Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 5 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Ocftcrreitbifcbe Reimwehren und Hntiremitismus. Unter diesem Titel bringt das„NeueWienerIourn a l" eine Erklärung des Heimwehrführers Ör. Richard 2 t ei die, zu der dieser ausdrücklich hervorhebt. datz seine Meinung die der Bundesführung sei. Der „R i n g". die deutsche repräsentative Zeitschrift der jung- und freikonservatioen Kreise, weist ebenfalls auf diese Erklärung hin, welche geeignet scheint, auch unseren Lesern wenigstens auszugsweise vorgeleyt zu werden. Beweist sie doch die zunehmende Erkenntnis mchtjüdischer Kreise, das, die Ostjudenfrage und die Ueberempsindlichteit der Halbassimilierten wesentliche Quellen der Richtoerständigung zwischen Juden und Richtjuden sind, datz also nationaldeutsche Juden, welche diese Frage im abwehrenden Sinne beantwortet und jene Ressentiments überwunden haben, im wirtlichen Sinne als Volksgenossen anzuerkennen und zu schätzen sind. — l)r. Steidle schreibt: „Sehr beliebt und bewährt ist die Spekulation auf die Empfindlichkeit einflutzreicher Kreise in Rassen- und konfessionellen Fragen. Man braucht die österreichische Sclbstschutzbewegung -'iiur ausdrücklich oder andeutungsweise mit dem Begriff Antisemitismus in Beziehung zu bringen, und schon wiifern/uberängstliche Gemüter Pogromluft, schon um« düstert^dtfPhantasie manches.betriebsamen Geschäftsmannes imaginärer Brandgeruch aus zerstörten Judenniederlassungen. Gegenüber solchen Insinuationen ist mit voller Deutlichkeit als Meinung der Bundesführung festzustellen: Di« Heimwehrbewegung hat nie einen Gesinnungszwang in der einen oder anderen Richtung ausgeübt und es stets jedem ihrer Anhänger freigestellt, zu diesem Problem nach eigener Ueberzeugung Stellung zu nehmen. Die Äeimatwehren sind auch keine Organisation von Mordbrennern oder Marodeuren, deren Endziel die Ze störung wirtschaftlicher Güter oder menschlichen Lebens wäre, also keine Pogrpmanhänger. | Und me zum Teil schon erreichte, zum Teil angestrebte Zucht und Disziplin im Sinne einer Wehrorganisation bürgt dafür, datz Uebergriffe Einzelner gegebenenfalls loforl unter drückt werden könnten, wie sich dies schon aus der einfachen praktischen Rücksichtnahme auf die notw'ndige Siimpalbie des In- und Auslandes ergeben würde. Allerdings, und die; sei mir einmal mit allem Freimut zu sagen gestattet, gewisse Kreise jüdischer Herkunft tun das Menschenmöglich«, um antisemitische Tendenzen nach Kräften zu fördern oder, wo solche noch nicht vorhanden sind, zu erzeugen. Ich meine damit, datz gerade unter, den übelsten Pretz strolchen, unter den destruktivsten Elementen de; Manismus und seiner Mitläufer, unter den bösartigsten Vertretern der Asphaltdemokratie immer gerade die hauptsächlich aus dem Osten zugtwanderten Individuen jüdi cher Abkunft zu finden sind. Es ist natürlich ungerecht, diese entarteten Eremplare eines Volkes mit den ftaatstreuen. konservativen und alteingesessenen Teilen der Judenschaft in einen Topf zu werfen; genau so. wie es immer ungerecht ge wesen iftf für entgleiste Angehörige des Offiziersstandes. der Geistlichkeit oder de; Adels die ganze Standesgruppe haftbar zu machen. Aber der Mann auf der Stratze unterscheidet nicht mit der Kühle de; Phi osophen, zumal dann nicht, wenn prominente Vertreter der jüdischen Mitvürger. sei es aus welchen Gründen imm^r, es nicht über sich gewinnen können, von den „Zugereisten!", die ihnen sicher oft genug sehr unbequem sind, abzurücken: oder gar unnötigerweile nervös werden, wenn einmal init offenen Worten Kritik an den unerwünschten Zuwanderern geübt wird." t Büchcrfchau. Als die Firma verkrachte. Von R a t h a n A s ch. lieber tragung aus dem Englischen von H e r m n n i a z» r M ü h l e n. (Rütten und Loening Verlag. Frankfurt a. M. 1929.) Bilder aus dem amerikanischen Geschäfts- und Lebens betrieb, in der Form unverkennbar beeinflusst durch das (viel tiefere) „Mänhattan-Fährboot" von Dos Palsos. Ganz un möglich gerade das „Judenkapitel". Ein Ghetto-Vater jagt seinen Sohn aus dem Hause, weil er nicht versteht, dach nicht dieser selbst Bankerott gemacht hat, sondern nur die «>irma. bei der er angestellt war. 1 ’ Zehn Jahre Bolschewistenherrschaft. Herausgegeben von der l^atriotic Union of Ru'ssian Jews abroad. (Verlag Joseph Bickermann. Berlin-Grunewcstd 1928.) Das in englischer Sprache geschriebene Buch sollte ins Deutsche übersetzt und von allen Juden gelesen werden, die sich noch heute für den Bolschetoismus begeistern oder mit ihm kokettieren. Wrr behalten uns vor. besonders