Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 10/12 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- IS - mUmm einem Burgfrieden zwischen ihnen und trtts, kam. haben »e Naumann nach langem Hinziehen und in lendenlahmen Erklmmngen den Schuh gegen Beleidigungen seitens emes ihrer Vereinsfunktionäre versagt, eines Mannes. aam später in ebenso gehässiger Weise gegen sie selbst, die Männer vom C. V. gewendet und so Naumanns Einschätzung nachträglich als richtig erwiesen hat. Dah sie dies und vieles andere taten. Ht schon schlimm, w i e, sie es aber taten, datz hat meinen Widerwillen so gesteigert, mern Gefühl für Gerechtigkeit und Billigkeit so verletzt, dab ich zu dem Standpunkt gelangt bin, den ich heute einnehme. Gerade im Falle Marr und seiner Behandlung durch den C. V. hatten wir eine Reihe von Musterbeispielen der wenig nachahmenswerten C. V.-Führer-Taktik. Beurteilt man diesen nämlich als Einzelfall. so ist er dem Auhenstehcnden kaum verständlich: er wird es aber sofort, wenn man ihn als Glied in der Kette der Verunglimpfungen Naumanns. seiner Bestrebungen und seiner Anhänger untersucht. Wir wollen oft Gesagtes nicht wiederholen. Die Marr'sche Broschüre erschien und ignorierte völlig, dak' der C. V. bei dem Abschluß des Burgfriedens bestimmte Vorwürfe gegen uns zurückgenommen, dag er Berichtigungen unsererseits seinen Uiiterorganisationen zur Kenntnis gebracht hatte. Die Broschüre wiederholte alle Unrichtigkeiten, verschwieg alle Klarstellungen. Ich las sie zuerst mit Erstaunen, dann mit Empörung. Hätte sie ein beliebiger Herr Soundso geschrieben, ich wäre gar nicht aus den Gedanken grkomme t, eine Gegenschrift lohne überhaupt die Mühe. Ebensowenig wie ich gegen Herrn Ludendorffs Broschüre geschrieben hätte, wenn der Autor nicht gerade Ludendorff geheißen hätte. Hier war es aber nicht der Privatmann, der schrieb, sondern es war und blieb der Vorsitzende eines Landesverbandes des C. V., dessen prominente Führer, wie gesagt, gerade meine Verständigungsbereitschaft im Gegensatz zu Naumanns angeblicher Schroffheit anerkannten, ja zum Teil sogar mehr priesen, als mir damals lieb sein konnte. So habe ich mich' freiwillig erboten, an Stelle des abermals verunglimpften Naumann erwidern, muhte ich doch annehmen, dah man mir gegenüber eher versuchen würde, Gerechtigkeit zu üben. Was aber geschah? Als Rezmsent meiner Geyenschrift wurde ein Mann zugelassen, dessen fanatisch-feindliche Einstellung bekannt war. Als ich bei der^ Unvereinbarkeit der beiderseitigen Behauptungen ein unparteiisches Schiedsgericht über die wichtigsten Fragen oorschlug. hat der L. V. nichts getan, um ein solches Schiedsgericht zustande und die Angelegenheit aus der Welt zu bringen. Nahm Herr vr. Marr an der Form Anstoh. in der ich es forderte, so hätte ein gutwilliger und kluger Mensch es damals unschwer vermocht, mich zu einer Milderung dieser Form zu bewegen. Aber das Schlimmste ist, dah, als ich der Totschweige- und Verschleppungstaktik des Gegners gegenüber immer aufs neue meine Schiedsgericht-Forderung stellte, der.Vorstand des L. V. auf Wunsch des Herrn vr. Marr in aller Stille einen dreigliedrigen Gutachter-Ausschuß einsetzte, und. wie sich in der späteren gerichtlichen