Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 7 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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jo haben nach dem Zusammenbruch von 1918 Hamburger ,mt> Bremer Kaufleute die Wiederherstellung der alten Hanc»!sbc;iehungen in Uebersee gesucht und dadurch die ersten 7 idcn gesponnen, die Deutschland wieder mit der grohen Welt 'I'iüpfteu. Und kein Zufall ist es. das; das Wort vom ehr- .en Kaufmann als Erlösungswort für die daniederliegcndc '?!itik geprägt wurde. Mit Dank und Anerkennung sind I,c Taten stets als Aktiva der Wirtschaft und der Politik v acht worden. Doch der Kapitalismus zeigt in der Nationalwirtschaft I, ein zweites Gesicht. Während das Industrie- und Han- .!-kapital ihr dient, sucht das reine Spekulationskapital vielh, sie seinen Zwecken dienstbar zu machen. Oder es gibt .Ti zum mindesten den Anschein, es zu tu». Die völkische Propaganda aber unterscheidet nicht zwischen den besonderen " tcn und Aufgaben des Kapitals, sondern sie stempelt lechthin das jüdische Kapital zu den; Vertreter unteräicnder oder ausbeutender Tendenzen. Dainit zieht sie eine» :cnnungsstrich zwischen' jüdischem t> nichtjüdischein Kaufmanntum, ,u in Wahrheit nicht vorhanden wenigstens nicht in dieser Schärfe. So kann man z. B. nicht mgen. wie dies kürzlich eine an- >,eichene Zeitschrift der gemäszigten oölkischc» Richtung tat. das; die .vamilie Rothschild aus den politischen Bewegtingen des 19. Jahrhunderts den gröhten finaniiellcn Ruhen gezogen habe, , weil i,e von der Politik und parasitisch a u f der Politik lebte, das, aber die Fugger, die gleicherweise es verstanden haben, das Geld im rechten Augenblick in den Dienst 1 :r Politik ja stellen, aber auch umgekehrt die Politik dem Golde dienstbar zu machen, Fackelträger k>er Reuzeit gewesen seien. Das; die einen sich jeder politischen Veränderung anvahtcn, um an ihr zu verdienen, die anderen aber koniequent im Dienst der legitimen Rächte bliebe». Die Rothschilds und die Fugger sind als grohe Handelshäuser von starkem politischem Einflus; gewissermahen Repräsentanten der Macht des Kaufmanns über Wirtschaft und Staat, die verwandte Wurzeln haben. Im Wesen des Kaufmanns liegt es. alle Kräfte für den Erfolg seines «Geschäftes anzuspannen. Dabei ist aber sehr wohl zu unterscheiden zwischen der „Geschäftstüchtigkcit" des-lediglich auf seinen persönlichen Profit bedachten Erwerbsjägers und dem Geist des königlichen Kaufmanns, der seinen p e r s ö n - ' lichen Wohlstand als Ber- 1 pflichtung gegen die Allgenjeinheit ansicht. Beide Arten sind unter Juden und Nichtjuden vertreten. Und wie die hanseatischen Kaufleute die Wagschale der Weltwirtschaft zugunsten ihres Vaterlandes senkten, so hat es zu allen Zeiten und in allen Ländern Shylocks gegeben, die ihre Mitmenschen oder, wo ihr Einfluh ein weit gröberer war. ihr ganzes Volk vor den Wagen ihrer egoistischen Ziele spannten. Richtig ist cs sicher, dah der Ostjude einen besonders ausgeprägten Typus des Schacherers darstellt, insofern als seinem Erwerbsleben die idealen Motive und die imponderabilen Werte fernliegen. Man braucht aber nicht allzu weit zurückliegende Ereignisse ins Gedächtnis zurückzurufen, um sich daran zu erinnern, dah cs auch unter den Nichtjuden zahlreiche Vertreter obigen Typs gibt, die es verstehen, die Not und das Elend ganzer Völker zu kapitalisieren. Im Gegensatz zu dem Ostjuden aber steht der Jude, der seit Generationen im deutschen Volke lebt und sich auch als nationales Glied des deutschen Volkes fühlt. Er sieht es als seine Aufgabe an, sich der Nation völlig zu assimilieren, nicht aber wie die Völkischen, der Wahrheit ins Gesicht schlagend, immer wieder behaupten, als Parasit in ihm zu Nattonald<utr<b< Jucken d«r Vergangenkeil Ulbert BftUln Politiker und Organisator der deutschen HandelSschiffahr», General dtrektor der Hamburg-Amerika Linie. ged.