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Der nationaldeutsche Jude · 1927-01-01 · Nr. 1-3 (Januar/Februar/März 1927) · p. Seite 15

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1927
Issue
Nr. 1-3 (Januar/Februar/März 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Juden, die aus Liebe zu Frankreich nach dem Frankfurter Frieden ihr engeres Heimatland verlassen, um in dem westfranzösischen Städtchen Vendocuvre eine neue Eristenz aufzubauen — alles zieht uns von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann. Das Geheimnis dieses Buches ist nicht seine „Lebenswahrheit": etwas tieferes, das mehr ist, packt uns: jeine Lebensnähe und Lebenswärme, die uns alles, was uns darin entgegentritt, so empfinden läht, als ständen wir selbst mit in 'dem Kreis, der sich um den Kamps, zwischen Menkch und Firma, persönlicher Freiheit und gesellschaftlich-materieller Bindüng, jüdisch-familiärem Abschluß und allgemein-menschlichem Anschluß spannt. Und wirklich: die Kämpfe, die sich in Blochs meisterhaftem Buche entwickeln, sie sind die Kampfe unserer Zeit, unterer Menschen, unseres Vaterlandes. In diesem Zusammenhang fesselt uns besonders all das, was uns als Zeugnis des Bestehens einer „Iudenfrage" entgegentritt — einer äuhcren und einer inneren. Einer äuheren: der nichtjüdische Gesellschaftskreis in Vendocuvre schlicht sich hochmütig gegen die fremden Eindringlinge ab, die zwei Fehler haben, nämlich, das; sie Elsässer und dah sie Juden sind (wobei der Umstand, das; die Simler geschäftlich weiter oorausblicken und sich auf neue Aufgaben umstellen können, die ohnehin geringen Sympathien der alteingesessenen Kauflcute und Fabrikanten Vendocuvre nicht gerade vermehrt). Einer inneren Judenfrage: Der Abschluh, die gesellschaftliche Isolierung wird nicht nur von drautzen, sie wird auch von drinnen gewollt. Das zarte Band, das zwischen den beiden Kreisen — Simlers auf der einen, das ganze übrige Vendocuvre auf der anderen — schwingt, die keimende Freundschaft zwischen Joseph Simler und Helene le Pleynier, mutz zerschnitten werden, weil die Familie Simler, weil die Firma es will. Joseph, der einzige freier Gesinnte, dem Schönen im Leben Zugetane, wird zurückgezerrt in die Ghetto-Enge der Familie, das Räderwerk der Compagnie. Alle Fragen, die in Blochs Werk berührt werden, zittern um so länger und tiefer in uns nach, als sie nur gestellt, nicht aber im Sinne irgendeiner Tendenz „gelöst" werden. Ben Stern, der reichgewordene Verwandte aus Amerika, er, der sich aus der Enge der Familie und der Diktatur der Firma freigemacht hat. und der sozialistische Agitator Fournicr, sie geben keine Lösungen, aber sie mahnen uns, sie zu suchen — im Geiste jener Ehrlichkeit und Gerechtigkeit, die dieses Buch so liebenswert macht. Aliaticus. Stammeslunde der Juden. Von Sigmund Feist. I. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig 1925. Ein vorzüglich ausgestattetes, mit reichem Bilderschmuck versehenes Buch, das sein Thema „Die jüdischen Stämme der Erde in alter und neuer Zeit" so erschöpfend behandelt, wie es im Rahmen eines handlichen Bandes nur möglich ist. Wenn wir diese auf emstestcr wissenschaftlicher Forschung beruhenden, dabei anregend geschriebenen Darlegungen lesen, wird uns erst klar, wieviel Unsinn, und zwar Unsinn gefährlichster Art, gerade über das Rassenproblem im Hinblick aus die Juden geschwätzt und geschrieben wird. Der Verfasser selbst