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Der nationaldeutsche Jude · 1927-01-01 · Nr. 1-3 (Januar/Februar/März 1927) · p. Seite 6

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1927
Issue
Nr. 1-3 (Januar/Februar/März 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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\ ' „Teutschvölkischen" selbst betrifft, die Richtjuden von der Art des Herrn von Schilling. die an miser ehrliches Deutschtum nicht glauben wollen, mutz es bei dem bleiben, was in dem Aufsatz „Juden gegen Juden" in der November/ Dezember-Nummer dieses Blattes ausgeführt ist. Sic mögen ihr „Minderwertigkeitsgefühl", ihre Furcht vor der zersetzenden Kraft des Judentums überwinden, und sie werden, zu ihrem Staunen erkennen, datz die dcutschfühlenden Juden ganz und gar ihresgleichen sind, gute und schlechte, kluge und dumme, ehrliche und unehrliche Menschen, wie eben Menschen sind, nüt. allen Fehlern und Vorzügen des Menschentums im Allgemeinen und des Deutschtums im Besonderen, hier brauchbar und dort versagend, alles in allein „ohne besondere Kennzeichen". Wir s e l b st aber, mir dcutschfühlenden Juden, wollen uns genau das g l e i che g e s wg t sein lassen. Fort mit d e in M i n d e r w ertigkeiisgeiühI, f ö r t' m i t der Furcht, di.e i m m e r wieder Mauern aufrichte.t, w o ein Weg g u Menschen gleicher Axt führen sollte! Wir selbst wollet! wir sein mid uns zu! unserer eigenen, unserer deutschen A r l ' b e f c 11 n t n. Tann wird einmal der Tag kommen, an dem Deutsche ohne Unterschied der Abstammung und des Glaubens miteinander darüber lachen werden, daß es eininal einen so lächerlichen Popanz gab. wie die Judenirage unserer heutigen Tage. Der Pro Palästina-Rummel. Von Dr. S-. Breslau e r. Man' soll ja eigentlich keine Eulen Nach Athen traxen. Wenn wir trotzdem hier noch eininal im Zusammenhang ruf die neueste R e kl a m e l e i st u n g der Zionisten, ins das Pro Palästina-Komitee zurückkommen, das sic zunächst in Berlin gegründet haben und Pein noch, secunct im ortlinem; ähnliche Bildungen in Wien, in Paris, in Sonlioii und anderen europäischen Hauptstädten folgen sollen, so -geichicht das lediglich in der Absicht, um bei" diesem Anlatzwie währe Lage des Zionismus zu beleuchten. Ess ist noch gar nicht lange her, datz seine Federhelden jeden, der von einer Krisis ihrer Bewegung sprach oder auch mir barscher referierte, wenn andere davongesprochen hatten, als eiüen Ignoranten verspotteten. Wenn die Lage des Zionisnius nichts oder nur wenig zu wünschen übrig lietze, wäre der alte «Gedanke der Pro Palästina-Komitees gewitz jetzt nicht aus der historischen Rumpelkammer hervorgeholt morden. Seine Wiederbelebung ist der beste Beweis dafür, datz die Zionisten so ziemlich am Ende ihres Lateins angetommen sind.! Tie Sache kam für die grotzc Leffentlichkeit ganz überraschend. Tie Regie hatte wieder einmal gut gearbeitet, ilnb nur der nicht vorhz'rgesehene Umstand, datz die Bombe gerade zu der Zeit zum.Platzen gebracht wurde, als das' deutsche Volk iviedcr einmäl die Woniien einer Regierungskrisis bum)- zu kosten hatte, beeinträchtigte in etwas die von den Arrangeuren erhoffte Wirkung. Ter stattliche Aufmarsch, prominenter Persönlichkeiten aus aller/politischen Lagern sollte den augenfälligen Beweis dafür liefern, datz hier. für eine .Sache nicht' etwa irgendeiner politischen und völkischen Richtung, sondern kür eine die ganze deutsche Menschheit angehende Mission gemoryen würde, und der preutzische K u l t u s m in i st e r vr. Beck!er beeilte sich ja auch, der, Leffentlichkeit mitzuteilen, datz! er ungefähr aus solchen Motiven heraus sich dazu entschlossen habe, dem Pro Palästina-Komitee beizutretcn. . Aber die erste Verblüffung machte rasch einer starken Proteststimmung Platz. Schon die .sehr reservierte, fast an Ablehnung streifende Art, wie gemiffe, sonst dem Zionismus nicht abgeneigte Tageszeitungen über den Vorgang berichteten, lieh erkennen, datz man ihn in matzgebenden Pressekreisen -nicht ohne ernste Besorgninehinnahm. Ter wohlwollende Versuch der „Frankfurter Zeitung", der Gründung des Pro Palästina-Komitees lediglich den Wunsch nach Förderung des Siedlungsgedankens zu unterstellen, wurde, wie jeder Kenner der Verhältnisse es voraussehen konnte, durch einen hochmütigen Protest der „Jüdischen Rundschau" prompt abgetan, worauf die empörte Frankfurterin mit einigen Feststcllungen antwortete, die ebenso gut in unserem „Nationaldeutschen Juden" gestanden habdn könnten. Es