Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 1-3 (Januar/Februar/März 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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nichtjüdischen ji u r noch i II d e n A r b e i t 8 st u n b e n zusammen kommen und die menschlichen Beziehungen werden allmählich auf den Nullpunkt sinken. 4 Es ist auffallend, daß gerade der E e ü t r a l v e r ic i n deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubetis, der seinen Syndikus für diese Gründung zur Verfügung gestellt hat. zu einer solchen Entwickelung hilfreiche Hand bietet. Ein führendes H a u p t v o r st a n d s m i t g l i e d des Cenlralvereins, Herr Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil, hat vor einiger Zest in einer großen Versammlung, die sich gegen das Pro Palästina-Komitee richtete, mit größtem Nachdruck darauf hingewiesen, wie bedauerlich und gefährlich die gesellschaftliche Entfremdung zwischen j ü d i s ch e n u n d n i ch t j ü d i s ch e n De u t s ch e n sei und wie'unumgänglich notwendig es erscheine, verloren gegangene Beziehungen wieder anzuknüpfcn und, wo sie noch bestehest, zu pflegen und auszugestalten. H i e r iv i r d e i n e Vereinigung geschaffen, die genau dasGegenteil pon d e m t u t, was dieses p r o m i n e n i e V o r st a N d 8 - Mitglied des Eentralvereins empfohlen hat. Ter Weg. der hier beschritten wird, ist der Weg in je in u c u e s. s e l b st g e s ch a f f e n e 8 Ghetto.- Mag auch die S. G. B. vorläufig noch eine recht bescheidene Existenz führen, - daß dieser Verein überhaupt und unter- Förderung ' des Eentralvereins gegründet werden konnte, ist ein! bebäuerliches Symptom. Wir dürfen nicht warten, bisidie '.Krankheit, die dieses Symptom anzcigt. ausgereift ist,- sondern müssen schon heute auf dir Gefährlichkeit Hinweisen, jund vor der Förderung dieses Unternehmens Huf das Eiudringlich ste warnen.! Unduldsamkeit. Von Ernst Berg. Vorbemerkung: Ter nachstehende Aussatz ist uns vou dem Verfasser des Buches „Wohin treib,t I u d a? "J das wir in der letzt-ir Nummer dieser Zeitschrift bechröchen haben, dingeiandt. Wir empfehlen, ün'ere damalige. B.-sprechung ncichzuleien: wir haben in ihr zum Ausdruck gebracht, daß wir dem Verkäster in seinen l«tz'en Lchlüven nicht folgen können, daß wir aber sein ehrliches streben nach Wahrheit und seine richtige Beobachtung zahlreicher Zeiierickreinnngen anerkennen. Besonders hingewiesen haben wir mir die erschreckende Be, iiändnislongkcil, mit der das Buch in der jüdischen sonderpresse eines gewissen Schlage« beurteilt worden » - ist. -jn dickem Punkte können wir heule eine amüsante Einzelheit Nachträgen. In der „ I ü d i s ch e n R » nd» schau" Nr. 17 stellt ein Herr Qi h ft a ö i t o Ianker. der auch uns schon die Ehre seiner tiefgründigen Kritik erwieien hat. mit-Bedauern fest, daß Herr E r n st Berg, den er »für einen gebildeten Antisemiten nichtjüdischer Abstammung -gehalten habe", entgegen feiner Annahme „doch Jude sei". I» Anschlüsse daran folgen die herzlichen Woite: „Wps ist zu diesem Irrtum zu sagen? Daß Herr Berg für , seine Person daS pon der Allgemeinheit geforderte Programm restlos erfüllt hat; er ist als Jude restlos gestorben Er ist ganz Außenseiter geworden, so sehr, daß es ihm gelang, uns zu täuschen. Jetzt kommt eS nur noch daranan, ob ihm das auch bei de» anderen 'gelingt oder ob sich doch noch Umstände ergeben - werden, bei denen sich herauSstellt, paß sie von seiner Beerdigung keine Kenntnis genommen haben"! Um diese ebenso gcistwie geschmackvollen Bemerfungen deS getäuschten Krojanker richtig würdigen zu können, muß^nan sich vergegenwärtigen, drß aus dem Vorblatte des BuckeS des Herrn Ern st Berg groß und breit zu lesen steht: „S e i n e n j ü d i s ch e n Vorfahren in Ehrfu.rcht und Dankbarkeit". Wahrscheinlich liest Herr Krojanker auch deutsche Bücher von hinten nach voin; er wird bis zum Titelblaite nicht durchgehalten haben, denni wozu braucht man ein Buch durchznlesen, w-nn man ess doch nur in der „Indischen Rundschau" beurteilen will? Die Schristleithng. Tie übergroße Empfindlichkeit der Juden rührt dahes, daß sie unzählißemale in fast allen Ländern zu Unrecht angeschuldigt und verfolgt wurden. Man kann dieses Gefühl verstehen, man kann sogar eine gewisse Rücksichtnahme fordern. jWenn die Erscheinung aber so stark wird, Paß nur noch Schmeichelei und LiebcLienerci gellen und jeder wohlmeinende Kritiker als Antisemit verschrieen wird, so hat man alle Veranlassung, gerade im Interesse der Juden gegen «in solche» Gebühren Front zu machen. Ein