Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 10/12 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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die Wahrscheinlichkeit solcher ZwillmgSbildung bei zweieiigen menschlichen Zwillingen erkennen. Eineiige Zwillinge müffen natürlich ebenso wie sie stets das gleiche Geschlecht! besitzen, auch stets der gleichen Rasse ungeordnet werden, da sic! ja Teile einer befruchteten Eizelle darstellen und voneinander Ich nicht mehr nnlerschciden wie die rechte lind linke Leite eines und desselben Meiijcheiiindividiiums. Tie Tatsache, daß 'Zwillinge verschiedenen Raffen angchörcn können, hat für den Familienforscher wahrscheinlich etivas sehr lleberraschendes. Nicht weniger überraschend ist cs aber, wenn jvkr hören, daß jeder Mensch mit seinen Geschwistern,im Prinzip doppelt so nahe vierwandt ist wie mit Vater und Mutter und das; Vater und! Mutter ihrem Kinde nicht näher verwandt sind als deffen Halbschwester und Halbbruder, Muhme und Li heim, Vetter und Basse. Neffe und Nichte. Sohn und Tochter. Alle diese Verwandttzn teilen nur die Hälfte des Stammgutes mit der Zentralperson, während die Geschwister beide Stammeshälsten miteinander gemeinsam haben. Am klarsten wird dieses Verhalten, wenn man die Produkte der Kreuzung zweier recht entfernter Tierarten miteinander vergleicht. Kreuzt man einen Esel mit einem Pferde, so sind sämtliche Nachkommen Maultiere, haben also.mrtrinander diese Artbezeichnung, während jedes Maultier mit allen Eseln nur die Hälfte und mit dem Pferdegeschlecht die andere Hälfte seines Erbgutes gemeinsam hat. Im Prinzip ist jedermann ein Bastard von Vater und Mutter und die Verhältnis« liegen nicht anders, nur nicht so deutlich wie bei der Maultierzucht. Lentt ivir als Individuen deiselben Rosse solche bezeichnen, denen wir dasselbe Erbgutschema fGenschema) zutcilens muffest, so haben wir allen Grund, nach dieser Definition dif beiden' Geschlechter männlich und iveiblich als zwei verschiedene Raffen ru bezeichnen. Tem Japaner Furuta ist es in deis letzten Jahrzehnten gelungen, »nt aller Sicherheit.nachzuwcis^n, daß auch das Menschengeschlecht ein Geschlechlschromosoin besitzt und daß jede Zelle der Frau 48 Chroniosome, jede Zblle des Mannes 47 Ehroniosome aufweist. Bei der Bildiing der Geschlechtszellen entstehen aus jeder solcher Geschlechtszelle der Frau nur Eizellen, welche ein Geschlechtschromosom enthalten, während bei der Samenbildung des Mansies ans jeder ^rsaihenzclle-vier Svermicn resultieren, von denen zwei ein Geschlechtschlomoiom besitzen, welches den beiden anderen fehlt. Alle reisen Eizellen besitzen 24 Chromosomen und ebenso dir Häufte der Svernlien. während die andere Hälfte der Sperntien nur 28 Ehromosome aufiucist. Wird die Eizelle durch ein Spermium mir 28 Chromosomen befruchtet, so entsteht ein männliches - Wesen nnl 47 Chromosomen in jeder Zelle, .wird sie-dagegen durch ein Spermium niit 24 Chromosomen befruchtet, ) so entsteht ein iveibliches Wesen mit 48 Chrouiosomen in jed^r Zelle. Tie . Vererbung des Geschlechts erfolgt auch beim Menschen genau in der gleichen Weise wie die Vererbung jeder anderen rgnigen Eigenschaft und ebenso >vie eL Raffelt»irschlivtze gibt, gibt es auch Mischlinge zivischcn Mann rnid Weib, nämlich Individuen init gemischtem Ehroinosomenbe^tände