gäbe keine Zionisten, die nicht den Zionisnius als politische Bewegung ausfatzlen V Run schön, dann seien viele von den Unterzeichnern des Pro Palästina-Aufrufs ganz sicherlich nicht im klaren über die K o » f e q u e n z e n des politischen Zionismus. Tie ausgesprochenen Zionisten im preutzifck en Ministerium hätten ja wohl Gelegenheit gehabt, in RegierungSkreisen die Sache! so darzustellen, wie sie sie sehen und möchten, dass sie gesehen werde. Für ihren Teil jedenfalls erklärte die „Frankfurter Zeitung",' datz, da alsoda4 Pro Palästina-Koinitee seiner Tendenz nach das politische Ziel des Zionismus einschlietze, sie eine Förderung des Komitees abweise, weil sie dieses Ziel mißbillige. Und sie vermute, daß viele ebenso denken würden wie sie. Das war der Auftakt. Als dann Mitte Januar endlich die neue Regierung geboren war, kam die Gegenbewegung rasch in Fluss: Die „Tägliche Rundschau" veröffentlichte einen den grundsätzlichen Standpunkt unseres Verbandes scharf betonendeii Artikel von Or. Blockiert, die „Berliner Börsenzeitung" einen Aufsatz von l)r. Naum min, und Anfang Februar erschien der bekannte Aufruf eines aus h e^st> orragenden Liberalen und Anhängern unserer Bestrebungen zusanimengesetzten A u s s ch u s s e s, der zu der grohen Protest- Versammlung vom 8. Februar im Logenhause führte. Am > Ä>. Febmar setzte sich dann tie „Frankfurter Zeitung" in einem grohen Leitartikel noch einmal mit der ganzen Frage auseinander. Sie bescheinigte gewissen prominenten Angehörigen des Komitees, datz sie „ m i t erstaunlicher Unschuld in das Komitee hineingeschliddert" seien, spöttelte über Herrn Becker, daß ihm derZionismus g e w i s s e r m a h e n eine Angelegenheit der Archäologie zu sein scheine, eine akademische Sache, während er doch heute keineswegs eine humanitäre Bestrebung sei, sondern vor allem Politik. „Ein Politiker, der nicht durch Ressentiments an den nationalen jüdischen Gedanken gebunden ist, könnte auch wissen, daß der heutige Zionismus dem deutschen Juden politisch schädlich und gefährlich ist. Woher kommt es denn, daß' ihre große Mehrheit vom Zionismus nichts wissen will? Diese Juden wünschen durchaus nicht, daß ihnen ein neues Heimatland aufoktroyiert werde, ihnen genügt das deutsche vollständig, und sie sehen die tt o ns e g u e nz e n, die nicht a u s b l e i - bcn ivürden, ivenn der politische'Zionismus die stärkste Richtung des Judentums würde. Sie haben gar nicht die Neigung, sich in ein neues Ghetto sperren zu lassen, mag dieses Ghetto auch bloß die Fornr eines Fremdenrechts an nehmen. Warum sieht dies alles Herr Dr. Becker nicht?*) Und Herrrn Pünder, dem Ehef der Reichskanzlei, gibt die „Frankfurter Zoitung" zu erwägen, was die Amerikaner wohl sagen würden, wenn die dortigen Deutschen erklärten, ihr eigentliches Vaterland sei das Deutsche Reich. Die Zionisten sagten, sie hätten nicht die leiseste Absicht, die Juden, die nicht in Palästina leben, in ihrer staatsbürgerlichen oder sonstigen Stellung zu beeinträchtigen, „lieber diese Naivität mutz man wirklich staunen. Wer wird denn die Zionisten fragen, wenn es ihnen gelingt, die Juden zu einem besonderen Volksttim zu machen? Was dann ,nit den staatsbürgerlichen Rechten geschähe, das würde wahrlich nicht von ihnen, sondern von der zufälligen politischen Konstellation abhängen".*) Bei anderen Angehörigen des Komitees könnten, meint die „Frankfurter Zeitung" schließlich, andere Motive Vorgelegen haben, z. B. diplomatische: man dürfe die palästinische Frage" nii ht allein den Engländern überlassen. Aber die Deutschen sollteil sich hüten, in diese Kolonial-Angelegenheit und dadurch ur die Front des englischen Imperialismus hineingezogen zu werdeii, ganz abgesehen davon, datz man eS doch mißlich nicht verantworten könne, die deutschen Juden, nämlich ihr künftiges Schicksal, daS durch den Sieg des Zionismus entscheidend bestimmt würde, zu einem Klotzen Objekt der „hohen" Politik zu machen. Und zum Schluß betont das Blatt noch' einmal mit aller Entschiedenheit, daß man den Zionismus allenfalls unterstützen könnte, wenn er sich auf -die sozial-wirtschaftliche Seile des Palästina-Aufbaues beschränken wollte. „Der heutige Zionismus in Deutschland ist nicht reif für eine solche Unterstützung, und es fragt sich, ob er es jemals wird." Hätte Dr. Max Naumann in dieser Weise gegen das Pro Palästina-Komitee Stellung genommen, man hätte ihn ") Sperrungen von uns vorgenommen. Die Schristleitung.

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