Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 4/6 (Juni 1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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doch selbst die letzten Grundlagen ihrer Weisheit unserer jüdischen Bibel entnahmen. Eine anerkannte deutsche Bibelübersetzung besitzen wir nicht, und in den Geist der Fremdsprache einzudringen fehlt uns gewöhnlich Zeit und Fähigkeit. Hat es da, in einer Zeit, wo auf Kraftersparnis. auf sachgemähe Verwendung der Rervensubstanz! alles ankommt, überhaupt einen Sinn, die Entwicklung gewaltsam zurückdrehen zu jwollen? Wäre es nicht praktischer, wäre es nicht religiöse Pflicht aller derer, die noch an die Zukunft des deutschen Judentums glauben, dahin zu wirken, diatz die Bibel auch für uns ein deutsches Volksbuw werde? Es wäre eine überaus dankenswerte Aufgabe dejs preuhischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, wenh er möglichst schnell eine für alle Lehranstalten verbindliche Bibelübersetzung. nicht etwa blotz einen für Schulzwccke geeigneten Auszug, namhaft machen wollte. Nebenbei sei auch bemerkt, datz es nicht wenig Glaubensgenossen gibt, die in dem Radebrechen der hebräischen Sprache, das der gewöhnliche Erfolg des auch in seiner modernen Form an tausend Fehlern krankenden Unterrichtes im Rahmen unseres Religionsunterrichtes ist, eine arge Profanierung der Sprache erblicken, die der Welt die zehn Gebote vermittelte. Lützt das Hebräische, so sagen sie. den Predigern und Lehrern, die es, soweit überhaupt möglich, zu erfassen und zu würdigen vermögen. Datz die Mehrzahl unserer Gebete in fremden Sorachen — keineswegs einheitlich in klassischem Hebräisch — geschrieben ist. rechtfertigt noch lange nicht den zur Erlernung dieser Sprache benötigten Zeitaufwand. Auch in die orthodoren Gemeinden haben sich Gebetbücher mit guter deutscher Uebersetzung. eingeschlichen, die den Betern mehr zu Herzen geht als die' bei dem gekennzeichneten Unterricht noch immer nicht voll verständliche Sprache des Originals. Das Judentum mühteja auf sehr schwachen Fühen st eben, wenn es nicht gestatten dürfte, datz jedermann in der Sprache betet, die ihm ain Nächsten steht, da .in ihr die Mutter das erste Kosewort zum Kinde sprach. Konnte man noch im Altertum mit Recht sagen: „Bon Zion ging die Lehre aus", so mutzte man noch bis vor wenigen Jahrzehnten wahrhcitsgcmätz hinzufügen: „Und die jüdische Wissenschaft von Deutschland!" Heule hat sich das Blatt gewandt, unsere Wissenschaft, die die völlige Eindeutschung der jüdischen Religion weitgehend vorbereitet hatte, die schon vielerorts zu einer völligen Abtrennung des Sprachunterrichtes vom Religionsunterrichte geführt l-attc, ohne datz dadurch auch nur der Bestand des selbständigen hebräischen Sprachunterrichts an begabte Kinder in Frage gestellt worden wäre, ist in ein unreines Fahrwasser geraten. Sie ist abhängig geworden von jenen Einflüssen, die das Hebräische nicht mit aller Klarheit als Fremdsprache betrachten, die ihnl am liebsten die Rechte einer Muttersprache zuerkennen möchten, wenn nicht nüchterne Klugheit noch die letzten Konsequenzen hintanhalten würde. Heute mutz man den Schwerpunkt der jüdischen Wissenschaft in Amerika suchen, dem Lande, das, mit einem Retz von mehreren hundert Reformgemeinden überzogen. die grötzten Aussichten für die Erfüllung aller der Pflichten bietet, deren Mitzachtung den deutsch empfindenden Juden mit Schmer; erfüllt. Soll das deutsche Judentum wieder zu Ehren kommen, so mutz es die Bahnen weiter verfolgen, die ihm die grotzeni Geister des Liberalismus vorgezeichnet haben. Und der erste und wichtigste Schritt ist die völlige Loslösung des — für wirklich begabte Kinder durchaus wünschenswerten — hebräischen Sprachunterrichtes vom eigentlichen Religionsunterricht, dem durch das Fehlen des philologischen Beiwerks nicht der Vorwurf der Aeutzerlichkeit gemacht werden darf. Auch die Liberalen sollten endlich cinsehen, was Orthodore und Zionisten längst beherzigen: Datz der Weg zum Siege einer grotzen Idee.nur durch ehrlichen Kampf führt. Vermischtes. Unser Wahlprotest. Von zionistischer Seite wird in kurzen Zwischenräumen immer wieder die Nachricht verbreitet, datz der neue Protest, der von Mitgliedern unseres Verbandes gegen die Berliner Gemeindewahlen vom Mai 1926 und gegen die von dem zionistischen Wahlkommissar Herrn Kareski inszeniert« „Prüfung" eingelegt ist, durch den Polizeipräsidenten bereits Krückgewiesen sei. und datz die Zustellung der schriftlichen Enteidung in kürzester Zeit erfolgen müsse. .Nach unserer zuverlässigen Information sind diese Gerüchte, deren Tendenz keiner Erörterung bedarf, durchaus unzutreffend. Eine fkn tsch ei düng i st noch nicht gefallen. Wir werden dickere Leser von jedem Fortgang der grundsätzlich bedeutungsvollen Angelegenheit unterrichten. Die Flucht aus dem gelobten Lande. Nach amtlichen Nachrichten find die Ziffern für die Est n Wanderung nach Palästina und Auswanderung aus Palästina für das erste Vierteljahr 1927 folgende: Einwanderung , Auswanderung Januar 181 Juden 536 Juden i Februar 220 ,. 