Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 1/4 (April 1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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diesem Stamme ist ein neuer prachtvoller Typus entstanden, der Mängel der verschiedenen Elemente ausschicd und in der neuen chemischen Verbindung, wenn ich so sagen darf, neue Vorzüge entwickelt hat, eine 'Art deutschen Wesens darstellt, die es vorher einfach nicht gab und die deutlich von allen altdeutschen Stäinmcn unterschieden ist. — Wir haben weiter in 'Amerika das, wenn auch uns durchaus in vielem nicht entsprechende Beispiel eines werdenden Volkes vor 'Augen, das anders ist in Wesen und Leistung als alle die Völker, aus deuen und deren Mischung es hervorging, das ihre Fähigkeiten zum Teil übersteigert, zum Teil neue aufweist, das langsam seine Sprache von der europäischen Ursprungssprache löst und nach anderer Richtung entwickelt und, wenn wir dpm uns Fremden und nicht durchweg Sympathischen, das seiner gegenwärtigen Epoche anhaftet, i absehen, ein großes, Bewunderung verdienendes Vaterland für viele Millionen geworden ist. — Lassen Sie mich hier das Bekenntnis ablegen, daß mir für unsere Fragen neben dem A n m ö g l i ch e n eines rassereinen deutschen; Volkes das Mögliche: ein Deutschlands der Seele, des Geistes, der Leistung, demenschheitlichen Wolle ns und Schaffens, dessen Ursprung durch jene alten blonden, blauäugigen, ungeschlachten und edlen, kindlichen und streitbaren Germanen in die Welt kam, das aber von anderen Rassen Unendliches dazu erwarb, jener Ursprungsart anglich und so, stärker geworden, zu einem lebendigsten Faktor auch der neuen, der wcitergehenden Geschichte wurde; dem wir alle mit unserem Herzen dienen; daß dieses Deutschland, in dem wir niemanden nach seiner A b st a m m u n g aber jeden nach seiner deutschen Bewährung fragen wollen, als das viel Höhere, vielSchünere, ja als das Einzige erscheint, das unter unseren Möglichkeiten heute Weltgeltung beanspruchen kann. Wir haben gesehen, unsere geographische Lage bedingte, daß die Völker in unserem Lande und durch unser Land verschoben wurden; daß Rassemischungen bei uns mehr als in fester umgrenzten oder nur an einer wichtigen Seite an Nachbarn sich anlehnendcn Völkern und Ländern stattfindcn mußten; daß also Deutschland offenbar durch etwas anderes als die Abstammung zu dieser seltsam deutlichen, sich trotz aller Völkerwanderungen im wesentlichen gleichbleibenderi Einheit geworden sein muß. Natürlich ist ein großer Teil des Volkes - nicht nur der Individuen, sonderrt auch im Blute, Teil in jedem, übergreifend von einem in den anderen — stammgleich und bildet einen Grunds stock unseres Wesens. Aber das allein ist es nichtj was bei so vielfacher Mischung mit fremdem Blut di« Einheit erhalten könnte, die unbestritten vorhanden ist. Ist es doch, wenn wir durch die Geschichte zurückblicken, so, als ob über diesem Mittelstück Europas, Deutsch» land, Licht einer bestimmten geistigen Farbe läge, in das alles taucht, was nur in den: durch dieses Licht bezeichneten Raum eintritt; und doch ist, wenn man näher zusieht, das kein äußeres darüber liegendes Licht, sondern eins, das immer die selbst ausstrahlen, die gerade in diesem Raum sich befinden. EÄ muß also ein Geistiges, ein Innerliches, ein Ungreifbares sein, das uns alle im Bann hat. Denken Sie daran, wie ein sehr kluger Forscher » der Dichtungsgcschichte die Romantik, die Zeit des altdeutschen Wesens un neunzehnten Jahrhundert, erklärt hat: als die Sehnsucht der Sprossen aus neudeutschem Stamm, die das Deutsche viel