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Der nationaldeutsche Jude · 1928-04-01 · Nr. 1/4 (April 1928) · p. Seite 7

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1928
Issue
Nr. 1/4 (April 1928)
Date
1928-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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p I. I II. Was ist zu tun in dieser Zeit der Schmach? wie sollen wir das Elend länger tragen? Unwürdig ist's und nutzlos noch zu klagen, ^a mit dem Schwert auch unser Arm zerbrach. Fast ist's ein Fluch, daß wir jetzt nicht verzagen und sterben dürfen unserer Größe nach, ein Fluch, den über uns bas Schicksal sprach, und dessen Sinn kein Weiser uns kann sagen. Was ist zu tun? Nichts, als daß wir den Willen, wie ein Gebet in alten gläubigen Zeiten, wachrufen und uns ganz mit ihm erfüllen; Wir müssen über uns. die Wolke schaffen, die sich zum Haupte ballt aus der Kraft der Seelen. Wenn uns die kühnen Hellen Führer fehlen,! muß Nrmacht dunkel sich znsammenraffen. Denn das sind eines Volkes höchste Waffen, daß Inbrunst aufsteigt, daß ^Millionen Seelen , den Weg des Leids als Weg zum Lichte wählen ' und über sich den neuen Gott erschaffen. Den neuen Gott, der unser Schicksal lenkt, das wir gebären, ohne es zu kennen, das nicht ein Einzelner, und sei's der Größte, denkt: bis er geeinigt aufsteigt aus dem Volke, um über ihn: sich wachsend hinzubreitcn als eine dunkle, unbekannte Wolke. in dem die heißen Herzen aller brennen, denen die Stunde jäh^ die Tat zerschlagen, daß sie Gewaltigeres als Taten tragen. III. ' > Denn seine Sendung kann das Volk erfüllen nur, das gezwungen wird, daß es sie schafft; gezwungen wird: von Haß und Leidenschaft frei, cinzutauchen in den großen.Willen, der in den Starken, Waffenlosen,'Stillen, Leben- und Todbereiten wohnt als Kraft. Wollt Hilfe, bis ihr sie aus euch erschafft! Auf! in die ewige Wolke uns zu chüllen! llnb wenn wir lange noch, nicht einmal ahnen, woher sie Hilfe uns und Heil soll bringen schon geht die Wolke dunkel ihre Bahnen,. Der ein Gott, aus unserer Kraft, den ioir nicht zwingen, doch der, ein Wissender, vor uns wird wandeln. Er nahm von uns die Tat. jEr selbst will handeln. „Fude" als deutsches Lgpenbild. Von Dr. Michael M ü l l er - C Ur u d i us. Y Ende Juni des vorigen Jahres hatten sich in Steglitz jene unglückselig verketteten Dinge abgespielt,« die kürzlich durch den Krantz-Prozeß jedermann in Deutschland beschäftigten. Kurz nach der Schulcrtragödic unternahmen einige Primaner einer Steglitzer höheren Lehranstalt — .der Krantz und Scheller nicht angehört hatten — eine längere Ruderfahrt. Die großen Sommerfericn hatten begonnen, und so konnte man die Ruderfahrt bis ins Mecklenburgische ausdehnen. 1 Bei solchen Ruderfahrten besteht ein besonderer Ehrgeiz unserer Jungen darin, mjt den Geldmitteln, die ihnen das Elternhaus gestiftet; möglichst lange zu reichen. Man lebt in höchst spartanischer Härte und Sparsamkeit, um die wundervolle Freiheit in der Sonnengemeinschaft so lange wie nur irgend möglich auszukosten. Man kocht auf kurzer Rast am Ufer ab; zur Besorgung der Wäsche ist das nasse Element allezeit reichlich zur Verfügung; man übernachtet in kleinen, dörflichen Gasthäusern — aber möglichst nicht in Betten, sondern auf den Heuböden; die Gaststube dient vorwiegend dazu, verzückte Ansichtskarten und freiheitsselige Briefe zu schreiben.... J - Eines Abends im Juli, 1927 treten also unsre fünf Primaner in eine Gaststube im Mecklenburgischen, werden uin ein preiswertes I Nachtlager im Heu mit dem Wirt handelseinig, und da der wohl seine Freude an den braungebrannten Wasserrelsenden hat, bietet er ihnen auch den Morgenkaffee um so günstigen Preis an, daß den selbst die spartanisch-eifersüchtig gehütete Kasse als Wohltat empfindet. > . , , t s! Freilich, wie weiland der Wirt in Lessings „Minna von Barnhelm", so weiß auch der Mecklenburger, was er der hohen Polizeibehörde schuldig ist; er holt ein altes- Buch hervor, dareiit sich die fünf munteren^ Gäste eintragen müssen, fein säuberlich, ohne Geburtstag, Geburtsort und festen Wohnsitz zu verschweigen. Für den letzteren machen die fünf eine Klammer und verzeichnen treu und ehrlich: „Berlin-Steglitz". Aber die zwei Silben hinter „Berlin" werden ihr ^Verhängnis. Kaum hat der Wirt sie erblickt, als er feindselig in jeder Miene wird; er nimmt die Feder, - durchstreicht kreuz und quer die Namen der fünf, als i,müßte er schleunigst ihre Geister mit dem Zeichen des Kreuzes bekriegen und verbannen, und erklärt wörtlich: „Für Steglitzer habe ich keinen Platz. Ich will hier nicht Ihre üblen Sitten einführe it.“~ Das Aufgebot einer fünffachem Primanerlogik etweist sich als völlig machtlos. Es bleibt bei den leidenschaftlichen Tintenkreuzen, das Buch wird unter den Schenktisch geschleudert, und die fünf anrüchigen Steglitzer werden zur Tür hinausgedrängt; sie wissen^ hier wird kein Dach ihnen mehr Schutz geben. Es^— bleibt nichts übrig, als das Schifflein wieder klar zu machen und weiter hinunter zu fahren. Die fünf haben nie/wieder in die gefährliche Spalte der Gastbücher „Berlin-Steglitz"-eingetragen, sondern immer nur »Berlin" — und nun hat in ihnen niemand mehr den mordenden Teufel gesehen und gefürchtet. 2. Ich glaube, unsere fünf Primaner haben in jener- Wirtsstube mehr an praktischer Seelenkunde gelernt, als in allen ihren Schulstunden und -jahren zu»

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