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Der nationaldeutsche Jude · 1927-12-01 · Nr. 10/12 (Dezember 1927) · p. Seite 8

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1927
Issue
Nr. 10/12 (Dezember 1927)
Date
1927-12-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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während er für das eigene, das in einer Synthese des Geistes i von Potsdam mit dem von Weimar und Wittenberg besteht, i in Anspruch nimmt, daß man es als etwas Greifbares und > mit Bestimmtheit zu Berwirklichendes anjehe. Gerade diese Plattform nun ist im Zusammenhang mit den Aufgaben der Freimaurerei ein recht schwacher Punkt, mag man sonst zu dieser Art neudeutschen Idealismus stehen wie man^ will. Ter Verfasser erwähnt ja selbst die Kantische Gegenüberstellung des Triebes zur Gemeinschaft und des Triebes zur Absonderung. Daß die Freimaurerei seinerzeit gegtündet worden At. um Brücken zu schlagen zwischen solchen, bie sonst durch Geburt. Nation und religiöses Bekenntnis getrennt geblieben wären, kann keinem Zweifel unterliegen. Sie steht alio sicherlich im Dienste der Gemeinschaf 1 s bestrebungen. Wenn aber der Verfasser der deutschen Freimaurerei die Aufgabe zumeist, durch die Verbindung de; deutschen Idealismus mit preußischer Di'ziplin und protestantischer Religion an der deutschen Erneuerung mitzuarbeiten, so wei t er ihr den Platz unter den Bewegungen an. die selbst innerhalb des deutschen Reiches, der Absonderung dienen.. und .an diese Stelle gehört sie auf keinen Fall. Aber das mögen die Freimaurer unter sich ausmachen: für uns als nationaldeutsche Juden genügt es festzustellen, daß der protestantische Pfarrer, Herr Dr. Pfannkuche, uns ebensowenig einen Raum innerhalb .deutscher Bestrebungen zumeist wie unseren katholischen > Mitbürgern. Wir nehmen diele Einstellung jedoch nicht tragisch, wie iick denn auch die Anhänger der humanistischen! Freimaurerei. die nach Millionen zählen, deren gegenüber die der christlichen Eroßlogen nur eine verschwindende Anzahl bilden, darüber zu trösten wii'en werden, daß der Autor den Begriff Human'smus seinen eigenen Aiichiuungen gegenüber. die Nietzsche vielleicht als hinterweltlich bezeichnet haben würde, für minderwertig erklärt, da er angeblich nur im Diesseits fuße. A. P. G. A. Boehm: Planmäßige Entsittlichung? „Auch eine Revue". (Selbstverlag. Lübeck 1927.) Die „Nevue" ist eine Blütenlese übler Erscheinungen der Nachkriegszeit, die der Verfasser unter dem Gesichtswinkel einer- ..planmäßigen Entsittlichung" de; deutschen Volkes siebt. Das Buch ist flott und eindrucksvoll geschrieben. .Selbst wenn man an die „Planmäßigkeit"; nicht glaubt, wird man mit Boehm darin übereinstimmen müssen, daß der üble Geist, gegen den sich seine Attacke richtet, wirklich in Deutschland umgeht, und daß.unser Vaterland nicht gedeihen wird, solange cs diesen Geist nicht zu überwinden vermag. Daß in einer Schrift dieses Charakters auch lüdische Namen genannt werden muhten, versteht sich von selbst. Es ist im übrigen bezeichnend. daß dieselben Namen (Tucholsky. Kerr, Siegfried I a c-o b s o h n u. a. m.) an mehreren Stellen wiederkebren. Seine eigene Stellung zur Iudenfrage umschreibt der Verfas'er im Schlußworte, wie folgt: „Ich wende mich in dieser Schrift gegen solche