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Der nationaldeutsche Jude · 1929-06-01 · Nr. 6 (Juni 1929) · p. Seite 3

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1929
Issue
Nr. 6 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 1. Rassenreinheit ist Wertreinhe t. 2. Rassenreinheit verbürgt geistihe ,und körperliche Gesundheit. 3. Rassenreinheit verbürgt' organische Denkeinheit und also organische politische Willenseinh« it der Gruppe. 4. Der Lebensstil vom religiöse Ihctischen Bilden und der Form des bedingt. n Erleben bis zum äs- Wirtschaftens ist rassisch > 5. Die in Deutschland vertretenen!Rassen sind die nordische, die ostische. die dinarische, die westische und diö semitische. Man sieht ausdieser Rebcneinflnderstellung sofort den Konflikt zwischen Rassengcist und Volkstum: Deutschland ist nicht rassisch einheitlich bestimmt, das deutsche Volkstum kann ,u jener Höchststeigerung seines Wesens, seiner Leistung, seiner Geschlossenheit nicht gelangen, die Sah 1 bis 4 nur der reinen Rasse zubilligen. Den Ausweg gibt der sogenannte „nordische Gedanke". Eine Rasse ist die schöpferische: die nordische. Sie ist die gilbcstimmendc. Dcutschheit tragende und zeugende Rasse, sie jit die wescnhast zur Führung be- . stimmte, die anderen sind die rezeptiven. beschenkten, gleichsam durch die nordische Rasse erlösten und zur Gestalt der Dcutschheit erst herangeführtcn Nassen. Man mag von dieser Konstruktion denken. was man will — soviel ist gcwisz. das, sie den Versuch einer Versöhnung von Rasseiund Volkstum unternimmt und — wenn auch gewaltsam — durchführt. Es wäre durchaus folgerichtig, wenn der Antiscmilisnms nun in dieser Sunthese und Wertrangierung aufgelöst wäre: Die semitische, Rasse ist unproduktiv wie die astiiche auch. Also nnis; sie sich der nordischen Führung unterwerfen, indessen von diesem Schluß ist das Judentum allein ausgenommen, und damit wird deutlich: Die Rassenlehre begründet nicht erst den Antisemitismus. Sic verfährt nur denktcchnisch mit dem jüdischen Menschen anders als mit dem ostis«l>cn. Von der immanenten Logik der Rasscntheori: her kann eine „ostische" Feindschaft genau so begründet — und fortinterpretiert w:rden wie die Judenfeinhschaft. Praktisch wendet man dem jüdisckzen Menschen gegenüber eine andere Schlußmethodik an als gegenüber dem ostischen Menschen. Und das heißt: Der Antisemitismus ist nicht ein Ergebnis des Denkens und Erfahrens. sondern eine Ergebnis und Erfahrung allererst einfärbendc Form des Denkens selber. * 2. Rationale Fugend und Antisemitismus. 4 Woher abxk stammt diese grauenhafte Vorformung des Denkens? Die Antwort, soll sie präzis sein, erfordert eingehende psychologische Analysen. Hier soll das Problem in kürze veranschaulicht werden an der Psychologie des jugendlichen Denkens. Zwei Leitideen sind es, um die das Denken, Sehnen und Fordern der nationalen Jugend kreist: der Führer und die Volksgemeinschaft. wobei der Führer nicht etwa das Wesen der Volksgemeinschaft erst prägen soll: vielmehr ist die echte Volksgemeinschaft ein Bundhaft-Wesenhaftes in sich, das im Führer seine intensivste Verdichtung erfährt: in ihm und seinem Tun schaut die Gemeinschaft sich selbst und ihren Willen an. Ihren Willen, d. h. ihren wesenhaften, ungespaltenen, nicht in Parteiungen widerspruchsvoll zerrissenen und in sich verfehdeten Willen. Jede Parteiung ist Entstaltung. ist Abirrung von dem Wesensgesetz des Volkstums, das in sich eines ist und also den in sich einigen Willen heroorbringen kann und wird, wenn man ungehindert seine organische Lebendigkeit wirken läht. Volkstum: das ist der Jugend nicht ein metaphysisches Gebilde, sondern der realste.! Nationaldcutfchc 3uden der Vergangenheit. f | häorltr eilftitter Geheimral, badischer