Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 1-3 (Januar/Februar/März 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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— 5 — Aber unter geschichtlichen Gesichtspunkten betrachtet ist jedes scheinbar abschließende Ergebnis stets nur ein vorläufiges. Auch die heute bestehende Gleichberechtigung kann wieder verloren gehen oder geschmälert werden. Und selbst wenn dieses Schlimmste nicht geschieht, ist damit die Frage, wie wir heutigen deutschen Juden zur nichtjüdischen Umwelt stehen — und dies allein ist die eigentliche Judenfrage —, nicht im mindesten gelöst. Sie wird erst gelöst sein, wenn zur Gleichberecht i g u n g und Gleichachtung auch das natürliche Wohlwollen tritt, daS zwischen Angehörigen der gleichen Volksgemeinschaft der einzig haltbare Kitt ist. Was bezüglich der N i ch t j u d e n in dieser Hinsicht zu sagen tväre, ist genau das gleiche. waS oben bei Würdigung der Widerstände gegen die Durchführung der bürgerlichen Gleichberechtigung gesagt ist. Aber haben wir Juden im gleichen Maße, wie nach der Gleichheit der Bürgerrechte. auch nach der Gleichheit des deutschen Gefühls gestrebt? Könnten wir diese Frage mit gutem Gewissen bejahen, so wäre vielleicht diedeutsche Judenfrage auch heute noch nicht aus der Welt geschafft, aber sie wäre eine Frage von Gruppen und Grüppchen, eine Frage von untergeordneter Bedeutung, keinesfalls eine Frage, die ein ganzes Volk im tiefsten Grunde aufzirwühlen vermöchte. Wir müffen uns zugestehen, daß unsere Väter und Vorväter, die so wacker für gleiches Recht zu kämsifen wußten, nicht mit gleicher Kraft um die Seele des deutschen Volkes gerungen haben. Und um diesen Vorgang zu verstehen, müssen mir die Frage prüfen, was es mit der Abstammung auf sich hat, mit der Theorie vom „Blut", die dem Zionisten ebenso wie dem Teutschvölkischen den Blick auf die Wirklichkeit verengt. So gewiß es eine angeborene Veranlagung gibt, die durch keine oberflächliche „Assimilation", durch kein Nachäffen äußerer Erscheinungsformen unterdrückt, durch kein religiöses, politisches oder sonstiges Schlagwort weggedeutet werden kann, — so ge- Witz ist die Abstammung nicht der einzige, nicht der entscheidende Faktor für die Gestaltung einer Persönlichkeit. Der Mensch ist das Ergebnis der Einwirkung des Willens auf den Stoff. Daß der „Stoff" trotz gleicher Abstammung verschieden sein kann, läßt sich natürlich niemals mit den Mitteln der exakten Wiffenschaft beweisen, aber die Lebenserfahrung jedes Sehenden liefert den Beweis auf Schritt und Tritt. Der Sammelbegriff „Jude", mit dem die Technik der Versammlungsschwätzer und selbst eine kümmerliche Form der „Wiffenschaft" wie mit etwas ganz Klarem, unbedingt Einheitlichem arbeitet, umfaßt in Wahrheit unendlich viele Spielarten, von denen manche nicht das geringste miieinander gemein haben, als das rein verstandesmäßige Bewußtsein der sogenannten Abstammung. Aber wie steht es mit dieser Abstammung selbst? Jeder Blick auf eine beliebig zusammengesetzte Gruppe von Juden, auf eine Vereinsversammlung oder eine Betgemeinde, zeigt uns eine Unzahl grundverschiedener Körpertypen, die auf die allerverschiedensten rassischen Ursprünge deuten. Neben „Arier"-Erscheinungen. die auch den mißtrauischsten Judenriecher täuschen, stehen typische Slawen, Romanen. Semiten und selbst Negergestalten. Wer wirklich sich ein wenig mit diesen Dingen beschäftigt hat, kennt auch den Grund dieser Vielgestaltigkeit. Wir wissen, wie unendlich viel Proselyten-Blut seit den Tagen der Esra und Nehemia, dieser waschechten jüdischvöltischen Rassenfanatiker, in das Sammelbecken des schon damals nichts weniger als „reinblütigen" Judentums geflossen ist. Wir wissen aus den Erfahrungen der'unbestechlichen Wiffenschaft heute, wie untrennbar Körper, Geist und Seele miteinander zusammenhängen, wie alles dies nur Worte find, hergebrachte Benennungen für verschiedene Aeußerungsformen eines Einheitlichen. Wir wiflen schließlich, daß die Umpflanzung von einem Boden in den anderen. daS Maß von Licht und Luft, die Ernährung und vieles anderes jedes Lebewesen im Laufe der Zeit, oft überraschend kurzer Zeit, beeinflußen und. verändern, die Pflanze wie daS Tier, auch daS Tier, das wir den Menschen nennen. Wagen wir es endlich einmal, diese unumstößlichen Erfahrungen auch auf die Menschen anzuwenden, die im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts, hier etwas früher, dort etwas später, auS den engen Ghettomauern herauStraten l Waren daS wirklich die gleichen Menschen, einer wie der andere, nur weil sie alle „Juden" hießen? Alle Möglichkeiten waren in ihnen und unter ihnen, von dem innerlich Freien, deffen Ahnen schon seit Jahrhunderten im Ghetto nicht mehr wahrhaft zu Hause waren. biS zu dem anderen, der die Dumpfheit des KnechtStumS