Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 10/12 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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2. -alle. Bel ben Sßabltn jut 9t«»tAfMitantcn> Versammlung der Gemeinde wurden zu Repräsentanten '->ZW. Stellvertretern zwei Mitglieder unseres Verbandes auf rer zwischen allen Parteien vereinbarten Einheits ifte gewählt. Ein Berbandsmitglied ist zum Mitglied der Schulkomirission gestimmt. — Einem verstorbenen Mitglied widmet die Orts nuppe Kalle folgenden Nachrufs Am 8. Oktober verschied hier im hohen Alter vo» 85 Jahren Herr Albert Fr i e d I ä n d er - Halle a. S. Der Verstorbene, der seit langen Jahren eine Re he hoher Ehrenämter in der hicsigen Gemeinde bekleidete und unse.er Ortsgruppe seit deren Gründung angehörte. nahm bis in die letzten Tage seines Lebens regen Anteil an unseren Arbeiten. Er hat cs. wie selten einer, verstanden, die Erfahrungen des Alters mst den Erfordefnistcn der Neuzeit in Einklang zu bringen. Sein Wirken in unserer Stadt galt dem Wohle von Deutschtum und Judentum. Wir bedauern den Verlust dieses vortrefflichen Mannes »nd werden ihm ein bleibendes, ehrendes Angedenken bewahren. „ & Urteil des Landgericht» Karlsruhe ll. Strafkammer) vom 4. Mai 1927: Die «ernku»» der »naekl-«,,» »eflen da» Urteil be» «miegertcht» ftarl« rutzt vom 4 Öaiujflc 1027 nmd ali unbffliflnltt bnMotftR. . die SenifnnB be< Prtda>llZ„'r» wird da» Urteil de» ii«i»aeiiidl» Nail»nide da« ». Januar 192^7 Miigehodea mid die NnaeNaoien «arn »a- «eben» »eflen §3 185, 188 Ll.«« zu einet «elbütafe von je SS 200 — Zweihundert Mel<b»matl-, in U-ideidrinfllichkeiiTsalle zu le 20 Zaaen Hast und zur Tracnnz »er «osten beider »echidzüge verurteilt. De« BrtvaUILger wird da» «echt zuaeiprachen. den erkennenden Teil de» Urteil« aus «osten der «»Beklagten timerdaw zweier ffSonote „ach «echielraii Et-iiüiken tn die getischrtile» .Der nottonaldeuische Jude' »nd .,<!. B -g.ilnng" dff.ii.Itch dekanni zu gede». c) Urteil de; Badi,schen Oberlandesgerichts (Karlsruhe) vom 30. August 1927. durch da; die Revision der Angeklagten zurückgewiesrn ist. Dies« Urteile werden hiermit auf Verlange,) de; Privat Hägens belanntgemacht. ll. Begrabt die Streitart! Ein Rachwort zum Prozch Marr— Pens er. 3. Berliner Gemeindewahlen Rach den von uns eingcholten Gutachten namhafter Vcrwaltunqsjuristen ist die ursprünglich von uns beabsichtigte Durchführung des Verwaltungsstreitverfahrens aus formell-rechtlichen Gründen aussichtslos. Die weitere Be'chwerd« einzulegen, über die tn letzter Linie von dem Prephischen Kultusminister Dr. Becker, dem bekannten Zionisten-Freund und tätigen Mitglied des Pro Palästina-Komitees, entschieden worden wäre, erschien demgemäh ebenfalls zwecklos. Wir haben deshalb von der Weiteroerfolgung der Protestangrlegenheit Abstand nehmen müssen und erwarten mit Svpnnung. wir sich unter der Herrschaft des zionistisch-zionso»ia>istisch-or1hoLorcn Blocks die Verhältnisse in der Berliner Gemeinde gestalten werden. Wenn die Herren O.. Klee. Kareski, Oskar Cohn ulw. eine Zeit lang „regiert" haben, wird weiter darüber zu reden sein, was die deutsch fühlenden Berliner Juden zu tun haben, damit eine deutsche Gemeinde deutsch verwaltet werde. 