Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 1/4 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Mas ich in paläftina fab. t«, k. e*i.ti»,.r. ürofllofe Arbeitslose. — Ce!*a<61uff. — Der deutsche (Jude ist verhaßt. — Rückwanderung. — Handgranaten! Ter Verfasser iü ein stdischer HanLwerkilr. der «1$ . Cbaluz" in Palästina gearbeitet bat. Der Inhalt des «Nikels bildete die Bans einer Ti-kufkionSrede gelegent' UcL eines Vortragsabendunseres. Verbandes im Dezember 1928. Da ich ein Mann der praktischen Arbeit 'bin. kann ich Ihnen nur eine Aufzählung von Tatsachen, keinen stilistisch oder schriftstellerisch einwandfreien Artikel schreiben. Die Beweggründe meiner Reise nach Palästina waren rein' materiell. Von Beruf Elektromonteur, dachte ich. in einem im! Aufbau befindlichen Lande genügend Arbeit zu finden.! Tie Hohcitsmacht in Palästina befindet sich bekanntlich in Händen der englischen Regierung. Es ist ein englisches Mandatsgebiet, in düm die Zionistische Exekutive auf Grund des Vertrages von St. Remo und der Balfour-Deilaration das Recht hat, eine jüdische Heimstätte aufzubauen und zu diesem Zwecke zu kolonisieren. Die Schwierigkeit der Verhältnisse liegt.zunächst meiner Meinung nach in dem! Kampf zwischen Arabern und Juden. Die Araber betrachtcki selbstverständlich die jüdische Einwanderung als einen Fremdkörper, der ihnen ihr Land wegnehmen will. Gleichzeitig sind Hauptguell für die Unfruchtbarkeit der zionislischen Tätigkeit die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, von denen in der Hauptsache im folgenden die Rede sein soll. Schon bei meiner Ankunft wurde mir klar, das; die Arbeitslage sehr schlecht sein muh. Der Chalnz hat von dielen Schwierigkeiten selbstverständlich keine Ahnung. Durch die zionistische Propaganda in den europäischen. in der Hauptiack osteuropäischen und amerikanischen Ländern wird die dortige jüdische Jugend für den' zionistischen Gedanken begeistert. Die so gewonnenen jungen Leute werden auch praktisch für eine wirtschaftliche Betätigung in Palästina vorbereitet. Sie werden als Eärtyer, Landwirte. Techniker usw. ausgebildet^ So vorbereitet gehen diese jungen Leute, man nennt sie Chaluzim. auf ihre Kosten nach Palästinas um dort am „Aufbau der jüdischen Heimstätte"! mitzuwirken. Der ankommende. meist mittellose Ehalu; kommt von der Qarantänestation in das' Einwanderungsheim, oder er wirb auf drei Tage in ein Hotel geschickt. ' Rach dieser Frist musz er selbst sehen, wie er weiter kommt. Er kann eine Anleihe von 2 bekommen, begibt sich aber damit des Rechtes, auf das Land in eine Ebamora iArbeitsgemeinschaft» geschickt zu werden. Däs ist eine Arbeilsgenossenichaft von zijka 100 f§atipnaldeutlA>e Juden deir Vergangenbeit. sehen. Schwarzarbeit zu leisten, d. h. als ungelernte Arbeiter tätig zu sein, und so konnte man sehen, wie junge Mädchen in glühender Sonne auf der Strahe hockten und Steine zerschlugen zur Pflasterung, bei einem Verdienst von 15 bis 20 Piaster, gleich 3 bis 4 Mark pro Tag. Darunter befinden sich Töchter aus guten europäischen Häusern, die derartige schwere Arbeit niemals getan haben. Abends aber kommt der reiche Araber in die Stadt, geht in ein Tanzlokal. wo spaniolische Jüdinnen schon darauf warten, sich mit ihm und den Engländern zu amüsieren, und es leichter haben als jene Arbeiterinnen. So geschieht es, dasz auch die Arbeiterinnen aus Verzweiflung sich mal zum Essen einladen lassen und dann weiter abgleiten. Daher die grosze Anzahl jüdischer Kokotten in Tel Aviv. Es ist schon oft zu Skandalen gekommen. Die Chaluzim haben Droschken, in denen Araber mit Jüdinnen sahen, umgekippt, und so kam es zu dem Verbot, dah Araber abends nicht mit Jüdinnen im Wagen fahren dürfen. Ende des Jahres 1927 wurde bekannt.' dah zirka 500 jüdische Mädchen zu Arabern nach Jaffa gegangen wären, teilweise in öffentliche Häuser, teilweise auch in die Harems. Das ist wohl auch der einzige Artikel, den der Araber vom Juden kauft, dennsonstbeziehteralles von seinen Volksgenossen. Nickt so der Jude, der. um einige Piaster z» sparen, beim Araber kauft. Noch nie habe ich eine Stadt gesehen, kn welcher die Gegensätze so anschaulich aufeinander stiehen wie in Tel Aviv: Wohlleben und das krasseste Elend! Für den Lebensunterhalt braucht man ungefähr dasselbe wie hier. Einige