Mensch, der jede Kritik an seiner Person zu unterdrücken sucht, entwickelt sich zu einem unleidigen Tyrannen, ganz besonders dann, wenn er Macht und Einfluß besitzt. Sagt man ihm die Wahrheit in milder Form, so hat er tausend Einwände, durch die er sich selbst betrügt, und kommt man ihm ungeschminkt, so behandelt er denKritiker als gehässigen Feind. Die Folge ist. bofeTer nie zur Erkenntnis seiner wahren Lage kommt, jo Er verdirbt seine Umgebung oder stößt sie von sich ab. . Man kann in Deutschland über alle Fragen diskutieren, nur nicht über die jüdische. Wer die Juden lobt, wird von ihnen himmelhoch gepriesen, wer sie tadelt, gilt als Antisemit. So erzeugt man Heuchelei und Verstellung. Der blinde Eifer gewisser Vertreter des Judentums schadet mehr als er nutzt. Kein Buchhändler mit jüdischer Kundschaft darf ^Reventlows „Monarchie?" ins Fenster legen, und auch der größte Schriftsteller unserer Tage muß auf jede tzritik an jüdischem Wesen verzichten, wenn er sich die ihm unentbehrliche Unterstützung der jüdischen Presse und Leserschaft erhalten will. So fördert man den Antisemitismus/.indem man ihn zu bekämpfen glaubt. Tie Kritik verschwindet von der Oberfläche und geht unterirdisch weiter. Auf wohlmeinende Berater wird nicht gehört. Man erklärt, daß mit der Gegenseite nicht zu verhandeln sei und daß man es satt habe, sich in die ausgestreckte Hand spucken zu lassen. Als . wenn es auf das Verhalten einiger Radauantisemiten und nicht auf das Urteil deS deutschen Volkes in seiner Gesamtheit ankäme l Unduldsamkeit bestraft sich immer, und sie muß sich ganz besonders bei einer Minorität bestrafen. Im Augenblick erzielt man vielleicht Erfolg. Die Bedrängnis aller Berufsklassen ist viel zu stark. alS daß der Einzelne nicht dem leisesten Druck nachgeben sollte. Man fügt sich, aber diese ewige Bevormundung, dieses Zusprechen und freundliche Drohen macht auch diejenigen den Juden abgeneigt, die ursprünglich den besten Willen hatten. Der Verleger, der. Buchhändler, der Redakteur vergißt, daß die Juden aus übergroßer Sorge handeln und vielfach durch die unerbittliche Kampfesweise ihrer Gegnür zu ihrem Verhalten gedrängt werden, er fühlt nur die Bevormundung, sieht sich in seinen Entschlüssen gehemmt und beantwortet die (unbeabsichtigten aber doch tatsächlichen) Ueberyriffe einer Minorität mit wachsender Abneigung. Drei Fälle aus dem Leben in aller Kürze. E r st e r Fail: Ein Buchhändler, der mit jüdischen Firmen arbeitet, eher für als gegen die Juden gekämpft hat und noch kämpft, bestellt eine jüdisch-demokratische Zeitung ab, weil er über deren mangelhafte Zustellung verärgert ist. Der Verleger schließt natürlich auf Antisemitismus und vertritt diese Auffassung vor Freunden und Bekannten. Folge: Der Buchhändler wird von i einem großen Teil seiner jüdischen Kundschaft gemieden und künstlich zum Antisemiten gemacht. Zweiter Fall: Ein wohlüngesehener, politisch neutraler Zahnarzt behandelt einen völkischen Führer. Der Fall wird bekannt und ohne daß. sich eine Stimme dagegen erhöbe, gilt der Zahnarzt fortan als Antisemit. Ter Zahnarzt fragt: Hätte ich dem Herrn sagen sollen, es tut mir leid, ich kann Sie mit Rücksicht auf meine jüdischen Patienten nicht behandeln? Dritter Fall: Meine Schrift „Wohin treibt Juda?" (Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich von mir selbst sprechen muß, aber auch dieser Fall ist typisch.) Herr M. N. hat die Broschüre in diesen Blättern besprochen (Nov./Dez.-Heft), er urteilt, daß die völlige Verständnislosigkeit der jüdischen Presse gegenüber dem, was an der Judenfrage das Wesentliche ist. diesem.Buche gegenüber zu einem wahrhaft niederschmetternden Ausdruck komme. Nun. man hat mein Buch eine Schmähschrift genannt und ein Schmutzsink hat diesem Urteil noch die Verleumdung und die Ehrabschneidern hinzvgefügt. Ich habe mich mit der Kritik selbst nicht zu beschäftigen; das Urteil über meine Schrift muß ich der Oeffentlichkeit überlassen. Aber welchen Eindruck, muß es auf die christliche Bevölkerung machen (die auSnahmSlos von der judenfreundlichen Tendenz meiner Schrift überzeugt ist), wenn ein Ortsvgrftand des „Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" (des Eentralvereins zur Förderung des Antisemitismus, wie er sich nach meiner besten Ueberzeugung nennen dürfte) herumgeht und die Broschüre aus dem Schaufenster herauskauft? Welchen Eindruck muß es machen, wenn die Einschüchterung sogar so weit geht, daß ein weit rechts stehendes Blatt unter dem Zustrom Mischer Briefe die Besprechung meines Buches ablehnen zu müssen glaubt?