Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 5 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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darf, wenn es nur „gekonnt" ist. Man fragt fiifr: „W i e mache ich dies?"', und gibt sich selbst die Antwort „anders". Darum wird jedes Ereignis, jede Erfahrung, jedes Gefühl so lange gedehnt, verzerrt und verböge t, bis aus der geraden Linie ein bizarrer Schnörkel wird und das Publikum in tiefster Verblüffung die fabelhafte Kunst des kühnen Neuerers bestaunt. Nur ein Geschlecht, das t ie geistige Bodenständigkeit verloren hat. kann sich den Ausschweifungen eines derartigen Umwertungskultus hingeben. > ^.Weltbühnen"-Zöglinge und Artverwandte mögtn fragen, warum diese Klage eines vernagelten Reaktionärs uerade in der Zeitschrift der nationaldeütschen Juden Lu lcien| iit. Die Antwort lautet: weil es um die Ehrfurcht geht undj weil das Problem der Ehrfurcht ein wesentlicher Teil desj heutigen Judenproblems iit. Der betonte Mangel an Ehrfurcht ist eine typische Emporkömmlings Eigenschaft. ein Kennzeichen des Libertinismus, der seinen Namen von den Freigelassenen des alten Rom herleitct. Parvenugeiinnung ilt ganz gewitz kein jüdisches Stammesmerkmal, aber sie wuchert als Gruppenerschpinung in jenen Krejssn der jüdischen Zwischenschicht, die sich von s>er natio ^üdifcber Sport?“ Man schreibt uns; Das Vorurteil, das; die Juden «ich.kraft ihrer körperlichen Veranlagung und Erziehung für den Sport nicht eign:ten und das? der Sport für Hinaufentwickelung so hochgualisizi;rter Gehirne, wie die der Juden, nicht vornehm'genug sei, il endlich in weile'ten Kreisen beseitigt.. Aber eine neue Gefahr für liniere nunmehr sporttreibende Jugend'iit-in der sogenannten ..j ii d i > ch c n Sportbewegung" entstanden. Die Bestrebungen dieser.Bewegung gehen dahin, 5>ic spart treibende Jugend in konfessionell abgeschlossenen Vereinen zu sammeln. Soweit es sich dabei um rein zionistische Ver einigungen' handelt, kann die Frage nach ihrer Berichtigung hier nicht erörtert werden. Die Entscheidung steht und fällt mit dcni Ariom. von dem man ausgeht, und zu eirer Auseinandersetzung mit der irrigen Idee des. Zionismus iit hier nicht der Platz. Hier interessieren nur die aus dieser Bewegung hervorqegangcnen „deutsch-jüdischen". Spoitoercini grmgen. von denen bereits eine grosze Zahl' eriiticrt. Bei der Bedeutung, die der Sport jetzt für Volk und Staat lat. kann dieser Klüikkselbildung nicht energisch genug entgegengetretcn werden. Diesen Vereinigungen ist jede Eriitenzderi chtigung abzllsprcchen. Die von ihnen vielfach angegebenen Eristenz- gründe: es sei ihren Mitgliedern anderweitig üicrhaupt unmöglich. Sport zu treiben, da es „unmöglich" wäre, in einen andern Verein ausgenommen zu werden, oder l atz man ihre Mitglieder in anderen Vereinen „schlecht behankle" und „hinausckle", müssen als irrig gekennzeichnet werdell. Mit verschwindend geringe» Ausnahmen interessieren sich die erstklassigen Vereine sämtlicher Sportkategorien für die Konfession ihrer Mitglieder überhaupt nicht. Es iit jedenfalls jedem möglich, einen Verein zu finden, in dem er die von ihm gewählte Sportart treiben kann, ohne datz er die geringsten Schwierigkeiten bei der Aufnahme hat ind als Mitglied irgendwie deklassiert behandelt wird. Das; sich gewisse Herrschaften ab und zu schlecht behandelt fühb n. liegt meinen Erfahrungen nach stets daran, das;' sie genar so behandelt werden wie alle anderen und ihnen das krcft ihres „höheren Intellekts" von ihnen mit Arroganz geford;rte und erwartete prae nicht eingeräumt wird. Beim Spart gibt es keinen Unterschied zwischen den einzelnen J'nkividuen. nicht einmal einen Unterschied der Leistung. Die grosze Kanone, die einen Rekord hält, gilt im Verbandslek en nicht mehr als irgendein anderer, dessen Leistungen weil Zurückbleiben. Nicht die Höchstleistung i"t der. Hauptzweck des Amateursportes, sondern die körperliche und geistige Frische und die Freude, die jedem einzelnen aus dem Trai ring erwachsen. Es wird auch ab und zu mit der Behauptung operiert, datz die gute