Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 4/6 (Juni 1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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9 von Dr. Pollack und Dr. Naumann ausgesprochene Gedanke, dah in der Furcht die tiefste Ursache der zwischen Juden und Nichtjudcn bestellenden Mihoerständnisse zu finden ist. klingt uns hier in vcroiclsachtein und volltönendem Echo entgegen. Ni ü l I - E I a u d i u s greift das Judenproblcm, das deutsche Judenproblcm, mit dem schweren Rüstzeug der Wissenschaft an. Line Biologie des deutschen Autisemi tismus nennt er seine Schrift, und dem Diagonal-Leser, der gcwöbnt ist. sich nach ein paar flüchtigen Blicken sein Bild von dem Inhalt eines Buches zu koustruicreii, mag etwas Angst werden ob der Fachausdrückc, die nach Psizchoanaliise und anderen schivicrigcn Materien klingen, Unzweifelhaft kommt diese Lcsergattung nicht zu ibrem vermeintlichen Recht. Das Buch will gelesen, nicht durchschnüffelt sein. Aber, wer einmal die Scheu vor dem „Lnmboltiipus" und ähnlichen Ausdrücken überwunden hat. wird die Schrift nicht vor dem lehten Worte aus der Hand legen. Sic iit bei ernstester Wüsenlchaktlichlcit im besten Sinne des Wortes fesselnd und für jeden, der gutes Deutsch und ein paar landläufige Fremdwörter versteht, ohne jede Schwierigkeit verständlich. Die edle Sprache, die sich besonders am Schlüsse zu dichterischem Schwung erhebt, gibt dem Buch besonderen Reiz. Den Inhalt mit einigen Sähen wicdcrzugcben. iit fast unmöglich. Es läszt sich innerhalb des uns zugemessenen Raumes kaum mehr sagen, als schon der Titel sagt. Die R g s s e n a n g st iit nach Müller-Claudius der Stern des Gcsühlskomplcrcs, den wir Antisemitismus zu nennen gewöhnt sind. Zn weiten Kreisen des deutschen Bolkes hat sich eine „Rasscusinnbolik" eingeniitct, die viele Volksgenossen unfähig macht, mit klaren Augen um sich zu sehen. Man hat sich entwöhnt, den cinzclncu Juden als Menschen zu betrachten.! ihn nach seinen persönlichen Eigenschaften, guten und schlechten, wie sie die Einzelperson in sich unv an kich trägt. i m werten, sondern „der Jude" wird „vom Symboltnpenbild her gewertet als Treulosigkeit, als Wurzellosigkeit, als zähes, hinterlistiges Einschlcichcn in die eifersüchtig behütete deutsche Art" <S. 143>. Wie cs jur Umschaffung einer vielgestaltigen, in sich ganz unglcichmäszigcn und ungleichwcrtigen. in unablässiger Entwickelung sich wandelnden Menschengruppe zu einem einheitlichen und fcststchcnden Snmboltchpus konimcu konnte, j wird in straff zusamniengcsasitcn, historischen Schilderungen t und an zahlreichen, schlagkräftigen Beispielen aus allen Gebieten unseres täglichen Lebens überzeugend dargctan. Im tiefsten Grunde des Empfindens aber. dort, wo alle die Oucllcn entspringen, die sich schlieszlich zum knlturzertrümmcrndcn Strom der kritiklosen, vcrallg'cmcincrnden Judcn- Undschast vereinigen, hockt die Rasscnangst, die Furcht vor der ttberwertclen. ..fremden" Art. von der die eigene über-; flügelt, unterdrückt, aufgelöst werden könnte. Die Angst aber legt die Maske des Stolzes, des Ueberstolzes. des Dünkels! vor. Des Dünkels, der „Gericht über andere hält, statt über sich selbst''. Und damit wird die Rasscnsnmbolik zur! Gefahr, zur dcu 1 s ch e n Gefahr, denn „Dünkel ist Totä'. j Der Ausklang des Buches steigert sich zu eine», flammenden ' Ausritt an das deutsche Volk, sich „nicht zu