kommt zu dem Schlug, dah ,,alle Versuche, die jüdische Rasse oder vielmehr das jüdische Volkstum mit den Mitteln der Naturwissenschaft ju erfassen, erfolglos bleiben müssen". Die letzten Zeilen des Buches handeln von dem Altmeister der Anthropologie Felir von Luschan, der auch heute noch insbesondere in jüdischen oder, richtiger gesagt, in nicht antisemitisch verrannten Kreisen als unbestrittene Autorität auf dem Gebiete der Rassenkunde gilt. Von ihm heiht es '■ bei Sigmund Feist, dah er „in jüngeren Jahren einen kühnen Versuch zur Lösung der jüdischen Frage gemacht habe, später skeptischer geworden sei und schliehlich am Ende seines Lebens an der Möglichkeit einer solchen Lösung überhaupt gezweifelt" habe. „Bis jetzt sind wir nicht über ihn hinausgekommen." Diese Worte treffen den Nagel aus den Kopf, aber sie werden natürlich nicht bindern, dah weiter mit der Miene der Unfehlbarkeit von jüdischer und judenfeindlicher Seite unumstöhliche Wahrheiten übet die Rassenfrage verzapft werden. M. N. Jüdisches Fahrbuch für Groh-Berlin 1926. Herausgegeben von vr. Jacobson und vr. S e g a l l. Scherbel & Co. Verlag, Berlin-Grunewald 1926. Das Buch gibt eine gute Uebekficht über die jüdischen Einrichtungen und Organisationen Berlins. Es ist aks Nachschlagewerk durchaus zu empfehlen. Interessant ist das Kapitel „Die Parteien rn der Berliner Jüdischen Gemeind e". Neben manchem Richtigen steht hier auch Falsches und Irreführendes. Das gleiche gilt von dem Kapitel „Organisationen". Von dem Centralverein wird z. B. gesagt, dah Zionisten in ihm keinen Platz hätten und dah der Verein die Beteiligung am Palästina- Werk ablehne. Dich Verhalten oder richtiger Nichtverhalten des C. V. gegenüber dem Pro-Paläftina-Komitee dürfte inzwischen die Verfasser eines > Besseren belehrt haben. Auf S. 129 f. wird der Versuch gemacht, die Bestrebungen, unseres Verbandes zu würdigen. Auch hier mchrches Schiefe, aber der Wille zur Objektivität soll nicht verkannt werden. Von den Zionisten wird ausgeführt, dah ihr! Bekenntnis zum jüdischen Volke „und »u einer in Palästina zentrierten jüdischen Kulturgemeinschaft" durchaus vereinbar mit „deutscher Staatsgesinnung" sei. Zum Beweise für! diese sehr einseitige Behauptung wird darauf hingewiesen, da Zionisten im Kriege bewährt habeit. Als ob dies wi etwas bewieset Den Organisationen, in denen 3: nationale Mit Nichtzionisten zusammen arbeiten, stehe! Verfasser mit unverkennbarer Sympathie gegenüber. M. Palästinensische Kleinkunst. Von A. Reifend Verlag Richard Carl Schmidt & Co., Berlin 1927. Ein kulturgeschichtlich sehr interessantes, mit vorzüglichen Ab bildungen ausgestattetes Buch des in Jerusalem lebenden Ver fassers. Der aufmerksame Leser findet Vieles über geschicht liche und kulturelle Zusammenhänge, die nicht allgemein be kannt sind.!T. Jud Süh Oppenheimer. Von vr. Curl Elchen s p o e k. ' Süddeutsches Verlagshaus G. in. b. H.. ^tutt gart 1926. Eine lückenlose, gut geschriebene Materialsammlung! die über das wahre Wesen und die Schicksale des von guten und schlechten Dichtern vielfach behandelten „grohen Final ziers aus Württemberg und _ vom W ü rt t e m b erg i f Central-Vereins d er-! reich X. Höhenchen ut- und galanten Abenteurers des achtzehnten Jahrhunderts!' schöpfende Aufschlüsse gibt. Vorzügliche Ausstatlung, sicher Bilderschmuck. Jüdische Frontsoldaten zollern. Herausgegeben Landesverband des