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Der nationaldeutsche Jude · 1928-04-01 · Nr. 1/4 (April 1928) · p. Seite 10

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1928
Issue
Nr. 1/4 (April 1928)
Date
1928-04-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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I Darin liegt zugleich die Erklärung-für den merkwürdigen Tatbestand, daß die haltlosesten Märchen von^ den Weisen von Zion bis zur Pflicht, christliche Mädchen zu schänden, so leicht geglaubt werden: sie passen durchaus in das Typenbild des rätselhaftfremden Juden, der aus geheimer Bindung an geheime Gesetze handelt. Selbst der jüdische Gvttesdienst stellt sich im Glauben des Volkes sehr oft als etwas Unheimliches dar. Ich habe es erfahren: Von bäuerlicher Bevölkerung könnte man'nicht die Hälfte dazu bewegen, eine Synagoge zu betreten. Sie sind überzeugt, daß sie nicht heil wieder aus diesem Haus höchst fremdartiger Geheimnisse herauskämen. Sehen wir einen Ausweg aus diesem tragischen Zwang der Typenbildung? Zweifellos kann Aufklärung helfen. Sie kann Wahrheit an Stelle propagierter feindseliger Legenden setzen in 'sehr vielen Einzelfällen. Sic kann dadurch dazu beitragen, den immer fanatischer sich abwickelnden Verzerrungsprozcssen sEinhalt zu gebieten. Aber sie kann das ererbte,-in das Volksurteilen bereits fest eingewachsene Typenbild! nicht ausrottcn. Denn dieses ist eine unmittelbare A n s ch a u u n g s f o r in. Anschauungen werden nie durch Gründe verwandelt, sondern sie können nur durch neue unmittelbare A n sch a u u n g s formen a b g e l ö st werden. Das ist das entscheidende masicnpsnchologischc Grundgesetz, von dem aus allein der Kampf gegen den 'Antisemitismus /zu Ende geführt werden kann. i' Diese Ablösung der verzerrenden Anschaunngsform wird durch zwei Methoden zu erreichen' sein.. Die crstc wird eine Verwandlung des öffentlichen Gewissens in Deutschland überhaupt anstreben müssen. Sie wird der Bildungsschicht von der Meinung und Dcnkinhalte sich in die breite Masse ergießen —i jene Mcchanisicrungsprozesse mit all ihrer Enge und! ihren Gefahren zum Bewußtsein bringen und ihr Gewissen dafür schärfen, daß (weit über die Zone des Antisemitismus hinaus) das Nationalgefühl, der! völkische Perantwortungssinn alles Deutsche als! eine große, keine Zerreißung ertragende Leistungsgestieinschafl unmittelbar anschaut — eine Leistungsge^meinschaft, die nicht an irgendeinem rassischen oder völkischen Erbe sich bewährt, sondern die in der Straft des Einsscins ihre Volkskraft vor der einzig entscheidenden Instanz: dem Leben selbst immer wieder erweist. Alle Elemente eines Volkstums nicht auscinandcrzudcnken, sondern: ineinanderzudenken, ineinanderzurichten, incinanderzuleben - das ist' aufbaucnde, schöpferische Volkskraft. Das allein. Die biologische Größe solcher Volkskraft den Deutschen fühlbar zu machen, in ihr ihnen ein neues,, dem Wcrdewillen zugewandtcs Symbol zu errichten, das ist Erneuerung des nationalen S ch a u e n s, in der alle antisemitischen Bilder von selbst sich als Zerrbilder und Fremdflecken erweisen werden. (In meiner Pchrift über die „Deutsche Rassenangst" habe ich eil Schritte auf diesem Erneuerungswege zeigen Es gilt, das, was ich dort tun wollsi vertausendfachen. Ich rufe auf, wo ich kann, hier. Einer, ist nichts in solchem Kampf. Heer scheiden. Organisatorischer Wirkungswille entscheidet, wenn der Geist des Volkstums erneuert und seinen großen Aufgaben zugewandt werden