ilr. Iacoby war bis zum Ende des Weltkrieges wenigen aktiven jüdischen Sanitätsoffiziere. Wir w ein ehrendes Andenken bewahren. » ' j 2. Mitteilungsblatt. Wir machen die Empfänger unseres Mitteilungsblattes darauf aufmerksam, dah von der vorliegenden Nummer ab das Blatt durch da- Post zeitungsamt zugeste-llt wird. Die Aufliefcning an das Postzeitungsamt erfolgt jeweilig am 4. d. M., die Bezieher müssen also das Blatt je nach ihrem Wohnort am 5. oder 6. des Monats erhalten. Dch es vielfach vorkommt, dah Blätter geringeren Umfangs von den Postboten in gleichzeitig bestellte gröbere Drucksachen «Tages Zeitungen usw.) hineingelegt werden, bitten wir an den oben angegebenen Tagen um besondere Aufmerksamkeit. damit unser Blatt nicht versehentlich mi« anderen Drucksachen <z. B. Beiblättern der Zeitungen) weg geworfen wird. 3. Kundgebung gegen die Kriegsschuldliige. De: Arbeitsausschuß deutscher Verbände. dem unser Verbgnd korporativ angehört, veranstaltete am 28. Juni 1929, dem Tage der zehnjährigen Wiederkehr des „Vertragschlussss" von Versailles, eine sehr eindrucksvolle . Kundgebung im überfüllten Plenarsaal des Reichstags, j Redner fast aller Parteien erhoben flammenden Protest gegen die auf der Kriegsschuldlüge aufäebaute Versklavung des deutschen Volkes. Eine Entschließung im gleichen Sinne würde einstimmig angenommen. Der Vorstand. >

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