Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 1/4 (April 1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6682492-5438667-5438816--348-4871554- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und auch sonst noch vielfältiges Gebilde ist — zu erkennen, was. iiz dem Gefühl, mit dem die Deutschen dieser nnd jener Einstellung, sich ihres Vaterlandes bewußt sind, noch einheitlich Und bei allen das Gleiche ist; denn nur daraus können wir weiter bauen! ^Ilso heißt es zuerst: aus der leidenden Liebe zum Vaterland, die wir noch mit den meisten unserer Volksgenossen teilen, indem wir sie ganz ailsleuchteu lassen, nnd ne csanz durchleben, zum Bewußtsein der großen Einheit kommen, die uns mit dieser leidenden Liebe noch immer gegeben ist und damit zu.einer Acnderung unseres Gefühls gegenüber allen denen unserer Volksgenossen, die mit derselben iüebc zu Deutschland diesem durch seine Sprache und seine Kultur, seinem Geist und sein fühlen sich bekundenden Volkswescn nun ganz andere GeDankcn und andere Wege des Handelns verbinden wollen, als wir. Tun wir auf allen Seilen den c i n c n Scbritk, uns mehr d e s- V e r b i n d c n d c n m i l unsere» Volksgenossen aller S cha tli er u n ge n bewußt zu sein als des Trennenden, und erziehen wir uns dazu, den G e.g n e r i n - sc i n c in Wollen, in den Wegen, die er geht, um a u s seinem leidenden N a ti o n al gcfü h l f ü r d a s V a t e r l a nD z u h a u d e l n , f ü r so eh rl i ch u n d überzeugt z u "halten wie n it s s e l b-st. Wer je in Deutschland, und sei cs auch nur ganz gelegentlich, etwa bei einer Jubiläumsfeier, wo es vielleicht nicht zu umgehen war, das Volitische berührt bat. wird erfahren haben, daß ihm sofort Böswillig-, seit. Verhetzung. Gist begegnet, statt daß der Gegner seiner Amchauungen ihm guten Willen, Liiibe zu Deutschland zubilligt, ihm 'Achtung cntgcgcnbringß und 'nur fjrnnimcr zu widerlegen versucht, wo' er sich jetzt den Anschein gibt, bewußte Gemeinheit und Niedcrtracht zu geißeln. Das ist das Erste: unser in Liebe zu Deutschland leidendes N a t i o n a l st e fü hl muß sich ohne Feindschaft d a z u erziehen, jeden V o l k s g c n o s s e n . d e r c h r l i ch u n d r e ch t, w e.n n a u ch n a ch unserer Meinung i r r e n d, c i n e n A u sw eg sucht, in i t zu umfassen, ihn so lebendig in sich einzaischlicßcn, daß unsere i irn c r c Zerrissenheit z u n ä ch'st -c i n m a l den 'Anblick des Haders verliert. Ich glaube, daß damit viel 'Annäherung, auch der Gedanken und der Ziele gewonnen würde; denn manches Ziel hüben und drüben hat seine Unterlage nur noch in dem Gegensatz gegen den verhaßten Partcigegner. Ja, <s kann und wird in langsamem Entwicklung aus d:r An- . Näherung des Gefühls eine'Annäherung der Gedanken und des Handelns kommen. Wir sahen, daß ein. Volk V o l k ist durch seine Sprache und die von seiner Sprache getragene 111 fu r. Dann ist wohl auch nicht zweifelhaft, daß in unserer durch den Krieg geschaffenen elenden Lage der einzige Weg und die'einzige Hoffnung für unsere Zukunft ist: Z u c r st unsere Sprache u n d unsere Kultur zu erhalten und zu schützen-, alles d a r a n z u s e tz c n , daß ein Z u st a n d unter den Völkern der Erde entstehe^ in dem bijc Gewalt aufhört u n d> a s B e ch t a n i h r c S t c l he tritt. Ich bin kein Utopist. Ich weiß, daß so rein, wie sich dies aussprcchcn läßt, die Macht auf der Erde nie ihren Platz abtrctcn wird; aber ich sehe wohl die Möglichkeit, daß so wie aus den sich einst! blutig bekriegenden