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Der nationaldeutsche Jude · 1929-06-01 · Nr. 6 (Juni 1929) · p. Seite 4

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1929
Issue
Nr. 6 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 konkrete und einfache. Deshalb bietet sich,ihm die ®f< italt des Juden als näch ste zur Vollendung desMythos' ogm Verführer dar. Er ist der Andere, also der. der das organische „Wir" zersetzt. Wenn nicht der Jude der von den ersten Schultagen des Religionsunterrichts an als der andere, der Mißverstehende, der schlechten Willens den reinen Willen ans Kreuz schleppt, in die Vorstellung des Kindes eingeprägt wird —, wenn nicht dieser von Anfang an aus dem Gescsmtkreis des Menschlichen isolierte und darum für isolierende mythische Jnterpretationsäkte gleichsam bercikgestelltc Jude vorhanden wäre, so müßte und würde man nach anderen Mythenträgern der Verführung suchen und in das Kausaldenken einschalten — und tut es zuweilen auch. Wächst diese Urform des Antisemitismus, nämlich als mythische Denk- und Jnterpretationswcisc, mit dem jungen Menschen mit, so steigert sic sich zu derjenigen fanatsichen, alle Lebcnsgcbietc belauernden Intensität, die wir den weltanschaulichen Antisemitismus nennen, und der durch kein Argument zu entspannen ist, weil er ja unterhalb aller logischen und realen Argumentation, nämlich in der Zone des Mythischen entstanden iit. Hier bleibt Glauben ->- Wissen. 3. Aktivismus des Glaubens tut not. Eilaube kann nur durch eine einzige Macht erschüttert werden: Wiederum durch den Glauben, sofern er sichtbar wird., in Bekenntnis. Tat. Atmosphäre,' Weltanschauung und Wille. Gegen den mythisch gegründeten Glauben vpm Juden als dem Ami-Deutschen iit Glaube und Bekenntnis, d Juden eine lebendige Kraft: Ich bin deutsch. Ich will nid deutsch sein, sjondcrn ich bin deutsch, ob ich will oder nick,. Ich bin beutto, und wenn ich. gekränkt, verleumdet, verleran Leib und Seele, mich aufhebcn will und triumphieren: Nur so will ich oben nicht ntehr der sein, als den ihr mich nidr gelten laßt + so schreit mich die tiefere und machlvollc- Stimme in rtzir nieder: Du mußt deutsch sein, denn kein entrinnt dem, jwas er ist. Der mythische Glaube vom gegcndcutschcn Juden iit ei, reale Macht:: Er hat Massen zu einer Gemeinschaft dr Glaubens gusiimmengeschlosien. Gegen! diese Gemeinschaft des Glaubens iit die fron sicherste uni) dm zuverlässigsten gerüstete Instanz die Glauben gemeinschaft »er Juden, die ihr Dcutschscin bekennen als ii> Schicksal, mit ■ dem sie unzertrennbar verbunden sind. Und die! Glaubensgemeinschaft der Richtjudc», die be kennen, ausdtücklich zwar und mit der. Gewißheit sittliche, Notwendigkeit!: Das mythische Denken, das den Antiscmilismu erzeugt, iit.geben die Würde. Kraft » n d Verantwort u n e des deutschen Denkens. Diese Gemeinschaft wartet des Baues. Jene üt in der Bewegung des n a 1 i o n a l d c u t s ch c n Juden in di!e Erscheinung getreten. Sie steht noch vor große':: Aufgaben und schwerer Arbeit - nicht nur für das Judentum, sondern für dse Klärung des deutschen vollhcitlichcn Denkens Nur echte 'Glaubensbekenntnisse haben Kampfkraft gegen de» antisemitischen^ Glaubensmythos. - Bayern und die ^udenfrage. Sin Dementi tendenziöfer Verdächtigungen., In der jüdischen- Presse ebenso wie.in politischen Tageszeitungen bestimmter Richtungen finden sich in letzter Zeit wieder häufiger Darstellungen innerbayerischer Verhältnisse. bei denen in tendemziöser Weise auf den angeblichen Antisemitismus bayerischer Regierungs- und Unjvenilälskreise bingewieien wird, -teilweise handelt es sich um rein politische 'Stimmungsmache mit dem Ziel, dem gutgläubigen Leier zu beweisen, wie mittelalterlich rückständig das. „reaktionäre" Bayern in kultureller Hinsicht sei. Ohne uns weiter mit dieier irrigen Einstellung zu beschäftigen, müssen wir nationaldeutschen Juden dagegen proteitieren, daß der deutsche politische Partcihadcr auf Kosten des deutschen Judentunis