Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 6 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ßücfoerfcbau. Verbandsnacbricfoten. Jüdische» Jahrbuch für Eroh-Berlin 1929. (Scherbe! & Co. . rlflt), Berlin-Charlottenburg.) Als Nachschlagewerk für alle diejenigen, die sich durch den ’ uit jüdischer Organisationen hindurchfinden müssen, sehr vschlenswett. Vom Standpunkte aller Nationaldeutschen vadezu erschreckend die Anzahl jüdischer Vereinigungen, deren .>hter Teil nur dazu beiträgt, die Abkapselung der deutschen jidcn zu befestigen und zu verewigen. — Aus denl redakuiellcn Teil bemerkenswert ein sehr sorgfältig gearbeiteter -ilisiischer Aufsatz von Professor vr. Hanauer, Franl- ,l a. M., über Mischehen. Beiträge zur Wesenserkenntnis des Judentums. Von .iirlsrabbiner vr. Mar Beermann. (Verlag der „Ab- . Iirblättcr", Berlin. 1929.) Vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus heraus-!ebcn. Genau so brav und so langweilig, wie fast alle .-riften aus diesen Kreisen. Einige leidlich interessante Einheiten. Aufklärungen über das wahre Wesen des Talmud?iv., gehen verloren, weil sich kaum ein Leser so weit durcheilen wird. Psalmen. Ausgewählt und erläutert von vr. M. S p a - , . c r. <C. A. Schwetschke L Sohn, Verlagsbuchhaiidlung, Berlin, 1929.) Ausgezeichnete Uebersetzungen der bekanntesten Psalmen.?ie Erläuterungen bringen wertvolles Material für das Veruändnis, insbesondere in sprachkritischer pnd geschichtlicher Begehung. Die deutsche Gesinnung des Verfassers kommt überall mit erfreulicher Deutlichkeit zum Ausdruck. Es ist wohliiiend, einmal wieder ein in religiösem Geiste gehaltenes •l'iid) in die Hand zu bekommen, das glicht gleichzeitig Propaganda für Zionismus oder gefühlswirres Attjudentlsin ist. Wespennester. Zweite Folge. Vi!n Oscar A. H. 3 cd m i tz. (Musarion Verlag, München. 1929.) Der bekannte Verfasser sticht in zwei neuen Essaysin das „Wespennest" des Sozialismus und des Judentums.'Diese Verbindung ist ihm keine zufällige und seine Auffassung entricht der Ansicht weitester nichtjüdischijr, nationaler Kreise. Basiichaltlich und stilistisch fein aufgebaute Essay über düs Judentum erscheint uns in der Klärung der Judenfraye und in den Hinweisen zu ihrer Lösung so wertvoll und in den wichtigsten Punkten so übereinstimmend mit unseren programmatischen Forderungen, dah wir einen charakteristischen Auszug dieser Darlegung in der vorliegenden Nummer an' erster Stelle bringen, um im Sinne des Verfassers die Brücke zum „andern Ufer" bauen zu helfen. Eine ausiührlichere Würdigung des Buches behalten wir uns auherdem vor. Das schwarze Schicksal. Roman von Walter Chemn i h. (Verlag Deutscher Wille, Berlin. 1929.) Ein Kriegsroman mit scharfer Spitze gegen die politischen »nd sozialen Umwälzungen, die mit dem Kriegsende verbunden waren. Die Absicht des politisch rechtsstehenden Verlages ging offenbar dahin, den pazifistischen Kriegsbüchern ein Buch öntgegenzuietzen. das die Dinge einmal von der anderen Seite beleuchtet. So verständlich dieser Zweck an sich ist. so wenig ist dieses Buch ein geeignetes Mittel. Es ist künstlerisch ganz unfertig und bleibt gerade in den Teilen, die der Tendenz dienen sollen, völlig wirkungslos. Einige Kampfschilderungen ind leidlich gelungen, auch keineswegs durch die rosafarbene Brille gesehen. Aber das genügt nicht, um Remarque aus oem Sattel zu heben. Revolution um Karl Marr. Von Richard B i e. (R. Boigtländers Verlag. Leipzig. 1929.) Eine Lebensaeschichte des Menschen und Sozialisten Karl Aarr, zugleich eme Entwicklungsgeschichte des Marrismus und »jeder wird versucht, eine „nationale Minderheit", einen Staat im Staate" zu schaffen: nur die Methode hat sich ieändert. Die Folgen aber würden heute wie damals > i e gleichen sein: Zwangsmahnahmen gegen jüdische Auch- Feutsche und damit Vernichtung der Kulturarbeit jener „überragenden. weitsichtigen Menschen wie Lessing und Mendelsohn". Man mutz dieses Abc unserer Ueberzeugung immer wieder vorsühren, weil die geistigen Abcschützen der deutschen .'uden inner- und auherhalb der Gemeindeverbände dies ancheinend noch nicht begriffen haben. — _ Noch in einer anderen Hinsicht ist die obige historische -kizze interessant: Sechshundert Jahre etwa hatten die deutschen Juden im Ghetto gelebt, und noch nicht 140 Jahre sind seit jener Epistel des entwicklungsfeindlichen Juden vergangen. In dieser für die Geschichte geringfügigen Zwischenzeit bat die Selbstemanzipation der Juden ebenso wie die staatliche Gesetzgebung und die gesellschaftliche Meinung die Gleichberechtigung der Juden zur Tatsache gemacht. Noch 1. Berlin. Unser Verbandsvorsitzender Herr Justizrat Vr. Georg Sieg mann hat am 21. Mai d. 2. das 60. Lebensjahr vollendet. Der Vorstand hat namens des Verbandes unserem verehrten Vorsitzenden herzliche Glückwünsche und eine Blumenspende übermittelt. 