Verhandlung erwies, auf ausdrücklich geäuherten Wunsch des Herr» Or. Marr in diesen Gutachter-Ausschuh dessen Bundesbruder. Kollegen. Freund und späteren Verteidiger berief, während er von den beiden anderen Stellen die eine mit einem inzwischen verstorbenen Herrn besetzte, der bereits vorher gegen Naumann öffentlich aufgetreten und mit dem ich selbst, deswegen in Differenzen geraten war. Ohne sich an Naumann oder mich zu wenden, ohne unser Material auch nur zu berücksichtigen, haben diese Herren hinter verschlossenen Türen ihr Gutachten versaht. Das Gewicht ihrer Namen sollte der Oeffentlichkeit die Gewähr für ihre Unparteilichkeit bieten: Von den nahen Beziehungen des eilten zu meinem Gegner, der feindlichen Stellung des änderen gegen Naumann und mich erfuhr die Oeffentlichkeit nichts. Dies Vorgehen kann ich dem C. V. ebensowenig verzeihen, wie den Gutachtern, dah sie sich zu solcher Rolle haben bereit finden lassen. Das Gerechtigkeitsgefühl von Äänneni. die seit Jahrzehnten gerechte Beurteilung seitens ihrer Volksgenossen verlangen, sollte sich denn doch i r anderer Weise äuhern. Ich erblicke hier nichts als die Sucht des äußerlichen Rechtbehaltenwollens, den Trieb, den Parteitänaer auf alle Weise zu decken und den Gegner auf alle Leise äußerlich ins Unrecht zu setzen. Diese Einstellung, die . B. auch Herrn Dr. Caro veranlahte. aus Empörung über Ke Behandlung des Falles Marr im C. V. seine Aemter im Centralverein niederzulegen und in unseren Verband einzutreten, macht es mir unmöglich, einer Verständigung mit dem C. V. das Wort zu reden, solange Männer m ihm maßgebenden Einfluh haben, die eine solche Ungeheuerlichkeit verübt oder auch nur zugelassen haben. Ich zwe.me kemen Augenblick, dah die Herren auch dieser meiner Ansicht gegenüber geschickt verfahte Erklärungen und Vertrauensvoten zur Hand haben werden, blsbesnt sibi! Wer den Betrieb kennt, schätzt solche Pronunciamentos nicht allzu hoch ein. Hier könnte ich mm ckbbrechen. aber ich wstl es nicht tun, ohne, wie da» auch in der Jüdisch-liberalen fr Zeitung deren Schriftleiter bereits getan hat. festzustellen. dah ich in der Sache selbst auch vor dem Gerichte recht behalten habe, das uns wegen der Form eines Einzelvorwurfs bestrafen muhte. Diese wählten wir ja nur notgedrungen, um den Gegner, der auf nichts reagierte, aus seinem Bau heraurzulockcn. Das Gericht hat enlichieden, es sei mir zuzugeben. „dah der Privatkläger den Inhalt der Aeuherung des Angeklagten auf S. 37 der -Broschüre vom ..Moiaiichen und nichtmosaischen Juden" objektiv nicht richtig wiedergegeben hat." Und mehr hatte ich in meiner Frage 1 nicht behauptet. Aber um dies Resultat zu erzielen, muhte erst ein Beleidigungsprozeh angestrengt werden. Ein Schiedsgericht allerdings barg die Gefahr in sich, nicht allein in diesem Punkte, sondern auch in den 7 anderen mir Recht und Herrn Marr Unrecht zu geben. Ein Schiedsgericht. wieichesinjedemStadrum der Verhandlung Herrn Marr immer wieder Vergeblich angeboten habe, hätte sich mit der Sache und nicht mit der Form zu beschäftigen gehabt, und das mag wohl als ein gewisses Risiko erschienen sein. Bestraft sind wir in üblicher Weise wegen des Wortes „Fälschung", zu dem wir uns nur recht