Finanzmtntftrr. geb. 1827, gest WOG. lebendigste, objektivste Gestalter des nationalen Lebens, so erakt zu bestimmen und abzugrenzen, wie etwa der Stil der Gotik sich haarscharf vom romanischen Stil abhebt — von der Andacht des Kathedralbaües bis zur Faltcngcbung des Alltagsrockes.... Die echte Volksgemeinschaft ist lebendig in der millionenfachen Individuation ihres Daseins — aber jede von jeder anderen aufs strengste^ unterschiedene Einzelpersönlichkeit — ist doch eben nicht nur als dieser Einzelne zu begreifen, sondern zugleich als Volksgenosse, und als solcher wesenhaft gleichgestellt jedem anderen Volksgenossen. Das begründende konkrete Erlebnis: die Sprache. In seinem individuellen Stil unterscheidest du dich von jedem anderen Volksgenossen. Das ist der Reichtum der individuellen Fülle. Aber indem du deinen Stil realisierst an der deutschen Spräche und ihrem.einmaligen Geistes- und Deutungsgehalt, tauchst du ein in die Gcistesganzhcit deines Volkes und seines Giesamtstils. Das ist der größere Reichtum der Einheit. Wenn wir nutz Einen politischen Willen haben, rvic wir Eine Sprache haben, dann sind wir eine echte Volksgemeinschaft. Denn ... ihr Wesen ist: Eine Sprache, Ein Credo. Ei» Ziel, Ein Wille. ~ Eben dieser idealen Forderung der Jugend widerspricht der Anblick der Wirtlichkeit ganz und gar. Politische Wirklichkeit ist ihr nicht Gestaltung des Volksmillens zu organischem Lebe», sondern Zerreißung. Entstaltung und Unterdrückung dieses Lebens im notwendig sinnlose» und unfruchtbaren Kampf der auseinanderfällendcn Parteien. Ihr fehlt die Lebenserfahrung, die im Streit den Vater aller Dinge weih, weil sie de» Wille» nicht als mythische Kraft, sondern ein in mühevoller Synthesis erkämpftes Richtungfinden erkenne» gelernt hat. Darum wird Jugend mit der politischen Wirklichkeit nicht fertig. Sie sieht politische Wirtlichkeit, noch nicht in sich selber und ihrer soziologischen Eigengesetzlichkeit — sondern als Negation ihres Ideals. Soll aber das Ideal gelten, so lan» der gegenwärtige Zustand nicht als aus dem Wesen des Volkstums hcrvorgcgangcn gedacht werden, denn eben der Zustand des Ideals repräsentiert ja allein das Wesen der echten Volksgemeinschaft. /Dies aber ist die entscheidende Stelle, an der das Denken die Wendung zum M y t h i s ch e u vollzieht. Das Wesen dös mythischen Denkens ist dies, dases nicht analytische Reihe» der Kausalität sucht und prüft, sondern daß schon jede Gleichzeitigkeit, „jede räumliche Begleitung und Berührung schon an und für sich cine^ reale kausale Folge cinschließt" <E. Eassirer, Philosophie der symbolischen Formen. Bd. 2, S. 60). Also etwa: Wir wechseln eine Wohnung, in der mrs Unheil wiederfahren ist. Das heißt, die Wohnung wird als Unheilbringerin angesehen und gemieden. Rackentljch das jugendliche Denken (aber nicht nur das jugendliche, sondern ebenso das Massendenken) wurzelt noch ganz tief im mythischen Jnterpretationsprozeß. Es zeigt sich aufs deutlichste an der Auseinandersetzung^ des Jugendlichen mit dem Ideal der. echten Volksgemeinschaft. Sie ist hier nicht eine unendliche Aufgabe, sondern sie ist mit einem Schlage da. wenn der „echte" Führer da ist. der ihr Wesen, ihren Willen verkörpert und zeigt. Das Dasein dieses Führers verursacht notwendig die echte Volksgemeinschaft. Wir wissen dann alle, was wir wesensmäßig und also gleichermaßen wollen. Diesem Führermythos steht nun der Verführer - Mythos gegenüber. Wenn der Führer da ist, ist die echte Volksgemeinschaft da. Das ist die erste mythische Denkreihe, an die sich polar die andere anschließt: Weil wir nicht echte Volksgemeinschaft sind, sind wir v e r führt. Mythisches Denken kennt nicht abstryjjx pder lomplere Ursachen, sondern

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