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Der nationaldeutsche Jude · 1927-12-01 · Nr. 10/12 (Dezember 1927) · p. Seite 5

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1927
Issue
Nr. 10/12 (Dezember 1927)
Date
1927-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 i hsrd) den Verlust der Tochter, sondem auch durch den ihm «m,Herzlicheren von Geld und GeldeSwert gekränkt zu haben 'Dielt selbstverständlich ihre Rolle. Irgend ein moralisches Be^ icükcn dagegen, datz Jessica das ihrem Vater listig entwendete ,^-ld — das der mit schmutzigem Wucher aufgehäuft hat — lustigem Leben mit ihrem Eheliebsten zusammen leichthändig ue streut, findet sich nicht — kann sich nach der ganzen Einellung der Zeit nicht finden. Das Tollste aber steht noch aus. Kerr:' „Nämlich Antonio gilt allen Literatur-Historikern als der Edel-Vornehme. In Wahrheit ist er gleichfalls ein schofler Schubiak, Dulder wie Täter von Erbärm- ' lichkeiten .... Er hat gut melancholisch und edel gucken, am Schluß." (Ich habe, wie man sieht, von Kerrs steifen nur kürzesten Auszug gegeben, da dieser genügt.) Ein schofler Schubiak? Um dem freunde zu dienen. ' ißt er sich darauf ein. zu tun, was er für sich nie tat und nie tun würde: vom verachteten Juden Geld zu borgen. Als der Jude ihm dann das Pfund Fleisch zunächst am Herzen aussciineiden will und das Schicksal nach dem Recht Venedigs völlig unabwendbar scheint, hat Antonio nur eine Sorge, dem freunde eindringlich zu machen, dqß diesen kein Voriü i, r f für sein Schicksal trifft: Gebt mir die Hand. Baffanio, lebet wohl! Es krä n k' E u ch nicht, daß dies für Euch mich trifft .... Empfehlt mich Eurem edlen Weib, erzählt ihr Den Hergang von Antonios Ende, sagt. Wie ich Euch liebte; rühmt im Tode mich; Und wenn Jhr's auserzählt, heißt sie entscheiden. Lb nicht Baffanio einst geliebt ist worden. Bereut nicht, daß Ihr einen Freund verliert, Und er bereut nicht, datz er für Euch zahlt: Tenn schneidet nur der Jude tief genug, . So zahl' ich gleich die Schuld von ganzem Herzen. Tie Sprache und die Gedankengänge eines „schoflen Schubiaks"? Mehr: Aber dem Inden gegenüber ist Antonio ein „schofler Schubiak"? Nein. Die ganze Verachtung des sauberen Kaufmannes und Edelmannes vor dem schmierigen Wucherer, des Christen vor dem Juden, gerät in Antonio einmal ins Wanken: in dem Augenblick, in dem er. vermöge Shylocks List, glaubt, mit der Bubesetzung eines Pfundes Meuschenfleisch sei ein Scherz gemeint, ändert sich Antonios ganze Einstellung gegenüber dem bisher verachteten: Antonio: Ich will den Schein so zeichnen Und sagen, daß ein Jude liebreich ist. . . . So eil' Dich, wack'rer Jude! l— - Der Hebräer ' Wird noch ein Christ: er wendet sich zur G ü t e. Ein argloser Ehrenmann, der sich Gemeines garii i ch t v o r st e l l e n k a n n, z u arglos, trotz seiner Melancholie, irotz seiner Kaufmannschaft: Das ist der Antonio, den Shakespeare prachtvoll hingestellt hat und den Herr Kerr in einen .schoflen Schubiak" verfälscht. Und weshalb all dieses? Weshalb dies Verleugnen jeder Mciintnid der Gesellschaftsmoral des 16. Jahrhunderts? Weshalb diese Umsälschung des PariaS in einen Helden, der Edellcute in Zuhälterlümmels, Luden. Strichjungen und schofle Schubiaks? Die Antwort gibt sich'von selbst: Aus Haß! Aus Kerrs gespreizten Literatensätzen zischt der Haß des schmierigen Shylock. Er ist immer noch auf Seiten Shylocks? Er solidarisiert sich mit ihm, er empfindet ihn als Blut von seinem Blut, als Geist von seinem 6) e i st. Die Entwicklung, die am Juden im Abendlande im Verlauf der mehr als 400 Jahre vor sich gegangen ist. sie hat über Herrn Alfred Kerr nichts vermocht. Er findet den Shylock nicht schmierig, sondem charaktervoll — da kann man yichts machen. . ‘ . Wer ist nun Herr Kerr, daß man sich mit ihm so eingehend beschäftigt? Hier in diesen Blättern und vom anderen liier her? Nun, eS geht nicht um Herrn Kerr, es geht um etwas anderes. Worum, das sei klar gemacht dadurch, daß einige Säye hierher gestellt werden, die E. S ch m a h l in der Kreuz-Zeitung (der „Kreuz - Zei 1 ung") aus Anlaß des gleichen Falles schrieb: - , — * „Es gibt Juden, die mit ehrlichem Willen zu staatlicher Eingliederung auS dem Ghetto herausgetreten sind. Judm. die mit den kulturellen Werten ihres