-lW7. geft. 1B18. — Der wirtschaftliche und politische Aufstieg de» Lorkrteg»detilschland tst mU seiner nattonaldewutzten Arbeit eng verknüps«. S< (n Frei, tob machte ihnjzum Märtyrer seiner Ivaterländischen »e innung. und eine objektive auch die völkische leben. Wenn die' Assimilation noch nicht überall so weit vorgedrungen ist. nie es im beiderseitigen Interesse wähl zu wünschen wäre, dan» liegt das nicht zuletzt wohl doch an den Hindernissen, die lier politische Antisemitismus gerade in Deutschland immer wieder in törichter Weise errichtet. Man braucht ja nur die »st angezeigten Beispiele England. Frankreich, Amerika zu wiederholen, um zu beweisen, datz der Jude absolut die Fähigkeit besitzt, sich seinem Wirtsvolk völlig zu assimilieren, wenn er von diesem richtig behandelt wird. Und man braucht nur den Rainen Disraeli zu nennen, um zu beweisen, dah der Jude darüber hinaus sehr wohl imstayde ist. seine eingeborcincn Kräfte zu höchstem Ruhen für gas Volk zu entfalten, das ihm Bürgerrechte gegeben hat. 1 Dah aber auch in Deutschland das Judentum weitgehende Assimilationsfähigleit besitzt und dort, wo man ihm mit Toleranz begegnet» ein wertvoller Faktor der nationalen Wirtschaft ist. das kann gerade die Kaufmannstadt Hamburg bezeugen. Der königliche Kaufmann ist es. der hier starke | Assimilationskraft ausübt. ISKit Stolz zählt Hamburg unter ^>e Besten soincr Kaufmannschaft jüdische Reimen. die allezeit ihre wirtschaftliche Macht oder ihten persönlichen Einfluh für die Allgemeinheit fruchtbar gemacht ha icn und die sich darum des hoch tcn Ansehens bei ihren Mitbürgern erfreuen. An erster Stelle wird man stets, wenn von den Pio niercn deutscher Weltwirtschaft^die Rede ist. Albert Bali n nennen, den-. genialen orgäirr-" satoliichen Schöpfer der gröhten deutschen Handelsflotte, und Mai Warburg. der gerade durch seine weltwirtschaftliche» Bezirk un gen dem Staate in schwerster, teil mit Krediten geholfen hat. Picht minder geachtet sind in Hamburg vornehme Puden um ihrer sozialen und kuItureIlc»Bes1rcb»ngcn willen. Reben namhaften jüdischen Ge lehrten. dG de» wissenschaftlichen Ruf der Hamburger Universität gefördert jhabcn. hat die groh artige Külturschöpfung der ^Bi bliothek voir^Aby Warburg. Hamburg, wissenschaftlichen Weltruf gewonnen. Dem gleichen Gefühl der Einordnung in das deutsche Volkstum entsprach die Hingabe der deutschen Juden im Kriege, die genau wie alle anderen Schichten dem Vaterland Blutopfer gebracht haben. Dennoch sind die Gefahren nicht zu unterschätzen, die aus einer Über die Religion hinausgehendcn Verbundenheit des Juden mit feinen Glaubensgenossen entstehen köitnen. Betrachtung wird sie anerkennen. Denn chenn Theorie von einer' „jüdischen Weltorganisation" in da^ Rdich der böswilligen Legende zu verweisest ist. so läht sich doch läht den Schluh dort, wo es sich hie Tatsache einer besonderen inrer-< nationalen (Solidarität kaum bezweifeln. Un» sie zu, dah mancher jüdische Kaufmann gmade uiy Umsetzung wirtschaftlicher Machtenergien in Weltwirtschaft! iche handelt, gewisse Rücksichten auf feine Stammesgenossen nimmt. Das braucht an sich nicht einmal Schädigung allgemeiner Interessen zu bedeuten. Im Gegenteil kann, wie ja da i Beispiel Marburg handgreiflich Heigt.! der Einfluh, den der üdische Kaufmann oder Bankier gerade burch Glaubensverbund mheit besitzt, zum Vorteil der deutschen Wirtschaft und Politik eingesetzt werden. Es kommt n« darauf an, dah dort, »o beide Interessen sich schneiden, di^ der deutschen Volksgdsamtheit den Vorrang erhallen. Ärdeiy der jüdische Kaufmann den Geist des königlichen Kaufmanns auch als sein Ideal anerkennt, und indem er die nationale Wirtschaft seiner eigene i Privatwirtschaft übcrordnet, erkenn» er ds als eine seiner vornehmsten Eindeutschungsaufgaben an, d e n G e i st deutscherKagfmannschaft auch praktisch zu betätigen.