scher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Stritt gart 1926.! Statistische Zusammenstellungen, wie die in dieser Schrift enthaltenen, sind als Material im Kampfe gegen judenfkindliche Verleumdungen oder auch nur Jrrmeinungen stetbegrühenswert. Wichtig ist insbesondere die Zusammenste lung auf S. 7, aus der sich ergibt, dah auf insgesamt 10 824 jüdische Reichsdeutsche aus Württemberg und Hohenzrllern 1674 Frontsoldaten (nicht etwa nur ..Kriegsteilnehmer'') entfallen. von denen 270 gefallen, 633 verwundet, 581 befördert und 1071 mit Fronlauszeichnungen dekoriert worden sind, davon 581 mehrfach. Derartige Zahlen sprechen eine iberzeugenderc Sprache, als hundert selbstgefällige Artikel ir der C.-D.- Zeitung oder ähnlichen Organen. X. Jüdische Frömmigkeit. Von D. Dr. A. Ieremia s. I. C. Hinrichsiche Buchhandlung. Leipzig 1927. Der Verfasser, Professor der Theologie in Leipzig, gibt eine in erster Linie für nichtjüdische Leser berechnete, auf eingehender Materialkenntnis beruhende Darlegung dessen, was das Wesen des jüdischen Glaubens ausmacht. Seine Schrift wird auch vielen Juden gewisse Erscheinungen des hergebrc chten Kultus deutlicher machen, als die oft unerträglichen Salbadereien jüdischer Zeitungen und Zeitschriften. Inter ssant ist auch bei allerKürze der historisch-kritische Anhang. Man lese z. B. auf S/60 die Anmerkung über Entstehung und Wesen des Ghetto. Dieser Christ, ist dem Vekständnider „jüdischen Volksseele", wie er sie etwas ungenau nenn!, erheblich näher, als mancher grundgelehrte Jude. A. Psalmen-Auslegung. Von O. tkeol. E. Truub. Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt. Berlin. Ver Verfasser, ein ..Deutschvölkischer" ohne die parteiisch« Verranntheit derer, die sich diese Bezeichnung als Sonderbenennung zugelegt haben, würdigt das Alte Testament, insbejondere die Psalmen im Vergleich zu dem Neuen Testament. Er kommt zu dem Ergebnis, dah es völlig verfehlt feil die Psalmen im Sinne der Luther-Uebersetzung auf „deutschen Geist" umzudeuten, dah sie vielmehr nur verständlich seien als Ausdruck einer Wellauffassung, deren Mittelpunkt! ldie Ueberzeugung von der Auserwähltheit des jüdischen Volkes sei. Von dieser Anschauung ausgehend, findet Traub in den Psalmen „eine seltene Rüstkammer für moderne pazifi tische Politik mit scharfer Bekämpfung von Nation und Staat". Die Schrift gipfelt in dem Satze: „Lernen können wir unendlich viel aus, dem Alten Testament.Aber Heil und Gl mbe. Wahrheit und Seligkeit liegen für uns in dem Helden Christ, der unser Friede ist." Gegen derartige Ueberzeugungen kann man als Jude nicht streiten. Man muh sich genügen lassen an der Feststei ung. dah hier ein ernster, wissenschaftlich durchgebildeter D ensch ohne Voreingenommenheit und Gehässigkeit sich zur Wah cheit. zu seiner Wahrheit durchzuarbeiten sucht. Damm isl die Schrift auch für den lesenswert, der die Schluhfolgen nqen des Verfassers ablehnen ntuh. A. Entgiftung der politischen Atmosphäre. Von I G. oo« Dewitz, M. d. R. Verlag Karl Curtius, Berlin i927. An dieser Schrift, die einen in der ..Deutschen Gesellschaft 1914" gehaltenen Vortrag wiedergibt, ist vor tllem bemerkenswert, dah der Verfasser ein Reichstagsabgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei ist. Semem Wunsche den politischen Kampf zu entgiften, wird man nur beipfl chten können. Auch der Gmndgedank«. dah man sich nicht sck«uen

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