soll)) Die zweite Methode aber ist sozusagen eine Grundwirkung der Realität^lber, und hier vermag die Gruppe der nati^Caldeutschen Juden unermeßlich Wertvolles für die Entgiftung der Atmosphäre zu leisten. ' { Wir zeigten: Das Typenbild ist ein eigengesetzlich» wirkendes Anschauungsbikd, das nicht durch Gründe widerlegt, sondern nur durch Neue unmittelbare Anschauungsbilder abgelöst werden kann. Jene erste Methode schafft neue Sehweisen, neue Sehwinkel des öffentlichen Gewissens — und im gleichen Verhältnis neue, gereinigte Anschauungsbilder. Der nationaldeutsche Jude aber stellt dem alten Typcnbild das Erlebnis einer neuen Realität bewußt und leidenschaftlich gegenüber; er macht es nicht nur bewußt -begreiflich, sondern anschauungs- . hast, körperlich g e w i ßJ daß das Wesen des Juden sich keineswegs mit jeneist alten Schreck- und Märchenbild vom verräterischen, iantinationalen Fremden deckt, sondern daß hier vor aller Welt das Bekenntnis abgelegt wird: .Deutsch Land, sürdaswira — und leiden, lei d i e un Taufe Du bi lich. sl bring« s ch a st l Leides idfach gell land ist unser heiliges rbciten, sorgen, hoffen den mehr als alle die. s seine Tore zu schließen wollen. es uns in die Ohren: t nicht unser. Wir bluten innernt. Und dennoch: Wir n Nerven und leidenen dies Opfer unsres e n n c n : Wir gingen, Kig e r n , wir haßten euch, ^jicht verzehrend — wenn oft e s ertö n mit feste i ch e m Will> und b e k i gingest vielleicht^ haßtest euch viel!, wir esstönnlen, wenn wir nicht dies Land ü«d dies V!o l k so liebten und aus den gleichen Tiefen liebten wie jeder Deutsche: mit der Ganzheit unsres Herzens und aus hem Glück des Wissens, daß u n s ü b e r a l l, F r c m d e und Heimatlosigkeit bereitet i st , w o nicht deutsche Erde, deutsche Sprache, deutsche Menschen sind." In der Tat, das ist ein Gesinnungsbild, so eindeutig, o scharf in allen Konturen, so angefüllt mit Seclenksaft, daß es ebenso eindeutig, scharf und seelenhaft der unmittelbaren Anschauung sich einprägt und das TyPenbi ld des feindseligen Juden zu überdecken vermag. Der nationaldeutsche Jude formt zum anschauungskräftigcu Bilde, was in Tausenden von Juden als > Wille und Sehnsucht zwar aber zurückg e st o ß e n und u st a u s g ed r ü ck t lebt. Tausende stößt der Ruf „Du bist i nicht unser! — Wir hassen dich!" von dem Herd deD Einheit glühenden deutschen Volkstums zurück. Verletzt ziehen sie sich zurück, und dennoch voller Sehnsucht, mitzulieben dies Land und dies Volk. Aber wen^ kümmert der Grund ihrer Einsamkeit? Sie wird nur wieder als Beweis der Fremdheit gewertet, und in seltsam tragischer Verschlingung hilft sie das alte Bild des fremden Feindes nur noch tiefer prägen. Allein der Durchbruch des Deutschscins im nationaldeutschen Juden, dieser Durchbruch, der nichts nach dem Leid fragt, in das er getaucht ist, und nichts nach dem Hohn, der ihm Schmerz antun will - dieser Durchbruch hat selbst prägende Energie. - Seine Anschauung schiebt sich erhellend über das tragische, uralte, ererbte Typenbild. Und das ist wesentliche Leistung für das deutsche Volkstum wie für die Geltung des deutschen Juden. Es erleichtert uns den Weg der Erneuerung des deutschen Gewissens, nicht etwa nur gegenüber dem deutschen Juden, sondern: gegenüber der Ganzheit des deutschen Volkstums — die wir zu allererst brauchen, von der wir noch so jammervoll fern sind, und zu der wir nicht müde werden wollen, aufzurufen. Jedermann! Und überall!

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