4. Wik«, Der Vorstand besteht aus de» Herren Zahnarzt Fritz Holländer (1. VorsJ, Otto Strakosch 2. Bors.), l)r. Egon Weil <3 Vors.). Obergeometer Hirsch. Fred Hornik-Harden (Schriftführer ind Kassierer), Or. Walter Eckstein. Alle Mitteilungen sind an Herrn l)r. Walter Eckstein. Wien IX. Porzellanaas s e 45. zu richten. In seiner Sitzung vom 10. November 1927 hat der Vorstand folgende Entschliehung gefaht: „Angesichts der skandalösen Vorgänge in Südtirol spricht der Wiener Borstand des Verbandes nationaldeutscher Juden sein: Empörung über die k u l t u r w i d r i g e n Erlässe des neuen Präfekten von Bozen — Bolzano — „B o l g i a n o" aus. Jeder deutsche Jude muh mit Abscheu die Verdrängung der deutschen- Sprache aus der Schule und von Grabsteinen <!) verurteilen. Aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel! Das Selbstbestimmungstecht muh schliehlich auch kür Deutsche Geltung linden. Der Vorstand spricht den Deutschen Südtirols, herzliche Sympathie aus." . l 5. Kinderheim in Wyk auf Föhr. Der Jüdische Frauenbund bittet uns. auf sein Kinderheim in Wyk auf Föhr hinzmoeisen. da; der Pflege schwächlicher Kinder im allgemeinen und tuberkulöser bzw. tuberkuloseverdächtiger Kinder im besonder-n gewidfnet ist. Anmeldungen und Anfragen sind an den Jüdischen Frauenbund zu Berlin C. Rosen st rahe 2—4', zu richten. _ Der Vorstand. Der Zatl Marx. i. Die Urteile. In der Prioatklagesache des Rechtsanwalts Or. Jakob Marr zu Karlsruhe (Vertreter Rechtsanwalt Or. Haas. Karlsruhe) gegen 1. Sanitä tsrat l)r. Alfred Peyser, 2. Rechtsanwalt Dr. Mar Naumann, beide zu Berlin-Charlottenburg (Vertreter Rechtsanwalt Dr. Steinei. Pforzheim), wegen Beleidigung sind folgende Urteile ergangen. a) Urteil des Amtsgerichts Karlsruhe vom 4. Januar 1927: Die beide» «nfleNaflien' werde» «e»en «eleidiaun» (übler Nachrede) »n einer Welbfirofe Mn je SS. 70 — debil» «etch»«ark —. in halle der UitMt>iin«Iid)(eti .znZtje 7 Do»e»^ Hafl^und. zur Tragung der «oste» derueielli. De« «rwaiaSger wird da» «echi zngesprochen'den erkennenden Teil die» » U teN» auf «oste» der «nflekkaaien Ninerhald-zwel (Sonaten nach «echilkrall dnrch je eimnaUae» Ginricken In die grnschrinen.Der naiionaldeiilfche Jude' und .G. «.-Aemm»' dffemllch dekanni zn gebe». , .1 Von Bruno Woyda. Mit Zustimmung des Verfasers ans der „Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 4. November 1927 (Nr. 44) abgr ' druckt. Die Schriftleitnng. Das Wort von der Befriedung de; deutsch.'» Judentumsist meist nur leeres Geschwätz. Man vermeint, unüberbrückbare Weltai schauungsklüftr durch kluges Gerede, taktisches Lavieren, diplomatische Schachzüge oder gar dnrch Vereins Politik aus der Welt schaffen zu können — und erreicht meist genau das Gegenteil des Erstrebten. Da die Gegensätze von Deutschtum und Zionismus, von relig.