280 „ März 228 .. 588 .. Das geistige Oberhaupt der S. G. V. könnte auch lhicr ausrufen: „Es'geht vorwärts, u n a u f h a l t ja m vorwärts!"! Der „einzige Weg". Geldwerbe-Hchreiben der B e r l i |it c r Vereinigung heitzt es: setzt sich die Erkenntnis durch, datz der Aufbau Palästinas der einzige Weg ist. u n, der materielle» und ^geistigen Judennof zu begegne n."! Die geistige und selbst die materielle Not der Juden in Deütschland hätte nicht so erschreckende Formen annehmen kö> nen, wemi man rechtzeitig verhütet hätte, datz die Zionisten und zumal die zionistischen Ostjuden sich vor Juden und S icht In einem Zionistischen „Immer mehr judcn als die einzig berufenen spielte». Die marktschreierische erst die Gegensätze so vertieft zu einer Not geworden sind.! ist zur Beseitigung dieser Not 1>rr Weg, sondern der Abbau Vertreter des Judentums Art der Jüdischnationalen datz die Unzuträglich! Picht der Aufbau Palästinas des Mode-Zionismus und die Heranziehung der durch den Zionismus heute noch ins Ausland abgelei etrn Kräfte für den Aufbau des deutsche» Vafer l a n d e s. } ~ Die oerniinftisten Schweizer. Ter „Schweizerische Israelitische Gern e i n d e b u n d" hat den Antrag auf Bewilligung von 1000 Franken für den Keren H a gründung, datz der Gemeinde ^und nicht über die erfo:der lichen Mittel verfüge, um Zwecke Subventionen (3. T. «.). Den deutschen Gem^ ahmung empfohlen. e s s o d abgelehnt mit der .für jüdischnatian bewilligen zu könn indekörperschaften zur Rach aufhat nten Deal e en" Einheitsfrontler unter sich. Die Bemühungen führender Persönlichkeiten des Ecntralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, mit den Z i o n i st e n zur Bildung einer Einheitsfrontzu kommen, haben jedenfalls nicht dazu geführt, datz die Zionisten selbst sich gegenübei den Centralveremlern Zurückhaltung auserlUen. I» der „C.V.- Zeitung" wird über eine Zionisten-Versammlung bkfi htei, in der Herr Kurt Blvnrenfeld. der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland., gesagt haben soll: .In unserem Kampfe »ibt es nur ejne-Frr nt, nur einen Gegner, ojen " Nichtzioniste n." Der Inhalt Kampf gegen dieses Satzes mutzte die „anbiederungs"freudigen Herren vom Centralvrrein wenigstens so bitter fein, wie für uns das Deutsch, in den, der ~. . Ätztzt streiten sich die „I ü d ist che von hitser den Satz gesprochen sein soll . . . Jetzt streiten sich die,,Jüdi Rundschau" und die „C. B. - Z e i t u n g" darüber, Herr Blumenfeld von „Nichtzionisten" oder ..Antizionisten" gesprochen hat. Uns erscheint Unterschied so lange bedeutungslos, wie der Zionismus Anspruch erhebt, das einzig wahr: Judentum zu vertreten. Ein konsequenter Zionist mützte jeden Nichtzionisten auch für einen Antizionisten halten, unbbschadet natürlich des fronimen Brauchs, dem nichtzionistischen Gelbe gegenüber sich von jeder „Anti"-Stimmung freizuhalten. - Aber mit der „inneren Befriedung" im Sinne der Herren Holländer. Brodjnttz ulw. scheint es doch noch gute Wege zu haben. Liberalismus u^id Zionismus. In zionistischen und jüdischliberalen Blättern nimnit in letzter Zeit die Erörterung darüber, ob" Zionismus und Liberalismus miteinander verträglich seien, einen bi eiten Raum ein. Die liberale Rabbiner-Vereinigung hat einstiifiinig eine Entschlietzung gefatzt, in der es heitzt Sie <d. h. die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands) lehnt jeden Versuch der Deutung des Judentums als eines ausschlief lich nationalen Gebildeentschieden ab. .Sie ül>erlätzt es dem persönlichen Verantworturgs. gefühl eines jeden Einzelnen, welche Stellung er gegenüber dein Zionismus einninimt. In der Debatte, die bei Fassung dieser Enfschliitzung vorausging, hat insbesondre der bekannte Rabbiner l)r. Baeck, Vorstandsmitglii d des Centralvereins, Werber für den Keren Hajessod, Mitglied des Pro Palätina- Komitees »sw., Anschauungen geäutzert, die den balligen offiziellen Uebcrgany dieses Herrn ins zionistische Lager nahrscheinlich machen. Die Vereiiligung für das liberale d i e für . - 4