deutschen Einzelstaaten das einheitliche Deutschland züsammcnwuchs und in gegenseitigem Frieden,, gegenseitiger Hilfe aller seiner Glieder lebt, daß so zunächst aus den europäischen Staaten ein einheitliches Europa werden kann, in welchem alle europäischen Sprachen für die sie Sprechenden gleiches Bccht haben und keine an irgendeiner Stelle dieses europäischen Staatcnbundcs unterdrückt werden darf. Ich bin der Uebcrzcngung, daß in unserer gegenwärtigen Lage, wo an vielen Stellen Europas heute noch die Unterdrückung unseres Volkstums und unserer Sprache mit Gewalt gewagt und ausgeübt wird, ein solcher Staat Europa unsere nächste und am ehesten zu verwirklichende Hoffnung für unser Bestehen als Volk, für unser Bestehen als Volk in allen, aitch in den von uns durch die grausame Entwickelung der * letzten fünfzehn Jahre abgctrennten Gliedern, sein muß, nur sie auf lange hinaus Misere Hoffnung sein kann. Dies möchte ich dem Gegner des inneren Friedens mit - den anders denkenden Volksgenossen entgegenhalten. Ich möchte überdeutlich sein, ich möchte ihm sagen, auf mögliche Einwände, die er mir noch machen könnte: ja, es erscheint mir als eine ethische Erhebung der Völker, als eine Peredelung der Menschen,.wenn sic statt sich blutig, mörderisch zu bekriegen, im Vertrage zu Frieden, Verständigung, zu gemeinsamer Hilfe und Arbeit kommen, wenn statt der Staaten ein Staat Menschheit entsteht; aber ich würde diesen Gedanken nicht mit dem ganzen Herzen gewinnen können, wenn er sich nichf auch vop meinem Nationalgefühl rechtfertigte und bewährte! Mir scheint dieser Gedanke an sich wesentlich und notwendig, hier aber spreche ich ihn nicht um seiner schönest menschlichen Ideen willen aus, sondern aus dem wehen, sorgenden, in Liebe leidenden Gefühl für alles Deutsche auf der Erde, dessen Gefahr und 'Untergang ich am ehesten abwendbar sehe, wenn wir andere, höhere Waffen ergreifen^ als die uns ausder Hand geschlagenen des blutigen Krieges. Mein Glaube an die B c - sr i m m u n g des deutschen P o l k e s i st nicht wankend gcworden, als es unterlag. Ich habe mich vielmehr gefragt, ob ihm im Bake des Völkerschicksals nicht vielleicht gerade die Aufgabe gestellt worden ist, einen neuen, besseren Z u st a n d unter den Völkern der Erde herbeizu führen, die M e n s ch h e i t d c n G c d a n k e n f a s s e n z u l e h r c n. daß-es genug sei der ewigcnWicderholung des alten blutigen Ballspiels, in dem die G r e n z l a n d c nnd der G o l d b c s i tz hinüber und herüber erobert und zurückerobert werden; daß jetzt ein Sieg nicht über einen Nachbarn, sondern über eine zu überwindende Phase im Völkcr lcben errungen werden muß. Was ich hier in Bildern und Vergleichen, Befürchtungen, politischen Erwägungen und Hoffnungen Ihnen darzustcllen versucht habe, scheint mir wesentlich für unser Gefühl zu Volk und Vaterland, dessen überparteiliches und geistiges Dasein Ihr Verband .durch seine Treue zu jhm, die überlegene, in ihrer Idealität keinen Augenblick erschütterte Bekcnntnisfrcudigkeit zur deutschen Sprache und Kultur, von der kein Antisemitismus in dem Lande, das Ihr Vaterland ist, Sie je hat abbringen können, immer wieder aufs schönste bekundet. Sic haben heute einen Dichter in Ihren Kreis geladen» so müssen Sic es gutheißen oder wenigstens verzeihen, wenn er zuletzt auch in seiner eigentlichsten Sprache, in Versen, redet! Lassen Sic mich mit drei Sonetten schließen, die ich bald nach dem Zusamjnenbruch schrieb, und die ich „Willen und Glauben" betitelt habe^.