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Der nationaldeutsche Jude · 1927-01-01 · Nr. 1-3 (Januar/Februar/März 1927) · p. Seite 9

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1927
Issue
Nr. 1-3 (Januar/Februar/März 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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V J m - » Die Sozial-Gesellige Vereinigung lS.S.B.). Lin never Schritt }un alten Ghetto. Von Frank Deutsch. Von dem Syndikus deS Lentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Herrn Artur Schweriner, wurde vor einigen Wochen ein „Verein deutsch-jüdischer Berufstätiger (Sozial-Gesellige Bereinigung)" gegründet. ES ist nötig, sich mit dieser Gründung näher zu befassen, weil sie nur ein Glied in der Kette der verhängnisvollen Entwicklung ist. die, wenn sie weiter fortschreitet, ein neues Ghetto für die deutschen Juden — vorläufig noch ohne Mauern — zur Folge haben mutz. Nach dem Inhalt der Einladung zur GründungSversamml»ng der S. G. V. sind Hauptzwecke und Ziele der Vereinigung Sebung der sozialen Stellung der Berufstätigen, chutz gegen Zurücksetzung jüdischer A n g e st e l l t e r, Erweckung jüdischen Gemeinschaftsgefühls auf dem Boden des deutschen Volkstums, Kulturelle und geistige Förderung, Sportliche Betätigung, Sammlung berufstätiger jüdischer Damen und Herren in geschlossenem, vornehm geselligem Kreise. Es fragt sich, ob eine Vereinigung zur Förderung der vorgenannten Zwecke überhaupt nötig war, besonders aber, ob diese Vereinigung nicht ihren eigenen Zielen schon durch ihre Existenz schadet. j Die Hebung der sozialen Stellung der Berufstätigen ist eine Aufgabe, für deren Erfüllung eS bereits interkonfessionelle politische und unpolitisch? Vereinigungen in genügender Anzahl und mit beträchtlicher Machtfülle gibt. ES kann den Jntereflen der jüdischen Berufstätigen nur schädlich sein, wenn die neue Vereinigung sie der Mita r b e i t in ben bestehenden paritätischen Organisationen entzieht und in Arbeiter- und Angestelltenverbänden den naheliegenden Verdacht hervorruft, es wurden hier von „den Juden" sozialpolitische Sonderinteressen verfolgt. Schon hier bei dem ersten Programmpunkt sehen wir also, daß die Arbeit der neuen Vereinigung nicht nur überflüssig, sondern durchaus gefährlich und schädlich ist. Ebenso' liegt eS. was den Schutz gegen die Zurücksetzung jüdischer Angestellter betrifft. Was die Vereinigung in dieser Hinsicht praktisch leisten könnte, ist unerfindlich und bliebe auch unerfindlich, wenn sie in Berlin nicht ein paar hundert, sondern ein paar jausend Mitglieder hätte. Noch unerfindlicher aber ist, warum gerade für diese Arbeit eine neue Vereinigung gegründet werden soll, denn der Gründer der S.G. V.. Herr Artur Schweriner, ist ja Syndikus des Centr,alvereinS deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der unseres Wiffens auch gerade auf diesem Gebiete zu wirken versucht, und es ist ja schließlich nicht anzunehmen, daß Herr Schweriner die neue Gründung ohne Billigung und Förderung des Hauptvorstandes seines Centralvereins vorgenommen haben sollte. Es muß aber in diesem Zusammenhang auch auf die Gefahren hingewiesen werden, die entstehen können, wenn gegenüber einer „Zurücksetzung" jüdischer Angestellter gerade von einer jüdischen Vereinigung eingeschritten oder einzuschreiten versucht wird. Handelt es sich um eine sachlich nicht zu rechtfertigende Maßregelung, so ist auch hier daS Einschreiten in erster Linie Sache der paritätischen Berufsverbände, denen man kaum nachsagen kann, daß sie auf diesem Gebiete bisher versagt hätten. Wird aber, was nicht ganz fem liegt, jede Unannehmlichkeit, die ein jüdischer Angestellter in seinem Berufe hat. als Zurücksetzung aus „antisemitischen Gründen" behandelt, so besteht die Gefahr, daß mancher Arbeitgeber, der es bisher noch nicht gewesen ist, auf diese Weise wirklich zum Antisemiten wird und daß die Neigung, jüdische Angestellte zu engagieren, bei Firmen, deren Inhaber nicht selbst Juden, find, immer mehr abnimmt. Auch im kollegialen Verhältnis zu anderen Angestellten wird sich dies geltend machen. Kem jüdischer Angestellter kann sich halten, wo er sich nicht die Sympathien seiner nichtjüdischen Kollegen erwirbt und erhält. Diese Sympathien können nicht ayfkommen, wenn die Meinung erweckt wird, gerade der jüdische Angestellte sei ein Blümlein Rührmichnichtan, hinter dem eine Schutzmacht seiner Glaubensgenossen stehe. Noch bedenklicher aber ist die „Erweckung be.81 