1 2. Hauptversammlung. Die Hauptversammlung (Jahresversammlung). die am 29. Mai d. I. stattfand, nahm einen rein geschäftlichen Verlauf. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Dah unser Mitteilungsblatt seit dem April dieses Jahres wieder regelmähig monatlich erscheint, wurde allseitig mit Genugtuung begrüht. Der Vorstand teilte mit. dah im Herbst diese» Jahre» wieder ein« rege Verbandstäugkeit. insbesondere «n Form von Versammlungen und Vortragsabenden, einsetzen wird. Eine auf dieses N e u - belebuna unserer Arbeit bezügliche Vorstands- Kundgebung folgt in nächster Nummer. 3. Verbandsausflug. Der Verband plant für seine Groh- Berliner Mitglieder in der zweiten Hälfte des Juni wiederum einen Datnpfer- bzw. Motorboot -Ausflug. nachdem hie gleiche Veranstaltung des vorigen Jahres in Mitgliederkreisen ÄnklaNg gefunden hat. Baldige M i t - teilungen über beabsichtigte Teilnahme (möglich st Anzahl der teilnehmenden-Personen) an die Geschäftsstelle erbeten. Der Vorstand. ein -Wegweiser zu seiner Ueberwindung. Der Weg führt nach Ansicht des Verfassers über den Witten zur eigenen Nation. Marr. der innerlich Heimatlose, wird in Gegensatz zu Lassalle gesetzt, der „trotz aller Widerrede Nationalist" war. „Die soziale Frage müh eine nationale Frage werden. Das ist die Verbindung, die Lassalle erstrebte und Marr avlehnte. . . . Wir alle fühlen und deyken in einer gemeinsamen Welt der Sprache und Geschichte, \ die vor uns war und die nach uns sein wird, in die wir uns nur mit Liebe einfühlen können, um selbst etwas zu erlebeist zu bedeuten, zu gellen. Hier stehen wir unter einer* sichtbaren Obhut, hier hat unser Selbstbewuhtsein das höhere Gesetz der nationalen Ueberlieferung und die geistige Sammlung zur Tat. Wir Habens hier die Verbindung zur Einheit-,,im Volk." Der Gedanke! durch Verbindung sozialer und nationaler Gesinnung, zu emer gesunden Zukunft oorzudringeir, ist nicht neu. Politische Organisationen haben oft versucht, mit diesem Netz zu fischen, aper in der Praris kam stets einer der beiden Faktoren zu kürzt Die Partei, die sich „nationalsozialistisch" nennt, ist in ödester Phrasendrescherei und brutalster Judenbeschimpfung steckengeblieben. Von Richard Bie wird der Versuch unternommeü, die Verbindung des Sozialismus und des Nationalismus geschichtlich und ethisch zu vertiefen. Das Ergebnis ist vorers ein überall interessantes, temperamentoott und ehrlich geschriebenes Buch, das auch dort fesselt, wo man den Gedankengängen des Verfassers nicht folgen kann, so bezüglich der nicht ganz klaren Stellung zur Judenfrage. Richard Bitz der — dem Namen nach zu urteilen — selbst jüdischer Abkpnft sein dürfte, ist offenbar nicht ohne Verständnis dafür, wie grundoerschie ren bei Juden und Juden das innere Verhältnis zur deutschen Heimat und zu den in der Geschichte des deutschen Volkes waltenden „heldischen Kräften" -ist. Der Gegensatz zwische i Marr und Lassalle ist gerade in dieser Hinsicht völlig richtig ersaht Andere Sätze wiederum klingen. als seien sie aus sogenannte Rasse schnitten. Es ble heilen, die auf gefährliche Abwege führen können, noch überwindet und ob Ergebnissen führen. den Schriften eines „deutschvöltischen", die weit überschätzenden Ideologen herausgebt abzuwarten, ob Bie diese inneren Unklareine theoretischen Erkenntnisse zu praktischen vorhandene Unvl llkommenheiten und antisemitische Strömungen sind diesem Faktum gegenüber Reaktionserschrinungen von oft überschätzter Bedeutung. Es besteht keine Ursache, solchen Erscheinungen in jedem Falle das Ressentiments eines gekränkten Märtyrers entgegenzusehen. Und im übrigen liegt es bei den deutschen Juden Und ihrer Einstellung zum Staate, dah aus solcher Reaktionserscheinung sich nicht berechtigte völkische Selbstwihr gegen einen antinationalen Fremdkörper entwickelt. — Ar ch diese Selbstverständlichkeit liehe hier für die, welche dieses politische Abc noch nachzuholen haben. Die philologische Echtheit des originellen Briefes, für den der Verfasser ein in Zürich im Jahre 1792 erschienenes Buch als Quelle angwt, können wir natürlich nicht nachprüfen. Selbstverständlich behält für unsere Folgerungen das Dokument in jedem Falle stinen Wertj da die Sittenschilderung im einzelnen sowie die Auflehnung des orthodoien Judentums jener Zeit gegen die Mendelssohnsche Reform im allgemeinen der geschichtlichen Wirklichkeit entsprechen.