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Der nationaldeutsche Jude · 1928-04-01 · Nr. 1/4 (April 1928) · p. Seite 13

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1928
Issue
Nr. 1/4 (April 1928)
Date
1928-04-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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SßirtRdtfeit mit dem Worte Jefu vom Splitter im fremden und Balten im eigenen Auge ab. Daß der Schutt der Ghettomauern, der heute noch »oischen Juden und Nichtjuden liegt, nicht einfach durch den Luftstrom apologetischer Neben weggeblasen werden kann, daß vielmehr. gerade auch di« Juden selbst immer wieder handfest zugreifen müssen, um dieses Hindernis unbefangenen Zusammenlebens weg zu schaffen, daß cs wirklich und wahrhaftig auch eine Judenfrage, nicht nur eine Antisemitenfrage gibt, diese Erkenntnisse sind dem ehrlich-naiven Verfasser offenbar verschlossen. Darum mag seine Schrift für jüdische Leser, die das Bedürfnis der Bestätigung ihrer Kulturwichtigkeit haben, erfreulich sein, für die Lösung der Iudenfrage ist sie genau so wertlos, wie der Grobteil der übrigen Literatur, die aus den Quellen des C. V. gespeist wird. M. N. Jüdische« Jahrbuch für Grobberlin. Herausgegeben von 1>r. Jacob Jacobson. (Fritz Scherdel & Deilh. Verlag, Berlin, 1928.) Das Buch zerfällt in zwei Teile. Der zweite und wichtigere Teil, der etwa »/« des Textes umfaßt. ist ein vorzügliches Nachschlagewerk und ein zuverlässiger Wegweiser für jeden, der sich durch die vielfältigen jüdischen Organisationen und Einrichtungen von Grobberlin hmdurchfinden will. Der erste Teil enthält, im Gegensatz zu ° der Ausgabe des Vorjahres. eine Reihe von Aufsätzen verschiedener Verfasser» zum gröhten Teil mit unverkennbar jüdischnationaler oder wenigstens alliüdischec Tendenz. Bemerkenswert wegen des darin verarbeiteten statistischen Materials ist der Artikel über „Jüdische Schwer- und Schwerstarbeiter in Berlin" von Georg Davidsohn. Sehr lesenswert ist auch der Aufsatz über „Die jüdische Presse mit besonderer Berücksichtigung Berlins" von Bruno Woyda, dem Chefredakteur der Jüdisch-liberalen Zeitung. Von unserer Zeitschrift meint Wvyda, dab sie „nur durch den Grab der Entschiedenheit und durch Fragen der Tattik, nicht aber durch grundsätzlich« politische Auffassung" von dem Organ des C. B. geschieden sei. Diese Würdigung geht doch wohl an dem Kern der Dinge vorbei. Wir glauben zu wissen, dah unsere Tendenzen sich von denen des E. V.. rn dessen Vorstand Herr Chefredakteur Georg Bernhard, Herr Rechtsanwalt Foerder-Breslau, Herr Rabbiner llr. Barck, Serr Moritz A. Loeb u. a. m. möglich sind und dom jeder ionist ohne Gesinnungsprüfung beilreten kann, doch noch durch einiges Andere unterscheiden, als durch Entschiedenheit, und Taktik. Auherordentlich aufschlußreich ist der Artikel „Gedanken zur Erneuerung der Gemeindesatzung" von Rechtsanwalt vr. Mar Kollenscher, der an änderet Stelle bieses Blattes gewürdigt wird. M. N. Dorfjnde«. Von Heinrich Kurtzig. (Mar Poppelauer Verlag, Berlin. 1928.) Harmlose und belanglose Geschichtchen, mit breitem Behagen und schmalem Humor in leiblichem Deutsch erzählt. Das Deutsch erstreckt sich allerdings nur auf den verbindenden Tert. In Rebe und Gegenrede herrscht die jubelnde Ausdrucksweise vor. Es mag Liebhaber für diese Literatu rgattung geben. Wir gehören nicht dazu. ^-sen. Der Staat «ad di« Jude». Von Hans Brandt. tVerlag: Königsberger Hartungsche Zeitung, Königsberg in Preußen. 