öe,n-und nationalem Judentum im nalicnaien un) relig'ösen Enp'indrn und Wol len der deutschen Juden als begründet erkannt werden, gibt cs nur einen Weg zur wahren Befriedung des deutschen Judentums: gegenseitige Achtung, osf.ne Aussprache, getrennt« Arbeit überall da. wo WeltanschauungSgcgcnlähe das er fördern. Zusamn enarbeit aber da. und nur da. wo gemeinsame Aufgaben, gleiche Interesse» vorliegen. Würde man diesen Weg beschreiten, würde man weniger! von der Befriedung reden und mehr für sie tun: ich bin Optimist, ich glaube, dieser Prozeh Mari Peyser. mit all! dem unerfreulichen Drum und Dran, wäre niemals möglich ' gewesen. Denn wem! irgendwo im deutschen Judentum, dann ist nach mener Ucb reugi.ni 'wischen dem Vcrband nationaldeutscher Juden und dem Centralverein deutscher Staatsbürger indischen Glaubens der Gegensatz, zumindest in der jetzigen Schärfe, nur künstlich erzeugt. Liest man d e Proikhnrteile und ihre Begründungen, so findet man den Satz: „Worin der grundsätzliche Unterschied der beiden Verbände tatsächlich besteht, ist nur schwer zu beurteilen ..." — und man wird dem kaum wide sprechen können. Denn nicht in der Weltanschauung, sondern nur in Frag:» der Taktik sind die Verbände geschirden. Ich kenne leitende Männer beider Organisationen, und ich keine viele, die gleichieicig beiden Vereinen angehören. Wo liegt beispielsweise der grundsätzliche Unterschied in der Auffä'sung von Deutschtum und Judentum bei Holländer und Peyser. der jetzt mit einmal in der C. V.- Zeitung als Bösewicht dem Ör. Naumann. ..einem geist- I vollen Mann, der durch sein besonnmrs Auftreten vor Gericht einen vortrefflich'N Eindruck erweckt hat^, gegenüber-, gestellt wird? Man sollte das, einmal in kleinem Kreise, unbelastet von all dem Mihlichen. da; von beiden Seiten ^aufgeschichtet wurde, offen erörtern. Es wäre eine Tat für die Befriedung des deutschen Judentums.! Das ist wohl keine Frage: der Leidtragende des jetzigen Zwistes ist das deutsche Judentum. Nur wer dieses nickt - liebt, kann an solchen Kämpfen Genugtuung finden. In |_finer Zeit, in der alle deutschen Juden gemeinsame Arbeit j leisten mühten, nun denke nur an di: unbaltba-en Zu stände in ein-qen jüdischen Grohgemeinden, soll innere Fehde i die Kräfte schwächen dürfen? Aber man denke auch an! die Wirkung nach auhen. Ganz mit Recht schreibt Adam Roeder in der C. V.-Zeitung, „dah es für die öffentlich politische Auffassung geradezu ein Acrgernis darstcllt. wenn im deutsch jüdischen Lager derartige Befehdungen. wie wir sie erlebt haben, Vorkommen". Es ist cii e schöne Sitte, dah sich Gegner nach Beendigung ih e; Kampfe; versöhnt die Hand reichen. Das sollte auch hier geschehen. und zwar nicht nur als Geste, sondern als Ben'nn wahrer Verständigung. Ich schätze das Wirken des C. V.. von dem ich weih, wie Auherordentliches er für das deutsche Judentum geleistet hat. wenn ich auch gerade in den letzten Jahren sehr oft seiner Taktik entschieden wider'p'echen muhte. Aber ich schätze auch einen Mann wie Naumann, der au; reinem Idealismus, aus beiher Liebe zum Deutschtum den Verband nationaldeutscher Juden schuf, schätze ihn. wenn ich auch den Züjsammenschluh zu natiotialer s Betätigung in Abstammungsverenstn für verfehlt halte, zumal, i wenn man, gleich Naumann unl» seinem Verband, meine»