im Herzen trug und auf Kinder und KindeSkinder vererbte, auch wenn diese Abkömmlinge sich dann Eingläser in die Augen klenimten und h;r r d T 'l in i s cit NW fidi icht jene Aufgeklärtheit zur Schau trugen, über die Fritz spottet, sie komme „vom Swinfleisch". In fast allen Verschiedenen aber steckte von Ahnen und Urahnen Wust von wirren Ideen und Gefühlen, Nationales u ligiöses, Freiheitsdrang und stumpfsinnige Gewöhnung bitterung, Gereiztheit und — > Furcht. Vor allem Furcht. Wir i svrachen oben von der der Herzen, von der dem ibachen Bewußtsein verschrei Angst, die manchem Nichijuden den Weg zu den Jutr baut und als Haß oder Verachtung, als kühle Ablehnung pathologisch verzerrte Neigung zu Gewalttaten in die Erscheinung tritt. Seien wir >ehrlich. Die gleiche ' heit, die gleiche Furcht hat auch die au Ghetto befreiten Juden gehindert, mit g Kraft den'Weg zu her deutschen See sty ch e n. Man halte Furcht vor dem „Fremden", Fürder Mühe, die Widerstände und Hindernisse Überwinder Und man maskierte diese-Furcht vor sich selbst, genau die „Unentwegten" von der 1 anderen Seite taten uni noch tun, nur selten als positiv gerichteten Hatz, viel schon als Verachtung,, die ihxe verstandesmäßige Begnf aus der Ueberlieferung deö „auserwählten ,Volkes" vor allem aber als sogenannte Selbstachtung und die um Gottes Willen nicht hen ersten Schritt tun, nn dringlich scheinen, sich nicht1 „anbiedern" wollt». Aul Furcht heraus haben felbst solche Juden, die von angebfr Deutschgefühl bis in die letzten Fasern ihres Wesens ■ drungen waren, sich eine Selbstabschließung auferlegt, Grunde nichts war, als das in die Seele projizierte bild des einstigen Ghetto. Sie haben diese Selbstabschlfe! diese „Fremdheit" auch ihren Kindern anerzogen und sie zäh bewahrt, auch wo vertrauter Verkehr mit kein äußeres Hindernis fand. Niemals haben sie aufgeschlossen, niemals sich ganz hingegeben, stets ha! ängstlich dem „Anderen" kn die Augen gespäht, ob n lehnung, Mißachtung, vielleicht gar verborgener Haß ir aufglänzte. Die innerlich ganz Freien, denen solchel trauen nicht die Unbefangenheit trübte, waren imitz Ausnahmen, bis in unsere Tage hinein. Es gab Juden, denen daS Gefühl des j ü d i V >Nks 1 ums in den Knochen saß, ein echtes, ehrliches daS auch dann unberührt blieb, wenn sie die Staatsh pflichten bis ins Letzte erfüllten, ja selbst wenn sie den tod für das Land ihrer Bürgerpflicht fanden. Es gab ,Juden, deren Mischgefühl aus jüdischvölkischen und völkischen Elementen zusammengebraut war, die Auchd der Zwifchenschicht, die am rührigsten waren äußeren Assimilation, die sich restlos glücklich fühlten man ihnen den Juden nicht ansah, und denen i erst behaglich wurde, wenn sie unter sich die Achseln und Jargonwitzchen austauschen konnten. Und nationaldeutschen Juden, deren Gefühl, uni> Denken sich in nichts von dem der „arischen" Deutschen schied. lieber allen aber, von geringen Ausnahmen stand und! stxht per Leitstern der Furcht, sich prcisznge! Enttäuschungen oder gar Zurückweisungen auszusetzen. Furcht auf seiten der Juden, — F auf seiten der Nichtjuden, das ist Geheimnis der Judenfrage.? Lächerlich, man es von außen her betrachtet, wie jene Kampfszt Shakespeare-Komödie, in der sich zwei Furchtsame geg stehen und jeder den anderen für einen blutdürstigen tot hält. Aber traurig, unsagbar traurig, wenn man gegenwärtigt, wie diese gegenseitige Furcht seit vieler zehnten die Verständigung, das Zusammenfließen des artigen verhindert hat. was unser deätscheS Vaterlani der Ueberreiztheit gelitten hat, die aus dieser Quelle en wieviel kottbare Zeit am Aufball unseres Deutschland Wxise versäumt worden ist. -, Das „Bekenntnis zur eigenen Art" Herr vr. Pollack in der letzten Zeile seines sachlichen Er versteht unter der eigenen Art nur die jüdischvölkisch^ er kennt keine andere, kann als ehrlicher Zionist keine kennen. Es soll uns recht sein, wenn seine Empfirfd genoffen Ernst mit diesem Bekenntnis machen, wenn aufgeben, mit Zwei - Vaterlands - Spielereien und ä! Gauklertum die klare Erkenntnis der wahren Lage zu Aber wir nationaldeutfchen Juden fordexn von den Z daß sie auch uns nicht verwehren, uns zu unserer bekennen und so ehrlich „deutschvölkisch" zu sein, Zionisten ehrlich jüdischvölkisch sein sollten. Was die ~ Reutet diesen ein Re- Verägheit ierten verödet äußere räg - dem lnzer e zu ist vor kann, wie es heute häufiger ndung schöpfte, ürde", aufdieser renem durchs die im Dpiegll ßurg. haben jud^n gapz en Ad ihn m Mi z er i ie ab, e1 Air ■4 re >l schc Gefüifl. ürgirachte randere >eutschqutsch >n in der wenn S dcch heb >n es gjab t ie der m unte rsehen, , sch ler b:n u r d| t d c s weyn ne mübfr {«- v< r Jak r> Gleich unier tssprar g. düse Z!chlü! sch a> >f forde rt fsatzls denn and« re unxs sie hffiliche m trüben, ionisten, Art mte sogenannt:n es >u!ie