1928.) Eine knappe, flott geschriebene Broschüre. Sie gibt in gedrängter und doch sehr übersichtlicher Form eine Zusammenstellung der staatsbürgerlichen Zurücksetzungen, denen die deutschen Juden bis in die neueste Zeit herein ausgefetzt waren. Der Verfasser, früher Polizeipräsident in Königsberg, steht das Allheilmittel gegen den Antisemitismus in der „Kraft, die der Republik und der Freiheit innewohnt." Diesem Urteil schlechthin beizupflichten, wird auch den politischen Gesinnungsgenossen des Verfassers nicht gair, leicht fallen, wenn sie z. Ä. sich vergegenwärtigen, daß der Dreyfus- Prozeß sich im republikanischen Frankreich abgespielt hat und dah in den Republiken Amerikas, des „freiesten Landes der Welt", die Judenfeindschaft von Tag zu Tag zunimmt. Trotz des schiefen Endurteils hat die Schrift ihren Wert durch die klare Beherrschung und Darstellung des Materials und durch die temperamentvolle Ehrlichkeit, mit der Bmndt gegen jeden Versuchs die verfassungsmäßig gewährleistete Gleichberechtigung der Juden durch Verwaltungsmaßregeln ilkusonsch zu machen, zu Felde zieht. M. N. Jahrbuch der Bodenreform. Herausgegeben von vr. A. Damaschke. (Heft 1. 1928.) Das Heft enthält einen sehr lesenswetten Aufsatz des Herausgebers über „Probleme der Bodenpolitik in Palästina." Damaschke ist ein aufrichtiger Freund der zionistischen Aufbauarbeit, sieht aber klar die sehr erheblichen Hindernisse, die einer Verwirklichung des von Weizmann wie von Damaschke selbst verttetenen Gedankens der Bodenreform in Palästina entgegenstehen. Bemerkenswett ist die Feststellung, daß die Arbeitslosigkeit unter den Iudezr in Palästina im Jahre 1927 besonder» »roß war. und daß trotzdem von jüdischen Plantagenbesitzern di« araditchen Arbeiter bevorzugt werben, weil sie „billiger und anspruchsloser sind, ais die organi„erten jüdischen Arbeiter." L. R. David Ferdinand Koreff. Der Lebensroman eines Vergessenen. Aus Urkunden zusammengestellt und cingeleitet von Friedrich v. Oppeln-Bronik o w s t i. (Verlag: Gebrüder Paelel, Berlin-Leipzig, 1928.) Das Vorwort des Herausgebers beginnt mit den Worten: „Wer ist Koreff V wird mancher fragen." Die Frage ist in der Tat berechtigt. Hand auf's Her,: wie viele von * uns haben vor dem Erscheinen dir>es Buches den Rainen Koreff gekannt'/ Es ist ein unbestreitbares Verdienst von Oppeln-Bronikow-kis, die Levensgeschichte dieses Mannes der Vergessenheit entrissen zu haben. „Er war berühmt als Arzt uno Magneti>eur, betannk als Dichter, Uebersetzer und Schriftsteller, Mitbegründer der Berliner Romantik und dec Unioersirät Bonn, Referent und Günstling des Staatskanzlers Fürst Hardenberg, Professor an der Universität Berlin und Geheilner Oberregierungsral in der Staatstanzlei, Weltinann und Serapionsdruder, Freund schöner oder geistvoller Damen, bekannt öder befreundet mit den hervorragendsten Zeitgenossen.kurz einer der vielseitigsten und zugleiä) der hilfsbereitesten Menschen, eine typische Mittlernatur, ein Bindeglied zwischen deutscher und französischer Kultur, ein Brennpunkt