in tjcn verichicdeucn Zellen, z. B. im Ooarium 48 und im gleichzeitig vorhandenen Hoden 4< (sag. Zeruelle Zwichenstrifeir-sj In ganz anderem Sinne als voir der Erblehre rriird das Wort Rasse von den Tierzuchten, gebraucht, um eine summe von Individuen zu bezeichnen, welche vom. Menschen stach bc-! stimmten Prinzipien ausgelesen worden sind, um ein vom! Menschen lestgeictztes Zuchtzicl zu erreichen. Derartige,Raffen, ' wie bei unseren Haustieren, mir brauchen bloß an die Mannigfaltigkeit der Raffen bei unseren Hnnden zu denken, «rnn es I beinr Mens>hengeschlecht ichon deshalb nicht, geben, weil fjicr^r bisher weder rin- Zuchtzicl festgesetzt wurde, noch eine iAnslese j des Passendsten und eine Verhinderung der Fortpflanzung von . llnpaffendem in die Wege geleitet wurde. Wenn die Mcnschcir; bisher Angehörige einer Rcligioiisgemeriischaft. wie 'z! B. die Juden, als Rasse bezeichnen, so verwandten sie diesen Begriff j eben in ganz anderer Werse als cs in der Erblehre u» > in der j rstaiuiwiffeirjchast üblich ist. Erst ivenn die Mensch! eit sich j darüber klar geworden sein wird, daß cs ihr.möglich ist. bewußt ' ernzugreifen in die Gestaltung ihrer Nachkommenschaft, wird! inan von der Erzeugung mciischticher Raffen reden können. I Honiite die Menschheit sich ein befferes Ziel setzen, als die Erzeugung des Menschen anzustreben, welcher zugleich >ut und klug, grsuird und schön ist? Mau beachte die Reihenfolge bei der Wertung menschlicher Eigenschaften für Raffenblldurrg, wie sic hier gegeben ist, da jede Umstellung eine Verschlechterung bedeuten wird. In übertragenem Sinne könnte man ein solches Wunschbild innerhalb der Menschheit auch als Zuchtzicl der zukünftigen Menschenrasse bezeichnen. Der Weg zur Erreichung diese- Zieles wäre derselbe wie bei den Tieren, itämlich Begünstigung der Fortpflanzung des Erwünschten und Verhinderung der Fortpflanzung aller untauglichen Objekte. So weit wir von diesem Ziel auch noch entfernt sein mögen, so glaubt Verfaffer doch, daß cs genügt, das Ziel genannt zu haben, um es nie wieder aus dem Herzen der Menschheit verschwinden zu sehen, und das Wort .Raffebekommt, einen neuen Adel, wenn wir es nicht als etwas Fertiges und Gegebenes aufsoffen, sondern als eine Aufgabe, der wir nachzustreben haben und deren Erfüllung wir uns abhängig denken müffen nicht von cinenl starren unabänderlichen der Menschheit auferlegten Schicksal, sondern von unserer Fähigkeit, vernünftige Wüirschc in die Wirtlichkeit uurzusetzeu. Selbst wenn nur einige wenige Exemplare innerhalb der Menschheit einen Anfang im Sinne dieser Raflenzüchtnng machen wollten, wäre es möglich, von dem Beginn der Entstchuiig einer Kulturraffe zu sprechen. — ' Biicherlchau. Hilaire Bekloc: Die Inden. Uebersetzt von Theodor Haecker. tVerlag Josef Kösel und Friedrich Pustet, München 1927.) Wenn der Centraloerein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens durch die Feder des de währten Rabbiners Dr. FeIii Goldmann ein Buch über die Judenfrage in Grund und Boden verreißen läßt und dann noch einmal auf der ersten Seite seiner Zeitung das große Warnungsgeschrei erhebt, weim die Schriftleitung der zionistischen „Jüdischen Rundschau" anläßlich des gleichen Buches einen urkomischeil Eiertanz zwischen Theorie und Praris aufführt. — dam, ist mit eurem hohen Grade der Wahrscheinlichkeit