Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 7/9 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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- 7 — «■pnip WMW»WW» 'lieblich haben wir unS aber auch schon früher in Vorträgen I ,d Artikeln mit deutscher Freimaurerei besaht. weil eS sich 'bei um Fragen handelt, die für das deutsche Wohlergehen ichtig sind. Unsere eigene Stellung ist klar und eindeutig. Wir wissen h es ein .Weltjuden tum" nicht gibt, dab vielmehr allen Ländern die überwiegende Mehrzahl der Juden .-slandteil des betreffenden Volkes geworden ist und sich nichis ideres wünscht. Wir Deutschen jüdischen Stammes und!aubens find nicht blind, sowohl wir als auch unsere Grob- „er und Väter. Freunde und Verwandten würden im Laufe r Generationen schon irgendwie gemerkt, haben, wenn so vas herumgeisterte wie die Idee eines jüdischen Weltreiches er einer jüdischen Weltmonarchie. Und gerade wir heutige». > wir so lebhaft die mit solchen Dingen nicht im entfernteste» : '.gleichbaren zionistischen Bestrebungen nach Errichtung eines eschen Nationalstaates in Palästina bekämpfen, würden uns i, noch viel gröberer Lebhaftigkeit gegen derartig Hirn- 'brannte Wcltprojekte wenden. . Und — daS ist die einzige Analogie zwilchen Juden und! iciniaurern — ebensowenig gibt es eine „Weltfreimaurerei".; uf der gemeinsamen Grundlage, nämlich dcm Wunsche, die j ienschen über daS Gemeine hinauszuheben, sie innerlich zu .rvollkommnen. über das Kirchliche hinaus seelische Güter zu legen, hat die Freimaurerei in allen Ländern der Erde das igcngepräge des jeweiligen Voltscharalters angenommen und >t, hier mehr nach der politischen, dort nach der charitativen, ii Deutschland nach der philosophischen Seite entwickelt, obernational in ihren Ideen wie die groben Welt- Unionen und Philosophiesysteme. wie Kunst und Wissenschaft, , iie national in ihrem Wirken und in ihrer Betätigung »in Wohle deS Vaterlandes, auf besten Boden die Logen des Landes erwachsen. Was sie erstrebt und leistet, ist nicht schwer ii erfahren, ihre Veröffentlichungen sind heutzutage jedem zu-; .inglich, der den Wunsch hat, sie kennen zu lernen. Nur ihre; 5n»ibolik, ihr Gebrauchstum hält sie aus alter, ehrwürdiger riadition geheim. Niemandem ist verwehrt, aus der einzelnen! oge und auS der Freiniaurerei Überhaupt auszuscheiden, wenn! .r nicht fand, was er suchte: kein Eid existiert, der ihn daran! indert. Manchen hat sie — Menschenwerk, das sie nunj inmal ist — Enttäuschung bereitet, und er hat diesen Schritt lolan, ungehindert und ungekränkt. Millionen hat sie Eriiebung und Weihe gespendet, und sie sind bis zum letzten > Aiemzug ihre treuen Jünger geblieben. Mögen ihr auch 1 Mängel anhaften: d i e Welt wäre ärmer ohne die ' Freimaurerei. So verhält sich die Freimaurerei, .wie sie wirklich ist, zu .