schwer entschlossen, um nicht die ganze Sache überhaupt im Sande verlaufen zu lassen. Unter Vernachlässigung des ganzen grohen Fragenkompleres hat uns Herr Marr wegen dieses einen Wortes oorden Kadi gebracht..derselbe Herr Marr, in dessen Broschüre Wendungen enthalten sind, die ich in meiner Gegenschrift zu folgendem Schimpswökter- Lcrikon zusammengestellt habe: „Unlauterer Wettbewerb, angeguälte Begeisterung, Verlust an eigener innerer Würde, nervöses und hysterisches'Abwehren. eigensüchtiges Schielen nach der anderen Se te, Scheinhciligkeit. eitle Selbstbespiegelung, ausdringliches und gestelztes Pathos. Ablenkungs-Manöver, Eindruck des Denunziatorischen. Purzelbäume eines überschäumenden ChllUvinismus, „Ruf nach Borkum zum Sommer-Aufenthclt!", unechte Arglosigkeit, mangelndes Ehrgefühl, unbedachte Blasphemie, freundnachbarliches geistiges Verhältnis zu deutsch-völkischen Phantasten, geistiger Kitsch, Hansa urst, pathetische Deklai.'ation, Gemisch von Aufdringlichkeit und Kriecherei, Naumamsche Teutomanen. gewohnheitsmühige Verleumdung des deutschen Judentums, Verdächti;ung seiner deutschen Gesinnung, Herabsetzunz seiner Ehre, prthologische Reaktion auf die völkische Ideologie, Schmähung der deutschen Juden in ihrer Gesamtheit." Man pflücke aus diesem duftigen Strauh nur diejenigen Blüten, die Herr vr. Marr Herrn De. Naumann selbst oder dem Verbände widmet. Mul ipliziert man ihre Zahl! mit der über uns verhängten Geldstrafe, so kommt ein hübsches Sümmchen heraus. Uns lag und liegt nichts daran, die formellen Injurien unseres Herrn Gegners ahnden zu bissen. Uns lag und liegt an der Sache selbst. Und aller gesch ckten Taktik zum Trotz wird diese Sache sich durchsetzen. Nach ifrem Siege wollen wir von Friede und Versöhnungsprechen. — eher nicht! IV. ' Schills;. - Auf den oben zu II. abgedrucklen Aufsatz des Herrn W o y d a bat vr. Jakob Marr durch eit an den Vorsitzenden der Vereinigung für d-as liberale Judentum gerichtetes Schreiben reagiert, aus dem wir nur zwei Sätze herausgreifen:- 1. ..... es schiene mir für die Jüdisch-liberale Zeitunn die Frage diskutabel, ob sie sich für fhre Schriftleitung nicht eine weitere Hilfskraft suchen wolle, die über die Vorgänge in der jüdischen Oeffentlichkeit etwas besser unterrichtet ist." x. 2. „Wer spricht heute noch von Naumann? Wenn man von ihm spricht, dann deswegen, weil ein gewisser Marr töricht genug war. im Jahre 1925 eine Broschüre ( egen Naumann zu schreiben." Und damit scheiden wir von diesem Vorstandsmitglied des Centralvereins. Wir haben ihm früher einmal den Vorwurf der Fälschung gemacht, weil wir damals annafmen. ein Rechtsanwalt, der falsch zitiert, müsse bewußt hardein. Nach der Feststellung der badischen Gerichte^ nach dem Auftreten des Herrn vr. Jakob Marr vor Gericht und naä den obigen Briefstellen müfsen wir uns damit absinden. das; e:n seinen Vorstellungen und der Wirklichkeit Ilnterbesteben. die wir im Jahre 1926 noch nicht ebnen konnten. Jetzt, da wir unterrichtet sind, tzoerden wir nicht wieder in den Fehler verfallen, ihm zu antworten, venn er seine schriftstellerische Tätigkeit, gleichviel in welcher? orm, fortsetzen sollte. Der Fall Marr iit für Uns geschlissen. , > Di» Schriftleitur g.