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Der nationaldeutsche Jude · 1927-12-01 · Nr. 10/12 (Dezember 1927) · p. Seite 12

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1927
Issue
Nr. 10/12 (Dezember 1927)
Date
1927-12-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Erachtens mit vollem Recht, verneint, „dah der Ursprung unseres Stammes für alle Zeiten die Richtungen unserer Handlungen und Anschauungen bestimmen müsse . Das grundsätzliche Wollen beider Verbände ist, selbstverständlich bei Abweichungen im Einzelnen, identisch. Und desbalb in u i; eine Atmosphäre geschaffen werden, die Vorkommnisse wie den Marr Pemer-Prozeh unmöglich macht. Man glaube nicht, das; die Schuld an ihnen nur beim Verband nationaldeutscher Juden, liegt. In dem vom Amtsgericht Karlsruhe gefällten - Urteil erster Instanz heiht cs z. B: ausdrücklich: „Auch kam für die Angeklagten strafmildernd in Betracht. daN sie durch die stellenweise recht spitzige und scharfe Schrift des Privatklägcrs über „Das deutsche Judentuni>ünd seine jüdischen Gegner" zweifellos gereizt worden waren, während die oorausgeganqene. Schrift Dr. Nau- . manns „Vom mosaischen und nichtmosaischen Juden", die die Veranlassung zur Erwiderung des Prioatklägers gegeben hat, nicht herausfordernd geschrieben war." Dr. Marr Halle in seiner Schrift behauptet, dah fnt den nationaldeutschcn Juden die Taufe der Uebertrikt zum,Deutschtum ist. Als Beweis für dieke Behauptung war auf eine-Stelle in Rauinanns Schriften verwies n. Dort aber war, im Gegensatz zu der Mariischen Darstellung, die behauptete Tatsache ausdrücklich als in der Vergangenheit liegend gekennzeichn.et, und war prinzipiell, insbesondere für die Gegenwart, die.Taufr als Uebertritt zum Deutschtum scharf in i s; billigt worden. Derjenige, der sich ledig'ich zum Zwecke der Betätigung oder vollen Auswirkung natii naldeutschcr Gesinnung laufen Zähl. wird mit Sätzen gelennzeichnet wie: „Er hat sich selbst ausgeschlossen aus der Gemeinschaft der nationaldcutscheiz Juden, die sich ehrlich als Juden wie als Nationaldeutsche bekennen. Um unserer elbst willen und um der ehrlichen Christen willen sagen wir ihm: Bleibe uns fern". Es ist bebaue ih, dah der entschied:»: Protest von Mitgliedern des Verbandes nalionaldeulscher Juden gegen die Marrsche Schrift nicht die Klärung de; vorliegenden Mihverständni'ie; und die Zu'ücknahme de; erhobenen Vorwurfes zur Folge batte. Die vergiftete Atmosphäre mag die Schuld daran tragen, das; die Forderung des Verbandes natioinalderitschcr Juden nach Em'etzunq ein:s unabhängigen Schiedsgerichts beim C.V. keine Beachtung fand, das; statt bissen durch ein „Gutachten" von einigen HauvtvorstandLmitgliedern des C. V. das Verhalten des Hauptvorstandsmitgliedes! Dr. Marr in wenig inmpathischer Art gedeckt wurde, so daszl sich Naumann und Pericr ichlieszljch genötigt glaubten, den Vorwurf der Fälschung zu erheben, um eine Klarstellung!des Sachverbalis durch ein Gerichtsurteil herbeizuführen.! Das Landgericht Karlsnrbe hat als zweite Instanz! die ursprüngliche - Strafe von je 70 Reichsmark für Dr. Rauniaiin und Dr. Pewec auf je 200 Reichsmark erhöht, vnd dieses Urteil ist in dritter Instanz bestätigt Worden. Der wesentliche Teil der Urteilsbegründung lautet:' „Es mär daher auch zu prüfet, ob. soweit üble Rach- .rede vorlag. der- .Wahrheitsbeweis erbracht war. Diese «Trage ist zu verneinen. E; ist zwar dem Angeklagten zuzugcben, dah der P r i.v a t k l ä g e r den Inhalt her Aeuszcr u n g des Angeklagten auf - S. 37 der Broschüre „Vom mosaischen und nichtmosaischen Juden" objektiv nicht richtig wiedergegeben hat. Zu dicker Ueberzeuqung mul? man komm-n. wenn man die Schrift des Angeklagten Naumann aufmerksam und > im Zusammenhang liest und sich ihren «»edaukenqang klar- , macht. Naumann hat tatsächlich nur die Vorkriegsverkmltiiisse gemeint und nur auf dicke bezog sich die erwähnte Stelle. Besonders beweisend hierfür sind die in liem beiliegenden Exemplar angektrichenen Stellen S. 36, ^38. 41 der Broschüre, die Gegenstand der Verhandlung war. und ebenso ergibt kich aus der ebenfalls verlesenen jangestrichenen S'elle^ S. 45, dah der Angeklagte Naum-nn nicht etwa die Tauf» propagiert. Immerhin darf auf bcr^anderen Seite nicht verkannt werden, dah die Schrift in Trage der Taufe von einer weitgehenden Toleranzgetragen ist, und dast die Ausführungen Naumanns stellenweise recht.wenig klar sind. Eine absichtliche oder böswillige E n t it (.11 u n g der Wahrheit aber,! und eine solche wird in den der Prioatklage zugrundeliegenden Aeuherungen von den Angeklagten dem Privatklüger vorgeworfen, Iäht sich dem Privatklächer keineswegs Nachweisen. Das P-richt ist auch über- . zeuat, das; eine solche nicht vorlieqt. Es ist vielmehr der Ansicht, das? der Privatkläger. wie dies ja auch der Natur der Sache entinrach. bei Sammlung des Materials für seine Streitschrift auch auf diese Stellstieh uud glaubte, sie in dem von ihm behaupteten Sinn ansleaen und gegen feine Gegner auswerten zu können. E; ist sonach den Angeklagten nicht gelungen, den Nachweis, für die Wahrheit ihrer Behauvtungen zu erbringen." -! Mir scheint, das Urteil ist für keinen der Beteiligten erfreulich, besonders auch nicht für die. die sich dazu her. gaben, seinerzeit den „Gutachterausschub" zu bilden. Mir scheint, das Urteil ^ugt dafür, dast zwischen den Verbänden eine Atmosphäre besteht, die von den Einsichtigen in beiden Lagern geändert werden sollte. So wenig die C. V.er „Ghetto- Freunde" sind, so wenig ist Naumann Förderer der Taufe. Ich weih nicht, ob es nötig war, dah in der C. D- Zeitung, der Epilog zu diesem Prozeh gerade von einem konservativen Christen geschrieben wurde. Aber ich weih, und dies Mahgebenden im C. V. müssen es auch wissen, dah er irrt in dem Gefühl, „dah es sich bei _ dieser gangen! nationaldeutschen Bewegung in ihren Uranfängen um die Tätigkeit jüdischer Journalisten handelt, die ihre Verbindung mit der Hügenberg-Presse nicht aufgeben mögen." Dah er irrt in der Annahme. Naumann lebe des Glaubens, von sich zu Ludendorff oder „zu den blindwütigen Feinden des Judentums neue Brücken des Verständnisses zu schlagen." Dah er irrt in dem Sah: „Es ist eine unglaubliche Unterstellung. dem Gros der deutschen Juden die 1v0«/»ige nationale Gesinnung abzusprechen undsie für die nationaldeutschen Juden zu reservieren." Ich weih, und die Mahgebenden im C. V. müssen es auch wissen, dah in diesen Sätzen dem Verband nationaldeutscher Juden Unrecht geschieht. Unrecht, das besonders schwer deshalb wiegt, weil die aufgestellten Behauptungen bereits hundertfach widerlegt worden sind. Dem deutschen Judentum drohen ernste Gefahren. Ta sollte, und dielen Appell richte ich an beide Seiten, gegenseitiges Verstehen dem gegenseitigen Zufügen von Unrecht «ein Ende bereiten. Da muh gefordert werden: Begrabt?die Streitart! Macht Vorkommnisse wie den Marr-Penser-Prozeh unmöglich! Lernt Euch verstehen! Lernt Achtung! III. Mein Schluhwort zum E.V.