-ein haßerfüllten Bild, das die Broschüre von ihr entwirft, ouva wie . . . . H i n d e n b u r g zu L u d e n d 0 r f f. Dr. A. P. Lind wir heimatlos? Frau Katharina von Oheimb. früher Politikerin, dann Herausgeberin einer ebenso illustrierten wie inzwischen "erstorbenen Zeitschrift. Veranstalterin von Zionistentees. neuerdings Mitglied des Pro Palästina-Komitees» UC9 l U W » U |l l l» U ' ^vv m I * V * * noch immer sehr rührig, hat ihren Gefühlen für das Juden ui», nach einigen gedruckten Anläufen nunmehr auch rednerisch Ausdruck gegeben. Ueher den Wortlaut ihrer Aeuberungen besteht die übliche Uneinigkeit. Zuerst hat der Central-Verem berichtet. Dann haben die Zionisten bestritten. Der Central- Aerein besteht auf seiner Darstellung. Gr stützt sich auf;wei Zuhörer, die zunächst die Ohren und demnächst unver- ’wvi vJUMUici, uic guiiuupi uiv '»glich die Bleistifte gespitzt haben. Wir haben keinen Zweifel an der Zuverlässigkeit der Zeugen des Central-Vererns, zumal Frau von Oheimb iolbst unseres Wissens dessen Darstellung bisher nicht bestritten hat.-» Demnach hat sie zunächst von dem „S p i e bei? gebrochen. dem „Verachtung gebührt, weil er nicht; den Mut hat. für eine grobe Idee ein zu - irrten". Die grobe Idee ist natürlich das deyeitlge Steckenpferd der Frau von Oheimb, der Palästinai A ufbau. und wohl auch der Zionismus im ganzen, lieber diese „grobe Idee" aber sprach Frau von Oheimb weiter die herrlichen Wörter „Die Heimatbewegung, die Idee der Erinnerung an die Ahnen der jüdischen Nation, haben diese Aufgabe geschaffen. Gerade die Juden mühten es empfinden. dab sie heimatlos sind. Weng es auch selbstverständlich ist. dab iede gerecht denkende Nation den Juden einen Pl.a uciiicnue a 11 u ii uch ** •» * * \ ", . bietet, hat d och der Jude die Pflicht, si ferne Heimat wieder aufzubauen. Uns liegt nichts ferner, als die Ansichten der F r a u vor Oheimb allzu ernst zu nehmen. Immerhin ist ihre Red, ein schätzenswerter Beitrag zur Erkenntnis, wie sich manch« Leute „den Juden" vorstellen und wie die bei Nichtjudcr gelegentlich auftretende Sympathie für den Zionismus fick herausbildet. Mit welcher Gattung von Juden mag ein, Frau bisher zu tun gehabt haben, die mit schöner Unbe fangenheit solches daherredet? Die Wahrscheinlichkeits-Antwor lautet:. zunächst mit gar keinen. Man kennt eben in dei Kreisen, aus denen Frau von Oheimb hervorgegangei ist, keine Juden, sicherlich keine nationaldeutsch fühlenden, deni man sucht den Umgang mit Juden nicht, und die anständige, Juden drängen sich nicht auf. Allenfalls kommt man mi dem einen oder anderen Zwischenschichtler in rein äußerliche meist geschäftliche Berührung, ärgert sich an ihm und zieh die üblichen Schlüsse auf die Allgemeinheit. Andererseits ü man natürlich gerecht und sagt-sich, dah „der Jude" immerhii auch ein Mensch ist. Eines Tages aber bricht die grob Offenbarung herein: der Zionismus. Die Herren vom zio nistischen Außendienst wissen natürlich sehr genau, an wen sie sich mit Aussicht auf Erfolg heranmachen können. Ein: Frau mit leidlich bekanntem und noch dazu adligem Namen die vom Judentum keine Ahnung hat. — ein besseres Objek für jüdischnationale Tätigkeit ist gar nicht denkbar. Unk plötzlich sitzt die Ahnungslose zwischen lauter würdigen, tief ernsten- Männern, Ministerialdirektoren, Ober- und Unter regierungsräten. Wirklichen und unwirklichen Legatiöns räten, Bankdirektoren. Professoren und so fort bi; hinab zum gewöhnlichen Doktor. Alle sind Zionisten ode doch erklärte Freunde des Zionismus, und fast allebehaupte« mit Inbrunst, dab ihr jüdisches Herz sie ungestüm nadi Palästina ziehe, ja datz