Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 5/10 (Oktober 1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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T T — 4 jetzt ein wirklich Berufener gesagt, mit Worten, die an Knappheit, Klarheit und Wahrheil nicht zu übcrbietcn sind. In den „Gedanken eines Soldaten", dem Bekenntnisbuch des Generalobersten v. Seeckt heißt es: „Wer dem Krieg in die blutunterlaufenen Augen gesehen hat, ..... wer die Leiden der Völker mit anfehen mußte, wesicn Haar gran wurde von der Asche so ' vieler verbrannter Heimstätten,.dererfahrene u >l d missende Soldat fürchtet den Krieg weit in ehr, als der Phantastes kann, der, ohne den Krieg zu kennen, nur vom Frieden spricht. Will man diese Einstellung zum Krieg Pazifismus nennen, so mag man es tun; cs ist ein Pazinsmus auf Wissen aufgebaut und aus Verantwortungsgefühl geboren, aber cs ist kein Pazifismus nationaler Würdelosigkeit und internationaler Verschwommenheit. Gerade der Soldat wird alle Bestrebungen 'begrüßen, die apf Verminderung der Krieg-Möglichkeiten hinziclen, aber er zieht nicht auf die Straße unter deni Schlagwort .Nie ipieder Krieg', weil er-weiß, daß über Krieg und Frieden höhere Gewalten entscheiden als Fürsten, Staatsmänner, Parlamente,. Verträge nnd Bündnisse, nämlich die ewigen Gesetze des Werdens und Vergehens der Völker. Wer aber für solche Schicksalskämpse sein eigenes Volk bewußt wehrlos machen will, wer es lieber im Bund mit dem feindlichen Nachbarn schwächt, als den Volksgenofieu bei der Vorbereitung berechtigter Abwehr unterstützt, der Pazifist gehört noch immer an die Laterne — und wenn es auch nur eine moralische in." . . Mit diesen Worten ist alles gesagt, was fich zu dem Pazifismus des Schriftstellers Arnold Zweig sagen läßt. Seine Gesinnung in der „Pazifismus internationaler Slerschivommenheit" in Reinkultur. Und nur das Eine muß man zur Erkläruug anführen, daßauf diesen Pazifisten der Satz nicht zukriin, er ivolle für die von höheren Gewalten au'erlegten Schicksalskämpse „sein eigenes Volk wehrlos machen". Tenn das deutsche Volk ist nicht das Volk des deutschen Staatsbürgers Arnold Zweig,- der das Buch -von dem Streit um den russischen Sergeanten Grischa schrieb. Arnold Zweig nennt sich selbst einen Jüdischnationalen, einen Zionisten. Er hat in mancherlei Schriften, vor allem in einer Novelle. die stilistisch zu ieinei! beiten Werken gehört, beteuert, wie stark seine Verbundenheit mit dem Europäertum sei. Aber Europäertum ist! nicht das Gleiche wie Deutschtum. Das Buch vom Sergeanten Grischa mußte Antwort auf die Frage geben, ob dieser Europäer, der so geschickt das Etappengerede^schleckt verpflegter lind mit Familiensorgen beladener deutscher Soldaten wiederzugeben weiß, auch ein Ohr für die Sprache des deutschen Herzens hat. Jedes Wort seines Buches hat diese Frage verneint. Dieser objektive Betrachter und Schildere! hat Mitgefühl mit allem unD jedem, mit dem russischen Sergeanten, der arglos in die zermalmende Mühle des Kompetenzgetriebcs hineintavpt, wie mit den deutschen Handwerkern und Arbeitern im Soldatenrock, die nur ihre eigene Not begreifen und sich als willenlose Werkzeuge in der Hand verständnisloser Vorgesetzter fühlen. Nur mit ein ein. hat Arnola Zweig kein Mitgefühl, für eines hat er nicht den Schatten eines Verständnisses, »für das deutsche Volk in seiner lebendigen, blutwarmen Ganzheit. für dieses Volk, das wie sein Grischa in das Getriebe unverstandener Ränke hincingetappt war. das mehr als vier Jahre in übermenschlicher Oual um sein Leben rang und schließlich dennoch von der übermächtigen Maschine zermahlen ivard. Nur von einem seelisch Vaterlandsloscn tonnte dieses Buch geschrieben werden, von einem, den mir dem Lande seiner Geburt nur spitzige Geistigkeit, nicht warmes Heimatgcfühl verbindet.