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Der nationaldeutsche Jude · 1929-04-01 · Nr. 1/4 (April 1929) · p. Seite 4

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1929
Issue
Nr. 1/4 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Verhängnisses willen, das so wenig seine Schuld ist, wie wir wünschen, dah unser eigenes Verhängnis als unsere Schuld gewertet werde. Den Kaiser hat das Schicksal geschlagen, das gleiche Schicksal, das jeden Deutschen schlug. Und. seien wir ehrlich, sein Schicksal ist schwerer, als das vieler anderen Deutschen. Nicht darauf kommt es an. dah er von wirtschaftlichen Sorgen verschont geblieben ist. dah er sich und seinen Nachkommen noch heute die Auftechterhaltung überlebter Formen schuldig r. sein glaubt. Er stand höher und darum war sein Sturz tiefer. Erschütternd tief aber muh seine Enttäuschung sein, denn er selbst hat sicherlich stets geglaubt, dem deutschen Volke zu dienen, und hat es doch nicht vermocht, ihm,u nützen. Wi schulden dem deutschen Volksgenossen Wilhelm ll. Verständn, und Gerechtigkeit. Versagen wir sie ihm nicht, weil es sein Schicksal war. ein Kaiser und ein Anttsemit zu sein. Studenten fcbaft und iudenfrage. Die internationale Tagung in Biervillc. Auf 1 Einladung des ,.Weltstudentenwerks", einer internationalen Organisation der Hochschulen zur Linderung der sozialen Not des durch die Kriegskatastrophe besonders betroffenen Studententums, fand Anfang Januar auf Schloh Bieroille bei Paris eine Zusammenkunft europäischer Studenten verschiedenster Länder statt^ Thema: Die Iudenfrage an den Hochschulen. Es ist vorweg zu nehmen, dah ein praktisches, in das Leben oder die Arbeit der Hochschulen hinemwirkendes Ergebnis dieser Konferenz nicht zustande kam. — nicht zustande kommen konnte, da die allgemeine Fassung des Thtmas einen Internationalismus konstruierte, der in Wirklichkeit in dieser Form gar nicht besteht. Es gibt keine Judenstage rni deutschen Sinne an den Hochschulen Italiens, kaum eine! solche in Frankreich und wieder ein ganz anders geartetes Judenproblem an den Hochschulen Osteuropas. Auch hatte die Konferenz keinen offiziellen Charakter, die Delegierten waren nicht als verantwortliche Sprecher der einzelnen europäischen Hochschulen erschienen, ihr Mandat beruhte vielmehr auf privaten Einladungen an studentische Persönlichkeiten und Wissenschaftler, die im kulturpolitischen Kampfe irgendwie in den letzten Jahren heroorgetreten waren. Trotz dieser prinzipiellen^ Unzulänglichkeiten der Veranstaltung hat me sowohl in Kreisen der Studentenschaft wie auch in der öffentlichen Kritik ein Aufsehen erregt, das ein Beweis dafär ist, wie brennend das Judenproblem bei uns in den Kreisen der Höchschüler empfunden wird. Die Tagung brachte wenigstens eine Klärung in der Richtung, dah eine internationale Lösung der Iudenfrage an den Hochschulen nicht möglich ist. und weiter, dah sie überhaupt in nur-studentischem Rahmen, losgelöst von dem Gesamtorganismus der Staaten/ nicht betrachtet werden darf. Die Frage erweiterte sich somit zum Volksproblem. Unseren Lesern ist in diesem Zusammenhang Antwort und Ziel bekannt: für uns nationaldeutsche Juden gibt es eine Judenfrage nur im negativen Sinne der noch nicht vollendeten restlosen Eindeutschung der Volksgenossen jüdischer Abstammung. So ist es nicht frotwendig, an dieser Stelle auf di?' merkwürdigen zionistischen. Gedanken einzugehen, die auf dieser Tagung in breiter Form vprgetragen wurden. Sie lassen sich kurz dahin zusammenfassest. dah der politische Zionismus, d. h. die Errichtung ° eines jüdischen Staates in Palästina, äls gescheitert zu betrachten sei, dah aber der Zionismus trotzdem seine „Berechtigung ^ls jüdischbindende Eeisterbewegung, als ständige Betonung jüdischvolklicher Zusammengehörigkeit" behielte. Wenn bi« isioniftiidbe Jugend selbst in dieser Weise den Zionismus nicht, mehr als politisch-praktische Machtstage, sondern als akademische Kulturbewegung ansieht, verliert er für uns zwar immer inoch nicht seine prinzipielle Gefährlichkeit für das vaterländische Judentum, wohl aber an Ernsthaftigkeit im Sinne einer realpolitischen Kampforganisation. Wichtiger scheint für uns nationaldeutsche Juden die Stellungnahme des Vorsitzenden der Deutschen Studentenschaft, Walter S ch m a d e 1/ der von deutschoölkischen Gesichtspunkten das Judenpfoblem erörterte und dessen Stellungnahme die Zeitschrift „Der Student" zum Abdruck bringt. Ueber seine Auffassung der Iudenfrage lesen wir dort folgendes: „Ausgehend von den akuten Problemen in Rumänien und