jüdischen Gemeinschaftsgefühls". Eim solche „Erweckung" kann an sich wohl nicht Aufgabe einer Ver nnigung! sein, die unter dem engen Gesichtspunkt der Berufstätigkeit zusammengesetzt ist. Vereinigungen, die sich die E Weckung! diese« Gemeinschaftsgefühls zur Aufgabe gemacht Hal en, gibt eS übrigens in Deutschland bereits genug. Gerade >ie Zielsetzung der SG. V. ist aber in dieser Beziehung äußert—^ unklar. WaS heißt „jüdisches Gemeinschafts''. gefühl"? Unter diesen Worten kann man alles und nichts verstehen. Wenn wir rns vergegenwärtigen, daß die Gründung von einem Syndikus des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ausgeht, also eines Vere ns, der WWWs in seinem Statut die „unbeirrt« Pflege deutscher Ge fordert, möchten wir in erster Linie annehmen, das nur - um ein jüdisch - r eli g iös e s Gemeinschaftsgefühl bereits handeln könnte. Für diesen Zweck aber gibt es Vereinigungen in Hülle und Fülle, auf religiöS-liber »ler wie orthodoxer Grundlage. Was soll also eine neue Vereinigung dieser Art, die gerade aus Berufstätigen besteht? das religiöse Gemeinschaftsgefühl nicht gemeint, es sich um den verschwommenen Ausdruck eines verschwi »imenen Empfindens handeln, und dieses Empfinden wird nicht klarer dadurch, das die nichtssagenden Worte „auf dem Boden deutschen Volkstums" hinzugefügt sind'. In der Gründungsversmnmlung hat Herr S ch-wce r i n e r, der Syndikus des C e Vereins, wörtlich gesagt: „Ein kurzer Aufruf ha! um in Hunderten von Berufstätige Gemeinschaftsgedanken zu wecken, t Unterbewußtseim seit langem vork lßtseim seit lang war". Würde man versuchen, diesen Worten ein, Sinn zu geben, so könnte es sich bei dem „j ü Gemeinschaftsgefühl" um nicht viel a handeln, als um das, was die Zi, „jüdisches Volkstum" nennen, wasalso Boden deutschen Volkstums" nicht gut denkbar wäid kann bei einer von dem Centralverein ausgehenden Gründung doch wohl nicht gemeint sein. n t r a s - genügt, n d e n er iml a n d e n n klaren ischeu ideres nisten ruf dem e. Dies r )en )[ Pio> wir Vollends unklar ist es, warum es für irgend jem Vereinigung „deutsch-jüdischer" Berufstätiger bedürfen kulturell oder geistig'gefördert zu we! sich sportlich zu betätigen. Der Gedanke liegt, nicht die Änbeziehung dieser Zwecke in den Aufgaben^ S. G. V. auf platteste Vereinsmeierei hinausläuft stimmt auch der letzte Programmpunkt überein, Sammlung berufstätiger Damen und in geschlossenem, vornehm geselligem fordert. Man könnte, vulgär ausgedrückt, diesen fl Punkt dahin deuten, daß hier ein jüdischer „Amüfl Poussierklub" geschaffen werden soll. Herr Schw hat in der Gründungsversammlung ausgeführt, daß guter Bekanntschaft neue Freundschaft entwickeln daraus viele glückliche Ehen bilden können, ähnlichen Klubs in Amerika der Fall sei". Diese mag naiv und ungefährlich klingen, sie ist es aber halb nicht, weil der Milgliederkreis aus „Berufstäl stehen soll. Wir möchten meinen, daß heute die Berufstätigkeit als Unternehmer oder Angestellter wi Unterscheidungsmerkmal mehr für gesellschaftliche Ge Spätestens durch den Krieg und seine Folgen habeh gesellschaftlichen Anschauungen so gewandelt, daß es ' wäre, wollte man heute in den Kreisen deutscher I Nichtjuden gesellschaftliche Unterscheidungen danach v ob Herr Schulze oder Herr Cohn der Inhaber Müller & Co. oder „mir" deren Angestellter eS aber nur Juden, sein sollen, die hier in „g e s ch n e m Kreise" zusammengefaßt werden, zeigt uns, fährlich und zwangsläufig schädlich -diese Neugründ der harmlosen Außenseite ist. In weiten Kreisen der Juden weiß man, daß die menschlich-persönlichen Be/ie zwischen Zuden und Nichtjuden in den Jahren der 5 des Antisemitismus in erschreckender Weise abgenommehi Gerade zwischen jüdischen und nichtjüdischen An, insbesondere deS gleichen Betriebs, haben aber diese Be. noch bis in die jüngste Zeit hinein fortbestanden. 'beginnt sich eine gewisse Entfremdung bereits bem^r machen, und diese Entfremdung muß ein nehmen wie die S.G.V. unbedingt ver' Gewinnt dieseVereinigung Anhang,so in Zukunft die jüdischen Angestellten Jnd rnnung" es sich hnd einer soll, um oder ern. daß eis der Damit der „die e r r e n reise" gramm er- und e r i n e r sich „aus und sich dies in ii klich d!r ng hon des gen" be Art der kein tung ist sich die lächerlich en und chnehmen, Firma t. Daß lasse wie ge mit deutschen Hungen Hochflut haben, bestellten.!. iehungen lud) hier kbar zu nterärken. werden it den tung Ui ut i

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