von tausend geistigen und praktischen Bestrebungen." Für uns nationaldeutsche Juden ist Koreff iwch aus dem besonderen Grunde bemerkenswert, weil er geborener Jude war. Er trat später, als man ihm Schwierigkeiten hinsichtlich der Zulassung zur Professur an der Universität Berlin machte, zum Chrijtentury über, wie sein Zeitgenosse Heinrich Heine. undlein Lebensschjcksal hat auch mit dem des Dichters insofern Aehnlichkeik, als er wie dieser schließlich seinem deutschen Vatettande enttäuscht und vcrbittett den Rücken kehtte, um in Frankreich zu leben. Aber ein wesentlicher Unterschied besteht doch zwischen beiden. Von Oppeln-Bronikowski sagt von Koreff: „Zweifellos hat er sein deutsches Vaterland heiß geliebt und dem größten deutschen Staat mit Stolz und Eifer gedient, ja auch nach bittersten Ettahrungen und Enttäuschungen sich nie ,u Schmähworten gegen ihn hinreißen lassen, wie sein Leidensbruder Heine. Man braucht nur die Worte zu lesen, mit denen er Anfang 1820 F. W. S chl e g e I"beschwor, doch nicht aus politischem Unmut dem Vaterland den Rücken zu kehren. Es war Koreffs Tragik, daß er bald darauf selbst wieder zum Wanderstab greifen mußte, um sein Leben in der Fremde zu beschließen, und daß er. in Berlin als Jude angefeindet, in Paris als Preuße befehdet wurde." Aber über dieses für die erste Hälfte des 19. Jahrhundetts typische Judenschicksal hinaus interessiett Koreff als ein Mensch von universellem Wissen, von stärkstem Kömien auf den verschiedensten Gebieten, von dem Reiz einer ebenso geistvollen wie wunderlichen Persönlichkeit. Er wittt wie eine Gestalt seines Zeitgenossen und Freundes E. T. A. H o f f - mann, der ihn ja auch als Serapionsbruder Vinzenz verewigt hat. Das mit ungeheurem Fleiß geschaffene Buch von Oppeln-Bronikowski gibt zuerst in dem Vorwort eine knapp« Darstellung der Persönlichkeit Koreffs, dann in der Einleitung, die allein 141 Seiten umfaßt, eine Lebensbeschreibung, die sich wie «in spannender Roman liest. Im lÄnschkuß daran folgen Urkunden, Briefe von Koreff und!an ihn, Aktenstücke. Zeitungsberichte, vorzüglich reproduzierte Bilder hervorragender Zeitgenosten K o r e f f s. Und aus allen diesen Dokumenten steigt jene halbvergestene und nie ganz verstandene Zeit stärkster geistiger, wittschastlicher. politischer Umschichtungen, die Zeit des scheinbar so gemächlichen „Biedermeier", seltsam erregt, erregend und lebendig um uns empor. Ein höchst lesenswertes Buch Ein Buch das man nicht in einem Zuge durchlesen kann — dies verbietet schon der zunächst etwas erschreckend wittend« Umfang — in dem man aber immer wieder lesen wird, wenn man es einmal zur Hand genommen hat. M. N. Vermischtes. Zionistische Bekenntnisse. " In dem .jüdischen Jahrbuch von Groß- Berlin" schreibt der Zionist vr. Mar Kollenscher, Vorstandsmitglied und aussichtsvoller Thronanwürter für den Posten des Vorsitzenden Ser1 Berliner Jüdischen Gemeinde, über seine „Gedanken zur Erneuerung der Gemeindesatzuna/'. 2n diesem Aufsatz finden sich folgende bemerkenswerten Wotte: \ „Die Eingliederung in die Verbände ist der erste Schritt zur jüdischen Gemeinschaft. , Die jüdische Gemeinschaft aber kann die Grenzpfähle der Staaten nicht anerkennen. Das

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