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Der nationaldeutsche Jude · 1927-01-01 · Nr. 1-3 (Januar/Februar/März 1927) · p. Seite 7

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1927
Issue
Nr. 1-3 (Januar/Februar/März 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 totgeschwiegen oder mit den übelsten Schmähungen überschüttet. Im Munde der „Frankfurter Zeitung" dagegen mutzte die Wirkung seiner Argumente sehr emst genommen werden. Und so war denn abermals in der „Frankfurter Zeitung" einige Tage später, am 6. März, von Versuchen führender deutscher Z i o n i st e n zu lesen, in Verhandlungen mit Führern deS Centralvereins auch nichtzionistische Juden für das Pro Palästina-Komitee zu gewinnen — und zwar wodurch? Durch das Versprechen, in Deutschland fortan jede jüdisch-nationale Betätigung zu unterlassen und auf die „Galuth"-Theorie zu verzichten. Mit vollem Recht bemerkt hierzu die „Frankfurter Zeitung", datz es eine schwere Täuschung wäre, auf Versicherungen hin. wie diese, anzunehmen, datz die heute führenden Kreise des Zionismus ihr Wesen ändern würden, datz sie in Deutschland sich anders äußern oder betätigen würden als anderswo. „Er verzichtet, wie seine Organe immer wieder betont haben, nicht auf seine Grundziele, und darum bedeutet jede, ihm und seinem Werk zuteil werdende Förderung auch eine Unter st Ätzung seiner politischen Ziele. Darüber müssen sich alle Nicht-Zionisten klar werden, wenn an sie der Sammelruf ergeht, und danach sich entscheiden. Eine wirkliche Wandlung des Zionismus bedürfte anderer Garantien, als jener zweifelhaften Aktion". Der Zionismus will — und mutz wohl auch — um jeden Preis einen Ausweg aus seiner gegenwärtigen Lage finden, sonst ist er verloren. DaS ist die Lösung deS Rätsels, wie er jetzt plötzlich auf den Gedanken kommen konnte, auch die nichtjüdische Welt vor seinen Wagen spannen zu wollen und bei dem nichtzionistischen Teile des deutschen Judentums um gut Weiter zu bitten. Man lese nur die grohe Abrechnung, die in der „I ü d i sch e n Rundschau" vom 1. Februar 1027 mit dem Gesamtaufbau deS Zionismus gehalten wird. Und man wird erkennen, datz den verantwortlichen Leitern dieses Unternehmens das Wasser nachgerade bis zum Halse steht. Die heutige Arbeitslosigkeit in Palästina mutz liquidiert werden, ganz resolut liquidiert werden, heißt eS dort — was besagen will, datz jeder Einwanderer daS Land zu verlassen hat, der keine Arbeit finden oder, wenn er sie finden sollte, nicht leisten kann. Aber nicht einmal diese negative Leistung will der Zionismus auf sich nehmen. Er hat weder die Mittel noch die Aufgabe, ein solches Problem der akuten Juden-Not, das nach Palästina verschlepptwurde. zu lösen. Also sollen die allgemeinen Hilfsgesellschaften die Wegschaffung der überflüssigen Einwanderer aus Palästina freundlichst in die Hand nehmen I Doch weiter: Was not tut, ist vor allem, daß ein genauer Wirtschafts- und Arbeitsplan für die nächsten Jahre aufgestellt wird, aber nicht durch den Zionisten-Kongretz, der, weil demokratisch gewählt und daher allen demagogischen Gesetzen unterliegend, eine solche Aufgabe nicht bewältigen kann. „DaS agitatorische Interesse dominiert, und wir verwechseln noch immer Propaganda mit Verwaltung". Die Arbeiterparteien hätten eS leichter gehabt, neue Siedelungen zu beschließen. Sie wurden angesetzt, freilich, aber die Flüssigmachung der notwendigen Gelder zog sich viele Jahre hin. Die Menschen lebten unter erbärmlichen Bedingungen. Anstatt nun aber, nach Stabilisierung des Keren Hajessod-BudgetS, sich zunächst darauf zu beschränken, die bestehenden Siedlungen wirtschaftlich zu konsolidieren, ist jetzt abermals die Neugründung von Arbeitersiedlungen beschlossen worden, offensichtlich mit unzureichenden Mtteln, was bedeutet, datz die kolonisierenden Chaluzim") wieder unerträglichen Lebensbedingungen ausgesetzt würden. Statt das Siedlungswerk zu retten, indem man es auf gesunde Basis stellt, werden die alten Fehler wiederholt. Und damit nicht genug, steht auch die gewerkschaftliche Arbeiterpylitik namentlich auf dem Lohngebiet einer Gesundung der Wirtschaft in Palästina durchaus im Wege; es hat auch dort offenbar noch seine Schwierigkeiten, den Arbeitern vernünftiges Matzhalten mit Rücksicht auf die Leistungen anderer Gruppen der Gemeinschaft beizubringen. Die Verwaltung mutz reformiert, die Wirtschaft mutz reformiert werden. Auch die jüdische O e f f e n t - lichkeit, die jetzt mißtrauisch geworden ist gegenüber den aus