Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 1-3 (Januar/Februar/März 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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"m -TT™ Iremde und eigene Art. Grundsätzliche« zur deutschen Iudensrage.'s I. Der Brief eines Zionisten. Dr. Hubert Pollack. Eharlottenburg, 22. Dezbr. 1926. ' An die Redaktion deS Nationaldeutschen Juden. Sehr geehrte Herren! In Nr. 11/l2 Ihres Blattes (Nov./Dez. 1926) wendet sich Herr Dr.i Naumann in einer prinzipiellen Erörterung gegen einen Artikel deS Herrn von'Schilling in der „Deutschen Zeitung^. Die Ausführungen Ihres Herrn Verbandsvor- »sitzenden sind so gehalten, daß sie die Grundlage einer sachlichen. von den Trübungen politischer Polemik freien Diskussion über nationaldeutsches Judentum und Zionismus bilden könnten. Als deutscher Zionist würde ich eS begrüben, wenn Sie diese Gelegenheit benutzen und einer ernsthaften geistigen Auseinandersetzung über unsere beiderseitigen Anschauungen in Ihrem Verbandsorgan Raum bieten würden, einer.Auseinandersetzung, die von der Volksversammlungstribüne nie geführt werden kann, weil sie dort zwangsläufig in platteste Demagogie abgleiten mutz. Ich bitte Sie deshalb um Abdruck deS beiliegenden Artikels und würde mich freuen, wenn er eine sachliche Aussprache einzuleiten vermöchte. Sollten Sie nicht in der Lage sein, meine Ausführung zu bringen, so ersuche ich höfl. um baldige Rückgabe des Manuskripts und Angabe der Hinderungsgründe. Hochachtungsvoll vr. P o l l a ck. II. Nationaldeutsch und Züdischnational. Von vr. Hubert Pollack. Herr von Schilling hat in der „Deutschen Zeitung" als deutsshvölkischer Politiker seine Stellung zur Judenfrage dargelegt; Herr Dr. Naumann hat es im „Nationaldeutschen Judenunternommen. Herrn von Schilling ad absurdum zu führen. Das ist ihm leicht gelungen, da Herr von Schilling im Zirkel schlietzt und der Nachweis dieses Denkfehlers seine ganze Deduktion logisch erledigt. Aber das ist unerheblich. Mit formaler Logik löst man keine Menschheilsfragen, die höchst komplizierte Judenfrage am allerwenigsten. DaS entscheidende Problem, an dem Herr vr. N a u m a n n. wie mir scheint, vorbeigegangen ist, heißt so: Warum argumentiert Herr von Schilling denn eigenti lich im Zirkel? AuS Böswilligkeit? Sie anzunehmen, habe ich so wenig Grund, wie Herr vr. Naumann. Aus MinderwertigkeitSgefühl? DaS ist eine vieldeutig nichtssagende Vokabel, die man erst ein wenig genauer determinieren mutz- Unter Minderwertigkeitsgefühl versteht die Psychologie eine neurotische Störung des Seelenlebens, die individuell recht verschiedene Symptome haben kann. Typisch ist für sie folgendes: Während der von Minderheitsempfindungen freie Mensctz in der Tiefe seiner Seele, in» Unbewußten, sich alles zutraut, und ihm erst der bewußte Verstand die Grenzen seines Könnens zeigt, traut sich der an Minderwertigkeitsempfindungen leidende Mensch nicht einmal daS zu. was ihm sein Verstand als erreichbar angibt. Minderwertigkeitsgefühl ist also ein Grad von Furcht, der über das durchschnittliche jedem Menschen eigene Maß von Furcht hinauSgeht. Ich sage: daS jedem Menschen eigene Maß von Furcht. In der Tat, jeder Mensch fürchtet sich. Wovor? Vor dem, waS er noch nicht kennt; vor dem, dessen Macht und WirkungSmöglichkeit er noch nicht erforscht hat, vor dem Fremden. Man fürchtet das Fremde besonders, wenn eS ein lebendiges, mit einen» — wie man meint — freien Willen ausgestattetes Subjekt, wenn es d e r Fremde ist. Sr ist immer zugleich bospes und bostis. *) Diese Ausiatzfolge kavpft.'an den Artikel „Juden gegen judenvon Mar Raumann in derRov./Dez.