sie sich, natürlich unbeschadet ihre deutschen Aemter, Bankguthaben usw.. in Deutschland nu: sozusagen auf der Durchreise fühlen. Erzählt man dann de tiefbewegten Dame noch einiges von ausgetrockneten Sümpfen und hervorragend bestellten Acckern im Lande der Verheißung — was bleibt ihr übrig, als die Ueberzeugüng. „der Jude" fei in Deutschland heimatlos und habe die verfluchte Pflich! und Schuldigkeit, sich in Asien „seine Heimat wieder auf zubauen"? Von der Ueberzeugung zur Rede ist oft ein kurzer Weg. zumal bei geschäftigen Frauen. Wie sagt da > Kochbuch? „Man nehme" eine Ueberzeugung, rühre ein paar gangbare Schlagworte hinein, tue noch eine Messerlpitzr gönnerhafter Toleranz hinzu, erwärme das Ganze am milde l Feuer der Gerechtigkeit, — und der Brei ist fertig. Wie gesagt, wir wollen die Reden der Frau v o i Oheimb nicht allzu ernst nehmen. Wollten wir cs, s) mühten wir wohl oder übel ihr und ihren zionistischen Freunde i Vorhalten, dab ihr wohlwollendes Interesse für die Juden im Kern nichts anderes ist, als was die besagten Freunde bei anderen Anlässen den „krassesten Antisemitismus" nennen. Kann man antisemitischer sein, als indem man d c Juden, schlechthin alle Juden, als Fremdvolk betrachtet, des überall heimatlos sei und nichts Anständigeres tun fönri', als sich schleunigst um einen Erdteil weiter in seine wirklicke Heimat zu verfügeit? Für diese selbe „grobe Idee" se< t sich'auch Herr Wulle ein und er sagt es auch kaum m t anderen Worten, abgesehen natürlich von dem ölig-toleranten Zusatz über den „Platz", den „gerechte Nationen" den Juden gnädigst „bieten'^ müssen. Wir nationaldeutschen Juden danken der Frau von Oheimb herzlich für ihr Platzangebot und für ik> e aufschluhteichen Worte überhaupt. Diese Worte haben uns. und diesmal hoffentlich auch anderen — selbst der Contra l- Verein ist ja stutzig geworden — die Richtigkeit dessen bistätigt. was wir über das Pro Palästäna-Komitc e und seine Zusammensetzung von jeher gedacht und ausa sprachen haben. Auch haben die Worte uns. und hoffentlich auch anderen, die z i o n i st i-s ch e n M i t g l i e d e r des schätzen y werten Komitees in hellstem Lichte gezeigt, die sonst nic >t laut genug über Antisemitismus, selbst „jüdischen Antisemiti -- mus" schreien können, die jederzeit in der Lage sind, im B :■ darfsfalle die „deutsche Heimat" einzuschalten, und k je schwelgend dabeisitzen, wenn ihnen von der nichtjüdischen Mtarbeiten'n die Heimatlosigkeit als selbstverständlich bescheinigt wird. Im übrigen bekennen wir uns freudig als die „Spietzei denen zwar nicht der Mut. aber die Veranlagung fehlt, dir „groben Idee" der Frau von Oheimb und ihrer jüdifhnationalen Freunde Geschmack abzugewinnen. Wir fühl, n uns in Deutschland nicht heimatlos. Deutschlard ist uns nicht ein widerruflich eingeräumter Wohnplah. sondcrn wahre Heimat, die einzige und nie mal s ablör - bare Heimat. An dieser Heimat unverbrüchlich festzuhaten trotz Verkennung. Anfeindung und überheblicher „Duldun,", das ist für uns „die grobe Idee". W,r wert»;n uns die deutsche Heimat nicht verleiden lassen, auch wenn uns darob das schreckliche Los beschieden sein sollte, von der judenfreundlich:n Frau von Oheimb „verachtet" zu werden. - M. N l