der Luft gegriffenen Schilderungen agitatorisch gemeinter Reden, wird mit viel mehr Lust und Vertrauen an die Arbeit gehen, wenn sie weiß, daß ein ") Wörtlich: Pioniere, d. h. junge, körperlich arbeitende Zionisten. Die Schristleitung. ilm 21! wohlfundierter Plan vorliegt. Wir glauben, es ist waltige Unterschätzung des jüdischen Publikums, zu datz es weniger opferbereit sein wird, wenn man ivanderer-Ziffern nennt, die nicht erreichbar sind. Deutlichkeit mutz klar gemacht werden, datz.Palästina wegS ein Land ist. wo man mit geringeren Kl und geringerer Sachkenntnis als in anderen reüssieren kann. Der Artikel gipfelt in der Aufstellrin fünf Forderunden, mit denen der „ d ü st e r e n Lax Landes begegnet werden soll. Als letzte gilt dem die Befreiung der zionistischen Gedankenwelt von aller tioqs- und Konjunktur-Elementen. i. ‘tue gje meine Eiir it all:r keine! pitalil n Zände n g v»n e"! Zerfassier Srnsr m res ch a r efäh ngemctin Hier geht es um Leben und Tod, heiß einem anderen Aufsatz der „Jüdischen Hund (Nr. 12). der aus Tel Awiw datiert ist-und die „g liche Stagnation" der Lage in Palästina mit r! beweglichen Worten schildert. Nicht um das Schicksal < iinzelfler handelt es sich dabei, das sei vielleicht nicht einmal wich ig unter'diesem Gesichtspunkt, sondern um das Schicks Bewegung. Beschlüsse sind gefaßt worden, die fie garjze Verzweiflung und Ratlosigkeit der Lage widerspiegeln Ob die Gründung von Pro Palästina-Komitees etwa die Befreiung der zionistischen Gedankenwelt von Sensatimsurd Konjunktur-Elementen einleiten sollte? Sie war als ü-ensatim gedacht und hat zunächst auch als solche gewirkt — oder schm jetzt kann man sehen, datz der Endeffekt dieser Anstr >ngungpn so ziemlich verpufft ist. so datz das graue Elend sich Zionisten sehr bald wieder in alter Stärke fühlba machten wird. Sie werden jetzt auch sonst sehr vom Unglück-verfolgt. Hat doch die englische Mandatsmacht für die 30. März bevorstehenden Kommunalwahlen in Palästina autzerordentlich lehrreicher Weise vorgesorgt. Däne ch sollten die Juden in Jerusalem, wo sie reichlich 60 Prozent der Bevölkerung ausmachen, nur ein Drittel der Abgeordneten Erhalten — man macht das einfach im Wege von AuSnahmieb e stimm ungen gegen die großen jüdischen Stadtviertel, während man die fast durchweg vo r Arabern bewohnte Alt-Stadt, entgegen den jetzt noch in Kroft befindlichen türkischen Bestimmungen, mit dem Wahlrecht ruSstattet. Atso natürlich große Erbitterung bei den Juden. Bi ykottst i m m u n g g e g c n üj> e t den Wahlen! 2 kan will sich eben die mit den Händen zu greifende Begünstigung der Araber durch die englische Verwaltung nicht länge ' gefallen lassen — und bleibt doch andererseits dabei, sich in ,,dieFnnt des englischen Jmperialisnius" eingliedern zu lassen dem es gewiß iveder auf Juden noch auf Araber ankommt, dem viel mehr Heide Völker als Schemel zu dienen haben für die höh rre Macht und Grütze des englischen Reiches. Oder soll d ls Pro Palästina-Komitee etwa dazu helfen die Zionisten aus dieser Würgezange d!er englischen Machthaber zu befreien? Dtrs werden die Herren Or. Becker und vr. Pünder gewiß nicht gemeint haben; und die Gedonkengärge anderer lknterzeichner dürften sich allenfalls in ganz ande:er Richtung bewegt haben. Aber ebenso wenig, wie bekanntlich nach Motiven abgestimmt wird, kann eS auf die inneren Beweggründe bei der Beteiligung an einer ausgesprochen politischen Aktion ankommen, wie es diese Gründang einer zronistischen Hilfstruppe in Deutschland 4e wesen ist. W i r deutschfühlen d^e I u d em k ö n rre'n tj n u n! mir mit tiefem Bedauern von der Ahnung losigkeitKenntnis nehmen, init der die nicht > jüdischen Mitglieder des Komitees sich hier für Zwecke haben einfangen lassen, die weder vom deutschen nochvom jüdischenStandpunkt aus Billigung finden können. Wir Verden daS Pro Palästina-Komitee ebenso entschieden bekämpfer, wie t >ir den Zionismus wegen seiner nationaljüdischen D ndenz (e, kämpfen, er mag bei seiner Galuth-Auffaffung für § )eutschla ad auch fernerhin verharren oder sie um praktischer Vor eile willen zurückstellen oder ganz ableugnen, wie es ihm bel ebt. Der Zionismus kann gar nicht anders, als unter der Fahne des jüdischen Volkstums denken und arbeiten. Wir aber folgen de: Fahne unseres, deutscher VaterlaNdes, neken dcm w ir keir» anderes Vater- oder Heimatland kennen, wie wir neoen unserem jüdischen Glarben keinen anderen Glauben kennen und brauchen.

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