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Der nationaldeutsche Jude · 1927-09-01 · Nr. 7/9 (September 1927) · p. Seite 4

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1927
Issue
Nr. 7/9 (September 1927)
Date
1927-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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f 4 Juden, Freimaurer und Ludendorff. Einen auf der untersten Sprosse der militärischen Stufenleiter stehenden, vom Schicksal verprügelten Soldaten, seinen Wozzek „ läßt Büchner, als ’ Abendncbcl und finkende Sonne die Sumpflandschaft, an deren Rande er Weidenruten schneiden mutzte, in unheimliche, gespenstische Beleuchtung rückt, seinem Kameraden in ahergläubischcr Beklemmung das Wort zurauncn: „Die Frey maurer . . .!!“ Unvergetzlich, wie der Schauspieler Klopfer sie darstellG diese Beschränktheit des Gamaschensoldaten, der das dumpfe Streben nach höherem in sich trägt, von diesem und jenem auch mehr weitz oder ahnt als rohe Kameraden, bei dem es abeic nun einmal, sei es aus mangelnder Begabung, sei es, weil man seine Kaste geistig, verkommen lietz, nicht zu mehr reicht, als zu verworrenen Vorstellungen, halb verdauten Begriffen, die sich daun zu mystischen Stimmungen verdichten und gelegentlich in solch einem sinnlosen Wort entladen. Ein auf der obersten Sproffe der militärischen Stufenleiter stehender Soldat, ein Feldherr, gegen den sich das Kriegoglück gewe»det hat, Erich Ludendorff, bfickt in unfern bewegten Zeiten, die eine neue Epoche der Geschichte einzuleiten scheinen, verstört um sich. Nirgends mehr die problemlose Klarheit, an die er von Jugend auf gewöhnt ist. Nebel von unten, Wolken von oben, die ganze Erde!in nnheimlicher Beleuchtung. Und nicht wie Wozze-k raiunt er, nein, im gewohnten Kommandoton schmettert er hinein^in das Werdende, Wallende: „Tic Freimaurer . ..!!*! Das soll heitzen: Fort mit ihnen, und die klare Sonne scheint wieder auf ein erlöstes Volk herab. — Den Worten Wozzeks auf der Bühne folgtgerührte Teilnahme der Hörer. Sollte ein Schauspieler der Zukunft einst den Genbral darzustellen haben, ivie er sein „Freimaurer!!" schmettert, so würde er sich zu überlegen haben, wüs er bei den Zuhörers auszulösen gedenkt, llnauslöschliches Gelächter?. —' —f Oder etwa auch: Tiefes Mitleid?? — In der Tat, wer die 77 Seiten der „ I m S!elbstverlagc des Verfassers" erschienenen Broschüre: „Vernichtung der Freimaurerei durch Ent - h ü l l u n g ihrer Geheimnisse vouErich Ludend o r f f " liest, wer gleicherweise befähigt ist, als Deutscher, als Jude und als Freimaurer, Gesamtabsicht und Einzellatsachen zu beurteilen, der weitz wirklich nicht, ob er! meinen oder lachen soll: und wer sich gar als alter Feldzugsotdat der ehemaligen Machtfülle des Verfassers, des Gewicht« seines Namens und seiner Matzregeln erinnert, der kann siw kaum eines Gefühles erwehren, ivie es der „Reiter über den Bodensee" empfunden haben mag. Zwar ist entsetzliches Uiheil geschehen, aber noch entsetzlicheres hätte. geschehen können,. wenn .... Wir wollen diesen Gedanken nicht fornpinnen^ Wer Verantwortung aus sich nimmt, hat die Pflicht, init gesicherten Tatsachen zu operieren: sei es als Staatsmann, Heerführer, Forscher, sei es auch nur, datz er. zum Bau eines Steges, den andere beschreiten sollen, einfache, haidwerksmützige Berechnungen anzustellen hat. Dem General oder vielmehr dem Politiker Ludendorff genügen stctt desien Behauptungen, Vermutungen, Annahmen, und bei der elfteren erlätzt er sich noch dazu die Nachforschung, ob sie nicht inzwischen von glaubwürdiger Seite bestrittet! oder gar zwingend widerlegt worden sind. So kommt ein sogenannter Quellennachweis von 37 Literaturnummern zustande, der lsnkundige vielleicht bestechen kann, wahllos, systemlos, kritiklos zusammengestellt und noch dazu verwirrend angeordnet, so Hatz z. B. die Schrift des bekannten Freimaurergegners Wichtel unter der Ueberschrift „Freimaurerische Schriften" figuriett. Der B n e B r i t h - L r d e n, die Odd Fellows. die zu den anerkannten Freimaurerlogen in gar keinem inneten oder äußeren Verhältnis stehen, sind angeblich (S. 13) vom Deutschen Grotzlogentag offiziell als „gerechte Md vollkommene" Logen anerkannt worden, was völlig unwahr ist. Ihre Einrichtungen werden mit denen der Freimaurer kunterbunt durcheinander gemengt, und diese Verbände müsien als Prügelknaben herhalten, wenn es irgendwo bei der Freimaurerei nichh mehr langt. Ouellenwerke oder grundlegende Arbeiten, wie etwa die von Bischofs. Kneisner, Wolfstieg, Keller, Horneffer, Kekuie von Stradonitz u. a., sucht man natürlich vergebens, die des Jesuitenpaters Gruber, des gelehrten Freimaurergegners, fehlen