Leistung eines jüdischen Spoitvereins ' i naljüdischen Tradition gelöst hat. ohne die nationaldeutsche jh gewinnen. In gewissen Klüngeln, die sich auf ihre „Geistigkeit" viel zugute tun.! wird die Respektlosigkeit gegenüber allen Werten deutscher Vergangenheit systematisch gezüchtet. Das herausfordernde Geschrei, mit dem diese Ge sinnung als allein zeitgemäß und kulturwürdig angepriescn wird, di; Ueberheblichkeit. mit der jeder zum rückständigen Idioten gestempelt wird, der dem hastenden „Rhythmus der Zeit" die Gelassenheit organischer Entwickelung oorzieht, ge rade diese abitoszenden Krampferscheinungen sind es. die unsere nichtjüdischcn deutschen Volksgenossen immer wieder zur Ve> allgemcinerung verleiten und von jeder Berührung mit dem „zersetzenden Judentum" abschrecken. Manche Nishtjuden frei lich unterliegen gerade-in Kunstfragen noch heute der Geschrei Suggestion und scheuen sich, als reaktionär verschrien zu wer den. Aber im Volke selbst, auf dem Deutschlands Zukunft beniht. mehren sich dick' Zeichen der Abkehr von dem hem mungsloien Geiitcr- und Kunitbetrieb. Es wird Zeit, dah auch die Juden, die eine deutsche Zukunft wünschen, vor diesen Zeichen nicht die Augen verschließen. Gegen die Kebeiliqunq nattonaldeutfdier luden an den „deutfcb-jüdlfcben“ Sportvereinen. das beite Gegenmittel gegen den Antisemitismus sei. Das iit unzutreffend. 'Das gute Verhältnis von Klubkameraden oerschiedener Konfession wirkt in dieser Beziehung besser als eine ganze Erfolgsserie der bekanntesten Vereinigungen. Außerdem iit ein derartiger.Miszbrauch des Sportgedankens aufs schärfste zu verwerfen: der Sport ist Selbstzweck bzw. Volkserziebungsmittel und. darf nicht zum Mittel für die Durchführung irgxiidwelcher anderer eigensüchtiger Ziele werden. > t Für die Erziehung und Entwickelung der Mitglieder zum Dcuttchtum sind diese.Vereine ganz wertlos, ja schädlich. Erfahrungsgemäsz jrilt dhe Jugend etwa mit 12—14 Jahren in einen Sportklub jein. Grade in dieser Zeit, in der der junge Mensch an: leichtesten beeindruckbar ist und sich sein Leben aufzerhalb des Eltcitnha ises fait ausschließlich im Sportklub ab spielt, uius; er in ein Milieu, das ihm ein Gegengewicht gegen den unserer Jugjend durch eine falsche Erziehung aufoktroyierten Intellekt» ilisinus und die Arroganz einer ein gebildeten höheren Geirtigkeit gibt. Grade der Sportgedanke iit eine ausgez<ichyete Basis, um unserer Jugend das letzte Einswerden mit dom deutschen Volkstum zic erleichtern. Wejche Balis aber ein konfessioneller Zusammenhang für das gedeihliche Arbeit;« eines Sportvereins abgcben soll, iit unverständlich. Die dee, Sport und Konfession miteinander zu verknüpfen, ist an sch absurd, in.diesem Falle aber wohl unter dem Gesichtspunkt zu verstehen, >haß diese Vereinigungen keine reinen Sportvereine sind, sondern neben dem Zwecke der Sportidee zu dienet, noch den Zweck der Pflege der mit Recht so beliebten „jiidischen Gesinnung" verfolgen. Das iit der Hauptpunkt, uin den es sich hier handelt, dah iich stets ein tteines Stück d s g e i it i g e n Ghetto hinter diesen sogenannten Spörtoere nen versteckt. Deshalb müssen dieie Vereinigungen bekämpf werden. Es geht nicht an, dah ne sich als eine Schranke vor die Entwickelung unserer Jugend zum Aufgehen ins jDeutschtum stellen: es geht nicht an, das; unter dem Deckmantel des Sportes Propaganda für die alten Gedanken des Ab^chlu! cs, der Wahrung jüdischer Belange und der Pflege jüdischer Gesinnung getrieben wird. Mögen solche Ziele für qusgcsprochene Zionisten logisch berechtigt sein: für die Deutschen >jüdischer Herkunft sind es Schlag worte, hinter den^n sch nichts verbirgt, als die dumpfe. Trägheit derer, diel sie trotz ihres „Deutschtums" gebrauchen. Das sind Leute, die zu stumpf und unentschlossen >ind, um zu einem Problem eine eindeutige Stellung zu nehmen. Kraft des jedem Lebewesen eigentümlichen Beharrungsvermögens verteidigen sie ..Ideen', die sie in anderem kausalen Zusammenhänge sonst bekämpfen. Die Folge sind dann solche Mihgeburten wie hie „deutsch-jüdischen Sportvereine". l)r. zur. Walter Laaser. I