ausgefochlcn wird. In anderen Fällen stellen diese gefärbten Berichte offensichtlich Versuche interessierter jüdischer KreHe dar, den dcutichbewußten und ihr Vaterland liebenden Juden das Leben möglichst schwer zu machen. Als Trost .winkt ja dann die Rettung in das „nationale Judentum" und als Draufgabe das stolze.Bewußtsein, „nicht zu kriechen, wo man getreten wird", um die bekannte Phraseologie des zionistischen Wortschatzes anzuführen. So ließ es sich auch eine . jüdische Telegrafen - Agentur, eine offiziell jüdifch-„neutrale" Fachkorreipondenz, nicht nehmen, anläßlich der kommenden Reinhardt-Gaitspiele im 'Münchener Staatstheater den bayerischen ^Kultusminister l)r. Goldenbergez: und den Rektor der Münchener Universität Prof. l)r. Bumke persönlich ,,judcnseindlicher Akte" zu j verdächtigen. Aehnliche Angriffe wurden im Zusammenhang mit anderen kulturpolitischen Tatsachen erhoben und in einen großen Teil der jüdischen Preise lanciert. Die Holge war selbstverständlich ein Entschreiten der zuständigen Behörden, und die jüdische Telegrafcn-Agentur versendet jetzt das nachfolgende Dementi, dessen gewundene Ausdrucksweise nicht darüber hinwegtäuschcn kann, daß sie und mit ihr alle Presseorgane, die seinerzeit die inkriminierten Aeußerungen gebracht hatten, fachlich ad absurdum geführt sind. Die Verwirrung, die jene Notizen möglicherweise in unklaren Köpfen angerichlet haben, läßt sich leider auch durch einen noch so deutlichen „Rückzieher" nicht mehr gutmachen. — * Die Agentur schreibt u. a.: j- „In der Presse erschienen in der letzten Zeit Darstellungen innerbaycrischcr Verhältnisse, in denen auf den Antisemitismus bayerischer Rcgierungs- und Unioersitätskreise hingewiesen wurde. So ist u. a. erwähnt worden, daß der hervorragende Literaturhistoriker Fritz Strich nur darum eine Berufung an eine schweizerische Universität angenommen -hätte, weil ihni als Juden ein Fortkommen an der Münchener Universität unmöglich gemacht worden sei. Auch die anfängliche Ablehnung der Reinhardlschc» Inszenierung an den Münchener Staatstheatcrn wurde in einem gewissen Sinne als judenfcindlichcr Akt auf den Kultusminister I)r. Goldenberger und den Rektor der Münchener, Universität Prof.!)r. Bumke, einen Bruder des Reichsgerichtspräsidenten, gerichtet. Dieic Darlegungen fanden auch iiy Wege durch die „I. T. A" in die jüdische Presse Eingang. Wi wir hören, werden diese Darlegungen den heute bestehen »eg Verhältnissen nicht völlig gerecht. Es wird darüber giklagt. daß die Berichterstattung im Reich über Bayern! uitd insbesondere über München noch immer von gewisse»! Vorurteilen nicht frei sei, obwohl die Verhältnisse inzwischen eine Wendung zum Besseren genommen hätten. j j Im! einzelnen wird uns mikgetcilt: Die Darlegungen betreffend ^Professor I)r. Strich sind nur zum Teil richtig. Unrichtic ist. daß die Münchener Universitätsbchördc den republikanischen Studenten die Säle verweigert: im Gegen teil haben republikanische Studenten wiederholt Vcran staltunger in der Universität abgchaltcn. Wenn vor einigen Wochen die Ucbcrlassung des Saales an rechts gerichtete Studenten dazu mißbraucht wurde, die Universität zum Schauplatz einseitig parteipolitischer Kundgebungen zu machen^ so ist es mehr als fraglich, ob der Rektor Geheimrcb I)r. Bumke über Form und Inhalt der ge planten Veranstaltung vorher Bescheid gemußt hat. da gerade^ er sich nach dem Vorbild seiner Vorgänger Voßler und Lchrchfer den jüdischen Studenten gegenüber absolut korrekt onfhält und es z. B. durchgesetzt hat. daß biete sich wiedcrium Zusammen mit der übrigen Studentenschaft bei Univrrsitätsfestlichkeitcn beteiligen können. Was das Reinhardlschc Ga st spiel anbctrifst. das übrigens nunmehr unter für Reinhardt ehren vollen Bedingungen zugclassen ist, so ist cs zweifellos - daß für das Kultusministerium antisemitische Tendenzen in keiner Weise maßgebend gewesen sind. Wbhl ist eö wahr, daß ein Mann wie . Universitätssyndikus

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