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Der nationaldeutsche Jude · 1927-09-01 · Nr. 7/9 (September 1927) · p. Seite 6

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1927
Issue
Nr. 7/9 (September 1927)
Date
1927-09-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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der Meinung, daß alle, vergilbte Schwurformeln der ersten Freimaurer, die auch damalsnur symbolisch aufzufaffen und in Zeiten, wo die Justiz noch räderte und vierteilte, in eine gewisse archaistisch-drastische Form gekleidet waren, wörtlich zu verstehen gewesen seien, ja. daß sie ihrem vollen Wortsinn nach noch heute beständen, wo natürlich solch Eid längst durch schlichtes Bei sprechen und niännlichen Handschlag ersetzt ist. Ja. er ist unfähig, die kurze Periode der sogenannten „strikten Observanz", die Ende des 18. und Anfang des 19.'Jahrhunderts herumspukte und bald als Verirrung abgetan wurde, historisch zu begreifen, und ist der festen Ueberzeugung, noch heute würden durch furchtbare Eide wie Verschwiegenheit so auch unbedingter (Gehorsam erzwungen. „Ter geschmähte.Kadavergehorsam', der in unerhörter Verleumdung unserm alten Heer zugeschrieben wird, ist in dieser Gesellschaft für Geistes frei heit venoirklicht" < S. 47). lind schließlich, wenn man es nicht glaubt. Lese man cs an Ort und Stelle nach, ist er ebenso ernsthaft dev Ansicht, die Freimaurerei habe Todesstrafen vollstreckt und. vollstrecke sie in aller Heimlichkeit noch heute. So spricht er (S. .48) von der .Androhung furchtbarer Todesstrafen", der Zenyürbung des Charakters durch die Verängssigung, die sich der armen, ohnmächtigen Freimaurer bemächtige, und fährt wörtlich fort: „Kill aber der Maurer diesem entsetzlichen Schicksal entgehen, so wird er als Eidbrüchiger und Verräter gezeichnet und von dem über ihn verhängten Urtcilsspruch irgendwann Erreicht". »Was mit diesem .irgendwann" iin Sinne einer Feme gesagt sein soll, ist nur allzu klar. '— Siibenborff benutzt die Katechismen der Freimaurer und sagt (S 16): .Katechismen sind freimaurerische Jnstruktionsbücher Sie eriitnern im Frage- und Antwortspiel an die Jnstniktionsbücher der Rekruten des alten Heeres, sie reichen aber an deren geistige Hohe nicht heran". Nun, das ist Geschmacksache. Aber roic benutzt er fie? Diese Bücher trennen deutlich Tinge' des freimaurerischen Gehrauchstums, wie sie heute noch, in Hebung sistd, von historischen Reminiszenzen etwa aus der Zeit,-wo jeder Fürst seinen Leibalchymisten hatte und. Nckromantik und Astrologie auch in die Freimaurerei eiuzudringen suchten.! die sie bald überivaud. Ludeudorff aber trennt diese Dinge nicht, und so muß der unbefangene Leser glauben. Gelehrte und Pfarrer. Aerzte und Richter. Lehrer, Kaufleute, Jndustnelle beschäftigten sich noch heute hingebungsvoll und überzeugt mit dem Wust, der längst in der Rumpelkammer'modert.! Wie es aber trotz unseres Zeitalters der Maschinengewehre nöch Armbrustschützengesellschaften. gibt, so vertiefen sich auch heute noch kleine Zirkel historisch-forschender Freimaurer mit diesen! Dingen, und wenn außerdem einige der konservativsten Systeme noch zäh an manchem Ueberalterteni hängen, so betonen selbst sie stets das. rein Syiubolische -ihrer Bildersprache und Ausdrucksweise. Ludendorff verwendet also sein ohnehin äußerst Mangelhafres Material ohne historische Kritik oder Sonderung nach sachlicher Wertigkeit. Aber das ist immer noch harmlos gegen die Art, wie er seine so gewonnenen Vorstellungen a>f Tinge des öffentlichen Lebens überträgt. Ihm seinen jüdischen W e l k st a a t und seine füdische Weltfreimaurerei als Phantasiegebilde Nachweisen zu wollen; wäre, wie gesagt, vergebliches Bemühen und ist auch nicht unsere Sache; denn >vir schreiben nicht für ihn. sondern zur Information unsrer Leser. Diese sollen aber zur' Kennzeichnung seiner tzucht, in all und jedem Auswirkungen des Juden- und Freimaprertums zu erblicken, schließlich noch einige charakteristische! Beispiele kennen lernen. Poetisch-symbolische Ausdrucksweise, die sich ja auch in dem volkstümlichen Verse ffndet: .Willst du, daß wir mit hinein in das Haus dich bauen, laß es dir gefallen, Stein, daß wir dich behauen!" vergleicht freimaurerisch den sittlich unfertigen Menschen mit wähnt, die Schöpferkraft Jehovahs „27 ist bife kubische Zahl von 3. Der Kubus ist die vollendete Figur, dessen Ebenbild der vollkommene und gerechte Jude ist. In einem solchen Kubus sollen sich die Freimaurer wandeln" usw. ustv- .So wird der Kubus auchein Zeichen jüdischer Weltherrschaft". Und nun kommt folgende Anmerkung (I. 38): .Den doppelten Kubus, wie er Stahlhelme des alten Heeres zerquetscht, finden wir in den Straßen München st an der Stelle erachtet, an der am 9. November das Blut völkischer Männer stoß. Die jüdische