Mannheim
Compact Memory

Der nationaldeutsche Jude · 1928-04-01 · Nr. 1/4 (April 1928) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1928
Issue
Nr. 1/4 (April 1928)
Date
1928-04-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6682492-5438667-5438816--353-4871559
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

T — 11 — Deutscher Rück- und Ausblick. Don G. Leow-Fränkel/ Unter diesem Titel bringen wir den kurzen Gedankenauszug einer demnächst er- I scheinenden kulturpolitischen Broschüre: „V o m tieferen Sinn des Krieges" (Otto Franke, Verlagsgksfflsck-aft Deutscher Wille. Berlin-Birkenwerders. Die Schriftleitung. Der tragische Abschlusz des Krieges zuungunsten unseres Bolkes wurde im letzten Stadium durch den Zusammenbruch der mächtigen ..Siegfriedstellung" von Gnaden Amerikas — gleichzeitig aber nach innen durch den Umsturz besiegelt. Wesentlich für die Stärkung unseres nationalen und sittlichen Selbstgefühls und damit für den Aufstieg, die Wiedergeburt des Volkes — hine Entschlußfähigkeit, seine, wenn auch beschränkte, so doch in gewissen Grenzen zu wahrende Aktivität in weltpolitischer Hinsicht ist es vor allen Dingen, kaltblütig zu ergründen, ob der innere Umsturz, der mit der Niederlage gleichzeitig eingesetzt hat. eine mehr sekundäre oder — primäre Rolle bei Ausaang des Krieges gespielt. Das heißt, ob er sozusagen eine Begleiterscheinung des tragischen Ausgangs wir: oder ob dieser Ausgang im letzten Grunde auf ihn — den vielberufenen Dolchstoß des heimischen Bürgertums. — zurückgeführt werden mutz: da er durch Sprengung der Einheit und inneren Geschlossenheit des kämpfenden deutschen Volkes dem Ringen nach außen hin ein jähes Ende gesetzt. Als kriegführende Nation im Zeitraum von vier Jahren hat Deutschland einen Gipfel des Waffenruhmes erreicht, wie er von keinem Kapitel preußisch-deutscher Geschichte, wie auch von keiner Kampf- oder Krisen-Epoche fremder Kulturnationen je übertroffen ward. England schob diese Erfolge nicht so sehr unserm Heer in seiner Eigenschaft als lebendes Kampfinstrument, als vielmehr der Einrichtung zu. aus welcher das Heer hervorging: für die es das funkelnde Schlagwort vom Militarismus geprägt. Doch England vergaß dabei, datz die gewaltige Schlagkraft des deutschen Militarismus, der wirklich in sich vollendet und ohne lebendes Beispiel in der Geschichte iit. auf ethische Argumente, das heißt, auf das Pflichtgefühl, die St.aatsauffassung des Bürgers zurückgeführt werden muß. Woher aber — wird man fragen — nahm der einzelne deutsche Mann diese seelische Spannkraft und geistige Energie? Welch innerliches Verhältnis hatte er als Person, als wertvolles Glied der Gemeinschaft zum Krieg und zur Kampfespflicht? Mit seiner Opfer tat — mit seinem Opfer t o d erschöpften sich deutsche Kraft und deutsches Heldentum nicht. Vielmehr war es das Bewußtsein, daß man des Opfers nur wert war. und daß man den Zweck des Opfers, nämlich den deutschen Sieg nur wirklich erreichen konnte, wenn man lein Aeußerstes hergab — was diese äußerste Leistung schließlich hervorgebracht hat. Natürlich soll man nicht glauben, daß die Teelenstimmung des Voffes, wie auch des einzelnen Mannes im Verlauf dieses Riesenkampfes stets auf derselben Höhe und immer gleichmäßig blieb. Es hat an Widersprüchen, Reibungen, Herzensnöten sicherlich nicht gefehlt. Mancher hat während des Krieges seine Weltanschauung geovfert. mancher sie nachgevrüst: ^nanch Einer wurde am Glauben, der durch ein Menschenleben mit ihm verwurzelt war, unwidcrruffich irre. Die große Frage blieb eben: wie läßt sich die Ucberzeugung von dem Bestand einer höchsten sittlichen Lebensordnuna, die sich der Völkerkämpfe als Mittel zum Zweck der Entwicklung und Weltvollenduna bedient, mit dem^ Bestand jener andern moralischen Weltanschauung streng reliaiöser Natur, welche den'Mord verbietet und durch den Mund Ehrikti befiehlt: „Du sollst deine Feinde lieben..." vernünftig jn Einffang bringen? Das ist durchaus nicht so schwer, wie man vielfach geglaubt. wofern man den richtigen Standpunkt zur Ethik des Cristen tu ms, wie auf der andern Seite zur sittlichen Weltanschauung der großen Kulturnationen — das heißt, zu den inneren Röten oder Notwendigkeiten der nationalen Entwicklung: zur Frage des Völkerfortschritts und Menschheitsfortschritls gewinnt. Wofern man aus eigener Kraft zu der Erkenntnis gelangt, daß eine Analogie der sittlichen Forderungen beider, Moralgewalten: der christlichen Religion und der Kulturverfassung der Staatsgebilde besteht. Die Ethik des Nazareners, die in dem köstlichen Ausspruch: «Ihr sollt Eure Feinde lieben . ... auf das Privatverhältnis der Menschen untereinander — nicht, wie ich in einer längern ausführlichen Untersuchung später beweisen werde, auf politische Eintracht deutet, u n d die Gebote des Staats zur Zeit von Völkerkämpfen, die erbarmungslos fordern: „Tötet den Nebenmenschen: bringt nicht nur Euer Leben, bringt auch das Eures Feindfs, indem ihr die B r u d e r l i e b e. die Nächstenliebe besiegt, auf dem Altar des Landes klaglos zum Opfer dar: Beide setzen beim Bürger die gleiche Disposition und Weltanschauung voraus: „Verachtung der Erdendinge..."" (Gustav Fregtag: Bilder aus der deutschen Vergangenheit). Beide steigern das „Ich" zu jenem Höhepunkt innerer Vollendung empor, auf dem es nicht nur der 1 Welt, sondern sich selbst entsagt. _ Obwohl das deutsche Volk im Verlauf dieses Kn'eges zu dieser Ueberzeugung noch nicht emporgereift war, hat es mit staunenswerter Treue und Festigkeit alle Lasten getragen, alle Pflichten erfüllt. — Diese sittliche Spannkraft sämtlicher Schichten and Kreise der deutschen Kulturnation,, die sich nicht nur im Kampf, das heißt am Vernichtungswerk, sondern an Taten des Aufbaus, der Umsicht und Entschlußkraft sichtbar erwiesen hat, war das heimliche „Sesam", das der deutschen Heermacht ujnd der deutschen Verwaltung die im Verlauf des Krieges! als Bürgschaft und Siegespfand an sich gebrachten Staaten geistig und seelisch erschloß. . Hätte das Deutsche Reich — und mit der Lebenskraft, welche ihm eigen ist. d i e na t i o n a l e Ethik im' Wettkampfe triumvhiert, so wäre nicht allein ein positiver Gewinn im Machtzuwachä eines starken, zukunttträchtigen Staatssondern ein Zuwachs nn Werten rein ideeller Art auf dem Umweg über das Deutschtum für Menschheit, Zeit und Kultur ichcr errungen worden. Das Umgekehrte trat ein. Der Sieg der ethischen -Werte durch das Medium der deutschen Kraft mußte ,u Wasser werden, weil das zu Tode gehetzte und abgekämvfte Deutschland dem blinden Kesseltreiben des großen Nölker» trusts. an dem der geistige Wille, wie auch die praktischen Mittel ^und Möglichkeiten zerschellten, nicht fürder gewachsen wat-j Die Niedergeschlagenheit, die ungeheure Enttäuschung, die »ach so vielen! Jahren staunenswerter Triumnhe die kämpfenden Massen zerschlüg. pflanzte sich von der Front bis in die Heimat fort.! Entscheidend und ausschlaggebend für unser tragisches Schicksal wardie Niederlage der tapferen deutschen Heere vor dsm verbündeten- Feind. Die unoenkkeidliche Folge war dann der Zusammenbruch der heimischen Hinterfront — wie Gustav Freytag es nennt: die innere NiedlMage. Da sie vom entsetzensvollen und unglückseligen Ausgang des langen Feldzuges selbst — nicht vom moralischen Zustand der großen völkischen Einheit cherbeiqefübrt worden ist. dürfen wir sie als -eine, durch unglückseligen Zufall vorüber, gebend erzeugte, gelegentliche betrachten — nicht als naturqewollte. die als Abschluß innerer Knsen den Körper der ganzen Nation für alle Zeit unterwühlt. — Die Meinung des deutschen Volkes, daß an dem nationalen und militärischen Unglück, dem Niederbruch iinkrer Fronten das heimische Bürgertum im Grunde genommen schuld sei..., daß es das deutsche Heer, wie es der Volksmund nennt, von hinten herum ..erdolcht", entfloß der kulturellen und wirtschaftlichen Entfaltung ' unmittelbar vor Ausbruch des furchtbaren Weltenbrands. ' — t Der Tanz ums goldene Kalb bestimmte' die Lebens-' richtuna: der Materialismus fing an. nicht von der Seele des Volkes, aber von einem Teil der großen deutsches Nation, der Nutznießer unsres jungen völkischen Reichtums war. ernstlich Besitz zu ergreifen. Hätte sich die Gefahr, die für Staat und Gesellschaft. Handel und Politik aus der. zur allgemeinen völkischen Eiaensucht erhärteten Weltanschauung der Nützlichkeitslebre fließt, vom wachsenden Wohlstand begünstigt im Wilhelminischen Deutschland derartig ausgewachsen, wie es die ganz?' Laae vor Aushnuh des großen Weltkriegs einmal befürchten ließ: .Der Wurm, der schon an den Wurzeln germanischer lleberlieferung. . Kultnrerfüllung genagt, hätte den deutschen Baum unwiderruflich zerstört. " Der Ausgang des großen Krieges mit Rückücht auf unser eignes, das heißt, auf das deuische Schicksal wird diese Gefahr verhüten. Weil das geschlaaene Deutschland — klarer, als es vor Zeiten das siegreiche Deutschland tat — die Notwendigkeit erkennt, mit jenen Elementen, die seine Knlturentfaltung und damit den Kern seines Wachstums, unablässig bedrohen, nach-! drücklich aufz»rä»mey — im guten oder im bösen — ganz nach dem Wunsch und Willen dieser Kulturoernichter. d,e man entweder bekämpfen oderbekehren muß — indem man ihnen beweist, datz nicht von praktischen i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.