interessante Abschnitte in einer späteren Ntumner des Mitteilungsblattes wiederprgeben. J^ationaldeutfche Juden \ der Vergangenheit. Unsere ßilderfolgc. Wir gedenken des „Königlich Preutzischen Majors der Artillerie und Lehrers an der vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule. Ritters ufw" 5)1 c n o Burg hier nicht dieser Titel wegen und nicht wegen seiner Ausnahmestellung als aktiver Offizier der alten' preutzischen Armee. Aber er ist nationaldeutscher Jude in unserem Sinne, weil er unter den damaligen Verhältnissen seine Laufbahn nur einschlagen konnte durch freiwillige Unterordnung unter die Idee des Staates, durch persönliche freudige Eingliederung in eine Hierarchie, die ihm zunächst,fremd war. Und welcher sehr stammesgebundene „deutsche" sJuden heute noch fremd in der Erinnerung gegenüber stehen. Wir nennen chn aber auch den unsern, weil er. stolz auf seine Religion, ein ihm vom König gestelltes Ansinnen, „zum Christentum überzutreten oder nicht befördert zu werden", bescheiden aber fest zurückwies. Er lamentierte deswegen aber^nicht über"„Ungerechtigkeit" und „Iudenfeindschaft", sondern tat mit Selbstverständlichkeit weiter seine Pflicht. Wir wissen aus seiner Selbstbiographie „Geschichte meines Dienstlebens" (Verlag Kauffmann, Leipzig, 2. Auslage. 1916), wie gerade diese Haltung Anerkennung fand und wie sie dann auch später äutzerlich gerechtfertigt wurde durch Beförderung zum Major und weitere erfolgreiche Laufbahn. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin, der Zionismus damals noch ein unbekannter Begriff war, wählte ihn in den Vorstand und bewies damit, das; sie Liebe und Achtung für einen Mann hatte, dem sein deutsches Vaterland wie feine Religioih der Dienst an seinen Glaubeirsgenossen wie deh für seinen König, gleich teuer und gleich selbstverständlich war. So bekannt der Raine l)r Raphael Löwenfeld unter den deutschen Juden als geistiger Vater und Mitbegründer de; C^ntralverein; deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ist, so wenig weitz man heute noch von seiner Auffassung des Deutschtums, von seiner Idee des Centralvereins c>ls oaterländischcir Organisation der nur durch die jüdische Religion verbundenen Deutschen. „Wir haben mit den Juden anderer Länder keine andere Gemeinschaft als die^Katho l i ken und Protestanten Deutschlands mit den Katholiken und Protestanten anderer Lände r." Ihm war Kampf gegen einen gewissen Geschäftsgeist und Vaterlandlo igkeit auch dann keine „i n n e r j ü d i s ch e A n g e l e g e'n h e i t"s wenn sie sich zufällig gegen Juden richtete, solche „S t a m in e s g e n o s s e n" verachtete und Hatzte er „m it einem ehrlicheren Hasse, als je ein Antisemit sie gehabt". Kein Wunder, datz dieser wahffiafs nationaldeutsche Mann sich gegenüber anderen Richtungen in dem v»n ihm selbst gegründeten Centralverein nicht durchsetzen konnte. Rach kurzer Zeit mutzte er sich vergrämt zurückzichen. Datz er gleichzeitig als Direktor, des Charlottenburger Schiller-Theaters! sich die Ausgabe stellte, besonders auf dem Gebiet der Kunst deutsche Art und Wesen zu fördern und den Stolz auf diese Kultur dem Volke einzuflötzen, macht ihn zum Vorbilp solcher heutiger deutsch-jüdischer Theaterleiter. die seins Porträt zwar im Künstlerzimmer des Theaters hängest, ihn selber aber vergessen haben. (Vergleiche, den Aussatz „Zcitgemäher Kunstbetrieb" in der vorliegenden Nummer.) Politik unkt Humanität. Ein Lebensbild Paul Nathans. Von Ern st Feder i Deutsche Verlagsgesellsämft für Politik und Geschichte G. m. b. H„ Berlin 1929). Wie wiezu Paul Nathan stehen, ist bekannt. ED.hat sich sein ganzes Leben lang ehrlich um die Juden bemüht und ihnen unserer Ueberzeugung nach im Ergebnis nur geschadet. Diese unsere Ueberzeugung wird auch durch "die vorliegende Schrift aus der Feder eines persönlichen Freundes des Verstorbenen nicht erschüttert. I Immerhin bietet das Buch interessante historische Einzelheiten, z. B. bezüglich der Anfänge des Palästina-Unternehmens. . Historische Belletristik. (Verlag von R. Oldenbourg. München und Berlin.1928.) Sehr interessante Besprechungen Bücher von Emil Ludwig über Napoleon, ilhelm II.. Hegemann über Friedrich II. und er über Wilhelm'I. und Eulenberg über die schrieben von Wilhelm Mommsen. ück, Hartung. Schützler, Posner nsbesondere die Kritik, die an den Büchern .... _.. geübt wird, kann als Beitrag zur richtigen Würdigung diese: geschäftigen Pjeudo-Historikers aufs wärmste begrübt werden. der bekannten Bismarck und A Napoleon. Wieg! Hohenzollern. g Hans Delbr und.S b r i k. I von Emil Ludwi,