Kahlen: Ein warmes Elfen 4 bis 5 Piaster --- 1 Mark, 1 Brot 2>4 Piaster 50 Pfg., Wohnung 1 Zimmer vollständig leer 1 bis 1>2 £ 20 bis 30 Mark pro Monat. Der Verdienst für einen Arbeiter, festgesetzt vom Arbeitsämt, beträgt dagegen 25 Piaster pro Taa. das sind 5 Mark. Aber meistens ist man zufrieden, wenn man für 15 bis 18 Piaster Arbeit erhält. In den landwirtschaftlichen Siedln n a e n sieht es ebenso schlimm aus. Abaeseben non den alten Rothschild- 3** »re *ui »Summlun« >er |U Strlin.j Kolonien Vetllch Tikwüh, Rech0wvd. Hbraham Hbramfon Sohn de» Jacob Abraham, ebenfalls Kgl. Nijedaillcur und Hof-Siegelstccher. Mitglied der Akademie der Künste. jVergl. Artikel auf S. 7.) Nehziana. Rischon-le-Zion usw., geht es den Ansiedlern schleckt. Sie haben dauernde Defizits und bemühen sich meistens vergeblich um Deckung oder Kredite von seiten der Zentral-Ereku- Die Kwuzoth und Chaworoth live. ___ _ ,ir , . - . ---- — in den Rothschild-Kolonien hatten einen schweren Stand. Arbeitern und Arbeiterinnen, die zu Kolonisten auf dgs Land Kwuzoth sind Arbeitsgemeinschaften, die sich schon in der gehen und nch dort gemeinichartlich Arbeit.suchen. Da das bieman-. Heimat bei ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung gebildet geiagk wurde^und somit auch mir nnbekannt war. so .haben, um hier in Palästina gemeinsam zusammenzuarbeiten. nahm auch ich dieses Darlehen. Der Arbeitsnachweis liegt am äußersten Ende von Tel Aviv, zirka 1 Stundet Weges von Jana. Da wird man von einer Stelle zur anderen gezagt, um nach stundenlangem Warten zu erfahren, dah! keine Arbeit vorhanden ist. So kommt es. dah die Ähaluzim untereinander dieses Tel^Avio „Tel—a--Bluff" nennen. Einige sehr schöne Strahen, wovon viele noch mcht gepflastert sind schöne Häuler. von denen — wie auf Rorhschild- Boulevard 95 v.^H. Pensionen und Hotels sind —■ die Sie bestehen aus zirka 20 bis 25 Mitgliedern beiderlei Geschlechtes. Die Chawora wiederum ist eine Arbeitsgemeinschaft. die Leute von der Z. E. zugewiesen bekommt, von denen jeder 2 L-Anleihe von seiten der Z. E. mitbekommt, mit der die Chawora die nötigen Sachen anschafft. Diese Leute sollen erst in Palästina in der landwirtschaftlichen Arbeit ausgebildet werden. Wie aeiaqt, die Kwuzoth und Chaworoth hatten einen .— •- — schweren Stand, da die Kolonisten lieber mit Arabern arbeiten, mÄrsÄUl 3rÄ"fnb<£ÄLSfWÄK**- billiger )ind und auch keinen Achtstundentag kennen. So durch einige wirklich schöne Anlagen. Bei näherem Verachten merkt man jedoch, dah hinter diesem Glanz das Eleim hockt -i.te heruntergekommenen, verhungerten Gestalten der?stbeiter.' die vergrämten Gelichter der Geschäftsleute. Schon 1926 hörte man überall nur immer das eine Thtma: Rückwanderung. Man staunt aber dann^wieder über die Eleganz, mit der herrschte in den Chaworoth, die ich besuchte, immer Not. Z. Bin Nehziona eine Chawora von zirka 120 Menschen, von denen nur 30 bis 40 Arbeit hatten und soviel verdienen muhten, ihn die anderen mitzuernähren. Dasselbe war in Rechowod,! Rischon-le-Zion und im Malariazentrum Chedera der Fall I Die Chaworoth leben kommunistisch, d. h. der Chain; evljätt nur sein Essen, Trinken und Schlafen. 5 bis 10 . ~j.-i.y- — y. y- '-x.-’V’v.''1.“ "" Zigaretten: pro Tag: wenn es geht, ab und an Briefmarken Sa au<Ltrctc*' Erkundigt man lür seine Korrespondenz. Kleidung soll er auch erhalten, aber I- »kueruber^ io sind es meistens Beamte der Ziomstischen ich habe nie gehört, dah jemals auch nur eine Hose angeekt " . ‘ ~ ' ~ " ‘ ' - ~ ' ' " Erekutive. Rente oder gewisse Geschäftsleute, die weit über ihre Verhältnisse leben. Aber 1927 verkauften die Geschäftsleute ihre Waren um reden Preis, nur um Geld zur Rückreise zu bekommen. Die Mädchen, die allein ohne AnWng in der Stadt leben, haben es besonders schwer. Ein ^oruchteil konnte Stellungen als Dienstmädchen in dem kleinen Kreis der besitzenden Klasse bekommen. Der größer« Teil! muhte schafft wurde. In einer Zeit von zirka 4 Monaten habe ich nur gesehen, dah ein Mann in Rechowod 1 Paar Sandalen bekam, da er absolut keine Schuhe mehr hatte. Diese« Mann waq auch noch verwandt mit dem Leiter der Chawora. Daher kommt es auch, dah Leute, eine Chawora verlassen, nichts weiter besitzen, als kmt kurze braune Hose und einige Hemden. Das Essen richtet sich nach den Ein-