Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 7/9 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 Auslandsdeullchlum und 2udckl1um. Von einem jüdischen Ausländsdeutschen. ‘ o t b e m er f u ltg. Der nachfolgende Aussatz erschien in etwas kürzerer Form zuerst in der Deutschen Alloc- . meinen Zeitung vom 25. Juli 1927 und in verschiedenen auslandsdeutschen Zeiiungen. Er bat großes Aussehen erregt und. wie zu erwarten war, auS zionistischen Kreisen oufgdregte Erwiderungen in Wort und Lchrist hertzorgerufen. Was der Verfasser ituf diese Angriffe zu sagen hat, ist zum Teil in di« Nachfolgende Fassung des Aussatzes hineingearbeitet. , i 'Die Lchrifsleitung. Zn den durch den unglücklichen Kriegsausgang in fremde Lande verstreuten Deutschen der alten Kaiserreiche gehören auch die Volksgenossen jüdischen Glaubens, die ihre alte dlnhänglichkeit ans Deutschtum treu bewahrt haben, mit ihm Freud und Leid teilen lind im Abmehrktnnpf gegen den fremdnationalen Gegner eine gemeinsame Front bilden. Nicht, so sehr die Kopfzahl der^jüdischen Ausländsdeutschen wie ihre zum Teil hohe soziale Stellung, ihre führende Position in vielen Intelligenzberufen lind ihre manchmal hohe finanzielle Leistungsfähigkeit fallen für die Erhaltung deutschen Kulturbesiyes in dem gemischtsprachigen Gebieten entscheidend in die Wagschale. Hiermit sei auf die in Deutschland viel zu wenig bekannten Gefahren hingewiesen, die der Zionismus für den Bestand des Auslandsdeutschtums in den neuen staivischen Staaten (Tschechosloivakei, Polen usw.) in sich birgt. Tort droht er in vielen »Gebieten kulturelle und politische Positionen der deutschen Minderheit zu Falle zu bringen. In die bisherige deutsche Kampfgemeinschaft, zu der pon jeher auch die Juden gehörten, werden in letzter Zeit immer tiefere Breschen geschlagen. Seitdem nämlich der» Zionismus seine bcmmnngslose Propaganda für das Bekenntnis der Inden zu einem dem jüdischen Wesen selbst fremden Begriffe einer jüdischen Nation und für die Konzentrierung' aller geistigen tiild seelischen Kräfte des Judentums auf eine angeblich neue Heimat in! Afi.cn, nämlich Palästina, entfaltet,'vollzieht sich im Verhältnis zwischen deutschen Juden und nichtjüdischen Deutschen eine für den Bestand des Auslandsdeutschtums verhängnisvolle Wandlung. Das Teutschbewußtsein soll durch das Bekenntnis zur jüdischen Nation ersetzt werden; die deutsche Sprache, deren sich die Inden nach zionistischer Auffaffung .als eistes rein mechanischen Verständigungsmittels nur zufällig bedienen, soll der hebräischen weichen; jüdische Kultur soll an Stelle ^deutscher treten, und die Verteidigung der deutschen Scholle in sremdell Landen soll von der Mitarbeit am Palästinaaüfbau, * für den alle materiellen und ideellen Mittel der Juden mobilinert werden müßten, abgclöst werden. ' Tieie Entwickelung birgt in denjenigen Gebieten Hes Auswo die Juden in wichtigen Lebensfragen.des lTeutschlaudes tums, wie z. B. Kommunalwahlen und schulsragen, d^s Zünglein an der Wage bilden,' eine ernsteGefahr für die Erhaltung deutscher Machtpositionen. Mit begreiflicher Unruhe verfolgen daher die deutschbewußtsn Juden im Auslande die zügellose Propaganda der Zionisten! die es vor allem auf die Eindeutschung der jüdischen Jugend mnd auf ihre Bekehrung zum jüdischen Nationalismus abgesehen hat. Während die zionistische Partei angesichts des in Palästina selbst immer deutlicher zu Tage tretenden wirtschaftlichen Zusammenbruchs und der Verelendung der ins gelobte Land gelockten, jetzt aber in erschreckender Anzahl zurückflutenden jüdischen Mafien die Siegesfahnen auf Halbmast hifien muß und unter den jüdischen Mitläufern die Bereitwilligkeit zu weiteren Geldopfern immer mehr schwindet, suchen die Verkünder der neuen jüdischen Zukunft in Palästina letzte Rettung bei hervorragenden christlichen Persönlichkeiten, dit sie an den zionistischen Propagandawagen spannen. Wenn der englische Parlamentarier Colonel Wedgewood in Wien und der englische Geineral Deeds in Warschau den Aufbau Palästinas für cinb moralische Pflicht des Judentums erklären, kann man dies bi greiflich finden. Tie Herren sind Engländer und der Aufbpu von Palästina ist ein wichtiger Trumpf im Kartenspiel des englischen Weltimperiums. Palästina soll ein Stützpunkt für Eiglands Herrschaftsinterefien im Orient sein, und es ist vom er glischen Standpunkte aus nur zweckmäßig, hierfür die jüdischen Geldbeutel der ganzen Will zu gewinnen. Wie aber steht die ^ach.» für