- „Vcrschmommener Internationalismus" führt diesem Manne die Feder, die Gesühlsscligkeit eines Wurzellosen, der nirgends zu Hause ist, zu Hause auch nicht in jenem Lande, nach dessen Wahrzeichen er fich selbst einen Zionisten nennt, zu Hause ain ivenigsten in Deutschland, unserem Deutschland. Es war eine Zeit, zu der Bücher wie dieses vom Schinder verbrannt wurden. Noch Friedrich der Große übte diesen barbarischen Brauch. Ein kluger Mann fand damals das Wort: „brüler n'est jjas repondre“. In der Tat: verbrennen heißt nicht »viderlegen. Aber der Geist darf verbrennen, was das Gefühl widerlegt. Dieses Buch wird in jedem Worte widerlegt durch das unbeirrbare Wiffen jedes dcutschfühlenden Menschen um ein deutsches Vaterland, das nicht von einer gewandten Schreiberhand aus den Herzen gestrichen werden kann, mag der Fcderzug auch in seinem künstlerischen Schwung das Entzücken der Schriftkenner sein. Aus der Abwehr der Herzen aber müssen die Flammen emporschlagen, die dieses Buch und jedes andere Buch dieser Art verzehren, ohne daß erst ein Schinder bemüht wird, den Holzstoß zu entzünden. Heiratsvermittlungskoller. Bon Dr. Hugo 2 piegler - Erfurt. Vorbemerkung. Diesen Aussatz eines SiichtmiigliedeS, der uns einzesaudt wurde, bringen ivir gern zum Abdruck, »veil wir in der Hauptsache mit ihm völlig ubereinstimmen. Zu manchen Einzelheiten, z B. zu der Frage der Beschäftigung jüdischer Arbeitnehmer, behalten wir uns die eigene spätere Stellungnahme vor. Die Schristlcitung. Die unleugbar bestehende jüdische Ehenot .lieht wieder einmal zur» Diskussion, und es fehlt nicht ah biederen, sehr ehrenwerten Leuten, die entschlossen find, diesem Nebel energisch an den Leid zu rücken. Ihre. Pläne, die sie der Oefsentlichlcit vorlegen, sind nicht neu: die Eheoermittlung ist wohl eine der ältesten Errungenschaften des Menschengeschlechrs. Sie iit eben nicht nur ein Geschäft, das seinen Mann »sehr oft ist es auch eine Frau) nährt, sondern hat auck gewisse psychologische Untergründe, die Otto Meininger in seinem Werke „Geschlecht und Charakter" genügend bloßgelegt hat, um mir ein näheres Einsehen auf dieses Problem hier zu ersparen. Ich verweise bloß kurz darauf, weil nur diese tiefschürfende psychologische Untersuchung Meiningers, die vielfach als Vorahnung der Freudschen Psychoanalyse zu werten ist, eine Erklärung für die groteske Erscheinung bietet, daß sich auch sozial und wissenschaftlich so hochstehende Männer wie llnioersitätsprofessoren durchaus dazu gedrängt fühlen. Schadchen zu spielen, obwohl ihnen nichts peinlicher iit, als.die Möglichkeit, mit dem Ehevcrmittler aus Profession verwechselt zu werden, weshalb sie vor der Welt und ganz bestimmt auch vor sich selber das Schild „Gemeinnützige Ehevermittlungst aus^ stecken. ' Soweit sie positive Ziele verfolgen, sei ihnen die Freude gegönnt» weis sie keinen Schaden anrichten können — freilich auch kaum einen Nutzen. Denn die guttn alten Herren leben im Geiste in längst vergangenen Zeiten und Verhältnissen. Sie haben richtig erkannt, daß die Schwierigkeit der Eheschließung meistens finanzieller Ngtur ist. aber sie glauben, diesem Uebel mit der Sammelbüchse in der Hand abhelfen zu können! Sie wollen allen Ernstes aus den Mitgliedsbeiträgcn der für ihre Unternehmung Ge wonnenen und aus Zuwendungen humanitärer Korporationen mittellose Bräute mit Mitgift und Ausstattung versehen. Aber welche Beträge können da schon in Frage kommen'? Für dieses Geld ist kaum eine Mahnung zu bekommen. Die Wohnung spielt gegenwärtig überhaupt eine viel größere Rolle bei der Eheschließung, als eine Barmitgift, und deshalb ist die kleinste Baugenossenschaft in dieser Hinsicht viel nützlicher, als eine noch so große „gemeinnützige Ehevermittlungs"-Organisation. Ganz veraltet ist überhaupt die Anschauung, daß zur Hebung der Ehesreudigkeit die Unterstützung des weiblichen Partners genügt. Dem steht ’ schon die Tatsache gegenüber, daß Mädchen und Frauen heute viel leichter Erwerb und Beschäftigung finden als männliche Arbeits- # lräfte. Soll man nun etwa für die Männer sammeln, damit sie heiraten können? Das wäre doch. ganz absurd. Dem deutschen Juden ist nicht mit Almosen, sondern nur mit Arbeit zu helfen. Gerade hierin eröffnen sich aber nach allen Seiten die traurigsten Ausblicke. Daß der jüdische Arbeitnehmer von Christen nicht eingestellt wird, ist dabei — obwohl an sich gewiß höchst beklagenswert — noch das kleinere Uebel, mit dem igan sich,' auf geistig hellere Zeiten hoffend, abfinden müßte. Die ganze Größe der jüdischen Tragödie liegt aber in der Tatsache, daß der jüdische Arbeitnehmer auch vom jüdischen Arbeitgeber boykottiert wird. Und zwar nicht bloß vom jüdischen Privatunternehmer, der. . ------ —»■.