anzunehmeu. daß es sich um ein wirklich beachtliches Buch handeln muß. Die Annahme täuscht nicht. Dos Buch des hoch angesehene» englischen Katholiken Hilaire Belloc verdient die emsteste,Aufmerksamkeit aller Juden, die ihre eigene Kenntnis der Judenfrage vertiefen wollen. Denn diese Kenntnis ist. gestehen wir es uns einmal ehrlich, in weitesten jüdischen Kreisen sehr gering. Im allgemeinen begnügt man sich damit, in seinem jüdischen Leibblättchcn rein apologetische Artikel zu lesen, die, nach dem laufenden Meter verfertigt, den Antisemitismus genau io kritiklos, einseitig und verallgemeinemd bekämpfen, wie der Antisemitismus das Judentum. Man läßt sich von Stainmesgcnossen loben, freut sich über die Schärfe, mit der die Antisemiten ..abgefertigt" werden, freut sich der bekundeten „Würde" uno ist restlos zufriedengestellt. Daß mit dieser Art der Bekämpfung kein Hund hinter dem antisemiti- ■ ichen Ofen heroorgelockt wird, macht man sich nicht klar. Denn, um dies zu erkennen, müßte man ja die angeblich antisemitischen Bücher selbst lesen. Das wäre denn doch zu viel der Anstrengung und alles, was man wirNich zu wiffen braucht, erfährt man ja schließlich aus dem besagten südischei, Leibblättchen. Die wenigsten Juden kommen auf den Gedanken. daß man, um den Antisemitismus zu widerlegen, sich zunächst einmal darüber unterrichten muß, wie ernst zu nehmend« Anlisemitcn, die es doch neben den gewerbsmäßigen Schimpfern wahrhaftig auch noch gibt, das Problem sehen und - wie sie uns, die Juden, sehen. Es ist ein Zeichen, geradezu verheerenden Unverstandes und nebenher ein Zeichen nicht allzu großen Mutes, wenn vor einem Buche gewarnt wird, weil fein Verfasser die Judenfrage nun einmal anders beurteilt, als die Radauantüemiten einerseits und die Vorstandsmitglieder des Centralvcreins andererseits. Die Zionisten haben in dieser Hinsicht, wie in vielen anderen Beziehungen, den weitaus größeren Mut. Auch sie kritisieren das Buch sehe scharf, aber sie warnen doch wenigstens nicht vor der Lektüre. Was im übrigen zu dem Buche zu sagen ist. finden unsere Leser in dem unten abgedruckten Artikel des Herrn Ernst Berg, der selbst ein von jüdischer Seite ähnlich behandeltes Buch über die Judenfrage geschrieben hat. Nur zwei Punkte seien zur Ergänzung noch hier erörtert. Hilaire Be11oc ist Engländer. Die äußeren Verhältnrise bezüglich der Judenfrage liegen in England etwas anders, als bei uns in Deutschland. England ist die „Schuhmacht ‘ des Palästina-Zionismus, und deshalb ist der Aufbau Palästinas auch für den nichtjüdischnr Engländer eine Frage der nationalen Politik. Daß Belloc trotzdem den Palästina-Aufbau skeptisch beurteilt und für die Lösung der judenfrage als bedeutungslos ansieht, zeigt hinlänglich, daß hier ein >elbständiger Kopf die eigene Stellung zu einem von ihm als Herzenssache empfundenen Problem zu finden sucht.. Nebenher ergibt sich, daß in dem gegenüber Deutschland lehr »idenarmen England die eigentliche Problemstellung nicht anders ist, als in Deutschland, daß es also nicht wahr sein kann, was uns in Deutschland von Centraloereins- und ähnlicher Seite ständig vorgepredigt wird: der Antisemitismus tönnc nur m einem Lande des Krautjunkertums und der Rüstungsindustrie gedeihen. Gewiß gibt es auch in England Jnnker und Schwerindustrielle, aber diese werden ja gerade