Gast- Volke« auch seinen Geist in sich aufzunehmen strebten und in vornehmer Zurückhaltung um Anerkennung dieses ihre» Bemühens rangen. Es sind die, die Kultur haben, nicht daS Wort snobistisch auf der Zunge tragen und mit ihm so nebenher noch andere Geschäfte besorgen wollen. Auch sie sehen entsetzt das unglaublich schrankenlose Gebühren von Genossen ihres Stammes, die sich, von den Zntläuften begünstig», an die Rampe gedrängt haben. LoSgelöster, zynischer Intellektualismus treibt hier in düntel- Hafter Verblendung einen Weg. der, sobald die Verrohung und Verrollung von denen, gegen die er sich austobt. erkannt ist, inS Ghetto zurückführen mutz. Einmal wird die stillschweigende Ablehnung solcher von Haß getriebener Elemente laut werden und zum Gegenschlag auS verletztem Ehrgefühl und innerlichem ReinheitSbedürfniS führen. Wir stehen hart an der Grenze des empörenden Zustandes, der durch solche Maßlosigkeiten unter dem Schutz ausgebeuteter Menschlichkeit heraufgeführt worden ist. Auch das Ghetto des Mittelalters war keine Willkürerscheinung, sondem notwendige Folge durch das Verhalten von Juden bedingter Verhältnisse." Außerordentlich bemerkenswerte Sätze (wenn sich auch über dieses und jenes daraus wird rechten lasten). Sätze, die vom andern Ufer her einen Pfeiler zu der Brücke bauen, die der Verband nationaldeutscher Juden von seinem Ufer her zu bauen an der Arbeit ist. Das ist es nämlich, worauf es ankommt: Daß. nicht der nationaldeutsch empfindende Jude nur für sich über solche Kerr-Taten entrüstet ist, sondern daß er diese seine Entrüstung über den Blutsgenossen, der ihm ein Geistesfremder wurde, laut und offen bekennt; daß nicht die (historisch begreiflichen, national und politisch falschen) Phrasen von der Einheitsfront, von der Solidarität der Juden jene Unterschiede verwischen, die. wie ich zum mindesten aus diesen Blättem weiß, tatsächlich bestehen. ' Ich kenne die Arbeit des Verbandes, die Bewegung, die sich in ihr auswirkt, genau genug, um zu misten, welchcs Sch wirrigteiten persönlicher, sentimentaler Alt in einem solchen Falle: bestehen. Schwierigkeiten aber sind nach dem alten Wort der preußischen Armee dazu da, um überwunden zu werden. Der Verband nationaldeutscher Juden wird nicht nur deutsch, sondern in diesem-Sinne altpreußisch sein müssen, wenn seine Arbeit gelingen soll. Zamilie und Rasse. (Nach einem Vortrage in der Gesellschaft für jüdische , Familienforschung.) Von Professor l)r. HanS Friedenthal. Die moderne Vererbungslehre ist einer der theoretisch am besten ausgebauten Zweige der Naturwiffenschaften. Durch die Vererbungslehre ist eine Umwälzung in vielem entstanden, was auf Nachbargobieten bisher für sicher gehalten worden war. Auch die Familienkunde kann der Berücksichtigung der modernen Vererbungslehre nicht entbehren, wenn sie ihren wiflenschaft- . lichen Charakter behalten will. Das Wort „Rasse" stammt nach dem Ethymologischen Wörterbuch von Kluge aus dem Arabischen, von wo es seit dem fünfzehnten Jahrhundert von Portugal über England und Frankreich nach Deutschland vordrang. In Deutschland selber ist das Wort „Raffe" erst seit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts in Gebrauch gekommen und wird hier in ganz verschiedenem Sinne angewandt, am häufigsten aber zur Bezeichnung gewiffcr zusammengehöriger Bevölkerungskomplexe. In der Vererbungslehre gilt als Raste eine Summe von Individuen, welchen wohl definierte erbliche Eigenschaften gemeinsam sind, jcr-es genügt eine einzige wohl definierte Eigenschaft, um von Rasten bei Pflanzen und Tieren zu sprechen. So nannte Mendel zwei Erbsen aus einer Schote, von denen die eine weiße, die andere-rotblühende' Erbsen produzierte, zwei Raffen, obwohl es sich, wie gesagt, um Geschwister handelte. Auch in der Menschheit hat man bei Mulattenbevölterung beobachtet, daß seihst Zwillinge nach zwei verschiedenen Rasten gestaltet sein können und es sind in der Literatur mehrere Fälle beschrieben, bei denen der eine Zwilling völlig einem Neger, der andere Zwilling völlig einem Weißen geglichen haben soll. Wenn es auch unwahrscheinlich ist. daß eS sich um reinrastige Neger und um reinraffige Weiße gehandelt haben kann, fo lehrt unS doch die Mendelspaltung

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