merkwürdigerweise völlig: ein Jesuit als Feind der Freimaurerei patzt Ludend o r f f eben nicht in de» Kram, der Jesuiten und Freimaurer für Bundesgenossen hält und gemeinsam bekämpft. Dagegen ist reichlich die sogenacknte anti-freimaurerische Schund- I i t e r a t u r benutzt, die sich etwa auf der Höhe der „Weisen von Zion" bewegt. Ihre tausendmal widerlegten Angaben werden gläubig hingenommen, stellenweise sogar übersteigert und aus ihnen werden die weitgehendsten Schlüsse gezogen. Dazu kommt, datz der Autor manche Angaben „besonderer Seite" verdankt, und auf S. 10 sagt: „Vor allem aber ist mir — anscheinend von einer Geheimorganisation innerhalb der Freimaurerei - wertvolles Schriftwerk zur Verfügung gestellt"*), dies „vor allem" scheint darauf hinzudeuten, daß sich L u d e n d o r f f auf jenes Schriftwerk, über dessen Herkunft er selbst nur Vermutungen auszusprechen vermag, ganz besonders stützt, und dies geht auch aus vielen Stellen her Broschüre hervor. Wir kommen auf die Vermutungen, die wir selbst über diese geheimnisvolle Angelegenheit haben, später noch zurück. Mit solchem Rüstzeug schreitet nun ein ehemaliger Generalstabschef unbedenklich zum Angriff, zu einem Angriff, dem er in unverständlicher Naivität und Selbstüberschätzung eine entscheidende Bedeutung beilegt, denn es heitzt S. 12: „Die Freimaurerei . . . erhält durch diese Schrift . . . den tödlichen Schlag." Und für diese Offenbarung hat sich nicht einmal ein Verleger gesund.en? Mit Recht! Stellt sie doch nichts Neues dar, sondern nur eine willkürliche Kompilation von Stellen aus Werken anderer, die mit ganz ähnlichen Versuchen ausnahmslos kläglich gescheitert sind. O nein, der Freimaurerei droht von Ludendorff feine Gefahr; im Gegenteil, es steht zu hoffen, daß Freimaurern, die geneigt waren, völkische Gedankengänge Ludendorffscher Färbung ernster zu nehmen als sie es verdienen, seine Schrift in ganz anderm Sinne, als sie beabsichtigt, die Augen öffnen wird. Aber die Blätter unseres Verbandes haben ja mit Freimaurerei nichts zu tun. Wenn sie trotzdem einige Zeilen dem Heftchen widmen, so geschieht das. weil L u d e n d o r f f unter dem HMptgeheimnis der Fennaurerei etwas versteht, wovon unsere Mitglieder bisher nichts ahnen konnten. Um so weniger, als ihnen bei anderer Gelegenheit von dem Eindringen der Judengegnerschafl in manche deutsche» Logen berichtet worden war. Sein Dogma lautet nämlich: „Die Weltfreimaurerei, tdie es angeblich gibt), ist eine Schöpfung des Weltjudentums. (das es angeblich gibt), und dient dazu (S. 27), aus andersblütigen Menschen, in Ludendorffs Fall also aus den Deutschen, „künstliche Juden" zu machen. — Mit Hilfe dieser Kunstprodukte wollen dann die Originaljuden ihre Weltherrschaft aufrichten, und zwar in Form ihrer „jüdischen, kapitalistisch priest er lichen W e l t m o n a r ch i e". Die Leitung der Weltlogen Atzt heute in New Aork, von wo auch die Leitung des jüdisches Volkes ausgeht. Hier geht alles ineinander über" (S. 22). Manchem wirds schwer fallen, sich unter alledem etwas Begreifliches vorzustellen. Mir wills bisher auch nicht recht gelingen., Nun nutz der Autor natürlich auf die Frage gefaßt sein: Ja find dehn damit die Millionen Freimaurer, die es gibt, einverstanden? llnd darauf erfolgt die köstliche Antwort: Die Freimaurer selbst haben natürlich keine Ahnung davon, wozu sie mitzbraulht werden, nur wenige, solche in ganz hohen Graden, aber auch di nicht alle, sind eingeweiht; nicht einmal die streng christlichen.Großen Landeslogen von Schweden und von Preußen wissen, vatzffie einem unbekannten geheimen jüdischen Oberen, und zwar aus „dem Geschlecht Salomonis" (Genealogen vor die Front!) blindlings gehorchen (S. 23). So geschickt werden sie gegängelt. Ist ihnen doch durch den Ritus, der seine Elemente aus Thora, Talmud und Kabbalah bezieht/ von Anfang an jüdisches Gift in Sinn und Fühlen geträufelt worden. Und trifft doch den Verräter unweigerlich entsetzliche Rache der Freimaurer, ja die Todesstrafe, von der niemand ahnt, wer sie verhängt oder voillstreckt hat! — Ich kenne einen Kolportageroman „Die Freimaurer". erschienen in zahlreichen Heften zu 10 Pfennigen, in dem das Gleiche, allerdings ohne Bezug auf Juden, zum Grausen sämtlicher Dienstmädchen, sogar mit Illustrationen ausgeführt ist, und habe ihn in Ludendorffs Quellenverzeichnis schmerzlich vermitzt. — Man beachte, ganz abgesehen von der ungeschminkten Behauptung solchen Widersinns an zahlreichen Stellen, die tückische Stilisierung folgenden Satzes (S. -13): „Der plötzlich verstorbene V *) Bon un-J gespe,rt Die Schriiileitung.

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