Jiuden — und ebenso Nichtjuden deren Wirksamkeit mir'fi'rf das deutsche Volk schädlich erscheint... Ich mache auch sonst einen Unterschied zwischen nationalen und internationalen Juden ... Es würde in Deutschland vielleicht keine nennenswerte antisemitische Bewegung geben, wenn mir ausschließlich Iude-n von der Art unter uns hätten, wie sie sich... im Verbände nationalde ulscher Juden vereinigt h^a b e n. Auch nach seiner Aeußerung züchtet ein einziger Tucholsky Millionen von'Antisemiten." .M. P. Jüdisches Lerikon. Herausgegeoen von D r. G eorg Herlitz und. Ist r. Bruno Kirschner (Jüdischer Verlag. Berlin). Dieses „enzyklopädische Handbuch des jüdischen Wissens", das auf 4 Bände berechnet ist. erscheint in Lieferungen. Die erste Lieferung liegt vor. Sie enthält interessante und sorgfältig gearbeitete Artikel sowie gute Bilder. Die Herausgeher sind Zionisten. Auch die Mitarbeiter sind zum größten Teil Iüdischnationale oder Angehörige der angrenzenden Gruppen. Immerhin hat man Herrn Dr. Ludwig Holländer vom Centralvereib, Herrn Dr. Feiir Goldmann und einigen anderen „iiichtzionisten" gestattet, ihre „Ideologie" selbst zu entwickeln. )en Antisemitismus zu entschleiern usw. Man muß demnach darüber im klaren sein, daß diese Enzyklopädie, was ihren Gedankeninhalt betrifft. nur mit größter Vorsicht ausgenommen werden kann. Vor allem wird man dafür Sorge tragen müssen, daß nun nicht etwa die Ansichten der Herren Arnold Zweig, Dr. Fclii Goldmann usw. über den „Antisemitismus" und ähnliches von Nichtjuden ernsthaft für die Anschauungen „der deutschen Iuden" gehalten werden, we'l sie ja „im Lerikonstehen". — Im übrigen werden Sachkenner, die sich den einseitigen Charakter des Werkes gegenwärtig halten, es 'zu Nacbschlagezwecken mit Nutzen verwenden können. <. —sen. F. Heman: Geschichte des jüdischen Volkes seit der Zerstörung Jerusalems. Zweite Auflage, herausgegeben von O. v ü n HarIing. (Ealwer Vereinsbuchhandlung. Stuttgart 1927.) ' . Da» Buch ist. soweit es die Ergebnisse wissenschaftlicher Vergangenheits-Forschung zusammenfaht, eines der besten Werke dieser Art. Die Darstellung >st überall lebensvoll, die Sprache klar und bei aller Wissenschaftlichkeit kein „Gelchrtendeutsch", in das man sich erst hinemlesen müßte. Nicht recht klar wird die Stellung des Autors — unter dieser Be- ^ichnung müssen wir Verfasser und Bearbeiter zusammenfassen — z>ur Iudenfrage der Gegenwart. Der Autor geht an die Betrachtung des Problems vom Standpunkte des gläubigen Christen heran. Er empfindet richtig, daß von dem oberflächlichen Assimilantentum gewisser jüdischer Kreise, die gern das Staatsbürgertum und daneben allenfa'ls den religiösen Liberalismus in den Vordergrund stellen, eine Lösung nicht kommen kann. Dem Zionismus steht der Autor mit einer gewissen Sympathie gegenüber, aber an seine Fähigkeit, die Frage zu lösen, glaubt er ebenfalls nicht. So weiß der Autor, der uns die Vergangenheit zu durchleuchten versteht, mit der Gegenwart und der Zukunft der Juden nicht viel anzufangen. Don! der Bewegung der nationaldeutschen Juden hat er offen- I bar noch nichts gehört. Vielleicht gibt diese Besprechung ihm j den Anlaß, sich einmak mit unseren Schriften zu beschäftigen. Dann könnte vielleicht die nächste Auflage des Werkes positiver ausklingen, als die