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Der nationaldeutsche Jude · 1927-12-01 · Nr. 10/12 (Dezember 1927) · p. Seite 3

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1927
Issue
Nr. 10/12 (Dezember 1927)
Date
1927-12-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Zwischenfeld im Planetarium. (fine Legende Zum engen Abbild der weiten Welt Begab sich Herr Siegmund Zwischenfeld. DaS heißt genauer: er kam nur gerade Vorbei auf der Sonntagkpromenade Und faßte dort, nach einigem Schwanken. Den immerhin originellen Gedanken. Man hat ja andere Sorgen im Grunde. Aber es dauert ja kaum eine Stunde, Und asttonomisch ist heute modern. Und die kleine Ruth Dagmar möchte so gern. Und man muß als Vater auch geistig sein, Und schließlich ist Sonntag. Na, geh'n wir 'rein! Eine kahle Rotunde mit harten Bänken. Man kann sich vorläufig nichts dabei denken. Noch gar keine Stimmung. - Gehüstel,- Geiniinkel. - Nicht mal Harmoniuin. - Jetzt wird's auch noch dunkel. Doch aus dem Dunkel in schimmerndem Schein Dämmert deS Weltalls Werden und Sein. Fünkchen erglühn und Fünkchen verbleichen, Weilen und wechseln, stürmen und weichen. Suchen sich, finden sich, schlingen den Reigen, Trennen sich, fliehen sich, sinken und steigen. Stoßen sich, fefleln sich, wirbeln und schreiten. Und alles verschwimmt in endlose Weiten, In schwarzes Nichts voll geahnten Glanzes, Und alles ist Teil und alles ist Ganzes Und das Ganze ein Teil unfaßbarer Ferne. — Und sind doch die alten vertranten Sterne, Die man zeigt und erklärt mit schlanker Geberde. Und daö winzige Pünktchen dort ist — die Erde. von H ans N^eusachS. Und um dieS Pünktchen schwirren und wandern Myriaden von gleichen andern. Tanzen im Schimmer geborgten Lichts. Und scheinen' etwas und sind doch nichts. Und überall mag es Menschen geben, i Oder Wesen,' die ähnlich leben. Und haben Sorgen und treiben Geschäfte. — llnb zoppelw im Netz unfaßbarer Kräfte, Und nehmen sich ernst und mache» sich wichtig. Und sind doch auf ihrem Sternchen schon nichtig. Und leben mit Inbrunst und find dann tot. Und nach zehntausend Jahren gibt's andere Not. Bis das ganze Sternchen i»i Raum zerschellt, Und daS merkt mm, kaum in der Sonnenwelt. Und die Sonnenivelt selbst i!st ein Pünktchenim Raum, Dahinter gibt's andre, man zählt sie kau»,. Und hinter dem, was man noch ahnen kann. Da fängt iiu Grunde die Welt erst an Mit Sternmyriaden in Gliit und Starrheit. — Und wirs sitzen hiermit unserer Narrheits Ein Stäubchen im Stäubchen, ein Nichts und Spott, Und jenseits'der Welte»,!— da sitzt erst Gott, llnendliches läßt er erstehn und vergehn. Und wir meinen, auf uns Hab' er's abgesehn. Schreien zu ihn» mit kleinlichen Klagen Ueber Juden« und anders Fragen, Verlangen, daß er sich selbst bekräftige Und sich ganz eigens mit uns beschäftige. — Doch setzt man sich einmal hier in'S Dunkel, Veiliert man sich selbst in all dem Gefunkel. Sonst ist man Herr Siegmund Zwischenfeld, — Hier ist man ‘ein Nebbich. — und rings ist die Welt. Herr Zwischenfeld findet das fabelhaft, Und es ist doch kein Wahn um die Wissenschaft. Nur hat sie die komische Nebenerscheinung: Man zweifelt fast an der eigenen Meinung. Und waS man doch wußte, selbst wenn man schlief. Wird Plötzlich so seltsam relativ. Wie ist das nur- Man hat doch vernommen. Es sei in die Welt ein Licht gekommen. Und dem Erzvater habe sich Gott verkündet Und sich mit ihm ausdrücklich verbündet, Und BöseS verboten und Gutes geraten. Und führe Buch über alle Taten. Und habe stets bei Tag und Nacht Der Gebote Erfüllung übenvacht. Aus daß ein jeder zum Segen werde Für alles, was lebt auf der weiten Erde. Und nun- Der Punkt dort, winzig klein. Der soll die ganze Erde se n- 1 ‘ i ‘! L. :t ° Nachdem Herr Zwischenfeld soweit gedacht. Hat er sich schleunigst aufgeinacht, — Hat Ruth Dagmar an dse Hand 'genommen Und ist noch pünktlich zum Essen gekomi" . Blieb freilich de» ganzen Abend besang Und ist dann auch zeitig zu Bette gegangen. Doch tags darauf, in seinem Verein, Gelang's ihm wieder, er selbst zu sein. Da hal eiii Hxrr von Zipn^ gesprochen Und dafür eine warme Lanze gebrochen, Hat gemeint: Daß um Zion ciij Neuland werde, Sei Gottes Gebot an die weite Erde, Und wollte inan dieses Gebot nicht erfüllen,! i So müßte Gott selbst sein Haupt verhüllen. Herr Zwischenfeld hat aus dem Fenster gesehen. Sah ein paar bläßliche Sterile stehen. Da hat er rasch den Kopif gewendet Und hat zehn Mark für Zion gespendet.

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