Deutschland? T * Durch dit deutsche Presse ging die Nachricht von einem in Deutschland gegründeten sogenannten Pro Palästina- Komitee, das dem palästinensischen Siedlungswerk auf jüdischnationaler Grundlage dienen soll, und vom Beitritt prominenter christlicher Persönlichkeiten, die sich als Aushängeschild für diesen Zweck hergegeben haben. Einige dieser Persönlichkeiten halten von Zeit zu Zeit Reden, die sich völlig in den Gedankengängen ihrer zionistischen Einbläser bewegen. Mit Recht erblickt das deutschfühlende Auslandsjudentum in diesen Belehrungen durch schlechtberatene Nichtjuden eine direkte Brüskierung ihrer deutschen Ziele und Interessen', und es staunt über die Unbefangenheit, mit der diese falsch unterrichteten Nichtjuden in eine der heikelsten innerjüdischen Streitfragen zuungunsten der deutschbewußten Inden eingreifcn. Die neuen christlichen Apostel für den jüdischnationalen Palästinaausbau pflegen gegenüber Vorhaltungen cinzuwenden, dvß sie Palästina nur als unpolitischen, rein wirtschaftlichen und ethischen Faktor im Auge hätten, daß sic dagegen auf den innerjüdischen Palästinastreit keinen Einfluß nehmen wollten. Aber herade in dieser Auffaffung liegt der ganze Verhängnisvolle Irrtum und die Verkennung der Grenzen zwischen wirklichen ^innerjüdischen Fragen und solchen, die ihre Wirkungen auf das Deutschtum erstrecken. Der Fehlschlag eines jüdischen Palästina als rein wirtschaftlichen Unternehmens ist schon jetzt ganz offenbar, und was die Zionisten, in deren Hand ausschließlich der Palästinaaüfbau heute liegt, in diesem asiatischen Wetterwinkel gnstreben, ist eben das „nationale Heim" und letzten Endes ein sogenanntes hebräisches Weltkultur- Zentrum, welches das an die sogenannten Wirtsvölker „assimilierte" Judentum der Welt aus seiner „fremden", also in unserem Falle deutschen Kultur herausreißen und der in Palästina zu konzentrierenden hebräischen Weltkultur (hebräische Universität!» einverlciben soll. Die jüdischnationale Erziehung der Juden ist die wichtigste Etappe auf diesem Wege. Und hier überschreiten diese Bestrebungen die Grenze dessen, was ein deutschbewußter Mensch im allgemeinen und ein deutschbewußter Jude im besonderen hinnehmen kann. Gegen eine rein religiöse und charitative Betätigung in Palästina wird kein dentschfühlender Jude Einspruch erheben, »vofür von dieser Seite schon viele praktische Beweise erbracht worden sind. Aber ein Palästina als Stätte der „nationalen Wiedergeburt des Judentums" lehnt das Judentum in seiner überwiegenden Mehrheit ab. Alle Versuche, die »vahren Ziele des Zionismus gelegentlich zu vertuschen, scheitern an ganz klaren Auslasiungen von maßgebender zionistischer Seite selbst. Das offizielle Organ der deutschen Zionisten, die „Jüdische R u n d s ch a u", beeilte sich kürzlich, entgegen anderen Auffaflungen ausdrücklich festzustellen: „Es braucht kaum gesagt zu werden, daß cs keine Zionisten gibt, die nicht den Zionismus! als politische Bewegung auffassen." Und ferner: „Die Mitglieder des Pro- P a l ä st i n a - st o m i t e e s waren auch nicht im geringsten im unklaren, daß es sich um eine politische Sache handelt: eine andere Sache hätte sie kaum interessiert." Das Zionistenorgan selbst läßt also den christlichen Mitgliedern des Komitees keinen Zweifel über dij^ Tragweite ihres Schrittes. Einige 'Mitglieder des Komitees, so z. B. Graf Bernst o r f f, haben ihren Beitritt damit zu rechtfertigen versucht, die Mitarbeit am jüdischen Palässina sei in keiner Weise, geeignet, „die Stellung der Juden im deutschen Volksleben irgendwie zu beeinträchtigen". Diese Ansicht ist ein verhängnisvoller Jrrtuin. Zumal das.Auslandsdeutschlum sieht mit Rechf im Zionismus einen gefährlichen Schädling der deutschen Sache in fremden Landen. Einige Beispiele mögen dies veranschaulichen. ' Bekanntlich erfordert das Recht der Zweisprachigkeit in der Tschechoslowakei eine mindestens 20 prozenlige nationale Minderheit, und. in dieser Hinsicht fällt die Frage, ob sich das dortige Jud^sttum zum Deutschtum bekennt oder nach zionistischem Rezept zu einer jüdischen Nation, entscheidend ins Gewicht. In Prag, wo sich die deutsche Minderheit vorwiegend auf die deutschfühlende I u d e n s ch a f t 'stützt, niuß der einzige deutsche Stadtrat, I)r. Eckstein, ein Jude, den immer mehr emporwuchernden Zionismus abmehren, der die jüdische Jugend dem Deutschtum entzieht, ihr den Besuch tschechischer Schulen für z w e ck m ä ß i g empfiehlt und so die Reihen des