Orthodoxie leugnet dreist diese Symbolik. Ihr glauben i die Deutschen ja mehr als mir. Oder haben sie eine andere. Erklärung für da« .wundervolle' Denkmal, dessen Schöpfer eS begrüßen wird, wie gut er verstanden ist . . . Sehnlich wie mit dem KubuS steht eS mit dem Quadrat. Nachdem er S. 37 das .magische Quadrat" der Kabbalah erwähnt hat, daS nach deren Weisheit „vollkommen" sei und die,vollkommene Welt versinnbildlichje.nennt er Stresemann .den Verkünder des kabbalistischen Gottes", schildert sein Auftreten in G e n f und sagt (S. 42): .Genf ist für Freimaurer I ein besonders geweihter Ort. Wir kennen das .Genfer Kreuz' aus fünf roten .vollkommenen' Quadraten." Tiefer hinein in das Gestrüpp geistiger Verworrenheit kann man wohl nicht gelangen, als daß man das offenkundig christliche LiebeSsymbol;i3u einem kabbalistischen Geheimzeichen herabzuwürdigen versucht, das irgendwelche dunklen Machenschaften decken soll. Und dabei sagt er selbst vorher <S. 38): .Doch ich kann den Leser nicht weiter mit der Kabbalah befassen. Ich will mich auch selbst von deren verworrenem Denken freimachen. Es liegt dein Deutschen nicht." Wäre er doch bei diesem Vorsatz geblieben. statt das Münchener Kriegerdenkmal und die Genfer Flagge mit Wozzekmienen und dem Wozzekwort zu betrachten: ..... die Freimaurer!!" ,Aber kommen wir nach diesen Stichproben zu den praktischen Absichten der Schrift und ihres Verfassers. Juden und Freimaurer sind ihm identisch: .Die Zahl achtzigfausend wird annähernd ein richtiges Bild von den Deutschblütigen in der Freimaurerei geben. Sie verstärken aber den jüdischen Bestandteil der Staatsangehörigen Deutschlands, der auf etwa eine Million Juden geschätzt werden kann, und deren Wirken ..." Diese Gesamtgruppe macht sich die Deutschen hörig. Mit einem Teil der Freimaurer hat Ludendoiff Mitleid. Das sind die Betrogenen, unter ihnen Edle, die auch dem Vaterlande helfen möchten, aber — man höre! — (S. 12) durch .einen Eid gebundenf sind, .der sie auf anderes verpflichtet" (!!). Er lockt und droht, die Volkswut werde sich gegen die Freimaurer kehren und auch diese Gruppe nicht schonen. Sie ruft er zu sich und zeigt ihnen, „das heilige Zeichen ihres BluteS, das Hakenkreuz". Die andern aber sollen keine öffentlichen Aemter usw. bekleiden dürfen, durch ein Abzeichen öffentlich kenntlich sein; geschmackvoll sagt er: „wie der Jude an der Nase"; und ist einma die völkische Partei zum Siege gelangt, dann wird sie sich m it den „jüdischen Logen" „sehr kurz befassen" .... Hier, sozusagen beim Standgericht, nehmen wir von dem General Abschied und möchten ihm. der einen wesentlichen Teil des gehet nnisvollen Materials, das ihm zu solchem merkwürdigen Bar gedient hat, von „besonderer Seite" erhalten hat. nahelegen sich in die Geschichte des sogenannten T a r i l - s ch w i n d e l s zu vertiefen. Auch die gewiß vorsichtige und kluge katholische Kirche ist einmal. Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts von „besonderer Seite" mit Material versorgt worden, daS, noch viel überzeugender als das Ludendorsifs den Zusammenhang eines sogenannten Weltjudentums mit einer sogenannten Wellfreimaurerei, den persönlichen Verkehr der Freimaurer mit dem leibhaftigen Teufel dartat. Diese „besondere Seite" hatte vollen Erfolg und führte unter dem begeisterten Beifall damaliger Klerikaler zwecks Zerschmetterung der Freimaurerei den Anti-Freimaurerkongreß 1896 tn Trient herbei; als aber Leo Taxil so das Ziel seiner Mystifikation erreicht sah, als vom Bischof bis zur einfachsten Nonne kaum mehr jemand an der Wahrheit seiner Behauptungen zweifelte, da trat Gabriel Jogand- Pages, wie Taxil wirklich hieß, lachend an das Licht der Orffentlichkeit und zeigte ihr, wie leicht ein gewisser Teil der Menschheit in seiyer grenzenlosen Leichtgläubigkeit und Dummheit zu täuschen ist. Sollte der Verfasser des Werkes nicht auch einem Spaßvogel aufgesessen fein? Die apokryphen Mitteilungen, die er Kreisen verdankt, die nach seiner Annahme „wahrscheinlich ein Geheimbund innerhalb der Freimaurerei" sind, erwecken bei solchen, die mit freimaurerischen Dingen vertraut sind, eine» amüsanten Verdacht. Warum wir uns an dieser Stelle mit der unerquicklichen Angelegenheit überhaupt beschäftigt haben? Gehört es nicht zu unseren Grundsätzen. Verfuche zur Belehrung verstiegener völkischer Raffeantisemiten als nutzlos zu unterlassen? — Einmal ist es der Name des Verfassers, trotzdem dessen tragifcher Abstieg lange erkennbar ist, der eine Ausnahme rechtfertigt, wie das auch in Nr. 524 die Kölnische Zeitung quasi als Begründung für ihre, übrigens vernichtende Kritik auSführt, dann die Häufung von Ungeheuerlichkeiten, die das Heft selbst in der antisemitischen | Literatur fast zu einem Unikum stempelt.

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