verstecken, sich nicht cinzuschliehen in dumpfem Rassenwahn". Jesus von : Nazareth wird „Bild und Zeichen der sichenden Menschengrösze jenseits von Rasse und Grenze", zum Vorbild, „zu j herrschen mit Hellen Auycu. die nicht von Angst beschattet | werden, dasz irgendeiner in der Welt dich ycrderbcn könnte".! So spricht ein Deutscher nichtjüdischcn Stammes, der sein ' Volk, unser deutsches Volk liebt und ihm cmporhelfen will aus der von Angst und Wahn umzirkten, selbstgeschaffcnen Enge und Unfreiheit. Es ehrt diesen Nichtjuden. dasz er der anderen Seite der Dinge verhältnismäszig wenig Beachtung schenkt,, der Rassenangst der Juden selbst die in; 'Wechselwirkung mit der 'Fprcht der Nichtjudcn auch ihren Teil dazu beigetragen hat. den Jammer der deutschen Gegenwart hcrauszubilden. Das Buch, das diesen Teil der Judcnfragc behandelt, sollte von einem Juden geschrieben werden. M. 9k. Di« weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums und seine 3ufunft. Von I)r. Ernst Ioerges. Verlag Star! Eiirlius, Berlin 1927. Die Schrift des Rcichswirtschaftsgcrichtsrats Dr. Jo erg es. der den Lesern unseres Mitteilungsblattes als Verfasser einer Reihe vorzüglicher Ahfsätze bekannt ist, erscheint nach dem Tode des Autors, de« etwa vor einem Jahre in der Vollkraft seines Schaffens abberufen wurde. Die Schrift lag im wesentlichen fertig vor, als Ernst I o e r g e s mit unseren Bestrebungen bekannt wurde. Die Eindrücke, die er aus unseren Schriften und an unseren Vortragsabenden. deren eifriger' Besucher er war, empfing, haben ihn in den Monaten vor seinem Tode veranlaht, an seinem Werk manches umzugestaltrn. Der Schrift die letzte Abrundung zu geben, war ihm nicht mehr vergönnt. So mag der aufmerksame Leser an manchen Stellen Unstimmigkeiten und Nähte finden, die bei der endgültigen Ueberarbeitung durch den Lebenden sicherlich abgefeilt worden wären. Aber auch in der Form, wie das ein zeitgeschichtliches Dokument Buch heute vorliegt, ist es von Bedeutung, zumal, wenn man sich rergegenwärtigt. das, der Verfasser noch vor einigen Jahren in der Bewegung staitv, die sich selbst die „der tschvülkilchc" nennt, und dah es ihm, schon bevor er mit der Bewegung der nationaldcutschtn Juden bekannt wurde, gelungen war. die geistigen Fesseln der. „völkischen" Anscha inngen abznstreifen und die Hohlheit.der Köpfe. in denen >icsc Anschauungen vorwiegend nisten, zu durchschauen. Jo erg es kommt im wesentlichen zu demselben Ergebnis wie M ü l l e r - E l a u d i u s in seinem oben besprochenen Buch. Rur geht er nicht von der Seelenforschung aus, sondern von der Geschichte, deren Lehren er mit klarem Blick auf die Gegenwart ani^endet. Der historische Teil des Buches zeigt den Verfasser als vorzüglichen Kenner der ^u Ilen und als originell«! Stopf, der aus dem Wust der Tätslchcn das Wesentiiä)« herauszuhcben und längst Vergangene; .in kernhafter, einprägsamer Sprache uns Menschen der Gegenwart nahczubringen weih. Jnz zweiten Teile des Buches werden die Folgerungen fiit die Gegenwart und die Zukunft gezogen. Hier berühren sich die Schlüsse, die J o er, es zieht, mit den von M ü l I e r - C l a u d i n s gewonnenen. Er wirft die Frage auf:'„Was känn der Antisemitismus i berhaupt erreichen'?" Und die Antwort lautet: „Nur «ins: er kann den Prozeh der Angleichung verlangsamen. Denn vollziehen wird sich dieser unweigerlich. Und'wenn der 9 ntiscmit deshalb an der Zukunft feines