Polen betonte ich unter Zustimmung sämtlicher Vertreter, dah das Iudenproblem in keinem Land lediglich' als eine wirtschaftliche Frage zu betrachten sei, die man mit ökonomischen Mitteln lösen könne. Zweifellos hat auch in Deutschland die Sondergesetzgebung für die Juden seit dem frühesten Mittelalter einen Ausschluß aus den bodenständischen Berufen des Bauernstandes und des Handwerkertums gebracht und die Juden auf den freien Beruf, zunächst des Händlers und Kaufmanns, und später des Intellektuellen in den verschiedensten akademischen Zweigen verwiesen. Mit der fort schreitenden Bedeutung dieser letzteren Berufe durch die modern, Entwicklung der Bcoölterungspolitik des Wirtschaftsunk Staatslebens hat die starke Durchsetzung mit jüdischen Elc menten in Anbetracht der geistigen wie materiellen Macht, die in diesen Berufen zusammengefaht liegt, aus der wirl schaftlichen Berufsbewegung des Judentums ein offenes staatspolitisches Problem gemacht. Deswegm ist auch der den allgemeinen Bevöllc rungsanteil mehrfach übersteigende Prozentsatz des Judentums unter den Studiemnden nicht lediglich ein Problem beruflicher Art, sondern greift in Anbetracht der Wichtigkeit der akadc mischen Berufe für i»as Staatsleben in das nationalpolitischc Gebiet über. Dabei ist nicht zu verkennen, dah die Erkenntnioon der Wichtigkeit dieser Frage in Deutschland in einen, ähnlichen Mähe vorhanden ist. wie dies in den Oststaaten der Fall ist. Ein Unterschied besteht jedoch in der Methode, mit der das Judenproblem an den Hochschulen dieser Länder hehandelt wird, da für deutsche Verhältnisse brutale Aus emandersetzungen von beiden Seiten, wie sie in Rumänien an der Tagesordnung sind, nicht denkbar erscheinen. Infolgedessen entspricht es auch in Anbetracht der im Gegensatz zu Osteuropa weit konsolidierteren Verhältnisse in Deutschland den Tatsachen, wenn ich betonte, dah das Judenproblem an den deutschen Hochschulen nicht in der gleichen Weise akut sei wie in Rumänien, f Die Eingliederung von Splittern eines anderen Volks tums, also auch der Juden, in den Staat ist möglich durch die Einfühlung in die Kultur und das staatliche Denken. Der deutsche Staat des Mittelalters hatte aber auch eine betont christliche Grundlage und die christliche Welt anschauung tritt in der Ausübung aller seiner Funktionen klar in Erscheinung. Damit trat das Judentum in Deutsch land von Anfang an infolge seiner religiösen Verschiedenheit auch in einen polittschen Gegensatz zu dem von einer ihm wesensfremden Marime beherrschten deutschen Staatsgedanken. Die germanische Auffassung setzt an Stelle des Individualismus den Gemeinschaftsgedanken und setzt dem doktrinären Staats begriff den Begriff des Volkstums und der lebenswarmen Beziehungen zu dem von ihm geschaffenen Staat entgegen. Die Assimilation fremden Volkstums in einem solchen Staat ist unendlich viel schwieriger, da sie zur Grundvoraussetzung die völlige Eingliederung in das deutsche Volkstum hat. Weiterhin bliebe dabei noch die Frage einer llnmög lichkeit der Rassenanaleichung offen. Mit dieser Begründung; habe ich unter der Zustimmung sämtlicher nichtjüdischer Ver tteter die Frage der Ässimilation des Judentums nur dann für diskutierbar erklärt, wenn die Möglichkeit und auf jüdischer Seite die Bereitschaft zu einer völligen und vorbehaltlosen Eingliederung in das Wirtsvolk besteht, und zwar unter gänzlicher Aufgabe des nationalen und kulturellen Reservates. Tic Stellung der einzelnen Teile innerhalb des Judentums in Deutschland zur Assimilationsfrage ist auherordentlich vcr - schieden, und es lassen sich, ohne Rücksicht auf ihre zahlenmähige Stärke, im allgemeinen drei Richtungen feststellen. Unter dem alteingesessenen Judentum sind die Bestrebungen nicht zu unterschätzen, den; Unterschied zum Gastvolk lediglich auf. religiös-konfessionelle Fragen zu beschränken^ d. h. also das eigentlich nationale Reservat vorbehaltlos -aufzugeben. Eine zweite, in Deutschland zahlenmähig ebenfalls geringe Gruppe stellen die bewuhten Nationaljuden zionistischer Färbung dar. die ihre nationale Eigenart voll betonen und gMebenenfalls die Stellung und die Rechte einer nationalen Minderheit für sich in Anspruch zu nehmen geneigt sind. Den Erohteil des deutschen Judentums machen jedoch diejenigen Gruppen aus. die die Verwirklichung des zionistischen Staatsgedankens für unmöglich halten, ihm ohne Interesse gegenüberstehen, auf der anderen Seite jedoch eine völlige Einfügung >n das deutsche Volk, seinen Staat und seine Kultur ab-

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