glühender erfassen als die Angehörigen der alten Stämme, denen es nicht weiter bedachte und befühlte WirÜichkeit war. Er! kann die Tatsache für seine Theorie beibringen, daß > namentlich die Maler, aber auch die entscheidenden Dichter der Romantik nicht Angehörige der alten Stämme Md, denen! das! Deutsche kaum, bemerkter Besitz und Wesen! war, sondern der östlichen, erst deutsch gewordenen Mwiischen und slawisch gemischten, der Schlesier, der" mit pruzzischem Blut erfüllten Ostpreußen. Die Sehnsucht ist zeugender, durchglüht die Idee heißer als der Besitz, Jubelnde Bewußtheit wird dort, was als! selb st vcr st ändlich Vorhänden es das 05 c» I niüt der anderen lange nicht in so heiße! Wallung versetzte.* — Auch hier kann ich ein kleines Erlebnis berichten, das mir diese Zusammenhänge deüitlich vor Augen brachte, das mir zeigte, wie glühend deutsch die Sehnsucht nach diesem —■ ich finde kein bezeichnenderes Wort: menschlichen Ideal des Deutschtums machen kann. Ich lernte in Königsberg einen Herrn kennen, der mir die Sorgen aller Deutschen jenseits des polnischen Korridors ergreifend schilderte und mir.durch seine ruhige, selbstverständlich deutsche Art eine innerliche Wohltat war. Ich fragte dann nach seinem Namen, den ich bei der Vorstellung nicht gehört hatte, und erfuhr, daß.er Popolski hieß. Er wgr ein beredter - Zeuge jenes unsichtbaren geistigen Deutschtums, das ich suche, und das ich, jetzt will ich cs nennen, in der Sprache vermute, in dem Anschauen des 'Alls und der Menschenseele, das die Sprache wie ein „Sesam, öffne dich!" erschließt. Sprache! das ist es! Nicht das Verständigungsmittcl Sprache, das nur scheinbar Sprache ist, das statt einer angestammten Sprache eben so gut ein, Volapük oder Esperanto sein könnte, ohne daß die Lage wesentlich anders würde, sondern, die magische Sprache, in der die Oöewalt des Lebens liegt wie die Anschauung der Welt. Die Sprache, von der ein , kleiner verirrter Strahl iü den Hypnotismus' fällt und in der Seele der unter Vorstellungszwang Stehenden j eine ihnen wirkliche zweite Welt zu schaffen vermag. Die Sprache, aus der der Mystiker Johannes vom Kreuze die von ihm so genannten „substanziellen Worte" heraüsgreift, die das Gute nicht nur bezeichnen, sondern cs wirken in der Seele, die sie hört. Die Sprache, über die das Schönste und Tiefste vielleicht' die alte Dichtung Ihres ursprünglichen Stammes ich wende mich hier an die Nkitglicder des Verbandes — ausgesprochen hat wenn diese Dichtung auch, weil sie von Priestern, den allein Schriftkundigen, stammt, nicht Sprache sagt, sondern Schrift, wobei sie doch wenigstens zu drei Vierteln Sprache meint." Die Schrift rühmt sich da, das Werkzeug des Herrn bei der Weltschöpfung gewesen zu sein. Die Schriftzeichen begehren, jedes, daß Gott mit ihm hie Schöpfung beginnen sosle. Auf dem Arm des Herrn hat lange vor der Erschaffung der Welt die Schrift, gestanden, schwarze Flammen auf weißem Feuer. 'Aus dreien seiner Namen schafft Gott die Welt. Die Wortgebung ist in diesen Sagen das Ungeheure, ist die Macht. Nicht nur in der jüdischen Sage, auch in Her lägyptischen: der Name wird verborgen, der Name! darf. nicht ausgesprochen werden. Denn durch Kenntnis, durch Aussprechen des Namens, gewinnt man Macht über den Namensträger. Das ist die Sphäre, in der Sie die Sprache sehen und erleben müssen, um zu verstehen, was ich meine, wenn ich sage: das unsterbliche. Deutschland, das geistige Deutschland ist die deutsche Sprache mit ihrer ,Macht über die Dinge in der Seele und die Dinge 'der Welt, mit ihrer dichterischen Urkraft und. ihrer