Vaterlandes vcrzwe fein will, so unterschätzt er die völkischen Strafte im Deutschen ebenso sehr, wie fx die des Gegners überschätzt." Man sieht: das Ergebnis des Geschichtsforschers ist das gleiche, wie das des Scelcnforschcrs. Aber Joergcs geht noch einen Stritt weiter. Er wirft die Frage auf: „Welches ist der W eg des Juden'?" Und in der Antwort prägen sich die Erkenntnisse aus. die der Verfasser >in der Berührung mit unserer Bewegung gewonnen hat. „Wir haben gesehen, dah die Lösung der Judenfragc auf dem Wege »es Zionismus nicht möglich ist. Das B erharren des Juden in der Zwischenschicht bedeutet eine Z wiespältigkcit, die niemals enden kann, heiht Verewigung der Jndcnfrage. Der einzige Weg in die Zukunft. den cs für ihn gibt, der einzige,-durch den auch die Zwietracht, die das deutsche Volk in dieser Frage zerrcisst, beseitigt werden kann, ist die Eindeutschung d e s I ü d e n. Das bedeutet nicht, dah ei sich nicht ehrlich zu seiner Abstammung bekennt, dah er seine tDe l i g i o n ui cht weiter ausüben sollte, nachdem sie von allem nationalen Beiwerk befreit ist. Aber cs de» deütet den völligen Verzicht auf sein Volks- 1 u in. — Auf die Dauer hat er nur die Wahl, sich entweder mit den Zionisten hier in der Fremde zu fühlen und sehnsüchtig nach Asien hinüberzüblickcn. Dann darf er sich nicht wundern, wenn er schlichlich auch als Fremder behar dclt wird. Oder er müh auf ^ein eigenes Volkstum verzinsten und zwar vorbehaltlos. Ohne Gegengabe ist nie in Welt etwas zu. erlangen, und innere Vorbehalte erzci wieder innere Vorbehalte auf der Gegenseite. Es gibt kc anderen Weg für ihn als diesen Verzicht. — D i c Sch salsfragc des Juden löst nicht der Antiscni sie kann nur aus der Seele des Jul selb.st gelöst werden.' Er schafft sich sc sein Sch i ck s a l." Wir möchten wünschen, dah dieses Büch eines kcnntbis reichen, grundehrlichen Menschen von unbestechlichem Geiech tigkeitssinn weiteste Verbreitung finde, bei Nichtjuden lind Juden. M. 9 der gen neu ckit. e n bst Burschenschaft und Judenfrage.;Von Dr. O. F. S chrc u Verlag Berlin-Wien, Berlin 1927. , iid) S<i Auch dieses Buch des als vorzüglichen Kenners akademischen Geschichte bekannten Verfassers berührt Vielem mit den beiden oben besprochenen Schriften, sein 9Rotto ist bezeichnend, das Wort von Gottfried Kest, „Ich glaube, es würde vieles erträglicher werden, wenn weniger selbstzufrieden wäre bei uns. und die Valeria liebe nicht immer mit. der Sclbstbcwundcrung verwechscl An der Hand einer hochinteressanten und mit vielen Ouel Zitaten belegten Schilderung der burschenschaftlichen Entrv lung wird die Herausbildung des Rassenantisemitismus fn dcntkchcn Studentenschaft dargestellt. Das Ergebnis fi, den kkarsten Ausdruck in den auf Seite 62 wiedergeg« Sätzen aus dem Schreiben eines Nationalsozialisten, der w lich sagt, viele jüngere Farbenstudcnten hätten sich der natio sozialistischen Bewegung angc'chlossen. „angezogen wohl die scharfe Einstelkung aus Rassenrcinheit und die lei fahlichcn völkischen Kampfziele, die diese junge auf ihre Fahnen geschrieben hat". — Der Verfasser fügt Recht diesen Worten hinzu: „Leicht fahlich'? H scheint ein Geständnisemtschlüpftzui sein, mehr erklärt, als lange Abhandlungen". In der Ta Psnchoanalytiker kann an einem solchen-Worte seine Fr haben. Bl L eben du Par c r. der, in on ) er: , rian r ds c!" cn»__ ckedcr -■=£ bet cn >rtnalrch cht tei mit c r »as der e ide