-Rummerdieser Zeitschrift (Rc. 11/18 von 1926, E. 10) an. Die Schriftlettung. an) Wer aber ist fremd? ■ DaS ist eine gesellschaftliche Frage, eine Frage der Gruppenbildung. In einem Sportverein ist das Mitglied eines anderen Sportvereins; in einem Geni zweige fremd ist der Angehörige eines anderen Gewerbezw^i in einer Konfession fremd ist der Bekenner einer Konfession; in einem Staat fremd ist der Bürger eines ai Staates: in ein^m Volke fremd ist' der einem anderen Entsprossene. Eine Gruppe kann natürlich die Tatsache Fremdseins dadurch aufheben, daß sie de» Fremden Genoffen aufnimmt. Die Ausnahme ist ein Willensaki Aufnehnienden, nicht *deS Aufzunehmenden, die Frage Fremdheit ist mithin eine Frage der Majorität, eine Macht Sind die Juden in Deutschland Fremde? Ja und Vor der Emanzipation waren sie es de facto und <Ie Sie waren Volksfremde und Staatsfremde. Die—jüh Religion war eine nationale Religion, welche die vol Sonderung durch Hunderte von befolgten Gesetzen erzi^ Durch die Religionsreform und die bewußte Aufnahme ' scher Kulturelemente änderte sich das bis zu einem ge Grade: die nationale Sonderung wurde erheblich ger Und so emanzipierte man denn die Juden — bis zu gewisien Grade. Man machte sie zu Staatsbürgern, fremde blieben sie dennoch bis auf den heutigen Tag fl breiten Schichten des deutschen Volkes, einschließlich „internationalen" Proletarier. Wirklich? Gibt es nicht gebildete Deutsche, die den in deutscher Kultur erzogenen für national vollwertig erklären? Tut nichlsl Der ivmb; »beiges; eren idereu Volke des als, des der rage, nein, jure. ische skliche ang. deuttpissen "ger, i mein Volksr die der gepug Juden Jude >alize ache eine E S) ri lvird verbrannt! Denn der Jude ist ein Typus. Repräsentant einer Gnippe von Menschen, die über die Welt zerstreut und doch — trotz Verschiedenheit der — in den Augen der Nichljuden eine Einheit ist. Gewiß, konfessionelle. O nein. Im Osten, in den Randstaaien/H »len, Sowjet-Rußland, Ungarn und Rumänien, wo ca. 7,4 Millipi in den Vereinigten Staaten, wo ca. 3.8 Millionen Juden sind sie bewußt eine nationale Gruppe und werden auck der Umwelt — einschließlich der Sotvjet-Regierung! — solche betrachtet. Zu diesen Juden gehören nach der Mesi deS Durchschnittsdeutschen natürlich auch die Juden in De land. Denn warum sollte die Sorte Mensch, welche „Juden" nennt,/im Osten und in Amerika eine Volksgepr schüft, in Deutschland dagegen nur eine Konfession sein? will dem Mann auS dem Volke nicht in den Kopf, kommt noch der seit mindestens einem Jahrtausend dem schen anerzogene und von Generation zu Generation trat» Abscheu vor allem, waS jüdisch heißt, und schließlich die mancher atypischen Erscheinungen in der Regel unverkensi somatische Verschiedenheit des jüdischen Menschen vom scheu. DaS Zusammenwirken dieser Momente hat dazu ge daß die überwiegende Mehrheit der Deutschen dm Judetr genüber ein Fremdheitsgefühl hat. Wohl gemert, Gefühl. Der bewußte Verstand wird oft genug anders scheiden. Aber die Bildung der Volksgemeinschaft ist kein > gelegenheit des schematisch ordnenden und mechanisch verknüp den Verstandes, sie ist Sache des organischen Wachstums Gefühlsbindung. Darüber dürfte Einhelligkeit in der modf 'Soziologie bestehen. Diese Gefühlsbindung an die Juden dem deutschen Volk in seiner überwiegenden Mehrheit. Des erkennt es sie nicht alS Volksgenoffen an,- sondern ordne einer anderen ethnischen Gruppe ein, dem jüdischen Volk. Juden sind daher objektiv Volksfremde, denn das deutsche will sie nicht alS Volksgenoffen nufnehmen. Dem Fremden, so sahen wir, steht man mit Furcht giegenüber. Tut dies schon das Individuum, so tut es erst reck t die Gruppe. denn Furcht ist einer ihrer wesentlichsten Entsteh mgsgründe und Aeßerung 'des aus der Furcht erwachsenen Mißtrauens eine ihrer wesentlichsten Funktionen. Und so steht denn die ethnische Gruppe, die man daS deutsche Volt l mnt, der ethnischen Gruppe, welche man das jüdische Volk rennt, mit mißtrauischer Furcht gegenüber. DaS ist eine durchaus normale, gruppenpsychologisch selbstverständliche Sache, leber siezu rechten, hätte gerade soviel Sin», wie der Roft ihre Dornen vorzuwerfen. Herr von Schilling mrchtet als Deutscher die I»' die ihm fremd sind. Deshalb darf nach seiner Ansicht einziger Jude in deutschen Angelegenheiten mitreden, nen, > eben, von als »mg itschsich ein- Das Dazu Deutierte tcoy bare deutührt, geein ent- Anfender rnen fehlt halb t sie Die Volk iden, kein und