-Fall Marr. Von Sanitätsrat Dr. Alfred Peqser. Als vor nunmehr 2 Jahren 8 Monaten die Marr'sche Broschüre erschien, galt ich sowohl im Verband nationaldeutscher Juden als auch im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit Recht als der Verständigungsbereite, und ich habe auch später »och diesem meinem Verstjindigungswillen manche schweren persönlichen Opfer gebracht. Heute, wo es der gegnerischen Taktik gelungen ist. eine Einzelheit aus der Kontroverse zwischen Herrn Dr. Marr und mir nach so langer Zeit zu einem Suherlich-formellen Abschtuh zu bringen, dah die meisten Fernerstehenden kaum noch wissen, worum es sich grundsätzlich und eigentlich gehandelt hat. heute, wo man so tut, als sei damit der ganze Fall Marr zu seinen Gunsten, zu meinen Ungunstcn zum Äbschluh gekommen und in jeder Hinsicht erledigt, heute, wo trotz tiefster Verständnislosigkeit für die wirklichen Vorgänge Herr Adam R o e d e r und trotz warmherzigen Verstehens Herr Bruno Mo »da den Rat erteilen, die Strcitart zu begraben. — heute bin gerade i ch durch die Erfahrungen im Falle Marr eines anderen belehrt worden. Zwar'meine innerste Einstellung hat sich nicht gewandelt Und ste kann sich nicht wandeln, weil ich mein Lebensprinzip. nämlich dah zwischen allen liominibus donae voluntatis eine Verständigung möglich sein muh und erzielt werden kann, niemals aufgeben werde. Mit Böswilligen, mit llebelwoLenden eine Verständigung anzustreben, habe ich stets abgelehnt und werde ich stets als Kraftvergeudung betrachten. Aus dieser Einstellung heraus bin ich auch der lleberzcugunq, dah der Tag kommen wird, wo die beiden Organisationen den Weg zueinander finden, und gehe sogar soweit, zu wünschen: je früher, desto besl-r! Mit den Männern aber, deren Einkluh augenblicklich im C. V. so überwiegend, so ausschlaggebend ist. dah keine ihnen unbeguem Ansicht Aussicht hat. im Kreise der C. V.-Mitgli-der gehört zu werden, mit diesen Männern, die manche Vorzüge haben mögen, besonders in der ordnunasmähigen Führung lautender Geschäfte, in der geschickten Aufmachung ihrer Polemiken, denen aber eines durchaus fehlt, nämlich Verständnis und guter Wille, mit solchen Männern, deren Geist heutzutage noch den C. V. beherrscht, schon heute zusammen zu gehen, dazu bin ich selbst nicht mehr bereit und rate auch meinen Freunden dringend, sich ihnen fern zu halten. Mag das nun auf Herm Adam Roeder einen guten oder schlechten Eindruck macken. Das Schuldkonto dieser Männer war schon in den letzten Jahren stark angeschwollen. Sie haben nicht ru rechter Zeit verstanden oder gewagt, dem sogenannt-n Kulturzionismus ideologisch-deutscher Präouna wirksam m begegnen, ste haben ibn nicht einmal in seiner Gefährlichkeit erkannt. Sie haben ebensowenig verstanden, dijunae Bewegung ngtionaldeutkcher Juden ko in den Dienst ihrer eigenen grohen Organisation einzukpannen. wie es ennia förderlich und ra'sam gewesen wäre. Mit Glacehandschuhen haben sie lang» Zeit die zionistischen Gegner anaefgtzt. mtf bstndem Hah von Anfang an dagegen Naumaam und seine Anhänger verfolgt. Als es

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