gegenwärtige. M. P. Zwei Kunstkalender. Der Jüdische Frauenbund gibt einen Kunstkalender „für 5688" heraus. Ein zweiter Kalender ähnlicher Art ist im Verlage von S. Müller. Heidelberg, erschienen. Beide Kalender sind vorzüglich ausgestattet und enthalten reichen, künstlerisch wertvollen Bildschmuck. Trotz diejer Eigenschaften kann von unserem Standpunkte aus nur bedauert werden, daß man solche Kalender überhaupt herstellt, verbreitet und anscheinend sogar kauft. Für die Pflege der jüdischen Religion sind derartige Hilfsmittel ganz gewiß überflüssig. Andererseits kann es zur Stärkung des deutschen Gefühls bei unseren Kindern, auf die derartige Kalender ja vorwiegend berechnet sind, kaum beitragen, wenn den Kindem jeden Tag in dieser Form nahegelegt wird, sich als Orientalen zu fühlen. X. Deutscher Wille. Jahrbuch 1928. Herausgeber: K u - ratorium Deutscher Wille. (Verlag Otto Franke. Berlin. 1928.) Ein vorzüglich ausgestattetes Werk mit Bilder- und Kartenschmuck, einem Kalender, einer Ueber'icht vaterländischer Gedenktage usw. Der Inhalt besteht aus Aufsätzen und Erzählungen, vagd-, Rei^e» und Kriegserinnerun''en, sowie Gedichten undt Sinnsprüchen. Gemein'am ist allen diesen Beiträgen der „deutsche Wille", d. h. das vaterländische Grundempfinden. das den deutschen Geist über alle Parteischranken und alle verwirrenden Zeitumstände hinweg in die Zukunft tragen will. Die ° einzelnen Beiträäe sind, wie es sich bei einem Sammelwerke von selbst versteht, nicht völlig gleichwertig. Neben Ausgezeichnetem steht Hausbackenes, aber nirgends Geschmackloses. Wir sehen dieses Buch jedenfalls zehnmal lieber in den Händen unsrer fteranwach'enden Jugend, die wir in deutschem Geiste erziehen wollen, a's die orientalisch „aufgemachten" Kalender, die oben besprochen sind. X. Curt Elwenspoek: Charlotte von Merico: der Leidensweg einer Kaiserin. sVerlag Walter Hädecke, Stuttgart 1927.) Erst am 19. Januar 1927 ist diese Frau gestorben, die seit Jahrzehnten als Geisteskranke in einem belgitchm Schloß lebte und sich unablä'sig mit der Erinnerung an die Zeit ihres Kaisertums beschäftigte. Fast genau 60 Jabre vor ihrem Tode endigte dieses Kaisertum mit der Erschießung Marimilians. des Herrschers von Naooleons Gnaden. Der Verka'ser des Buches macht uns d-e schon soweit zurückliegende Zeit, deren Geschehm se doch ihre Wirkung bis in die jüngite Gegenwart herein eritrecken, wieder lebendig. Vi-le gute Bilder, Briefe, amtliche Dokumente usw. sind dem Buche beigegeben. —sen. Zur Besprechung sind ferner eingegangen: I. Winter: Fünfzig Jahre eines Wiener Hauses (WDelm Braumüller, Verlag in Kommission, Wien und Leipzig 1927). Anna Weftermaner-Rosenthal: Die Thesen zur neuen. Moral und Erziehungslehre sVerlag Paul «tangl, München 1927.) W. Jaehn: Wer wirft den ersten Stein? Mädchenschicksale unserer Zeit, ausgezeichnet nach den Wahrnehmungen in der weiblichen Wohlfahrtspflege. (Verlag Walter Hädecke, Stuttgart 1927.) Arthur Hantle: Idee und Wirklichkeit. (Herausgeaeben vom Hauptbüro des Keren Hajessod, Jerusalem 1928.) R. Travers-Herford: Die Pharisä »Aus dem Englischen von Dr. Walter Fischel. (V.rlag Gustav Engel, Leipzig 1923.) Di« Besprechung einzelner dieser Bücher bleibt Vorbehalten. ' Die Schriftleitung.

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